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Jüdische Zeitung · 1916-12-08 · 48 (8.12.1916) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
48 (8.12.1916)
Date
1916-12-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nh 48 Die Kriegs&diadenanmeldunfi im König-; reiche Polen ist bis zum 15. Dezember verlängert worden. Bis jetzt hat sich die jüdische Bevölkerung dieser gegenüber apathisch verhalten. Ungefähr 85°-« aller Anmeldungen stammen von der ländlichen, der Rest von der städtischen Bevölkerung und selbst unter dieser .befinden sich nur sehr wenige Juden, selbst aus den Gemeinden, wo hauptsächlich jüdisches Vermögen zu Grunde gerichtet wurde, so in der Gegend von Blonie, Biale ,u. a. O. Im österreichischen Okupaiipnsgebiet sind infolge starker Agitation unserer Parteigenossen, welche die Bevölkerung darauf aufmerksam macht, daß die Unterlassung der Anmeldungen .für die Zukunft des jüdischen Volkes verhängnisvoll werden kann, die jüdischen Kriegsschadenanmeldungen zahlreicher. läumsausschusses: Handelshaus M. Ellenberg, Warschau, Dluga 8a, W. 14. Im Verlage M i s r a c h i, Warschau, erschien eine Broschüre „Ma hu hamisrachi?“, eine populäre Erörterung der Grundprinzipien des religiösen Zionismus. Im Verlage „BLemelach“ (Blümlein), Odessa, erschien die erste aus 6 Heften bestehende Serie von Kinderliteratur in jüdischer Sprache mit Erzählungen von Mendele Mocher Sforim’, Jehüda Steinberg, B. Schaphir und B. Sm'oljar. Die ,.Jewish Chronic’s“, 'z. Z. ge'eitet von Gg. Greenfcerg, konnte im November auf ein 75jähriges Bestehen zurückbli.cken. spenden für galizische Flüchtlinge wurde beschlossen, diese der übrigen Korrespondenz fce'.zulegen und nicht separat zu versenden. 3 .Herr Ing. S-l o n i t z berichtete, daß Herr AdoH Fuchs in Lieben die Uebersiedlung für das D. K. vollkommen kostenlos ausgeführt hat. Es u urde beschlossen, Herrn Fuchs den Dank des D. K. schriftlich' zu übermitteln. 4.- Betreffs der bereits auf dem Distriktstage verhandelten Sekretariate wurde eine längere Debatte abgeführt und beschlossen, an alle Vereine ein Zirkular zu versenden, dessen Ausarbeitung Herr Dr. Kornfeld übernimmt. 6. Schließlich wurde noch beschlossen, die NF.- Büchsen wegen Einziehung des Nickelgeldes vor Ende Dezember leeren zu lassen und allen auswärtigen NF.-Kommissären die Dringlichkeit, dieser Angelegenheit mitzuteilen. Einen Kurs .für Jüdische Wissenschaften in Warschau hat Herr Dr. Poznan ski eröffnet. Die Lage der Juden in Rumänien während des Krieges ist, wie (der Korrespondent der „Ung. Jüd. Zeitung Egvenlöseg“ mitteilt, sehr schlecht. Er hat mitjüdischen Gefangenen, die an der Ostgrenze Siebenbürgens eingebradit wurden, gesprochen. Diese erzählen, daß 'die Regierung die Erregung des Volkes über die Niederlagen auf die Jüiden abzülenken sucht. Man hetzt gegen die Juden, indem man sie der Spionage verdächtigt un!d Hausdurchsuchungen bei jüdischen Notablen vorxiimmt. Während die Juden in der rumänischen Armee ihr Blut vergießen, werden ihnen im Lande die letzten Menschenrechte ntzogen. Drohend schwebt über ihren Häuptern die Progromgefah'r. Die Soldaten im Felde werden ins erste Feuer gestellt. Von 28 Juden, die in seiner Abteilung waren, erzählte ein Gefangener, sei er der einzige Ueberlebende. Am Versöhnungstage wurden die jüdischen Soldaten von den Offizieren auf Posten geschickt; dies taten selbst die Russen nicht. Literarische Nachrichten „Der Jude" Abonnementpreis für ein Vierteljahr K 3.50. Einzelheft K 1.40. Verlag R. Löwit, Wien I. Rotenturmstr. 