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Jüdisches Volksblatt · 1904-01-15 · 3 (15.1.1904) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
3 (15.1.1904)
Date
1904-01-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Saite 6 Wien, Freitag «TtidiMhM Yolka&kÜ. 15. Jänner 1904 Nr. 8nifestation geworden ist. Kaum ein Dritteil der hiesigen Jnderrschaft hatte sich eingefunden; insbesondere glänzten durch ihre Abwesenheit Männer, die als Mitglieder der Kultusrepräsentanz — der Borsteher war am Erscheinen verhindert und entschuldigte persönlich sein Fernbleiben — zur Wahrnehmung und Förderung jüdischer Interessen berufen sind. Die Ursache dieses Ergebnisses liegt vornehmlich in der Verwertung bedauerlicher Mißverständnisse, die terwenziös von einer Seite hervorgernfen wurden, von der man es ihrer offiziellen Stellung in unserer Gemeinde nach am allerwenigsten ertrarten dürfte. Es ist sehr traurig, daß die vermeintliche Tatsache einer Zurücksetzung dieser Persönlichkeit die Quelle lebhaftester Gegenagitation bilden konnte. Ebenso war es äußerst auffallend und mußte nachgerade als Gegendenwnstration gegen unsere Feier, die jedes jüdische Herz anzugehcn hat, betrachtet werden, daß knapp vor dieser die Beschlüsse der Komiteesitzungen zu einem Balle des jüdischen Frauen-Freitischvereines, der am 17. ds. stattfinden und wobei lebhafte Fürsorge für das Erscheinen der unvermeidlichen Paradegojim getroffen werden wird, als Vorläufer (I) der Einladungen jedermann ins Haus geschickt wurden. Unsere Feier selbst verlief sehr würdig. Auf die kurze Begrüßung des Präses, jur. Max Körner, und die schwungvoll gehaltene Festrede des jur. Emil ^Schmitz, gab phil. Arthur Freud eine shste- Matische Darlegung der zionistischen Idee und unterzog die hierortigen Zustände einer scharfen Kritik. Nach Absingrmg einiger jüdischer Lieder wurde von Gg. Phil. Oscar Rosenfeld auf der Geige nebst anderem das «Kol Nidveh" innig und gefühlvoll zum Vortrage gebracht, worauf med. Isidor Löwh einen launigen Damentoast -sprach. Den Schluß bildete ein animiertes Tanzkränzchen. — Die eingeleitcte Agitation hat — wie bereits erwähnt — den herbeigesehnten Erfolg gezeitigt und konnte leicht einen fruchtbaren Nährboden in dem leider noch immer vorhandenen stumpfen Jndifferentismus und dem argen Verkennen jüdischer Denkungsart von Seite vieler unserer Juden finden. Früher affektierte man uns wenigstens durch zahlreichen Zuspruch weitestgehender Sympathien, jetzt glaubt man aber, in offenkundiger Aversion sich gefallen zu sollen. Sehr beklagenswert ist es, wenn ein Teil der jüdisch-aka- - demischen .Kreise durch apathisches Verhalten gegen alles Jüdische, die gegnerischen Gefühle und Ansichten stärkt. — Weder die von unseren Widersachern und unredlichenHalsfreunden mit so besonderer Vorliebe auf den Schild erhobene Opportunitätspolitik, noch unser ehrlicher und gerechtfertigter Radikalismus können angesichts solcher Verhältnisse Wandel schaffen, bevor nicht unseren jüdischen Mitbürgern die richtige Erkenntnis der Wirklichkeit zum Bewußtsein kommt. Zum mindesten aber müssen wir es uns schon von den Herren Gegnern verbitten, wie die Antisemiten angesehen und behandelt zu werden- V. W. Ausland. Die Charko w er Konferenz. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Ich hatte mit einem Mitgliede der Konferenz eine Unterredung, der mir Folgendes über die Wiener Reise mitteilte: Es waren nur zwei Mitglieder in W i e n (Rosenbaum und Bielkovsky), Tomkin- Odessa war verhindert. Herzl weigerte sich, sie als Deputation zu empfangen. Es wurde daher der Ausweg ge-; troffen,. daß eine Sitzung des Aktions-Komitee einberuftn zwurde, an der sie als Gaste laut Statut teilnahmem Herzl - verlangte aber ausdrücklich die Protokollierung des Umstandes, daß sie als Gäste und nicht als Deputation anwesend seien. Um ihren Angriffen zuvorzukommen, behandelte er sie als Ä n g e k l a g t e u n d nicht als A n - k l ä g e r. Er verlangte von ihnen Rechenschaft' über angebliche Aeußerungen, die ihm hinterbracht wurden. Infolgedessen war eine gedeihliche Auseinandersetzung unmöglich. Man beschloß daher als Ausweg eine Sitzung des Großen Aktions-Komitees einZuberufeu, um die Differenzen zu. schlichten. Die Aussichten