Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 8 (19.2.1909)
- Date
- 1909-02-19
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 .großen Palästinadebalte am achten Kongreß vernahm man von den Streitern der sogenannten „politischen“ Richtung nur nebelhafte Andeutungen, Wir wünschen dem schönen Buche Kanns im Interesse unserer Sache die weiteste Verbreitung. * * * Palästina-Reisen. Das Palästinaamt in Jaffa schreibt: Wir teilen höflichst mit, daß wir mit dem Oesterreichischen Lloyd in Triest wegen einer zionistischen Touristenfahrt nach Palästina im Frühjahr 1909 korrespondiert haben und daß der Oesterreichische Lloyd bereit ist, bei einer Beteiligung von mindestens ICO Personen, wovon wenigstens 40 in der I. Klasse fahren müssen, die Fahrpreise wie folgt zu reduzieren: I. Klasse . . . 400 Frcs. II. Klasse . . . 280 Frcs. III. Klasse . . .110 Frcs. (von Triest bis Jaffa und zurück nach Triest). Die Fahrpreise I. und II. Klasse verstehen sich inklusive Kabine und voller Verpflegung, während der Satz III. Klasse für die Reise auf Deck gilt, und zwar ohne Verpflegung. Jedoch hat der Passagier Anrecht auf ein Matratzenbett und kann gegen Entrichtung von 2 Frcs. pro Tag einfache Matrosenkost in ritueller Zubereitung erhalten. Die Beförderung der Passagiere würde mit einem der regelmäßigen Lloyddampfer von Triest über Alexandrien nach Jaffa erfolgen und die Rückreise müßte mit demselben Dampfer nach zwölf Tagen von Jaffa aus angetreten werden. Ein Aufenthalt von zwölf Tagen ist zwar zu einer eingehenden Besichtigung von Palästina nicht ausreichend, er würde aber genügen, den Touristen nur die jüdischen Kolonien in Judäa zu zeigen, ihnen ein drei- bis viertägigen Aufenthalt in Jerusalem, eine Wagenfahrt durch das Land von Jaffa bis Haifa und einen ein- bis zweitägigen Aufenthalt in den Kolonien am Tiberiassee zu ermöglichen. * * * Alle diejenigen, die an dieser Reise teilzunehmen beabsichtigen, werden dringend ersucht, sich umgehend an das Zionistische Zentralbureau für Westösterreich, Wien IX., Türkenstraße Nr. 9, zu wenden! * * * Jüdischer Frauenbund für Kulturarbeit in Palästina. Im August 1907 wurde im Haag der Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina gegründet. Als nächstes Ziel setzte sich der Verband, die jüdischen Krankenhäuser und Asyle Palästinas mit modern ausgebildeten Schwestern zu versehen, und eine Haushaltungs- und Wirtschaftsschule nebst hiermit verbundenem Heim für Krankenpflegerinnen und Lehrerinnen zu gründen. Auch Kindergärten müssen gegründet werden, damit die Frauen, die dem Manne bei der Arbeit helfen, nicht gezwungen sind, die Kinder zu Hause sich selbst zu überlassen. Der Verband, dem jüdische Frauen und Mädchen aller Kreise und verschiedenen Richtungen angehören, verfügt zur Zeit über mehr als 500 Mitglieder und hat im ersten Jahre über 4000 Mk. an Beiträgen aufgebracht, von denen über 2500 Mk. als Bestand in das neue Vereinsjahr übernommen werden. In zahlreichen Städten haben sich Ortsgruppen gebildet. Trotz der kurzen Zeit seines Bestehens kann der Vorstand schon erfreuliche Ergebnisse seiner Tätigkeit auf dem Gebiete der Krankenpflege aufweisen. Er unterstützt gegenwärtig das jüdische Krankenhaus in Jaffa und hat die Schwester, Fräulein Tempelmann, als dessen Leiterin eingesetzt. Das Krankenhaus sollte infolge Mangel an Mitteln auf drei Monate ganz geschlossen werden, aber durch die Unterstützung des Verbandes konnte es ohne Unterbrechung geöffnet bleiben. — Wenn der Verband unter den jüdischen Frauen die notwendige Unterstützung findet, wird er auf dem noch sehr vernachlässigten Gebiete der Wohlfahrtspflege in Palästina eine überaus segensreiche Tätigkeit entwickeln können. Zuschriften sind zu richten an die Schriftführerin Fräulein Rena Hirsch, Berlin, NW., Flensburgerstraße 12. JÜDISCHE ZEITUNG. Uelcr die Äsiitet der Elte zwischen Juden id Christen nach österreichischem Rechte. Im Anschluß an die in Nr. 7 unseres Blattes veröffentlichte Notiz überden Rücktritt eines aus dem Judentum ausgetretenen Mädchens, das mit einem Christen eine Zivilehe eingehen sollte, erhalten wir folgende Zuschrift. Es ist klar, daß wir ihr nur Raum gewähren, um durch Aufklärung, die Anzahl der