Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 3 (15.1.1904)
- Date
- 1904-01-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2432763-2433023-2433026--2262-2436108- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 3 Wien, Freitag dern, sondern nur, falls sie unnötig geworden, das Odium auf uns nehmen. Ussischkins Vorschläge sind ebenso legal und diskutabel, als jene Oppenheimers. Wahr ist, daß die Deputation beauftragt war, Falls Herzl unsere Vorschläge ablehne, ihm diese in schriftlicher Form als Ultimatum zu überreichen und ihm zur besseren Dokumentierung einen schriftlichen Bescheid abzuverlangen. Das Ultimatum hatte den Sinn, daß die Deputation im Ablehnungsfälle die anderen russischen Rayonsvorsteher telegraphisch zu einer neuen Konferenz einberufen sollte. Wir sind also energisch, aber nicht illegal vorgegangen. Herzl hat mich erst privat empfangen und heute waren wir in der Sitzung des kleinen A.-C., dessen Beschlüsse vorläufig geheim bleiben." Wien. Der Ausschuß des Verbandes der isr. Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen hielt am 10. Jänner d. I. unter dem Vorsitze des neugewählten Obmannes Herrn Rabb. Dr. Feuchtlvang die erste Sitzung ab. Zu Beginn derselben richtete der frühere Obmann Prof. Dr. Weiß an den Vorsitzenden warme Begrüßungsworte, welche derselbe mit herzlichen Worten erwiderte. Zum Obmann-Stellvertreter wurde Prof. Dr. Weiß, zum Kassier Prof. Dr. Goldhammer bestimmt. Der Vorsitzende gibt bekannt, daß Se. Exzellenz der Herr Minister für Kultus und Unterricht für die während seiner Krankheit vom Verbandsausschusse ihm bewiesene Teilnahme seinen Dank freundlichst übermittelt hat. Betreffs der bei der Generalversammlung beschlossenen Aenderungen der Statuten werden die hierzu nötigen Schritte ehestens unternommen werden. Prof. Dr. Weis; wird mit der Abfassung einer Petition betreffs der Rechtstellung der Religionslehrer an den Mittelschulen betraut. Dieselbe soll nach eingehender Beratung des Ausschusses in Druck gelegt und an alle im Religionsunterrichte wirkenden Lehrer zur Unterschrift versendet werden. Es wird beschlossen, regelmäßige Monatssitzungen äbzuhalten und die gefassten Beschlüsse im „Jüdischen Volksblatt" und in der österreichischen Wochenschrift „Wahrheit" zu veröffentlichen. Die Jahresbeiträge werden in Zukunft durch Mahnbriefe eingefordert und an die Mitglieder die Frage gerichtet werden, ob sie gestatten, dieselben durch Postauftrag einzuheben. Von der Anregung', die für Religionslehrer wichtigen Verordnungen, Gesetze und Erlässe herauszugebetz, beschließt der Ausschuß, mit Rücksicht darauf Umgang zu nehmen, daß eine solche Publikation von maßgebender Seite in Aus-« sicht gestellt wurde. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. Vorträge aus jüdischer Geschichte. Montag den 18. Jänner 1904, präzise 7 Uhr abends, im Festsaale des niederösterreichischen Gewerbevereines, 1. Bcz., Eschenbachgasse 11. Herr Dr. Max Grunwald: „Geschichte der Juden in Deutschland und Oesterreich." (Fortsetzung.) Mit Vorführung von Lichtbildern. Der Eintritt ist frei. Wien. Freitag abends, den 16. ds., Predigt im Stadttempel. Die Stadtgemeinöe Men und die Tramwaybedicnsteten. Die Direktion' der