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Jüdische Zeitung · 1909-02-19 · 8 (19.2.1909) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
8 (19.2.1909)
Date
1909-02-19
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG. zur Wahl eines viergliederigen Arbeitskomitees. Und zwar wurden zwei Mitglieder desselben dem Verein „Jordania“, zwei den diesem Verein nicht angehörigen Akademikern entnommen. Als gewählt gingen hervor aus der Jordania“, Herr ing. Michael Schindler und MUC. Isaak Wucher, ferner die Herren jur. Bruno Beral und ing. Josef Schieber. Der vorbereitende Arbeitsausschuß konstituierte sich wie folgt: Obmann, Josef Schieb e r; Obmann-Stellvertreter, MUC. Isaak Wucher; Kassier, Ing. Josef Sch i eber; Schriftführer jur. Bruno Beral. Ferner wurde der einhellige Beschluß gefaßt, Herrn Reichsratsabgeordneten Dr. Benno Straucherzu ersuchen, das Protektorat dieses Vereines zu übernehmen, welchem Wunsche Herr Straucher auch in äußeist liebenswürdiger Weise sofort nachkair. Es ergeht nun an alle Bukowinaer dieebensohöfliehe wiedringende Bitte, ihrer armen studierenden Jugend in Wien beizustehen im Kampfe ums Dasein, um Arbeit, um Brot. Zuschriften und Geldsendungen sind zu richten an jur. Bruno B e r a 1, IX., Glasergasse 7. b. Kuttenberg. In Kuttenberg fand am 24. d. M. eine Versammlung der tschechischen Assimilanten statt. Außer den Zionisten, den eingeiadenen Ariern und den Einbcrufern waren auch einige nichtzionistische Juden aus Kultenberg anwesend. Der Referent, Dr. Schulhof, wollte um jeden Preis mit Hilfe anthropologischer Hypothesen und geschichtlicher Annahmen beweisen, daß die Juden weder Semiten, noch eine Nation seien. Herr Max L ederer, der vor kurzem in Prag eine Rede vorgelesen hatte, tat das hier wieder. Doch ließ er die gegen die Zionisten gerichteten Stellen weg. Gesinnungsgenosse Dr. S i n g e r aus Kolin ging in seiner Erwiderung von dem Zusammengehörigkeitsgefühle der Juden aus und legte in trefflicher Weise unsere Stellung zum tschechischen Volke klar. Wir haben weder einen Grund, noch den Willen, Germanisationspolitik zu treiben. Und wie die Tschechen Amerikas nicht als Feinde Amerikas betrachtet würden, wenn sic mit tatkräftiger Sympathie ihre außeramerikanischen Volksgenossen lieben und stützen, so gilt das auch für die Zionisten. Ebenso fällt es uns nicht ein, besonders wenn unsere Muttersprache die tschechische ist, die tschechische Kultur zu bekämpfen. Aber gerade weil wir uns nicht politisch prostituieren, seien wir der Sympathie der tschechischen Intelligenz sicher. Herrn Schulhof erwiderte Herr JUC. Gold-’ stein (Prag, Bar-Kochba). Wenn man uns Juden die Nation und Rasse abstreiten will, so könnte man auch sagen, die Tschechen seien weder Slaven noch eine Nation. Einen trefflichen Beweis für das doch vorhandene Zusammengehörigkeitsgefühl bot die Energie, mit der sich Herr Leder gegen die Bemerkung des Redners verwahrte, der — zu diesem Zweck — das Judentum des Herrn Lederer ein wenig anzweifelte. Die Herren Gesinnungsgenossen Markus aus Kuttenberg und G r ü n h u t aus Kolin ergänzten die zionistischen Argumente, die sichtlichen Eindruck machten. Es wurde nur tschechisch gesprochen. Leitmeritz. Am 2. Februar fand in Leitmeritz der erste jüdische Unterhaltungsabend statt. Ein. großer Teil der jüdischen Bevölkerung war erschienen. Das Programm war anregend. Frl. Töpfer eröffnete durch einen trefflichen Klaviervortrag, eine dramatische Szene wurde unter Leitung des Herrn Knüpfer lebhaft gespielt, die Herren Heller und Knüpfer wirkten durch heitere Vorträge. Herr stud. Fischer (Bar-Kochba, Prag) und stud. Wittmann (Barissia, Prag) rezitierten Gedichte Rosenfelds, und wahrten damit den jüdischen Charakter des Festes, dessen Reinertrag zum Teil für den Nationalfonds verwendet wird. Prag. Am 7. Februar versammelte der Jüdische Frauenverein seine Gäste wieder zu einem Teenachmittag. Herr Ing. G o 111 i e b sprach in fesselnder Weise über die jüdischen Studenten in Rußland und das Leben der jüdischen Flüchtlinge in Westeuropa. In glänzender Form