Austritte nach Möglichkeit einzuschränken, nicht etwa um der Mischehe das Wort zu reden. Paragraph 64, A. B. G. B. Zur Bekämpfung des allgemein verbreiteten Irrtums, daß eine Ehe zwischen jüdischen und christlichen Religionsgenossen nur durch Uebertritt des einen zur Religion des anderen ermöglicht wird, muß darauf hingewiesen werden, daß zwar der § 64 des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches das Eingehen von Eheverträgen zwischen „Christen und Personen, welche sich nicht zur christlichen Religion bekennen“, verbietet, es sind jedoch dadurch, daß der Paragraph nur vom E i ngehen des Ehevertrages, nicht aber vom B estande der Ehe spricht, Möglichkeiten gegeben, in einem durch diesen Paragraphen entstandenen Dilemma der Stimme des Gewissens zu folgen. Von dem Falle, daß jemand die Heirat mit einer Christin zum willkommenen Vorwände nimmt, die für seine Karriere nötige Taufe vorzunehmen, muß natürlich abgesehen werden. Ist zum Beispiel die Braut Christin aufgeklärter Richtung, dann erklärt sie sich zum Zwecke der Trauung konfessionslos. Nimmt sie sodann ihre Religion wieder an, so bietet das Gesetz keine Handhabe, diese Ehe zwischen einem Juden und einer Christin anzufechten. Hiefür spricht auch die oberstgerichtliche Entscheidung, Z. 14247, vom 30. Jänner 1877, wonach eine zwischen Christen und Nichtchristen geschlossene, also ursprünglich ungültige 1 Ehe durch späteren Religionswechsel nicht gültig werden kann, weil eben immer nur die religiösen Verhältnisse zur Zeit der Eheschließung maßgebend sind. Aus § 64 folgt weiter, daß nur der Austritt des christlichen Teiles notwendig ist. Sowohl bezüglich des § 64 als auch bezüglich der Zivilehe herrscht der Irrtum, daß einerseits eine Ehe zwischen Religionsversghiedgnen nur durch die Taufe des jüdischen Teiles' möglich ist und anderseits als Gegenstück dazu die Ansicht, daß zwischen Christen und Juden einfach eine Zivilehe eingegangen werden könne. Der § 64 ist bereits erörtert worden. Nun haben wir im Gegensätze zu fast allen modernen Staaten keine obligatorische, sondern nur eine Not-Zivilehe, das heißt, nur wenn Seelsorger überhaupt nicht intervenieren können oder ihre Intervention aus Gründen verweigern, die für das Staatsgesetz nicht maßgebend sind. Das wären folgende Ehefälle: Konfessionslose untereinander. Nichtchristen mit Konfessionslosen und Religionsgenossen untereinander bei Weigerung des Seelsorgers. Bei dem gestreiften Konflikte wird es sich daher empfehlen, daß der christliche Teil nur für den Tag der Trauung formell austritt und kann der Betreffende sein Gewissen mit der Entscheidung Z. 587 vom 21. Februar 1888 beruhigen, aus der ersichtlich ist, daß der Rücktritt in die Kirche einem sehr leicht gemacht wird. Ob ein Jude unter besonderen Umständen das Opfer bringen darf, für den Tag der Trauung zum Glauben der christlichen Braut überzutreten, ist vom ethischen Standpunkt höchst fraglich. Hanns Fischl. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (Zionistischer Zentralverein.) Dienstag den 23. Februar 8 Uhr abends findet im Vereinslokale, IX., Türkenstraße 9, ein Diskussionsabend statt. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literaturund Kult u r.) Donnerstag den 25. Februar 1909, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Archiktenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Doktor Max Grunwald statt. Thema: „Mark A n t o k o 1 s k i“, mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Das Programm der anläßlich des dreißigsemesterigen Stiftungsfestes der jüdisch-akademischen Verbindung „U n i t a s“ stattfindenden Fest¬ Seite 7 lichkeiten ist folgendes: Freitag den 26. d., 6 Uhr abend: Empfang der Festgäste und Festkonvent auf der Bude, VIII., Auerspergstraße 21. Gemeinsames Abendessen. Samstag den 27. d., halb 10 Uhr vormittags: Frühschoppen in der Alt-Pilsenetzer Bierhalle, Auffahrt auf die Technik und Universität; 9 Uhr abends: Ball im Kursalon der Stadt Wien. Wien. (Jüdischer Gesangsverein.) Die Proben des jüdischen Gesangsvereines finden jeden Dienstag im „Hotel Stephanie“, II.. Taborstraße 12, statt. Wien. Auf der Bude der akademischen Verbindung „K a d i m a h“ beginnt am Donnerstag den 18. d. M. um 7 Uhr