städtischen Straßenbahnen hat einen Erlaß herausgegeben, wonach alle Ausländer, speziell Ungarn, welche bis zum 1. Jänner 1905 nicht in Men zuständig sind, aus ihrem Dienste entlassen! werden. Dieser Erlaß ist ein Beweis' für! die unerhörte Doppelzüngigkeit, welche die Stadtgemeinde Wien in Sachen des Heiinatsrechtes befolgt. Einerseits verwehrt sie allen Ausländern, speziell den jüdischen, mtt> zäher Nabulistik gegen' den klaren Wortlaut des Gesetzes den Zugang zur Zuständigkeit; andererseits läßt sie durch die Direktion der städtischen Straßenbahnen den Ausländerin androhen, daß sie, falls, sie in Wien nicht zuständig werdesi>, aufs Pflaster geworfen "werden. Die armen Kondukteure und Motorführer werden jetzt! natürlich rasch um ihre Zuständigkeit einreichen. Die Gemeinde Wien wird zwnr nicht rafch>, aber regelmäßig das Gesuch zurückweisen. Die Statihalterei wird die Entscheidung der Gemeinde Men aufheben! und die Gemeinde Wien wird zuerst die Entscheidung einige Wpch!en liegen lassen und dann wieder an das Ministerium! des Innern rekurrieren. So wird glücklich der 1. Jänner! 1906 verstreichen, die Tramwaybedieusk>ten werden nicht nach Wien zuständig sein und — man wird einige Juden aufs Pflaster werfen. Quod erat demonstrandum! Der zehnte Todestag Dr. Adolf Jellineks. Am 7.ds.veranstaltete das Wiener Bet-Hainidraseh anläßlich des zehnten Todestages des vereinigten Predigers Dr. Adolf Jellinek eine Gedenkfeier, bei welcher soivohl dos Kuratorium des Bct-Hamidrasch, wie auch die Kultusgemeinde, Chewra Kadischa, das Rabbinat und die israel. theol. Lehranstalt vertreten waren. Die Gedenkrede hielt der beliebte Rabbiner Dr. Adolf Schmidl. In meisterhafter und au geistreichen Apercus überaus reicher Rede besprach Dr. Schmidl die Verdienste Jellineks als Kanzelredner, Historiker und Geschichts- Philosoph. Der Vortrag machte einen außerordentlichen Eindruck auf das Publikum, in welchem sich auch ein Sohn und die Tochter Jellineks befanden, und hauptsächlich gilt dies von dem Schlußakkorde der meisterhaften Rede, in welchem Dr. Schmidl hervorhob, daß die Trauerfeier hauptsächlich den Zweck habe, darzutun, daß wir Juden unsere Großen nie vergessen, ihre Verdienste stets zu schätzen wissen, damit Väter und Mütter angeeifert werden, ihre Söhne und Töchter zu einer für das Recht unb den Ruhm unseres 'Volkes kämpfenden Generation heranzubilden. Dieser wunderfchöne Gedanke wurde leider durch die Erinnerung, daran getrübt, daß Jellineks Beredsamkeit und Gelehrsamkeit es nlcht zu Verbindern vermochten, daß auch eines seiner eigenen Kinder dem Judentum später den Rücken kehrte. Nach Absingung des El mole rachamim durch Kantor Blatt und Rezitierung des Kadischgebctes durch Lektor Friedmann fand die erhebende Feier ihren Abschluß.; Lit. Geselligkeitsverej,, jüd. Mädchen „Moria". Samstag! den 23. d. M. findet im Hotel Zentral, 2. Bez,, Taborstr. 8, eine Akademie mit anschließendem Tanzkränzchen statt. Ein reichhaltiges Programm ist durch die freundliche Mitwirkung hervorragender Kuustkräfte gesichert. Einzelkarten zu 2 K., Familieukarten zu 0 K. und Studentenkarten (Arbeiter-) zu 60 H. sind im Vorverkauf erhältlich: im Kongreßbureml 9. Bez., Türkeustr. 