Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 29 (19.7.1918)
- Date
- 1918-07-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2g JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 * Vorbereitungsarbeit für Palästina. Vor kurzer Zeit wurde in Petersburg eine Gesellschaft für das „Wirtschaftliche Aufleben Palästinas“ gegründet. Unter ihren Mitgliedern befinden sich viele angesehene Fachmänner. Finanzmänner. Ingenieure. Agronomen. Juristen und Mediziner. Die Gesellschaft zerfällt in zwei Abteilungen, eine technische und eine agrikulturelle. erstere unter dem Vorsitz von I. Kassel, letztere unter dem Vorsitz des bekannten Agronomen Dozent B. Bruzkus. Die technische Abteilung besteht aus vier Sektionen: für Bauwesen, für Elektrotechnik, für Verkehr und für Industrie. In dieser Abteilung werden jetzt Projekte ausgearbeitet wegen Bau von Kleinbahnen, der Ausnutzung der Wasserkraft des Jordans und auch über die Anlage eines Kurhotels. Die agrikulturelle Abteilung wird sich der Bewegungsfrage widmen, welcher die Fachleute eine besondere Wichtigkeit beilegen. Das Mitglied des großen A.-C. Boris G o I d b e r g hat ein ausführliches Programm der Gesellschaft vorgelegt. Die Gesellschaft soll die Küstengebiete mit Wäldern bepflanzen, Bahnen und Hafenanlagen bauen, Wasserleitungen und Tramways, elektrische Beleuchtung. Telephon, einen Dampferverkehr zwischen den Hafenstädten des Schwarzen Meeres und Palästina schaffen. Es wurde eine interimistische Kommission als Leitung gewählt. Auf einer Sitzung dieser Kommission wurde beschlossen, eine finanzwirtschaftliche Abteilung zu schaffen, welche die technischen Projekte vom wirtschaftlichen Standpunkt zu prüfen und die erforderlichen Geldmittel zu beschaffen hat. Die Gesellschaft bereitet auch die Herausgabe einer Zeitschrift vor. Polen * Die Geburtenzahl in Warschau. Die polnische Presse hat wiederholt, wenn die amtlichen Statistiken des Warschauer Magistrats erschienen, mit Besorgnis darauf hingewiesen. daß die Geburtenzahl der Juden in Warschau die der Christen andauernd bei weitem übertreffe und hat im Anschluß daran lebhafte Befürchtung für die Wahrung des polnischen Charakters der Hauptstadt geäußert. Eine der jüdischen Warschauer Zeitungen veröffentlicht nunmehr zum besseren Verständnis der städtischen Statistiken folgendes: Die Statistik gibt dadurch ein völlig falsches Bild der Lage, daß die als ..geboren“ eingetragenen Juden bei weitem nicht alle in der Zeit geboren sind, über die die Statistik berichtet. Die standesamtliche Eintragung der Geburt war zu russischer Zeit für die Juden ungemein umständlich, mußte bei einer ganzen Reihe von Instanzen und Beamten besorgt werden und damit waren erhebliche Kosten verknüpft. Infolgedessen hat ein bedeutender Teil der armen jüdischen Bevölkerung die Kinder nicht in die Geburtsregister aufnehmen lassen. In der gegenwärtigen Zeit kommt man aber für Unterstiitzungszwecke, Ehebeurkundungen und sonstige Akten und Dokumente nicht mehr ohne Geburtsschein aus. Daher nun lassen sich vielfach Eltern, sogar Großeltern zusammen mit Kindern oder Kindeskiridern in die Geburtsregister der jüdischen Gemeinde aufnehmen. Wie hoch der Prozentsatz dieser „Geburten“ ist. geht daraus hervor, daß die Magistratsstatistik für Warschau im Jahre 1917 9070 jüdische Geburten angibt, während nach den Rabbinatsbüchern in diesem Jahre tatsächlich nur 4512 jüdische Kinder geboren sind. Mehr als die Hälfte der als „geboren“ Registrierten waren also erwachsene Leute. Rumänien * Vor dem Judengesetz. Das K. B. verbreitet folgende Depesche aus Bukarest: „Der Ministerrat beschloß, die Judenfrage auf breitester Gruridlage zu lösen und den etwa Benachteiligten das Recht der Berufung an den Obersten Gerichtshof zuzugestehen. Bei Erbringung der vorgeschriebenen Nachweise wird den das Staatsbürgerrecht anstrebenden Juden weitgehendes Entgegenkommen bekundet werden.