abends Gg. Moses W a 1 d m a n n seinen Vortragszyklus „Ueber Geschichte der jüdischen Literatur“. Gäste herzlichst willkommen. Brüx. Der Jüdische Volksverein „Zion“ in Brüx veranstaltet im Monate März eine Purimfeier, zu der schon jetzt die umfassendsten Vorbereitungen getroffen werden. Wien. (Neuwahlen im Z i o n i s t i s t ischen Zentralverein.) In der am 10. d. M. stattgehabten Vollversammlung des Zionistischen Zentralvereines wurde die Vereinsleitung in nachstehender Zusammensetzung gewählt: Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Jakob Kohn, Präsident; Dr. med. Alfred Löwy, Vizepräsident; Privatbeamter Arnold Reich, Vizepräsident; Architekt Em anuel Kaufmann, Schriftführer; Kaufmann J. H. Wa 11uc h, Kassier; Oberingenieur Emil Fried, Ingenieur J. Löwenbein, Privatbeamter Julian O s c h b e r g, Kaufmann Emil Reich, Kaufmann S. Strauß, sämtlich Beisitzer. Es wurde unter anderem beschlossen, die öffentliche Lesehalle zu reaktivieren und jeden Dienstag ein kurzes Referat mit anschließender Diskussion im V e r e i n slokale, IX., Tü r k e n s t r a ß e 9, abhalten zu lassen. Wien. („Zionistischer Zentralverein“.) Am ersten Diskussionsabend dieses Vereines führte der Referent, Vereinspräsident Herr Dr. Jakob Kohn, nachstehende These aus: Die einzig mögliche Lösung der durch Beschränkung auf wenige Erwerbsgebiete geschaffenen wirtschaftlichen jüdennot bringt nur das Endziel des Zionismus. Da jedoch mit Rücksicht auf den langsamen Gang jeder wirtschaftlichen Entwicklung die zionistische üegenwartsarbeit die Rückkehr ins Judenland vor allem durch eine Rückkehr ins Judentum vorbereitet und daher in erster Linie eine ethische Bewegung darstellt, so darf der Zionismus sich der anderweitigen Gegenwartsarbeit auf wirtschaftlichem Gebiete nicht entgegenstellen. Diese wirtschaftliche Gegenwartsarbeit findet ihren Ausdruck in dem Streben um die Gleichberechtigung im wirtschaftlichen Kampfe und in der Emigration nach Ländern geringerer wirtschaftlicher Einengung der Juden. Wenngleich diese Bestrebungen als Palliative bloß zur momentanen Entspannung unleidlich gewordener Verhältnisse dienen können, so sollen sie dennoch als örtlich und zeitlich begrenzte Ueternehmungen von Zionisten insoweit unterstützt werden, als hiedurch die vorhandenen Kräfte von dem Endziele als endgültiger Lösung nicht abgelenkt werden. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Waltuch, Löwenbein,Strauß, Dr. Weisengrün, Stein und Dr. Jerusalem. Wien. Unterstützungsverein jüdischer Hochschüler aus der Bnkowina in Wien.) Ein bewegtes Wintersemester geht seinem Ende entgegen. Die zahlreichen Streitigkeiten, eine selbstverständliche Folge der von der überwältigenden Majorität terrorisierten Minoritäten haben Nebenumstände gezeitigt, die von den armen jüdischen Studierenden aus der Bukowina besonders schwer empfunden wurden. Gerade die letzten Tage brachten es mit sich, daß der Erwerb, der den armen Studierenden die Existenz ermöglicht, immer kärglicher wurde. Dazu kam noch die mehrwöchentliche Sperrung der Mensa, unter der die armen jüdischen Studierenden ausder Bukowina verhältnismäßig am meisten zu leiden hatten. Denn während die übrigen teils durch ihre akademischen Unterstützungsvereine, teils durch großzügige nationale Aktionen ihre Mensakarten umgesetzt oder gar kleinere Gelddarlehen enthielten, waren die armen jüdischen Studenten aus der Bukowina in Wien dem bittersten Elend preisgegeben. Nur wer einmal selbst Student gewesen und in seinen Studienjahren Entbehrungen und Nahrungssorgen erfahren hat, kennt dieses Gefühl, das jeden zum Besseren ertötet, die Energie eines jungen Mannes bis auf ihre Grundfesten erschüttert. Auf Anregung des Bukowinaer jüdisch-akademischen Vereines „J o r d a n i a“ fand nun Dienstag, den 19. Jänner d. J. die konstituierende Versammlung des Proponentenkomitees zur Gründung eines „Unterstützungsvereines jüdischer Hochschüler aus der Bukowina“ in Wien statt. Nachdem der Präses der „Jordania“, als Einberufer der Versammlung, die zahlreich erschienenen Bukowinaer Akademiker in längerer Rede über Zweck und Aufgabe des zu gründenden Unterstützungsvereines unterrichtet hatte, schritt man, nach Annahme einer Resolution,