22 Das 8. Heft des Juden bringt uns eine Reihe .interessanter Aufsätze. „Nationale Erzählung und nationale Besinnung“ von Ernst Füller betrachtete in (sehr ansprechender Weise die Idee der „Auserwähltheit“ in ihrer Entwicklung durch die Phasen der Emanzipation und Idee -.nationalen Wiederbelebung unserer Tage. Diese „Auserwähltheit“ ist nicht bloß Gedanke oder Gefühl, sondern eine Wirkende Idee, nicht n a ti o n a 1 e.S elb s tüb erheb ung, sondern Aufgabe und Ziel. Die Prinzipien, auf die eine neue jüdische Gemeinschaft sich aufbaut, müssen die der sozialen Gerechtigkeit und der geistigen Verpflichtung des Blutes sein. Gegen die Ansichten ’Kauiskvs Und Bauers von der unausweichbaren Assimilierung der Ostjuden tritt in einer größeren Arbeit „Die allgemeinen Gesetze der Assimilation und die Zukunft der Ostjuden“ Berl Locker auf. Er gelangt am Schlüsse seiner gründlichen Untersuchung zu dem Ergebnis, daß „das Ostjudentum aus Minoritäten gemischten Charakters besteht, die assimilierbare und nicht assimilierbare Ziele einschließen, daß aber im Laufe der Entwicklung die Bedeutung der assimilierbaren Elemente stetig fällt, die der nicht assimilierbaren stetig wächst.“ Interessante Gedankengänge entwickelt J akob Klaizkin in seinen „Grundlagen des Nationaljudenfums“. Geg'enüber den Konstruktionen der Diaspora, die das Kriterium des Judentums bald in der Religion, bald im „Geist des Judentums'' erblickte, prägt er den Satz: „Jude-Sein ' bedeutet nicht ein religiöses oder ethisdhes Bekenntnis. Wir sind keine Glaubens¬ und keine Weltahschauungsgemeinsdhaft, sondern .Glieder einer Familie, Träger einer gemeinsamen Geschichte.“ Das Bekenntnis zur jüdischen Religion oder zu einer jüdischen. Weltanschauung bedingt nicht unsere Nationalität. Auf den warmherzigen „Feldpostbrief aus dem Osten“ von Robert Weltsch erübrigt es’sich, hiereinzugehen, da wir ihn in dieser Nummer zum Abdruck bringen. Die „Ketzerworte des Dr. A. A. Rießer“ N’on Ernst Rappeport, Kriegse.-lebnissen entsprungen, philosophieren, humoristisch und ernsthaft über den Tod. Bin Gorion und Ma rtin Bub er teilen „Altjüdische Geschichten“ und Chassidisches mit. Die „Bemerkungen“ bringen manches Anregende; unter [den Daten und Materialien spricht Arthur Ruppin über „Die örtliche Verteilung der Juden und ihre Wanderungen in der Neuzeit.“ * Eine literarische Feier zu Ehren Ben -Awigdors, der sein 25jähriges Schrifrstellerjubiläum begeht, findet in Warschau am 9. Dez. statt. Ein Fond für 'die hebräische Literatur soll au: den Namen des Jubilars gegründet werden, zu dem beizuiragen alle Freunde der hebräischen Literatur eingeladcn werden. Adresse des Jubi¬ Zionistische Bewegung HüMcWmitee der 'd'üiisdhen Juden. Laut dem Bericht des dänisch-iüdisclven Hilfskomitees für die (notleidenden: luden in den kriegführenden Ländern wurden im ganzen ungefähr 31.000 K gesammelt. Davon wurden nach Petrograd 6240 K, nach Wien 5280 K, nach' Palästina 4500 K beschickt. Für hebräische und jüdische Bücher für die russischen Kriegsgefangenen wurden 2000 K verwendet. Nach Galizien wurde für 4087 K und nach1;Warschau für 7Q08 K kondensierte Milch’ geschickt, an verschiedene Gefangenenlager wurden. 