“ — Diese Meldung ist keinesewgs geeignet, beruhigend zu . wirken. Da die Formel des ominösen Art. 28. wie offiziell mitgeteilt wurde, auf dem Vorschlag der rumänischen Regierung beruht, so ist es immerhin auffallend, daß die Regierung bei der natürlichsten und selbstverständlichsten Sache der Welt zuerst allerlei „Nachweise“ vorschreibt, wenn sie anderseits zu „weitgehendem Entgegenkommen“ bereit ist. Die Gleichberechtigung der Juden darf aber nicht vom Gutdünken oder Wohlwollen eines Beamten abhängen. sie muß. entsprechend der Verpflichtung Rumäniens gesetzlich erfolgen. als Angelegenheit der Gesetzgebung, nicht der Verwaltung. Noch einmal haben die Zentralmächte Gelegenheit, einzuwirken, bevor das rumänische Judengesetz erlassen wird. Sollte dieses nicht voll befriedigend sein, wird die Frage als internationale offen und ungelöst bleiben, — Die Haager „Nieuwe Courant“ schreibt: „Marghiloman hat mit keinem Wort die Emanzipation der Juden erwähnt. Soll sie wieder auf die lange Bank geschoben werden?“ Auch andere neutrale Blätter geben ihrer Enttäuschung s über das Verhalten Rumäniens Ausdruck. Frankreich * Prof.'Henri Bergson dementiert in „L'Univers isr.“ die Nachricht, daß er sich entschlossen habe, an der neu zu gründenden Universität Jerusalem zu lehren: er sei viel zu viel mit der Universität Paris verwachsen, als daß er sie ie verlassen würde. Amerika “ Die Zahl der Juden in den Vereinigten Staaten von Nordamerika beträgt nach dem „Jüdischen Jahrbuch“ von 1917 über 3 Millionen. 3 Prozent der Gesamtbevölkerirng. Die bedeutendsten jüdischen Gemeinden sind New-York mit 735.000. Chikago mit 25.000 und Philadelphia mir 145.000 Seelen. Aufruf! Seitdem vor mehr als einem Jahre infolge der militärischen Ereignisse Jaffa und Südnalästina evakuiert werden mußte, irren die Vertriebenen von Ort zu Ort. Die Not und das Elend sind unbeschreiblich. Die Preise der Lebensmittel sind unerschwinglich, grausamer Hunger herrscht im Lande; Seuchen. Krankheiten aller Art. sowie die Sterblichkeit haben einen noch nie dagewesenen Grad erreicht. Unzählige Waisenkinder sind der Verwahrlosung ausgesetzt. Die Spitäler sind überfüllt. In dem okkupierten Teile Palästinas entfalten die englischen und amerikanischen Juden ein großzügiges Hilfswerk. Der Norden bedarf der Hilfe der deutschen und österreichischen Juden. Die Berichte, die zu uns gelangen, sind herzzerreißend. Kinder und Frauen. Alte und Kranke gilt es zu retten: die Pioniere jüdischer Arbeit dürfen in der Not nicht verlassen werden. Eine schleunige Bereitstellung großer Geldsummen ist erforderlich. Wir wenden uns an die jüdische Oeiientlichkeit Oesterreichs und bitten, und durch schnelle und freigebige Spenden eine ausreichende Hilfeleistung zu ermöglichen. Israeltische Allianz in Wien. II... Untere Donaustraße 33. Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Verband der Israelitischen Humanitätsvereine B‘ne B‘rith in Oesterreich. Exekutivkomitee der Zionisten Oesterreichs. Wien II.. Zirkusgasse 33. Beiträge ersuchen wir an das Bankhaus S. Al. v. Rothschild. I.. Renngasse 3. mit dem Vermerk „Für die Evakuierten in Palästina“ zu senden. Christlich-germanische Kultur Zu Beginn des Krieges hat man die Juden der Kriegshetze beschuldigt. Das internationale Judentum hat diesen Weltbrand entfacht, um seine Suppe daran zu kochen. Jetzt, nach vier Kriegsjahren. beschuldigt man sie der Flaumacherei und Agitation für einen faulen Frieden. Der ganze Ingrimm der alldeutschen Annexionisten und Kriegsverlängerer lastet auf ihnen. Das äußert