sind aber nicht die günstigsten. Am Sonntag fand eine neuerliche Konferenz der Opposition statt. Ihre Beschlüsse werden geheimgehalten.; Ueber die widersprechenden Nachrichten betreffs des Ostafrika-Projekles und das Schweigen der o!ffiziell>cn Presse äußerte sich mein Gewährsmann dahin, daß die englische Regierung zwar nicht das Anerbieten zurückgezogen habe, aber an Stelle des fruchtbaren Terrains an der Bahn unfruchtbare Fieberstrecken!, Hunderte Kilometer abseits von der Bahn, angeboten habe. Dies sei gleichbedeutend Mit dem Scheitern des Projektes. Berlin. Ein fchjwerer Unfall hat den Herausgeber der „Jüdischen Presse" und Privatdozenten an der theologischen Hochschule, Dr. Hirsch H i l d e s h e i m e r, betroffen. Er geriet unter einen, Wagen der städtiischen Straßenbahn und Ivmide in schlwer verletztem Zustande in seine Wohnung transportiert. Innere Organe sind nicht verletzt. Dem Verunglückten wenden sich zahlreiche Shmpatien zu. Sümferopol. (Petition um Z nlassung der Juden.) Das Gouvernements-Landschaftsamt unterbreitete der Landschaftsversammlung eine Vorlage, nach welcher es den Juden, welche sich mit Handel besMftigen,, gestattet werden möchte,, im ganzen Gou-vevnM'Mt Tannen Unbehindert zu wohnen, und zwar im Interesse der Belebung des Handels und speziell des Kornhandels. Diese Petition geht aus dem Dnjeprowskischen Kreise aus und ist von Herrn Falz-Fein angeregt worden. Kostbare Handschriften. Die städtische Bibliothek zu Kassel besitzt eine recht wertvolle, wenn auch nicht ganz vollständige hebräische Handschrift des „Alten Testaments«. Sie stammt mit anderen Manuskripten aus der Erbschaft des Kurfürsten von der Pfalz, des letzten Sprosses der Pfalz-Simmer'schen Linie und war früher in Heidelberg aufbewahrt. Der Hanauer Superirstendent & G. Schiede hat 1748 eine 174 Seiten lange Abhandlmrg über sie in Brernen und Leipzig erscheinen lassen. Dies genügte jedoch dem berühmten Orientalisten I. D. Dttchaelis in Göttingen nicht, und er erbat sich die Handschrift zu weiterem Studium nach Göttingen. Der Landgraf Friedrich der Zweite gewährte die Versendung nach der benachbarten Universitätsstadt im Jahre 1767, ließ dieselbe unter dem Schutze einer Eskadron hessischer Husaren nach Göttingen schaffen, und sich-vom Rektor und Senat einen Revers über die unversehrte Rückgabe des Manuskriptes ausstellen. — Ditz königl. Bwliothek von Stockholm besitzt eine Bibel im Werte von 400 000 Mark. Dieselbe hat 160 Blätter, die 80 Zentimeter lang und 67 Zentimeter breit sind, Der Text ist mit prächtigen Minraturbildern illustriert, die Buchstaben sind 1 Zentimeter hoch, die Decke ist aus poliertem Eichenholz von zehueinhalb Zentimeter Dicke, die ganze Bibel wiegt — 60 Pfund. Nachklänge zum Kischenewer Prozeß. Zum Kischenewer Prozeß erhalten wir als Stimmungsbild die Zuschrift eines Reisenden, der im Zarenreiche in der Eisenbahn sich mit einem russischen Offizier über Kischenew unterhalten hat. Unser Gewährsmann berichtet uns: Ich schreibe Ihnen unter dem frischen Eindruck eines Gesprächs, das in interessanter Weise meine Kischenewer EWahrungen und Erlebnisse ergänzt und bestätigt. Seine launische Majestät der Zufall hat mich mit einem Dragoneroffizier aus Kischenew zusammengesührt, der während der Judenhetze Dienst hatte und folglich Augenzeuge alles dessen war, was an jenen entsetzlichen Apriltagen in der Stadt vor sich ging. Der Mann ist weder liberal noch irgendwie der Judenfreundlichkeit verdächtig. Ganz im Gegenteil. Er ist mit Anschauungen 'des Herrn: Kruschewan förmlich durchseucht und glaubt fast an alles, was er im „Bessarabetz" und „Znamja" gelesen hat. Aber er war eben Augenzeuge rmd hatte bei seiner Unterhaltung mit mir keinen Grund, die Wahrheit zu verschweigen. Deshalb sagte er offen alles heraus, was er gesehen und was er zuverlässig erfahren hatte. Während des Gespräches griff er oft die Rechtsvertreter der geschädigten Juden an — er war über ihre Gebarung vor dem Gerichtshof ganz falsch unterrichtet — das aber, was er mir erzählte, fiel merkwürdigerweise völlig mit den Feststellungen derselben Vertreter der Zivilkläger zusammen. „Wir hatten' strengen Befehl," sagte er mir, „von der Waffe keinen Gebrauch zu machen. Deshalb konnten wir nur wenig