814 K verteilt. Stockholmer HiF-k^mitee der ausländischen Juden. Das Stockho’mer Hilfskomitee hätte am 1. August eir.e Summe von zirka 25.000 K zur Verfügung. Davon wurden bestimmt: 200 Wüsten kondensierte Mildi für Lodz und 200 für Wilna im Gesamtwert von 17000 K. DaS Geld würde an das Zentralkomitee in Kopenhagen sbgesa-wit. Auf der letzten Sitzung' des 'Komitees wurde beschlossen, durch' das Zentralkomitee 300 Kästen kondensierte Milch' für! die Summe von 11.500 K zu kaufen. Außer-I dem h'at das Hilfskomitee 1000 Mk. für diel notleidenden russischen Juden in Berlin gesandt.5 Zionistische Arbeit in Canada. Die ..Federation of Zionist Societies of Canada“ hielt in Montreal eine Sitzung ab, bei der H“rr ,Cläre me e de So'a den Vorsitz führte. Es wurde der Plan besprochen. Herrn Dr. Penzion Mossinsoh'n zu einer Tournee durch Canada einzuladen. die ars Propaganda für die Verbreitung des 'zionistischen Gedankens und 'riei-hieifig zur Stärkung des „Nofstawdsfonds“ dienen soll.’ Die Canadische Zionistische Föde-ation schuldet diesem1 Fonds noch'. 12:000 Dollar, die sie seinerzeit zugesagt hätte. Das;Fxeku'iv-K<->rr,i,e:''-"urde ermächtigt, mit dem Provisorischen Zionistischen Exekutiv-Komitee in .Newvork wegen der Reist, .des' 'Hern Dr. Mossinsöhn die nötigen Vereinbarungen zu treffen. — Neue Zionistisch'; V°reine, d'e sich' der Föderation angeschlossen haben, sind in Wiradsor imd Toronto entstanden. — Um' den Zusammenschluß der Zionisten Montreals zu stärken und um', häufigere Zusammenkünfte in kleinerem1 ‘Kreise zu ermöglichen, die einen Gedankenaustausch bezwecken, der in Vo’ks-Meetings nicht erzielt werden kann,' wurdeSüe Errichtung eines. „Zionistischen Hauses“ in Montreal beschlossen Und eine Kommission gewählt, die genauere Pläne ausärbehen und hei der nächsten Sitzung vorlegen wird. Parteinachrichten Flüchtlingsfiirsorue. . Der Vorstand der. „Israelitischen Allianz zu Wien“ hat das Exeku-s tivkomitee der Zionisten Oesterreichs ersucht,* ihm1 drei Beiräte namhaft zu machen, die ander Leitung, der Hilfsaktion aus den Zuwendungen des fl'rne i'-auis'h-'ü 'i eben fTfskomi'e’s te:lnehm'en sollten. Das Exekutivkomitee hat die Herren Adolf Stand. -.Ob.-Ing. Robert- Stricker -und k. k. Reidhsratsrevis'-r Rudolf Taussig nominiert. Die genannten Herren wurden hierauf von der „Israelitischen Al'ianz“ zu Beiräten gewählt. Zionisten im Felde .' Lt. Berisch Mandel vom Inf.-Reg. 55 aus Przemyslany ,ist-am 1.November bei /einem feirtd- , liehen Gasangriff, in italierisdi'e Gefangenschaft geraten und .befindet sich gegenwärtig in Couversano, provincia Bari. Seine Freunde spenden, in Anerkennung seiner.vielen Verdienste für den Zionismus der Kriegslandspende eine bestimmte Summe auf seinen. Namen.. , ' . \ Gg. San.-Fhr. Leon Heitel (Jordania Wien), vom I.-R. 41, wurde mit demgoldenen Verdienstkreuz 'am Ban'de der Tapferkeitsmedaille II. KI. dekoriert. Ing. Viktor Po Hak aus Kgl. Weinberge, (A. H. der „Bar Kochba“),' der vor Kurzem mit dem Goldenen Verdienstkreuz ausgezeichnet wurde, ist zum Verpflegsoffizial ernannt'worden. Dr. Jacob ICajan, Adv.-Kartz. in Sarajewo, b. Inf. Reg. Nr. 1, der bereits die goldene und silberne Tapferkeitsmedaille und das Signum laudis besitzt, erhielt neuerlich die belobende An- ■Jerkennung wegen tapferen Verhaltens vor dem SFeinde. «1 Jczra Kaja n, San.