sich darin, daß alle von der deutschen Schwerindustrie gekauften Organe in wüstem Antisemitismus machen, wie z. B. in Deutschland der „Simplizissimus“ und die „Jugend“. Diese Blätter, die ehedem den Anspruch erheben konnten, als Zierden des deutschen Schrifttums zu gelten, sind heute auf das Niveau hurrapatriotischer und antisemitischer Sudelblätter gesunken. Die gleiche Erscheinung können wir in Oesterreich an der Wiener JM u s k e t e“ konstatieren. Auch dieses Blatt war vor dem Kriege ein erstrangiges Organ. Heute bildet jede Nummer eine Sammlung stumpfsinniger und unflätiger Verhöhnung aller Kriegsgegner, aller Demokraten und — natürlich — der Juden. Nachstehend sei die Blütenlese einer einzigen Nummer gebracht: Die galizische Frage. „Nu. Jainkef. hast du dir schon überlegt, ob du wirst bleiben ä kaisertreuer Deutscher oder ä königstreuer Pole?“ — „Wie heißt? Kann ich schon Voraussagen. mit wem ich werd‘ machen das bessere Geschäft?“ Briefkasten: Nebbich. Ein Wiener Blatt stößt bei der Nennung der „Deutschnationalen sozialistischen Arbeiterpartei“ den Schreckensruf aus: „Was ist denn das?“ — Das sind jene Arbeiter, die intelligent genug sind, um zu erkennen, daß die internationale sozialistische Parteileitung für die politischen und finanziellen Interessen der Alliance israelite arbeitet und daß sämtliche jüdischen Barone und Börseleute nicht um der schönen Augen der nichtjüdischen Arbeiter sozialdemokratisch wählen. Tausende galizische Juden sind im Kriege gefallen und Tausende wurden von den zaristischen Banden grauenvoll ermordet, weil sie Oesterreich nicht verraten wollten. Der vom Militärdienste enthobene Hinterlandslumo von der „Muskete“ kann sich davon überzeugen. Er braucht nur die österreichischen Soldaten zu befragen. welche in den ersten Kriegsiahren in Galizien gekämpft und in den galizischen Juden, in den J a i n k e f f s. die treuesten Helfer gefunden haben. Die „Muskete“ ist freilich besser dran wie der Jainkeff. der aufs bessere Geschäft noch warten muß. Sie hat es schon gemacht. Der Schekel ist der Grundstein der zionistischen Organisation. Die Zahlung des Schekels (K 2.—) ist das erste Bekenntnis zum Zionismus. Entgegennahme im Zion. Bureau. W’ien, IL Zirkusgasse 33. Wiener Nachrichten Gründung des Verbandes der Angestellten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Ein schon seit langem gehegter Wunsch der Angestellten der Wiener Kultusgemeinde ist durch die vor kurzem erfolgte Gründung des „Verband der Angestellten der israelitischen Kultusgemeinde Wien" in Erfüllung gegangen. Im Sinne der von der Statthalterei genehmigten Statuten ist diese Organisation dazu berufen, die sozialen und wirtschaftlichen Interessen der Angestellten der Kultusgemeinde zu wahren und zu fördern. Die gewählte Verbandsleitung hat im Einvernehmen mit den einzelnen Sektionsleitungen bereits ein ausführliches Arbeitsprogramm ausgearbeitet, dessen Durchführung geeignet erscheint, viele bisher bestehende Mängel in den Existenzbedingungen der Beamtenschaft zu beseitigen. Zu dem weiter unten folgenden Ergebnisse der Wahlen in die Verbandsleitung sei bemerkt, daß zum Obmann der Verbandsleitung Herr Rabbiner Dr. Grunwald gewählt worden war. daß dieser jedoch die Delegierten ersuchte, von seiner Wahl abzusehen. ” worauf dann über seinen Vorschlag die weiterhin angeführten Personen in das Präsidium des Verbandes gewählt wurden. — In die Verbandsleitung wurden folgende Funktionäre gewählt: a) aus der Sektion der Beamten: Adjunkt Jakob Krausz. Adjunkt Oskar Mautner. Oberoffizial Heinrich Holzer. Oberoffizial Moritz Ungar: b) aus der Sektion der Religionslehrer: Benjamin Fuchs. Hermann Ascher. Oberlehrer: c) aus der Sektion der Synagogensänger: Dr. Leo