Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 29 (19.7.1918)
- Date
- 1918-07-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Mr. 29 cDiOBoaoaoBoaoioBoaoao RUNDSCHAU Jüdische Intervention in Rumänien. Aus Berlin wird telegraphisch gemeldet: Dr. Hantke und Dr. Nathan haben sich am 15. Juli nach Rumänien begeben. um mit den dortigen Juden sowie maßgebenden rumänischen Persönlichkeiten in Angelegenheit der bevorstehenden gesetzlichen Regelung der rumänischen Judenfrage Fühlung zu nehmen. Seit Monaten ist sowohl das Zionistische A. C. wie auch die ..Viod“ bemüht, auf eine umfassende Regelung dieser Frage hinzuwirken. Es ist zu hoffen, daß die Reise genannter Herren nach Rumänien, wo sie sich an Ort und Stelle vom Stand der Dinge überzeugen und mit allen in Betracht kommenden Kreisen mündlich Rücksprache nehmen werden, zu günstigen Resultaten führen wird. _ s Inland * Taufschein erforderlich. Die k. k. Preisprüfungskommission in Sambor schreibt offiziell einen Konkurs für Stellen aus, für welche der Taufschein erforderlich ist. Der Konkurs ist in polnischen Blättern als Inserat vom 9. Juli publiziert. — Ein Einschreiten gegen diese offenkundige Rechtsverletzung seitens amtlicher Stellen wäre dringend geböten.' ' " * Hummers Glück und Ende. Der Abg. Hummer ist aus dem Nationalverband „ausgetreten“. Er war einer der Hauptschreier und antisemitischen Agitatoren, dabei einer der ersten Wortführer des Nationalverbandes. Jetzt hat er sich auf bessere Geschäfte besonnen. Man sieht, die teutonischen Edelmänner, die Gift und Geifer gegen die „schachernden Juden“ speien, verstehen das verachtete Metier auch ganz gut. — Vielleicht kommt bald auch der „arische Gurkenhändler“ Teufel an^die Reihe, der heute Ministerprotektor ist? * Natürlich, der Jerzabek. Er hat sich ausgezeichnet, gleich in der ersten Sitzung des Abgeordnetenhauses. Dieser Mann will doch auch eine Daseinsberechtigung haben. Zur Erhöhung des Niveaus des österreichischen Parlaments trägt er ohnedies nicht bei. Seine ganz unqualiaussicht verzögern und verbiegen würden. Wir müssen ferner trachten, allen Kräften Wege zu bahnen, die eine solche Entwickelung herbeizuführen nach menschlicher Voraussicht imstande sind, und wir müssen schließlich mit Erziehungseinrichtungen und mit Erziehung beginnen, die uns heute schon möglich ist, die schon in der Gegenwart die Zukunft einschließt. Wir brauchen eine Körperschaft, die alle jene Menschen und Tendenzen zusammenfaßt, welche auf ein autonomes, eigenartiges, wirklich jüdisches Erziehungswesen hinarbeiten, und wir müssen diese Körperschaft ausstatten mit so viel Mitteln als wir ihr zu geben vermögen und als sie braucht, um ein einheitliches jüdisches Erziehungswesen zu schaffen, das die ganze Jugend der jüdischen Nation, im Sinne dieser Nation, ihrer Gegenwart und ihrer Zukunft erfasse. Eine solche Körperschaft, etwa „Jüdischer Erziehungsrat für Österreich“ genannt, hätte in unserem Lande die Aufgabe, in Oesterreich zu verwirklichen, was von den gesamten jüdischen Zielen und Idealen liier verwirklicht werden kann und muß. Dieser Erziehungsrat, dem in jedem Lande, wo Juden wohnen, die parallele Institution zur Seite stünde, hätte die oberste Spitze in dem „Allgemeinen jüdischen Erziehungsrat“, von dem aus vereinheitlichende und normierende Wirkungen in alle Länder der Diaspora hinausgehen müßten. Dabei käme es nur auf das eine, darauf aber unbedingt an, daß wir die Kraft hätten, eine nicht bürokratische, sondern eine wirkliche Autorität einzusetzen und zu