9', Redaktion der „Welt", bei der Präsidentin Frl. Berta Hermann, 8. Bez., i Josefstüdterstr. 9, sowie bei sämtlichen Komiteemitgliedern. Lit. Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria". Samstag den 10. ds. hat Frl. Friedmann vor einem sehr zahlreichen Publi-. Tum über „Das Ferienheim zu Tischnowitz" einen Vortrag ge-: halten. Redncrin erntete reichlichen Beifall für ihre interessanten Ausführungen. Theologischer Verein der Hörer an der Isr. Theol. Lehranstalt in Wien. Der Theolog. Verein der Hörer an der Isr. Theolog. Lehranstalt in Wien bringt hiermit zur Kenntnis, daß das Vereinsmitglied Herr S. Zimmels Samstag den 16.ds. um 9 Uhr beim Abendgottesdienste im Bet-Hamidmsch (Tempel- -gasse 3) eine Predigt abhalten wird. Turnverein „Zion" in Fttnfhaus. In der am 9. Jänner stattgehabten Genevalver sammlnug wurden folgende Herren gewählt: Präs. Hugo Rechnitzer, Vizepräs. Jug. Max Steinherz. Turnleiter unbesetzt. Turnleiterstellvertreter Herr Schreiber. Kassier: Herr S. Wollner, Kassierstellvertreter Herr Mandelbaum. Materialverw. Herr Ludtvig Blum. Materialverw.-Stellvertr. stud.' Jüdiecfaee Volksblatt. 16. Jänner 1904 Seite 5 iug. Joh. Klein. Schriftführer stud. Phil. Jul. Schüller, Schriftführer-Stellvertreter Helene Grünbaum. Beiräte: Jos. Klein, Jsid. Brückner, Erwin Freund, stud. jur. Siegs. Bader. Revisoren: Oswald Weiß, Anton Stern, Adolf Neufeld. Prag. Der Jüdische Volksverein veranstaltete am 2. Jänner l. I. im Smichob, einer Vorstadt Prags, eine Versammlung, auf deren Tagesordnung das Thema: „Organisation des Judentums" stand. Der Saal des Hotels „Na Kuizeci" war schon lange vor Beginn voll, der Kultnsvorstand war fast vollzählig erschienen, und die Hauptsache — die tschechischen Assimilanten, unsere alten Gegner — waren in großer Anzahl vertreten. Es war also vorauszuschen, daß es zu einem harten Kampfe kommen wird — daß aber diese Herrschaften so wenig Takt und Charakter zeigen werden, wie es zum Schluß der Versammlung geschah, hatte niemand erwartet. Der Referent Herr Philipp Lebenhart entledigte sich in bewährter Weise seiner Aufgabe, indem er die Geschichte des Judentums in beredten Worten schilderte, auf die Organisation des Zionismus hinwies und die bisherigen Erfolge desselben hervorhob. Wie es ja zu erwarten war, boten die tschechischen Assimilauten! alles auf, um die Versammlung zu sprengen; da es jedoch nicht gej lang, bewiesen sie nach Schluß eine besondere Routine im Krakehlen und Schimpfen. Der Student S. persiflierte die „Hatikwah" und diese Provokation war der Grund, daß ein jüdischer Hochschüler ihn seines ungebührlichen Betragens wegen aus dem Saale herausführte. Dies war das Zeichen zum allgemeinen Lärmschlagcn und wüsten Schreien von den Assimilauten, die, nebenbei gesagt, bei der Versammlung nur als Gäste anwesend waren, so daß der Kommissär gezwungen war, zur sofortigen Räumung des Saales aufzufordern. Das Fazit dieser Handlungsweise ist, daß die Assimilanten die wenigen Sympathien der Bewohner Smichovs ganz und gar verloren. Aus der Debatte greife ich nur einige Aeußerungen heraus. So sagte z. B. ein Advokat Dr. H.: „Den Zionismus kenne ich zwar nicht, ich habe mich mit ihm nie beschäftigt, muß jedoch betonen, daß ich diese