spielte Frl. Slata S w a i r 1 o f f das Cello. Mit besonderer Feinheit brachte sie Poppers Gavotte zum Vortrag. Das Publikum dankte ihr stürmisch. Frl. Elsa W o 11 n e r rezitierte mit wirkungsvoller Kunst, die über gewöhnliches Dilettantenkönnen steht, Heine, Goethe, Salus. Zum Schluß sang Herr Oberkantor Kornitzer zwei Lieder Mendelssohns mit seiner modulationsfähigen Stimme, die alle Gefühle beherrscht. Die Damen des Frauenvereines, unterstützt durch die jungen Damen, die sich ihrer wichtigen Aufgabe bewußt sind, wissen die gemütliche Stimmung zu einer dauernden Einrichtung zu machen. Wien. (Jüdisch-akademische Verbindung „lvria“.) Die Chargenwahlen für das Sommersemester 19G9 (XXXVI.) hatten folgendes Ergebnis: Cand. jur. Leopold Leschner x, jur. AdolfBrand xx, jur. ArthurReik vrxx. Stulpikany. (Gründung eines Vereines.) Dank dem eifrigen Bestreben der Herren Seide, Leres und Mendel Brecher bildete sich in unserem Dorfe ein jüdisch-nationaler Verein „Makkabäa“. Bei der am 6. d. M. in dem Vereinslokale abgehaltenen 1. ordentlichen Generalversammlung hielt Herr Mendel Brecher dem in Wien allzufrüh verstorbenen Gesinnungsgenossen Herrn Dr. Leopold Kahn einen warmen Nachruf. Nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes seitens des Herrn M. Brecher wurde die Wahl vorgenommen, welche folgendes Resultat ergab: Seide Leies Obmann, Aba J u r g r a u Obmannstellvertreter, Mendel Brecher Schriftführer, Motel Haber Kassier. Meier Eisenthal Bibliothekar und Zeitungsverweser; Pinkas Horowitz, Chaim H. Bl ec her, Josef Sa ln er ohne Funktion. Herr Seide Leies dankte für das ihm geschenkte Vertrauen. Die Erschienenen verließen unter brausenden Hedad-Rufen auf den Obmann den Saal. Aufruf In der Trauersitzung vom 27. Jänner 1909. zur Ehrung ihres Ehren-Mitgliedes sei. And. Dr. Leopold Kahn, gew. Mitgliedes des e. A.-C. hat die Vereinigung jüd. Hochschüler aus Galizien „Bar-Kochba“, in Wien, den Beschluß gefaßt, einen „Leopold Kahn- Hain“ zu gründen, und sind bereits für diesen Zweck 25 Oelbäume gespendet worden, ln der Ueberzeugung, daß der Verblichene vieler Anhänger und Verehrer für seine tatkräftige und unermüdliche Arbeit für die zionistische Idee sich erfreute, erlauben wir uns diejenigen Gg. Gg., die durch Oelbaumspenden ein ewiges Denkmal einem ihrer Ersten und einem ihrer Besten errichten wollen, zu ersuchen, die Oelbäume in den von der „Bar-Kochba“ zu gründenden „Leopold Kahn-Hain“ anweisen zu wollen. Mit zionsgrüßen 1. A. d. V. 1 U. c. Menachem sclunorak, 1. ü. C. Hiiöin Besen. dz Präses. dz Schriftf. Kundmachung. (Kaiser Franz Josefs-Ferienheim.) Die Anmeldungen für die diesjährigen Rekonvaleszenten-, Herzkranken-, Skrofulösen- und Erholungskolonien dets „KaiserFranz Josefs- Ferienheim“ werden vom 15. Februar d. J. ab, an den Tagen Mittwoch, Donnerstag, Freitag und in eer Zeit von 4—6 Uhr nachmittags, im Vereinsbureau, IX., Türkenstraße 17 enjgegengenommen. Hiezu haben sich die Angehörigen' des betreffenden Kindes (Vater, Mutter, Vormund oder Pflegeeltern) m i t dem betre f Fe nden Kinde im Vereinsbureau einzufinden; Mitnahme eines Mittellosigkeitszeugnisses erwünscht. Es wird schon jetzt darauf aufmerksam gemacht,' daß nach Abschluß der Anmeldungen, welcher anfangs April erfolgt, einlaufende Gesuche keine Berücksichtigung mehr finden können. Liste der Ueberläufer. (Vom 10. Februar bis 17. Februar 1909. Moritz Nagelstein; 1859, jaroslau, verheiratet, Gold-; arbeiter, VII., Hermanngasse 21. Johanna geb. Simon Reichenberger, 1879, Frankfurt a. M., verheiratet, III., Marxergasse 17. Berthold Reichenberger, 1870, Idingau (Baden), verheiratet, Prokurist, III., Marxergasse 17. Anna Berger, 1878, Karlstadt (Kroatien), ledig, Private, I., Führichgasse 3. Ottilie Spiegel, 1876, Wien, ledig, Korrespondentin, XVIII., Messerschmidtgasse 15. Hany Freund, 1876, Wien, verheiratet, privat, XVIII., Karl-Ludwigstraße 27. David Julius Schwarz, 1877, Jaroslau (Galizien), ledig, Mag. d. Pharmazie, II., Wolfgang Schmälzlgasse 19. Olga geb. Porges Kobler, 1874, Reichenberg (Böhmen), verheiratet, Arztensgattin, IX., Währingerstraße 15. Heinrich Lustig, 1884, Wien, ledig, X., Inzersdorferstraße 114. Emil Steiner, 1884, Wien, ledig, Elektromonteur, II., Stemeckplatz 5. Ignatz Czerwenka, 1874, Wien, ledig, Revident der k. k. Südbahngesellsshaft, IV., Schönburgstraße 42. Dr. Ferdinand Winkler, 1870, Wien, ledig, Arzt, II., Praterstraße 21. Mathilde Sandhaus, 1894, Wien, Tochter der Rosa Sandhaus aus Rzeszöw Chrzanow.