-Fhr. beim b. h. Inf. F Reg. Nr. 1, Bruder des vorigen, erhielt das goldene Verdiensikreuz am Bande der Tapferkrits- Medaille. Ankündigungen Die Vereinsvor&tände werden höFicbst ersucht. ihre Anzeigen, und Berichte möglichst früh der Redaktion zu übermitteln. Die „Oesterreichisdli-Israrfitis'die Union“ veranstaltet Samstag, den 9. Dezember, halb 8 Uhr abends, im großen Saale des ■ „Hotel Cor.ihental“, II., Tabörstraße 4, eine Versammlung, in welcher Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald einen Vortrag unter dem Titel: „Kaiser Franz Josef I. und die Stellung der Juden in Oesterreich“ halten wird. Mit dieser öffentlichen Kundgebung soll den Manen des erlau b en Verb’ichenen der Dankeszoll abgestattet w.rden für die den Juden Oesterreichs gewährte staatsbürgerliche Gleichstellung. Heb ä'sch akademische Vereinig vg Hatch5jah“. Troiz der schwierigen Verhältnisse, die durch' die Einrückung vieler Bundesbrüder hervorgerufen wurden, veranstaltet die Vereinigung auch1 heuer einen Vortragszyklus in bebräis'cher Sprache. Samstag, den 9. 'd., um 7. Uhr präzise, findet im Saale des jüdischen Handlungsgehilfenverbandes, II., Obere Donaustraße 65, der erste Vortrag, statt. Bb. Kestenbaum wird über das Thema „L.’schee'a li hacliinuch“ sprechen. Hebräisch sprechende Gäste willkommen. Bj Die Lese- und Rc-dehalle jüdis'dVer Hoch- Schäfer tn Wien veranstaltet ihren nächsten Vorr trag an der Universität. Es wird Mittwoch', den 13 .Dezember, 8 Uhr abends, Herr Dr. Nathan Bfrnbaum (Mathias Acher) über den „Chassidismus und seine zeitgenössische ,* poth'ese“ sprechen. -Samstag, den 16. Dezember, 'hält im Rahmen des Vortragszvklus Herr Dr. ' Abraham Schwadron einen Vortrag über das Thema „Der zionistische Grundgedanke und der Pazifismus“. Gäste willkommen. Fintritt frei.- Der Hilfsaktion de-s Zentralkomiteefür Westösterreich wurde vom Patriotischen Hilfsverein . „R o t e s Kreuz“ durch Vermittlung des Herrn Cafetiers J. R. Herz aus dem Erlöse der Fenstervermietung anläßlich des Begräbnisses weiland Kaiser Franz Josef 1. der Betrag von 200 Kronen, von Her Stammtischen der weitere Betrag von 60 Kroren überwiesen. Böhmisches Distriktskomitee Sitzungsbericht v o m 14. N o v e m b e r 1916. 1. Herr Ing. Slonitz berichtete, daß Herr Ernst B e ch er.t ‘ ersucht wurde, der am * 14 . d. stattfindenden Besprechung des Zentralkomitees in Wien mit Herrn Dr. H a n t k e als Vertreter des D. K. beizuwohnen. Herr Bechert schrieb jedoch, daß ies ihm nicht möglich*'sei, an' dieser. Sitzung t.ejlzuneh'men. Nach Wien wurde mitgeteilt, daß kein Vertreter entsendet wenden könne und ersucht, einen genauen Bericht 'über dis Besprechung zuzusenden. 2, Betreffs der Aufrufe um Bücher- Veranstaltungen * Max .Bröd in Wien. Der bekannte Prager Schriftsteller Max Brod hält am 'Sonntag, den 17. d. M. umi 6 Uhr abends inr Rahmen des vornf. „Komitee zur Aufklärung über ost jüdische Fragen“ veranstalteten Vortragszyklus einen Vortrag über das Thema „Die Ostjuden in meiner p er s ö n 1 i ch e n Erfahrung“. Der Vortrag, für den sich begreiflicherweise das lebhafteste Interesse kundgibt, findet im Saale des Ingenieur- und Ärchitektenvereines (I., Eschenbachgasse 9) statt. Karten zu 2K, 1K und 50 b in der Buchhandlung R. Löwit, I., Rotenturmstraße 22 und im zionist. Bureau, II., Zirkusgasse -33. Eüe Chanuka-Feiaf findet Dienstag, am 19. Dezember I. J., 8 Uhr abends, im „Jüdischen Theater, II., Taborstraße Nr. 11, statt. Die- Festrede hält Herr L-öbl Taubes. :Es folgen Liedervorträge von Herrn Deutsch, Tenor der „Jüdischen Bühne“. Im literarischen

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