Bewegung für äußerst schädlich halte." Ein anderer Herr, der auch akademische Bildung hat, tat die klassische Aeußerung, daß die Juden an dem Wachsen des Antisemitismus selbst schuld sind. Ein jüdischer Antisemit! Die witzigen Aeußerungen der Gegner, welche sie untereinander austauschten!, sind auch würdig, verewigt zu werden. So meinte der Schweinehändler H.: „Ich soll nach Palästina gehen? Dort könnte ich ja keine Schweine verkaufen!" Das moralische Fiasko, welches die Assimilauten in Smichov sich geholt haben, reiht sich würdig an ihre frühere Geschichte. Hoffentlich werden wir bald Gelegenheit haben, von der Gründung seines zionistischen Vereines in Smichov zu berichten!! Prag. Der Isr. Hilfsverein für Armen- und ' Krankenpflege veranstaltete gemeinsam mit dem Tempelgesangsverein in Kgl. Weinberge am 9. Jänner einen Unterhaltungsabend. Der große Saal der Restauration Heine war schon lange vor Beginn voll und besonders die Damenwelt war stark vertreten. Der Tenorist A. Ebner brachte einige Lieder zum Vortrag, die allgemeinen Beifall fanden. Das Mitglied des Deutschen Landestheaters Herr Willy Bauer trug durch seine humoristischen Vorträge zur fröhlichen Stimmung bei. Ebenso erntete das beliebte Mitglied des Landestheaters und Primadonna des Tempelgesangvereines Frl. Elsa Reich für ihre gelungenen Gesangsvorträge stürmischen Beifall. Die exakt zum Vortrag gebrachten Chöre des Vereines unter Leitung des Regenschori Herrn Richard Taussig zeugten wieder von der künstlerischen Höhe, auf welcher der Verein steht. Den Abschluß des Abends bildete eine gelungene Operette: „Die Fürstin' Patschuli oder Friseure auf Reisen", die wahre Lachsalven entfesselte. Besonders verdient die Leistung des Herrn Kerner als Schulze hervorgehoben zu werden; das von ihm verfaßte Couplet mit Anspielungen auf einzelne Personen der Gesellschaft erntete einen derartigen Beifall, daß er sich zu einer äußerst gelungenen Zugabe entschloß, in der er die Assimilationsbestrebimgen sehr scharf geißelte. Seine Partnerin Frl. Erna Fr e u n d, ein junges, hoffnungsvolles Talent, sekundierte Herrn Kerner in sehr guter Weise und gewann durch ihren natürlichen Humor bald die Sympathien aller. Herr Schoetker fand sich in seine Rolle als Attachee und Friseurgehilfe sehr gut. Die Rolle der Fürstin Patschuli hatte Frl. A d a H a u e r, eine bewährte Kraft, inne und charakterisierte in trefflicher Weise die despotischen Launen einer russischen Fürstin. Das Zusammenspiel war dank der trefflichen Regie des Herrn! Richard Taussig, dessen Bemühungen auch das Gelingen des ganzen Abends zu verdanken ist, sehr gut. Die Klavierbegleitung besorgte Herr Fritz Taussig. Dem wohltätigen Zweck wurden zirka 600 Kronen zugeführt. Prag. Durch ein Versehen wurde der Name des Festredners bei der Makkabäerfeier weggclassen. Die Festrede hielt das Mitglied des A.