Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 52 (24.12.1909)
- Date
- 1909-12-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 52 macht haben, als welches es jetzt erscheint. Seit einiger Zeit betreiben nämlich aus Galizien importierte Elemente eine fortwährende Hetze gegen die Juden. Was aber macht die Regierung, um dieser Hetzte Einhalt zu tun? Sie schaut ganz ruhig zu und läßt diese sauberen Patrone gewähren. Erst jetzt, nachdem die Verbrechen verübt sind, denkt die Regierung daran, die Gendarmerie in den Dörfern zu verstärken.“ Eine Filiale der „Kredit-Union“, ak. Tarn o p o 1. Am 5. d. M. fand die konstituierende Versammlung der in unserer Stadt eröffneten Filiale der jüdischen „Kredit-Union“ in Lemberg statt. In das Direktorium sind folgende Herren gewählt worden: Dr. Israel Waldmann, Meier Wander und Jakob Schnierer. Kultusratswahlen. Iglau. Am 8. Dezember •fanden hier die Kultusgemeindewahlen statt. Infolge eines Kompromisses zwischen den Zionisten mit den Führern des hiesigen Kultusausschusses wurde eine gemeinsame Kandidatenliste aufgestellt. Die gemeinsamen Kandidaten wurden fast mit allen abgegebenen Stimmen gewählt. Durch diese Wahl wurden zum erstenmal drei Zionisten als solche in den engeren und zwei in den verstärkten Kultusausschuß berufen. Vom früheren engeren Kultusausschuß waren bereits früher drei Mitglieder dem Vereine „Theodor .Herzl“ beigetreten. Auch diese wurden bei der heurigen Wahl wieder gewählt, so daß ein Drittel des neuen Kultusausschusses aus Mitgliedern des Vereines „Theodor Herzl“ besteht. Es ist also zu hoffen, daß die zionistische Organisation imstande sein wird, ihre Aufgabe in der Iglauer Kultusstube zu erfüllen. Lesser Ury-Ausstellung in Berlin. Wie er es in jedem Jahre einmal zu tun pflegt, hat der jüdische Künstler Lesser Ury auch in diesen Tagen wieder sein Atelier in Berlin den Kunstfreunden offengehalten. Das Hauptwerk dieser Jahresausstellung ist ein neuer Beitrag zum Moseszyklus, für welchen Ury seit Jahr und Tag seine beste Kraft einsetzt. Er begann die Reihe mit einem Karton des zornigen Moses, der wider das goldene Kalb eifert und die Gesetzestafeln zertrümmert. Dann kam die gigantische Szene, wie Moses, auf Bergeshöhe stehend, die Finsternis über das Aegypterland heraufbeschwört. Die Berufung Moses am feurigen Dornbusch entstand darauf in zwei Fassungen. Jetzt schuf der Künstler die Gestalt des Gesetzgebers auf der Höhe ihrer Vollendung, eine Gestalt in Ueberlebensgröße, die leuchtenden Tafeln dem Volke zum zweitenmal darbringend. Es scheint, als ob Ury hier der höchste Wurf seiner großen und strengen Kunst gelungen, und daß diese Mosesgestalt in der bildenden Kunst unserer Tage einzigartig ist. In düsterer Majestät ragt der blaufunkelnde Sinai im Hintergründe, graues Gewölk droht aus den Himmelshöhen und nur jene Kuppe, von der herab die Stimme des Herrn ertönte, ist von einem hellgleißenden Schein umwittert. Ohne Zweifel, von dieser lichten Höhe kommt Moses herabgeschritten, und ein Abglanz göttlichen Lichtes strahlt von den Tafeln aus, die er, wie der Hohepriester dieThorarollen, aufrecht im linken Arm trägt. So erscheint Moses, indem er mit der rechten Hand auf die Tafeln zeigt, als Vollstrecker des göttlichen Willens. Ein Protest gegen die russische Justiz. Aus Brüssel wird der „N. J. K.