er-, tragen. Zeitschriftenschau „Moriah“. Monatschrift der jüdischen Jugend. (In polnischer Sprache.) XIII. Jahrgang. Wien— Lemberg. Juni 1918. Heft 9 ist soeben erschienen << fizierbaren und dummdreisten Schimpfereien wurden von den. jüdischen Abgeordneten mit entsprechenden Zwischenrufen beantwortet. Es ist wahrhaftig ein Jammer um Oesterreich. Immer wieder blamieren lind schänden die Leute, die sich als „treueste' Patrioten“ aufspielen, den österreichischen Namen in der Welt. * Der neue Herr von Wien. Der populärste Mann in Wien wird bald der Landesausschuß Kunschak sein. Er hat mit ernem allerdings nicht besondere Begabung voraussetzenden Scharfblick erkannt, durch welches Mittel man heutzutage wirken kann und die Massen von Wien begeistert. Wie einst sein großes Vorbild Dr. Lueger im entscheidenden Moment herausfand, daß man nur einige geflügelte Wprte gegen die Juden in die ■Versammlungen werfen muß. um sich selbst auf diesen Fittichen in die Höhe zu schwingen, so hat der Kunschak die Judenhetze schon geradezu zu einer Grammophonplatte verarbeitet, die er bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit spielen läßt. Wenn z. B. von alldeutscher Seite antidynastische Gerüchte in Oesterreich verbreitet werden.- so hält Kunschak eine patriotische Rede und hält diesen Anlaß für geeignet, um infame Hetzereien gegen die Juden mit der albernen Beschuldigung vorzubringen, daß der Kriegswucher eine jüdische Erfindung sei. In dieser Huldigungsversammlung für das Haus Habsburg bricht dann die ganze fanatisierte Menge in den. orgiastischen Ruf aus: „Nieder mit den jüdischen. Wucherern!“ Durch solche Mittel sucht man die Aufmerksamkeit von der Stelle abzulenken, von der in Wahrheit die Gerüchte ausgestreut wurden.—Ein andermal wieder spricht Kunschak von 2500 christlichen Arbeitern. preist die großen Leistungen der Bauernschaft (die natürlich vom Kriegswucher weit entfernt ist) und kommt dann wieder zu seinem Judengrammophon. Die Juden sind nicht nur Kriegsgewinner, sondern auch „Frondeure“, und wieder einmal zeigt sich das traurige Bild, wie die „Arbeiter-Zeitung“ eine fruchtbare Ouelle für christlichsoziale Demagogie wird. Denn die ..Arbeiter-Zeitung“ hat gelegentlich der Ausstandsbewegung die ..Jünglinge aus dem Osten“, was Kunschak richtig mit Juden übersetzt, denunziert. Und so gellt es weiter. Sogar die Rohö wird als bevorzugtes jüdisches Instrument bezeichnet. Das alles hören die Wiener gerne und klatschen frenetischen Beifall. Auf diese Weise ist Kunschak plötzlich der große Manu geworden und hat eine große Zukunft. , * Noch ein deutscher Volkstag. An die Reihe der jüngst abgehaltenen, für das deutsche Volk äußerst ruhmreichen. ..Volkstag“ genannten Veranstaltungen reiht sich der deutsche Volkstag in Bruck a. M. würdig an. Auf diesem Volkstag. über den die Grazer Blätter in spaltenlanger Ausführlichkeit berichten (auch die liberale „Tagespost"), trat als erster Redner der Probst von Bruck, Prälat Dr. Franz Schell auf. auf. um gegen die inneren Feinde des deutschen Volkes Stellung zu nehmen: ..Nach begeisterter Schilderung alles dessen, was das Wort'„Volkstum“ birgt, schilderte er die Anstrengungen des Judentums, unser Volkstum zu vergiften und. zu verderben, um die Herrschaft in der Welt zu gewinnen. Welcher Mittel sich das Judentum hiezu bedient, legte der Redner an -der Beherrschung von Presse. Börsen und Kunst durch das Judentum dar. Der Bauer widerstehe dem Judentum am kräftigsten. Die Sozialdemokratie sei ein Kind des Judentums. Das russische Beispiel