-K. Herr Dr. Leopold Kahn aus Wien. Auf der Platform. Trotz des strengen Polizeiverbotes (oder wegen des Verbotes?) springe ich auf den Wagen der Tramway „Kai-Rmg-Ruud". Die Platform ist dicht besetzt.. Auf einmal höre ich: „So 'ne Frechheit. Wir haben damals eingereicht, um Ermäßigung für die Fahrt. Da schreibt uns die Direktion, daß die „Turnerlust" ein politischer Verein ist und politische Vereine keine bekommen." — „Bei der „Eiche" war dasselbe," sagt der andere. Aha, denke ich mir, deutsche Torner vom „Deutsch-österreichischen Turnverein". Richtig. Denn sie schwelgen in Erinnerungen an das letzte Turnerfest in Nürnberg. „Schön war's doch," fängt der eine wieder an. „Aber aufpassen haben wir müssen, daß der Sonnenschein seine Punkte kriegt. Die Antisemiten haben ihm keinen einzigen gegeben." — „Was, Antisemiten; Antisemiten mehr oder weniger waren sie alle und wir Freiheitlichen waren hübsch unter uns." Unter diesen Gesprächen waren wir glücklich am Schottenring angelangt. Die deutschen Turner stiegen mis. Wohin sie gingen? Aber, lieber Leser, weißt du denn nicht, daß am Schottenring koschere Würsteleien sind? Jüdische Toynvee-Halle, Wien, 20. Bez., Karajangaffe 20. Vortragsordnung: Samstag den 16. Jänner 1904: Konzert. Sonntag den 16. Jänner 1904: Frl. Dr. Rosa Fliegelmann: Francois Villon. Montag den 17. Jänner 1904: Dr. Werner: Vorlesung. Dienstag den 18. Jänner 1904: Frl. Fried mann: Schule und Haus. Mittwoch den 19. Jänner 1904: Dr. Leopold Kahn: Israels Wanderung in der Geschichte. Donnerstag den 20. Jänner 1904: Offizial der israelitischen Kultusgemeinde Herr Guido Fuchs gelb: Die Sprache der Ziffern. Freitag den 21. Jänner 1004: Dr. R o s c u m a u n: Bibelvortrag. Samstag den 22. Jänner 1904": Konzert. Anmeldungen zu Vorträgen wolle man freundlichst an Herrn Dr. S i e g m u n d Werner, 0. Bez., Nutzdorferstmße 16, Mitgliedsanmeldungen an Herrn I o h. Kremen e z k y, 9. Bez., Eisengasse 6, richten. An die P. T. Vereine und Vertrauensmänner des innerösterr. Distrikts-Komitees! Nachdem sich imfcr Obmann, Herr Dr. Max Bernhardt aus Gesundheitsrücksichten und beruflichen Gründen vemnlaßs gesehen hat, Wien für« längere Zeit' zu verlassen, wird am 2. F e b r u a r d. I. um halb 4 Uhr im Kongreßburoau, 9. Bez., Türkenstr. 9, eine außerordentliche D i st r i k t s v e r s a m m l u n g mit der folgenden Tagesordnung stattfinden : 1. Wahl des Obmannes; 2. Ergänzungswahlen; 3. Die Wiener, Kultusgemeinde und die Kischeniewer Waisenkinder; 4. Eventualia. Stöckern«. Dienstag den 8. d. M. fand unter großartiger Beteiligung aus Nah und Fern die Einweihung des vom hiesigen Minjauverein erbauten Gotteshauses statt. Nach exakter Absingung des Mah-Tawu unter Chorbegleitung durch den .mmtor Herrn W erde s h e i m wurde die Feier vom verdienstvollen Obmann Herrn Bernhard Schneider mit einer begrüßenden Ansprache eröffnet. Hierauf wurden die Thora-Rollen in die Bundeslade gebracht, worauf Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Rosen mann aus Floridsdorf die überaus eindrucksvolle, formvollendete Festrede hielt, in welcher er anschließend an das Prophetenwort „Nicht durch Menge und nicht durch Macht, sondern durch meinen Geist allein" die Geschichte des isr. Glaubens in schwungvollen Worten schilderte. Das Kaisergebet und stimmungsvoller Chorgjescmg schlossen die Feier. Eine angenehme Ueberraschung wurde der Gemeinde zuteil, als der anwesende Statthaltereirat R a g l das Wort sich erbat und in warmen Ausdrücken den Patriotismus der Juden feierte. Im überfüllten Gotteshause bemerkte man außer dem obgencmnten