*) *) Seit der Massentauferei im Chrzanower Waisenhaus im Mai v. J-, die Aufsehen erregt hat, ist es der zweite Fall, in welchem ein jüdisches Kind dem frommen Bekehrungseifer eines Proselytenmachers zum Opfer fällt. Nichtsdestoweniger unternimmt keine berufene Organisation wie zum Beispiel der Gemeindebund energische Schritte, um diesem Uebel zu steuern. Nr. 8 In der vorletzten Uebertrittsliste waren zwei Fälle enthalten, die eine nähere Besprechung verdienen. Herr Martin Mühsam, Beamter der Anglobank, ist der Sohn des im Vorjahre verstorbenen Rabbiners Dr. Mühsam, der lange Jahre verdienstvoll in Graz gewirkt hat und desseu gesammelte Predigten kürzlich erschienen sind. Herr Mühsam jun. fiel ab, weil ihm eine Kultussteuer von K 20.— vorgeschrieben wurde. Frl. Dora Byk ist die Nichte des vor zwei Jahren verstorbenen Kultuspräsidenten von Lemberg, Reichsrats- und Landtagsabgeordneten Dr. Emil Byk, der als jüdischnationaler gewählt, Führer aller Moschkos wurde, und die Tochter des Oberstabsarztes i. P., Dr. Oswald Byk, der seinen Bruder in einer biographischen Skizze als V o rb i I d des Judentums pries und seither in der „Polnischen Post“ die Juden vor dem bösen Zionismus warnt. Frl. Byk war zum Abfall gezwungen, da sie den getauften Juden, Dr. Med. Peter Fellner, vormals Leo Pollak, heiratet, der das Opfer seiner Ueberzeugung nicht bringen konnte. Unsere Leser werden gebeten, interessante Daten über die von uns verlautbarten Apostasiefälle uns jeweils mitzuteilen. Achtung! Letzthin haben zwei Angestellte der Chaluka bei Verteilen ihrer Büchsen erklärt, diese seien Nationalfond-Büchsen. Der Maler Herr David Kohn,. Obmann des aus ihm, Herrn Ober-Rabbiner Dr. Güdemann und Herrn Kultusvorsteher Dr. Alfred Berger bestehenden Wiener Chaluka-Komitees, hat wohl über unsere Beschwerde in loyalster Weise eine Untersuchung des Falles zugesichert, dennoch ist es nicht überflüssig die Aufmerksamkeit unserer Gg. wachzurufen. Denn die 5000 neuen Chaluka- Büchsen, mit deren Verteilung nunmehr begonnen wurde, haben eine große Aehnlichkeit mit unseren N. F.-Büchsen, sowohl nach Größe, als auch nach Farbe (Goldschrift auf blauen Grund) und tragen auch einen Zionsstern. Hingegen unterscheiden sich, die Chaluka-Büchsen durch ihre ovale Form und dadurch, daß sie keine Nummerierung tragen, von den unseren. Wir legen Wert darauf, zu betonen, daß uns eine Anfeindung der Chaluka oder eine Schmälerung ihrer Einnahmen ferne liegt, doch muß jeder Ve— wirrung im Publikum vorgebeugt werden, jeder Spender soll sich klar sein, ob er eine Spende „den armen Glaubensgenossen der österreichisch-ungarischen Gemeinde im heiligen Lände“ als Almosen und zur Förderung des Talmudstudiums (Chaluka) oder aber unserem N. F. zum Bodenkauf und zur Förderung produktiver Tätigkeit in Alt-Neuland widmet. Unsere Gg. werden aufgefordert, den Unterschied zwischen Chaluka und Nationalfond, unseren und jenen Büchsen überall klarzustellen und jeden Fall der Verdunkelung dieses Unterschiedes sofort zu unserer Anzeige zu bringen. Mit Zionsgruß Sammelstelle des Jüdischen N. F. für Oesterreich Wien.. II, TürKenstrasse Nr. 9. Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Oesterreich Wien IX., Türkenstrasse 9. Der jüdische Nationalfonds ist dazu bestimmt,, in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen. Volkes zu erwerben. Vom V. Zionistenkongreß 1901 gegründet, beträgt er bereits 1*8 Millionen Kronen. Allgemeine Spenden. Jeder Jude soll bei allen Anlässen des I. N. F. gedenken. Alland. I.-Oe. Per Rosenbaum: Dieser 1.—, Ecker 0.60, Klinger 0.50, Eisler 0.40, Hauser, Schwarz

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