sei hinlänglich Warnung. Er mahnte, über den äußeren Feinden der inneren nicht zu vergessen und pries das Beispiel der ■ Einigkeit, das in der letzten Zeit die deutsche Studentenschaft, in Wien und in Graz gegeben habe. Wenn wir einig sind, sichern wir dem deutschen Volke in. Oesterreich die gebührende Stellung, ist Oesterreich nicht verloren, dann, lieb1 Vaterland, magst ruhig sein! (Stürmische Heilrufe. Der wackere Priester wird vielfach beglückwünscht)“ — Dies entnehmen wir wörtlich dem Berichte. Lieb* Vaterland, magst ruhig sein. und hat folgenden Inhalt: 1. Martin Bub er: Zion und die Jugend. 2. Max Rosenbusch: Ueber den zionistischen Romantismus. 3. Ernest Theodor Breiter: Bar-Kochba (Gedicht). 4. Julian Rottersmann: Wohin der Weg? 5. Eliezer Ri eg er: Die Wiedergeburt der Kraft. 6. Isachar Reiss: Ueber die Schomrim-Bewegung. 7. Wilhelm Berkelhammer: Ueber das Programm der jüdischen Jugendbewegung. 8. Rundschau. 9. Bibliographie. 10. Neue .Bücher. Als Beilage: „Haschomer“, Heft 8. in polnischer und hebräischer Sprache. $ In der von Georg Bernhard herausgegebenen Berliner Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen „P I u t u s“ erschien im 27./2S. Heft (3. Juli 1918) ein Aufsatz „Volk sboden“ von Hans Goslar. Goslar bespricht darin' die im Verlag des J. N. F. erschienene Schrift „Gemeineigentum und Privateigentum an Grund und Boden“ von Franz Oppenheimer und die Grundsätze der zionistischen Kolonisation. Er weist auf die hohe allgemeine Bedeutung hin. die den zionistischen Versuchen zukommt, da von ihrem Gelingen eine ganz neue wirtschaftliche Entwicklung ausgehen könnte. Literarische Nachrichten Die Verlagsgesellscliaft „Asaf“ in New- York gab heraus: R. Bra inin. Ausgewählte Schriften. 1. Bd.: David Neumark. Mikeren sawiih. Sammlung literarischer und aktueller Auisätze. ln Vorbereitung sind eine dreibändige illustrierte H e r'z 1 b i o g r a p h i e von B r a in i li. eine vierbändige Gesamtausgabe der Schriften von M a p u. ausgewählte Aufsätze von Schmarja L e v i n. * i * Ein Tagblatt in polnischer Sprache, das vorzugsweise jüdischen Interessen dient, hat unter dem Namen „Nowy Dziennik“ diese Woche in Krakau zu erscheinen begonnen. Ungarn * Im ungarischen Abgeordnetenhaus hielt der gewesene Staatssekretär Markgraf Georg Pallaviccini eine Rede, in der er u. a. sagte: „Gegen die demokratische Wahlreform ist eine starke Agitation eingeleitet worden, teils offen in der Presse, wo man der Wahlrechtsbewegung den Stempel der Nationsfeindlichkeit aufdrücken wollte, teils aber verhüllt, und zwar mit antisemitischer Färbung. Man suchte geltend zu machen, daß Wilhelm Vaszony. der Verfasser des Originalentwurfes, als Jude nicht ungarisch-national fühlen könne. Redner gab den Antisemiten den Rat. sich lieber mit aller Kraft für das allgemeine Wahlrecht einzusetzen, denn da heute die Juden kraft ihrer Intelligenz und ihres Vermögensstandes fast ausnahmslos stimmberechtigt sind, muß ihr politisches Gewicht bei Erhöhung der Wählerzahl notwendigerweise Einbuße erleiden. . . .