Herrn Statthaltereirat Oberstleutnant Baron Vogelfang in Vertretung des Regimentsobersten, Landesgerichtsrat Dr. K e i p - per, Bürgermeister S ch a u m a n n', Vizebürgermeister W'einek und mehrere Gemeindevertreter, die Doktoren S p i l m a n und H i l l e r, die Vorstände der Sparkasse, Stationsvorstand Baumgart, Schuldirektor Prantner, Knltuspräsident Dr. König, Vizepräsident Emanue'l G rü n w a l d samt Frau Gemahlin, Max Neu mann, Obmann der Chewra-Kadischa, Dr. Leopold Grünwald, Obmann der Talmud-Thora, sämtliche letztere aus Floridsdorf; die Minjanvorsteher M. Sofer, E. Lederer, L. Deutsch und Kantor Z e l i n l a aus Korneuburg, Herr Malis ch, Vorsteher aus Oberhollabrunn und Herr Kantor Jellinek. An die offizielle Feier schloß sich eine gemütliche Unterhaltung, bei der verschiedene Toaste ausgebracht wurden, in welchen die Verdienste des Obmannes des Minjauvereines» Herrn Bernhard Schneider, und des Obmannes des Tempelbaukomitees, Herrn Kultusausschusses Em. Edelhofer und der anderen Herren H. M n n k und S. Stern gedacht wurde. Frohgcstimmt schieden die Teilnehmer mit dem Bewußtsein, ein herzliches, unvergeßliches Fest, das zugleich ein wahrer Kidusch-Haschem war, miterlebt zu haben. Die allpolnische Bewegung. Wenn man den Berichten galizischer Blätter Glauben schenken darf, so wäre der gänzliche politische Bankerott der Partei allpolnischer Schreier, welche seit einigen Jahren in Galizien ihr Unwesen treibt und das öffentliche Leben in diesem Lande förmlich verpestet hat, nur noch die Frage einer kurzen Zeit. So berichtet das radikale Blatt „Monitor", welches sich durch das indiskrete Aufwühlen mancher Geheimnisse und Skandale bereits einen Ruf erworben hat, daß die Zahl der Abonnenten des großen allpolnischen Blattes „Slowo Polskie" in der letzten Zeit um mehr als 3500 abgenommen habe und daß die Herausgeber desselben sich vertraulich au verschiedene Finanzleute mit der Bitte um materielle Unterstützung gewendet haben, wogegen sie sich crbötig gemacht haben sollen, ihr politisches Programm dem^ Wunsche der neuen Gönner möglichst anzupassen. Derlei politische Geschäfte werden selbstverständlich sehr geheim abgewickelt.. Darum kann man vorläufig diese Meldungen nicht auf ihre Richtigkeit prüfen, trotzdem scheint es keinem Zweifel zu rnrterliegen, daß im Schoße der allpolnischen Partei eine wichttge Gährnng vor sich geht. Die Führer derselben vollziehen eine recht bezeichnende Frontveränderung auf der ganzen Linie und stimmen die Melodie jener Schlachtrufe, die sie vor zwei Jahren mit einem an Arroganz grenzenden Selbstbewnßtsein in die Massen schleuderten, sehr wesentlich herab. Jetzt aber, da man anläßlich der ungebührlichen Verwendung des polnischen Nationalschatzes durch die allpolnischc Nationalliga sich daran erinnert, daß nach den Intentionen der Schöpfer dieses Schatzes dessen Einki'mfte unantastbar seien und nur zur Stärkung des künftigen polnischen Kriegsschatzes dienen sollen, vertreten dieselben allpolnischen Blätter gerade entgegengesetzte Theorien von denen, die eigentlich die ganze Existenz der allpolnischen Partei begründet haben. Sie schreiben, es sei ein Unsinn, jetzt an das Gelingen bc§ bewaffneten Aufstandes zu denken