“ von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Das beispiellose Vorgehen des russischen Gerichts gegen den jüdischen Rechtsanwalt Hillerson, der wegen einer Rede bei eimem Pogromprozeß, wie berichtet, zu einem Jahre Gefängnis verurteilt wurde, wird von der hiesigen öffentlichen Meinung aufs schärfste mißbilligt. Die meisten Blätter forderten einen öffentlichen Protest gegen jenes drakonische Urteil, das eine allgemeine Gefahr für die Freiheit der Verteidigung bedeutet. Ein solcher Protest ist nun von der hiesigen Advokatenkammer in wirksamster Weise erhoben worden. An der Versammlung, die im großen Saal des Kreisgerichtsgebäudes stattfand, nahm ein zahlreiches Publikum teil. Die Advokaten trugen ihre amtliche Tracht. Mr. S. Guide hielt das über eine Stunde währende Hauptreferat, in dem er die Ungeheuerlichkeiten und die Haltlosigkeit des ganzen Hillerson-Prozesses mit juristischer Gründlichkeit schilderte. Darauf wurde folnende Rosolution einstimmig angenommen: „Der Brüsseler Advokatenverband, der erfährt, daß ein Rechtsanwalt am Petersburger Kreisgerichf wegen einer vor Gericht gehaltenen Rede zu einem Jahre Gefängnis verurteilt wurde, und in der Erkenntnis, daß jeder Angriff auf die absolulte Freiheit des Advokaten bei der Ausübung seiner Berufspflicht eine Bedrohung der Grundrechte der Verteidigung ist — protestiert aufs schärfste gegen das über Hillerson gefällte Urteil, spricht ihm seine Sympathie aus und begrüßt kollegial die russischen Advokatenkorporationen, welche die Gefahren dieses Urteils für die gesamte Rechtsprechung richtig erkannt haben.“ Zeitschriften und Bücherschau. Die „Egyptische Nachrichten“ (Kairo) veröffentlichen aus der Feder W. Strußmanns einen Artikel über den „Zionismus“. Der Artikel weist in ruhiger, sachlicher Weise die Berechtigung des Zionismus und seine große Bedeutung für das jüdische Volk nach und hebt in markanten Worten die Unterschiede zwischen der Tätigkeit von Hilfsvereinen und der zionistischen Partei hervor. Zum Schlüsse wird auch der Wichtigkeit der zionistischen Bestrebungen für das ottomanische Reich Erwähnung getan. Der Artikel schließt: . .. Wenn sich die ottomanische Regierung entschließen würde dort (in Palästina) eine große Anzahl von jüdischen Kolonien zu konzentrieren, würde Palästina eine ihrer blühendsten Provinzen werden. Das würde der Türkei Nützen, nur Nutzen bringen und böte obendrein den Juden einen Zufluchtsort. Nie würde das jüdische Volk daran vergessen, daß es den Muselmanen zu Dank verpflichtet sei.“ L’Aurore, Konstantinopel, Nr. 25, veröffentlicht an leitender Stelle einen offenen Brief an die jüdischen Abgeordneten des ottomanischen Parlamentes. Vor einigen Tagen brachte nämlich eine antizionistische Zeitung die Nachricht, daß in einer, unter dem Vorsitz des Rabbi Nahoum abgehaltenen Zusammenkunft, die jüdischen Deputierten erklärt hätten, Gegner des Zionismus zu sein. Diese Nachricht wurde von den Deputierten nicht dementiert. Der „Offene Brief“ der Aurore fragt nun die Abgeordneten an, inwiefern die von dem antizionistischen Blatte gebrachte Meldung richtig sei und gibt der bestimmten Meinung Ausdruck, daß hier ein Fall bewußter Verdrehung von Tatsachen vorliege. „Ihr habet nicht dementiert“, schreibt die „Aurore“, „weil ihr wisset, daß niemand, der Euch kennt, -imstande wäre, Euch einer derartigen unjüdischen, unmenschlichen und unpatriotischen Handlung zu zeihen“. Im weiteren Verlaufe der. Ausführungen weist der Brief auf die Unmöglichkeit hin, als jüdischer Abgeordneter Gegner des Zionismus zu sein und schließt folgendermaßen: „... Wenn einst in Parlament die Frage des „roten Billets“ zur Verhandlung käme, so wäre es unmöglich, daß Ihr gegen dessen Aufhebung Eure Stimme erheben könntet. Die Rednertribüne, das gefühllose Holz, würde vor Zorn unter Euren Füßen zittern und dieses Zittern müßte