Lemport: d) aus der Sektion der Diener: Markus Lichtenstern. Elias Springer: e) aus der Sektion der Rabbiner: Dr. Max Grunwald: i) aus der Sektion der Kantoren: I. Kantor Matthias Mathvas: g) aus der Sektion der Schächter und Fleischbankaufseher: Bernhard Weiss. Das Präsidium des Vereines setzt sich wie folgt zusammen: Obmann: Jakob Krausz. XIX.. Brechergasse 9. I. Obmann-Stellvertreter: Dr. Max Grunwald. II.. Ferdinandstraße 23. II. Obmann- Stellvertreter: Benjamin Fuchs. II.. Kronprinz Rudolfstraße 10. Kassaverwalter: Oberoffizial Heinrich Holzer. I.. Graben 30. Schriftführer: Oberoffizial Moritz Ungar. II.. Castellezgasse 2. Rechnungsrevisoren: Oberoffizial Salo Lemberg e r. Offizial Richard Kaiser. Schekeltag in Wien. Die Sektion II des Zionistischen Zentralvereines veranstaltet Sonntag, den 21. Juli, einen großen Schekeltag. Es finden 6 'A Uhr abends drei Versammlungen mit Reden der Herren Dr. Plaschkes. Dr. Tisch. Taubes. Stand. Dr. Weiner u. a. statt: I. Im großen Saale des Hotel „Bayerischer Hai“. II.. Taborstraße 39. II. Im Theatersaale des Hotel „Arco“. II.. Rote Sterngasse 7 a. III. Im Versammlungssaale des „Goldenen Schifi“. XX.. Treustraße 74. Zionisten! Werbet eifrig für den Besuch dieser Versammlungen! Zionistisches Armenambulatorium. Dem soeben durch den administrative» Leiter k. k. Reichsratsrevisor Rudolf Taussig zur Versendung gelangenden XXXII. Tätigkeitsberichte des Armenambulatoriums des Zionistischen Zentralkomitees für Kriegsflüchtlinge. (Vien II.. Taborstraße 20 a. entnehmen wir nachstehende Daten: In der Besuchszeit vom 8. April (vom 23. März bis 8. April blieb das Ambulatorium wegen der Osterfeiertage und Adaptierungsarbeiten geschlossen) bis 30. Juni 1918 wurden behandelt in der Ambulanz für: Augen 632. Chirurgie 476. Frauen 1103. Nase und Kehlkopf 496. Hautkrankheiten 252. Interne I 956. Interne II 259. Interne III 1201. Interne IV 344. Kinder I 189. Kinder II 102. Ohren 193. Orthopädie 26 (infolge .Wiedereinrückung .des Ordinarius Dr. S. Steiner wiedereröifnet). Zusammen 6497 Patienten: seit Bestand des Ambulatoriums 126.872 Patienten. Zionistischer Frauenverein. Sonntag, den 28. Juli 1918 um präzise halb 11 Uhr vormittags findet im Theater „Neue Wiener Bühne“, IX. Wasagasse, eine Wohltätigkeitsmatinee statt. Einleitende Worte in deutscher Sprache. Zur Aufführung gelangen in jüdischer Sprache, dargestellt von Mitgliedern der „Jüdischen Bühne“, „Zyrikgekimen“ von Schalom Asch und „Menschen" von Schalom Alejchem. Die Aufführung einiger hervorragender Bühnenwerke der jüdischen Literatur im Rahmen eines modernen Theaters gibt hier auch Fernstehenden Gelegenheit, diese jüdische Produktion nach Wert und Eindruck unbeiangen auf sich wirken zu lassen. Kartenvorverkaui: Tageskasse der „Neuen Wiener Bühne“, Buchhandlung Löwit, I. Rotenturmstraße 22, Zionistisches Bureau, II. Zirkusgasse 33. Hebräische Ferialkurse. Jüdische Jugendliche. welche beabsichtigen, während der Ferien an Hebräischkursen teilzuuehmen. mögen schriftliche Anmeldungen an das jüdische Jugendheim. II- Obere Donaustraße 91. richten. Es ist anzugeben: 1. ob der Reflektant!in) Aniänger oder vorgeschritten ist: 2. ob entgeltlicher oder unentgeltlicher Unterricht gewünscht wird. Abschluß der Anmeldungen 23. Juli. Jugendwanderungen. Jüdische Jugendliche, welche an zwangslosem Wanderungen teilnehmen wollen, treffen sich Sonntag, den 21. d. M„ pünktlich um 2 Uhr beim Liebenbergdenkmal. Route: Sievering. Dreimarkstein. Hameau. Kahlenberg. Vortrag Dr. Lander. Am 13. d. M. fand im Cafe Roten Turm ein interessanter Abend statt, der von der Sektion II des Zionistischen Zentralvereines veranstaltet war. Herr Dr. Fr. Lander aus Kiew, einer der bekanntesten Funktionäre des