und der nationalen Arbeit müsse daran liegen, das nationale Bewußtsein polnischer Bauern zu heberr und dergleichen. Das sind jedenfalls Symptome, welche darnaf hindeuten, daß die allpolnischen Charlatmre ihre bisherigen Ideale ab schwören und daß ihre Partei mit Riesenschritten einem politischen Bankerott entgegengeht. Kolomea. Die im dritten Jahre ihrer Wirkung bestehende Toynbee-Halle im Vereine „Beth Israel" erfreut sich in den Kreisen des hiesigen Volkes immer größerer Sympathie. Mit jeder Woche wächst die Zahl der Besucher, die sich meistens ans den Schichten des Kaufmanns- und Arbeitcrstandes rekrutteren. Die Frequenz der Besucher beläuft sich auf 300—400, die jeden Samstag die genug geräumigen Lokalitäten des obgenannten Vereines bis auf das letzte Plätzchen füllen und viele nrüssen Raummangels wegen betrübt nach Hause gehen. Gespannt lauschen die Zuhörer den Ausführungen des jeweiligen Prelegenten. Von den seit Beginn abgehallenen Vorträgen sind hervorzuheben: «Die Arbeit bei den Jude n", „U eber den N u tz e n der Toynbee- Halle u", sowie mehrere Vorlesungen mis jüdischen Dichtern von Herrn Löbel Taubes; «Der körperliche Ban des Mensche n" (in drei Fortsetzungen) und „V a r u ch S p i n o z a" von Dr. S. Nosenhech und viele andere von den Herren Moses Lachs, Moses Rosenkranz, sttld. jur. und Osias Fadenhecht. Besonders erwähnenswert ist der am Samstag den 2. Jänner l. I. gehaltene Vortrag von Herrn Norbert Kriegemann über Henrik Ibsens „Wildente". Das aus den vier Damen: Frau Griffel. Frl. Anna Kohn, Frl. Mina Fried und Frl. Pepi Hessel und vier ihnen assistierenden Herren: K., T., H., G. bestehende Tee-Komitee, entledigt sich seiner Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit der P. T. Besucher. Letztens wurde ein Entree von 4 Hellern eingeführt, das dem Nationalfonds unb der hiesigen jüdischen Volksbibliothek zugeführt wird. K. T. Zabreh. Am 3. Jänner a. c. fand in den Saallokalitäten des Herrn M. Haberfeld in Oüerfranzenstal eine von den Zabceher Zionisten veranstaltete Makkabäerfeier statt. Der Obmann des mähr.-schles. Distriktskomitees. Gg. Herr Max Hikl aus Brünn, hatte in aller Frenndlichkeit die Festtede übernonrmen. Der Redner hatte Gelegenheit, die hier herrschenden Assimilationsverhältnisse ins rechte Licht zu stellen. Auch die vom Mtkowitzer Tempelvereine veranstaltete Sylvestcrfeier blieb nicht unerwähnt. Aus dem reichhaltigen Programm lrärjm besonders hervochnheben „Die. Landstreicher". „Der Sturm", „Der jüdische Mai" von Morris Rosenfeld, der Violinvortrag „Kol Nidreh" und schließlich der Schwank „Im dritten Stock". Um das Zustandekommen des Festes machten sich besonders Gg. Leopold Regenbogen und Gg. David Meisl verdient. Bis in die späte Nachtstunde betvahrten die Anwesenden die fröhliche Stimmung. Wischau. Der Statthalter hat dem Herrn Jakob Weinberger, Lehrer an der Volks- und Bürgerschule in Wischau und zugleich Religionslehrer in der dortigen Kultusgemeinde!, die Medaille für die 40jährigen treu geleisteten Dienste verliehen. Ung.-Hradisch. Am 3.. Jänner d. I. veranstaltete unsere Verbindung „Achiwah" eine Makkabäerfeier, die, wenn man den spärlichen Besuch in Betracht zieht, nicht zur vollen gewünschten Ma-