das schlafende Gewissen der breiten Masse wachrütteln und zu Entsetzen und Empörung erwecken“. * * * Jüdischer Almanach in polnischer Sprache. In nächster Zeit wird unter der Redaktion des Doktor Leon Reich, des früheren Redakteurs des polnischen Parteiorganes „Wschöd“ in Lemberg, ein jüdischer Almanach in polnischer Sprache erscheinen, der ebenso wegen seines Inhaltes, als wegen der Zusammensetzung und der Namen seiner Mitarbeiter sich würdig an die allerbesten bisheiigen Parteiausgaben anreihen wird. Die Arbeiten, die größtenteils bereits dem Drucke übergeben wurden, sind dem Almanach von folgenden Schriftstellern, beziehungsweise Künstlern zugekommen: Mathias Acher (Czernowitz), Oskar Aleksandrowicz (Drohobycz), Hermann Blumenthal (Wien), Adolf Böhm (Wien), M. Chmielnicki (Wien), Oberrabbiner Dr M. Ehrenpreis (Sofia), Z. F. Finkeistein (Lemberg), Joseph Gerstmann (Lemberg), Martin Gottlieb für Ataurycy Gottlieb s A. (Drohobycz), Dr. severyn Gottlieh (Krakaui, Dinalt Hirszenberg für S. Hirszenberg s. A. (Berlin), J Israels (Haag), Prof. Dr. L. Kellner (Czernowitz), Arnold Lachousky (Jerusalem), Prof. Max Liebermann (Betlin), E M. Lilieu (Berlin), Abg. Prof. Dr A. Mahler (Prag), Dr. Alexander Marmorek (Paris), Rabbiner Dr. J. Nacht (Focsänyi), Dr. Max Nordau (Paris , Dr. Daniel Pasmanik (Genf), A. Penznas (l’aris), Lena Pilichowski (Paris), Leopold Pilichowski (Paris), Dr Viktor Pordes (Przemysl), Dr Samuel Rappaport (Lemberg), Dr. Leon Reich (Paris), Dr. Max Roscnfeld (Lemberg), Prof. Boris Schatz (Jerusalem), Dr. M. Scherlag (Wien), Dr. Ignatz Schipper (Tarnow), Prof. Dr. Nahum Slousch (Paris), Redakteur N Sokoiow (Köln), Abg Adolf Stand (Lemberg), J. Stark (Jerusalem), Drj Al. Stock (Krakau), Franciska Stöckl (Krakau , Hermann Struck Berlin), Rabbiner Dr. O. Thon (Krakau), Wilhelm Wachtel (Lemberg), Prof. Dr. L. Weiil (Paris) Die Leitung des künstlerischen Teiles des Werkes ruht in den Händen des Kunstmalers Wilhelm Wachtel. Der Preis des Buches wird trotz dessen innerer Vorzüge und schöner Ausstattung verhältnismäßig gering sein, um auf diese Weise jedermann, der der polnischen Sprache kundig ist, den Erwerb eines Exemplares zu ermöglichen und das Werk in großen Massen in Galizien und Russisch-Polen zu verbreiten. Vorausbestellungen nimmt entgegen: Dr. H. Rosmarin, Lemberg, Bernsteingasse 10. V ereinsu .V ersammlungs- Nachrichten. Voranzeigen, j Kadimah-Ball. j Wie alljährlich veranstaltet die akad. Verbinjdüng'„kädimah“ auch heuer am 22. Februar 1910, in den Sophiensälen ihren Ball. Anfragen und Auskünfte sind zu richten an das Komitee-Lokal, Cafe Marienbrücke, I. Rotenturmstraße, Telephon 16625, zwischen 3—6 Uhr Nachm. * * * Jüd. Literarischer Abend. Wie wir bereits mitgeteilt, veranstaltet der Verein [ zion. Hochschüler „Theodor Herzl“ Sonntag, den 23. Jänner 1910, einen literarischen Abend im Kursalon (Stadtpark), an dem Martin Buber, Jakob Wassermann und eine bekannte Wiener Kunstkraft mitwirken werden, ln allen Kreisen des jüdischen Publikums erregt diese Veranstaltung das lebhafteste Interesse und ein großer Teil der Sitzplätze ist trotz des späten Termines bereits vergriffen. Eventuelle Anfragen und Vorausbestellungen sind zu richten an die Adresse des Vereines, VIII. Alserstraße 7. * * * Wien. („Nes Zionah“). Mittwoch, den 29. Dezember a. c. findet im Klublokal Cafe Concordia, I. , Concordiaplatz, 8 Uhr abends, ein Vortrag über* „Der tagende Z i o n i s t e n k o n g re ß in Hamburg“ statt. Die Gg. werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Gäste willkommen. Wien. (Allgemeiner Jüdischer