“ Dem edlen Markgrafen wäre es offenbar sehr recht, wenn die Juden an politischem Einfluß einbüßen. Wir aber können dessen ungeachtet nur erklären, daß das jüdische Volk, der Teil, der wirklich das Volk und nicht privilegierte Schichten repräsentiert, uneingeschränkt für die Demokratisierung eintritt. durch die jedes unterdrückte Volk zu seinem Rechte kommt. Rußland * Der gewesene jüdische Volksminister der Ukraine. B. Lazki-Bartholdy veröffentlicht im Warschauer „Haint“ einen aufsehenerregenden Aufsatz über den Kampf um die jüdische Autonomie in der Ukraine. Er schildert die großen und raschen Fortschritte, die die Autonomie zur Zeit der revolutionären Regierung machte. Auf den Trümmern des alten jüdischen Gemeindelebens wurde die neue demokratische Gemeinde aufgebaut. Durch das Gesetz über die Autonomie wurde die Möglichkeit geschaffen, wirklich demokratische zentrale Anstalten zu gründen. Das jüdische Vizesekretariat entwickelte sich zum Sekretariat und wurde bald in ein Volksministerium umgewandelt. Daran wurden verschiedene Abteilungen für politische Angelegenheiten.. für Gemeindeverwaltung, für Bildung, für Statistik und Wirtschaft, für soziale Fürsorge und jüdische Kunst abgeschlossen. Später wurde die jüdische Autonomie sogar auf die äußere Politik ausgedehnt und das jüdische Ministerium hatte Gelegenheit an den Verhandlungen mit der rumänischen Regierung wegen Bessarabiens zur Wahrung der Interessen der bessarabischen Juden teilzunehmen. Gegenwärtig ist unter dem neuen Regime, an einen Ausbau der Autonomie nicht zu denkenT vielmehr wird man Not haben, das Erworbene zu erhalten. Die Hauptschuld an der kritischen Situation trägt die _Un-, einigkeit im jüdischen Läger. Bei' der -Schilderung, der Vorgänge im Nationalrat richtet Lazki heftige Vorwürfe insbesondere gegen die zionistischen Vertreter, welche durch ihre Forderungen die nationale Einigkeit gestört haben. —. In einer Nachbemerkung wendet sich die Redaktion des „Haint" mit Entschiedenheit gegen diese Vorwürfe, die sie als völlig ungerechtfertigt bezeichnet, da die Zionisten, .die unstreitig die Mehrheit des Volkes repräsentieren, zum größten Entgegenkommen bereit waren, jedoch ein Zusammengehen durch die absolute Intransigenz der extremen Jiddischisten vereitelt wurde. * Wieder ein Toter. In Jekaterinoslaw ist der junge hebräische Dichter Jakob Lerner gestorben. Er war ein sehr begabter Lyriker, dessen Gedichte bisher nur verstreut in verschiedenen Zeitschriften erschienen sind und noch nicht gesammelt vorliegen. In „Hazefirah“ widmet J. Heftmann dem Toten eine eingehende Würdigung und warme Worte des Gedenkens. Im zionistischen Verlag „Kadima“, Petrograd. erscheint gegenwärtig eine vollständige Ausgabe der Schriften und Briefe H e r z 1 s mit Kommentaren und Charakteristiken der Zeitgenossen. Die Ausgabe, die auch reich illustriert sein wird, ist auf 4 Bände berechnet. Die Einleitungen. Kommentare. Bemerkungen und Charakteristiken sind von M. Nordau. Dr. Friedemann, J. Zangwill, W. Jabotinski, D. Pasmanik, M. Buber. J. JW. Tschlenow. M. Ussischkin. S. Frug, T. Zlocisti, S. Tschernichowski. S. Rosenbaum. Dr. Frischmann. R. Brainin. Prof. Vamber.v, A. Goldstein, S. Gepstein u. a. •»: ln Moskau erschien eine Schrift des poalezionistischen Publizisten M. Jahrblum (Aniutin): „Der Zionismus und die Weltdemokrati e“. Die Schrift schildert an Hand e:nes reichen Tatsachenmaterials und zahlreicher Dokumente die Stellung der bedeutendsten Führer des Sozialismus und der Demokratie aller Länder zur jüdischen Palästinaforderung. Im Anhang bringt die Schrift die offiziellen Urkunden: das Memorandum der englischen Labour-Partei. die Resolution der Arbeiterpartei der Vereinigten - Staaten, das Manifest der Stockholmer Konferenz lind die Resolution der Sozialistenkonferenz der alliierten Länder. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA .- ■ Der Jüdische; Nationalka Bender 5679 IV. Jahrgangredigiert von Otto Abeies und Ludwig Bato ist in Vorbereitung 5 ▼VTTfTTTTVYVTTTTWTVTTVTTTVTTTTT