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Der Israelit · 1861-04-10 · Heft 15 (10.4.1861) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 15 (10.4.1861)
Date
1861-04-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Herrn vr. Frankel privatim zu reden. Im Januarj hefte seiner Monatsschrift», das wir erst dieser Tage : erhalten haben, befindet .sich ein Rückblick auf daverflossene Jahr; in ihm wird in anerkennenswerthej ster Weise der sogenannten Reform im Judenthum! entgegengetreten und die Wahrheit ausgesprochen: j von dieser Seite kann dem Judenthume weder Heil noch Haltbares erwachsen. Run aber fährt Herr Fr. fort: „Mso vielleicht von der andern Seite, wo : jeder nur irgend fromme Brauch als wichtiger Facj tor des Religionsgebaudes betrachtet wird? — § Zweierlei ist hier in Erwägung zu ziehen. Das! Zudenthum, wie es in Mischna und Talmud vor-! liegt, gestattete Gehcimlehre und Symbolik keinen! Einfluß auf die religiöse Gestaltung: von den ältesten Lehrern ab, die der Forschung über Maase Merkaba oblagen — wir erinnern an N. Jochanan ben Sacear und seine Schüler — bis zu den spätesten mit Hilchoth Jezira sich beschäftigenden Talmudautoren wurde nie eine Verbindlichkeit aus einer Geheimlchre abgeleitet, noch durch eine symbolische Deutung irgend eine religiöse Verpflichtung aufgelegt. Die Gesetze sprechen nicht in Symbolen und Zeichen, sondern in schlichten offenen Worten. Den Brauch, der nicht selten Mißbrauch, durch Symbolik zum frommen erheben ist eine Verkennung des In denthums; in den Gesetzen Symbole erblicken eine höchst schädliche, in ihren Consequeuzen zum endlichen Abfälle führende Verirrung. Es genüge, ans die alexandrinische Schule und deren Vertreter hinzuweisen, die dem Gesetze durch Symbolisiruüg tiefe Achtung zu zollen vermeinten, bis ihnen zuletzt das i Symbol als; nutzlose Form, das Gesetz als todtcr Körper erschien, und sie sich schließlich, wie bekannt, ganz vom Judenthum lossagten. — Es wird aber auch viel Unwesentliches mit dem frömmsten Eifer verthcidigt, weil cs für wesentlich gehalten, weil nicht auf die Quelle zurückgegangen wird. Es macht einen schmerzlichen Eindruck, wenn der faule unwissende Glaube sich zum Vertreter des Judenlhums auszmvcrfen vermeint. Der Glaube wird mit noch so prunkenden von außen abgesehencn Redensarten weder gehoben noch befestigt; der Lcbcnskcrn des Judenthums ist Wissenschaft und wissenschaftliche Auffassung; wem diese Befähigung adgehet , der kann »ach einem alten mischnischen Spruch (Abot 2, 5) sich nicht zu der Hohe echter Frömmigkeit erheben. Den Mangel an Wissen oder die Scheu, sich in die Tiefen des Wissens zu versenken, durch fromme Acnßerlichkeiten verhüllen, kann nimmer dem Glauben förderlich sein." WnS Herr Fr. mit diesem „Zweierlei" meint, ist ziemlich deutlich. Aber die Characterisirung der orthodoxen Richtung beruht auf falschen Voraussetzungen und sichtlichen Entstellungen. ES fällt Niemandem ein, durch Symbolik religiöse Verpflichtungen anflegen zu wollen. Die Gesetze aber zu symbolisiren, das haben wir von den größten Lehrern des JudenthumS gelernt, von den L--N2.1 '221, oder was ist cs anders als ein Symbol, wenn wir im ^112 lesen: 2^'- .1121-1 zirvr ^121 und so an unzähligen Stellen*)! Die Anklage des Herrn Fr.: „eine höchst schädliche, in ihren Consequeuzen zum Absalle führende Verirrung" ist also gegen unsre Tanaim und Amoraim gerichtet! Es ist das sonnt eine Lästerung, die Gott dem Herrn Fr. verzeihen möge. Was nun den „faulen, unwissenden Glauben^ . betrifft, dem die wissenschaftliche Befähigung adgehen soll, so daß er von .-,"p prr 2222 sein soll, so ist das eine so horrende Anmaßung nicht allein den lebenden talmudischeu Größen gegenüber, sondern auch den bereits verstorbenen jüdischen Geistesheroen, die im rü-21 '-»21 (Rabbi. Akiba Eger, R. Mosche Safer,-N. Herz Scheuer rc., die 40 größten Männer ihrer Zeit, an die Herr Fr. trotz aller Wissenschaftlichkeit noch lange nicht hinanragt) das ^mft dem frömmsten Eifer" verthcidigt haben, was Herr Fr. „viel Unwesentliches" nennt, daß wir eigentlich darüber kein Wort verlieren sollten. Meint denn Herr Frankel wirklich, daß von diesen Vertheidigern nicht ans die Quelle zuruckgegangen wird? . oder was versieht Herr Frankel unter „Quelle?" Wir verstehen darunter: Mischna, Gemara, Nischouim, Acharonim, Teschnboth u. s. w. Freilich gehen wir nicht wie ein Schüler des Breslauer Seminars aus Hieronymus zurück, um schwierige Stellen beider Talmude zu erklären, aber wir glaube» auch nicht, daß Herr Fr. „die Kirchenväter" als eigentliche Quelle bezeichnen will. Es mag uns hier versieh, Eucka -15^-, Mtkachoth 27»', 43"' re. Ik.

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