Arbeiterverein). Samstag, den 25. Dezember d. J. um 8 Uhr abends findet im Cafe Stephanie, II., Stefaniestraße 2, eine wichtige Mitgliederversammlung statt, zu welcher wir die Genossen dringend einladen. Anschießend ein Vortrag des Gen. Löwy aus Prag. Es ist den Bemühungen des Ausschusses gelungen, für die Mitglieder des Vereines in mehreren Theater bedeutende Nachlässe zu erzielen. Weiters machen wir aufmerksam, daß am 1. Jänner 1910 ein Unterhaltungsabend mit reichhaltigem Programm stattfindet. Gäste stets herzlichst willkommen. Dux. Die heurige Makkabäerfeier findet am 26. Dezember statt Als Festredner hat Herr phil. Willy Stein (Bar Kochba, Prag) zugesagt. Wien. (Verein der jüd. Handels- und Privatangestellten „Achwah“). Samstag, den 1. Jänner 1910, 7-'8 Uhr abends, findet im Souterrainsaale des Restaurant B o n d i, I. Gonzagagasse 13, die konstituierende Versammlung des Vereines statt Gäste willkommen. Zuschriften sind zu richten an Leo R o s e n f e I d, II. Molkereistraße Nr. 10/14. Wien. Der „Zion. Einzelverein f. d. westl. Bez. Wiens“ gibt seinen Mitgliedern und Freunden bekannt, daß jeden 2. u n d 4. M i 11 w o c h im Monate zwanglose Diskussionsabende im Restaurant R e i s z VII., Marjahilferstraße 124 stattfinden. Gäste herzl. willkommen. Nächster Abend 22. Dezember 8 Uhr abends. Wien. Jüdische Toynbee-Halle, XX. Othmargasse 46. Das nächstwöchentliche Vortragsprogramm wurde wie folgt festgesetzt: Freitag, den 24. d. M. Bibelvortrag, Rabbinatskandidat Bela Fischer. Samstag, den 25. d. M. Konzert, Arrangement Gesangslehrerin Fr. Goldberger. Sonntag, den 26. d. M. Sekr. Guido Fuchsgelb :Die Gewinnung des Eisens (Lichtbilder). Montag, den 27. d. M. Dr. Heinrich Grün: Thema Vorbehalten. Dienstag, den 28. d. M. Lehrer J Krug: Aus der jüdischen Geschichte. Mittwoch, den 29. d. M. Univ. Prof. Dr. L. Königstein : Reiseeindrücke aus Paris. Donnerstag, 30. d. M. Dr. Arnold Ascher: Lessing, der Weltbürger. Wien. (Vortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur). Donnerstag, den 30. Dezember 1909, präzise '/iS Uhr abends, findet im Festsaal des Ingenieur- und Architekten- Vereines, 1. Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max Grunwald statt. Thema: „Ferdinand Lassale“. Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Die „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler“ veranstaltet ihre diesjährige Akademie mit nachfolgendem Ball am Dienstag, den 25. Jänner 1910 im „K u r s a 1 o n“. Für das Fest, zu dem erste Wiener Künstler ihre freundliche Zusage gegeben haben, gibt sich allseits lebhaftes Interesse kund. Das Vorkränzehen findet am II. Jänner 1910 im Festsaale des „Hotel Post“ statt. Auskünfte im Vereinslokale' IX., Hahngasse 15, I. Stock, täglich von 5 bis 7 Uhr abends. Wien. (Barkochba, VIII., Langegasse 5—7.) Wie bereits kurz gemeldet, finden im Laufe des Monates Jänner anläßlich des 25-semestrigen Jubiläums der Vereinigung mehrere Veranstaltungen statt, von welchen die im großen Stile vorbereitete Palästina- Ausstellung umsomehr das Interesse der weitesten jüdischen Kreise finden wird, als in Wien zum ersten Male eine derartige Ausstellung veranstaltet und ihre Eröffnung vom verdienstvollen Leiter des „Bezalel“ Herrn Prof. Baris Schatz vorgenommen werden wird. — Die Ausstellung wird von einem Palästina-Abend, für welchen mehrere hervorragende Palästina-Kenner unserer Bewegung Referate zugesagt haben, eingeleitet und mit einer Palästina- Messe beschlossen werden. Schon jetzt äußert sich ’ in den beteiligten jüdischen Kreisen für diese Veranstaltung lebhaftes Interesse.