tun. Außerdem unterliegt es keinem Zweifel, daß nicht nur Soldaten, sondern auch viele Offiziere mit den Exzedenten synKathisierten. Ich Habs selbst im Militärkasino verschiedene Offiziere sagen Horen: „Wenn ich dürfte, würde ich selbst gern mit auf die Juden losschlagcn. Es geschieht ihnen ganz recht." Nur einer, Baron v. H., war ernsthaft bemüht, der Ausschreitung ein Ende zu machen. Noch gleichgiltiger aber als das Militär, verhielt sich zu den Ausschreitungen die Polizei. ■ Wir hatten überhaupt keine Instruktionen.. Sie kamen erst dann, als die Unruhen schon vorbei waren. Dabei war die Judenhetze so geschickt organisiert, daß wir nichts dagegen tun konnten; wenn wir die Menge an einer Stelle auseinandettrieben. sammelten sie die Rädelsführer sofort an einer anderen. —■ „Sie sind also der Meinung, daß die Unruhen organisiert waren." „O ja, ganz zweifellos. Und zwar von Gebildeten. Ich habe selbst' einen gut gekleideten Mann bemerkt, der die Plünderer anführte. Mein Unteroffizier hat ein paar Studenten erkannt, für die er früher Aufträge besorgte. Diese Studenten hatten einfache Volkskleidung an." Ich hörte allen diesen Erzählungen mit gespannter Aufmerksamkeit zu. Das schien den mitteilsamen Dragoner noch mehr anzuspornen. Nach einer Pause fuhr er fort: „Wissen Sie denn nicht, daß viele Leute von Odessa nach Kischenew gebracht worden waren, um auf die Juden loszuschlagen? Eine Partie von 300 Mann wurde sogar unterwegs von der Polizei angehalten." — „Wie erklären Sie den Mangel der Instruktionen und die Ratlosigkeit der Zivilbehörden?" — „Sie behaupten, daß die Judenhetze unerwartet kam. Das ist aber unrichtig. Monatelang wurde davon gesprochen." — Ich hielt es weder für schicklich, noch für nötig, meinen Konversationsgenossen das Tupfchen über das i setzen zu lassen. Ueber die Vorgänge im Gerichtssaal war er — wie übrigens fast alle in Kischenew ansässigen Russen — sehr schlecht unterrichtet. Er glaitbte ernsthaft, daß Herr Schmakow sich' im Gerichtssaal sehr tapfer benommen und daß gerade er die Jntriguen der „Judencmwälte" vernichtet hatte. In seinen Augen war Herr Schmakow ein richtiger Held und die. Vertreter der Geschädigten nur feile „Judenanwälte", die für horrendes Honovar bereit waren, die Juden zu verhimmeln. - Jemand hat ihm erzählt, daß Rechtsanwalt Karabtschewski zum Beispiel . 70 000 Rubel für seine Rede erhalten hat und außerderst 205V fldtbek -pro- Dag:-Diäten Und-mein Dragoner — ein" im Grunde gutmütiger, aber nicht übermäßig intelligenter, schlichter Soldat — glaubte das. Er war höchst verwundert, als ich ihm mitteilte,. daß J)te meisten „Judenanwälte" gar kein Honorar für ihre ÄWhewaltung beansprucht hatten, und nur die Minderzahl, die diesH Opfer nicht bringen konnten, eine Entschädigung von 300 RubH monatlich bekam. Aus Jerusalem. In der durch die „Alliance Jsraelite" erhaltenen Arbeitsschule wurden^ jüngst Unterschleife entdeckt. Der schuldige Beamte wurde im Gefängnisse des französischen Konsulates in Haft genommen, während ein ans Paris entsandter Revisor die Bücher der Anstalt eingehend ".revidiert, um die genaue Höhe der veruntreuten Summe festzustellen. Nicht viel besser scheinen die Zustände im dortigen Notschild-Spital zu sein.' Baron v. Rothschild sah sich, wie wir bereits meldeten, veranlaßt, einen Wechsel in der Chefarztstelle vorzunehmen und zur Verwaltung des Spitals ein aus in Jerusalem wohnenden Männern bestehendes Komitee einzusetzen. Nun scheint aber'der Baron der vielen Unannehmlichkeiten, welche ihm dieses seit' fünfzig Jahren bestehendes Spital verursachte, überdrüssig zu sein, da er sich vor kurzem entschloß, das Spital ganz in das Eigentum, und die Verwaltung der „Alliance Jsraelite" übergehen zu lassen. Ei«gese«det. Löbliche Redaktion! Auch ein Wort über^das Wiener Rabbinerseminarl Wenn auch sonst das 'Sprichwort lautet: „Wenn zwei dasselbe sagen, so ist es dennoch nicht dasselbe", so trifft es in diesem Falle nicht zu. In zwei jüdischen Blättern wurde in einem kurzen Zwischenraum dem Wiener Rabbinersemiimr vorgehalten, daß es den Erwartungen, die man an dasselbe bei seiner Gründung geknüpft, nicht entsprochen llahMDer in den beide^Wättern erhobeye-.Tadel gipfelte in dem Punkte, daß viele ZöglffW^o h n e e xrlan gtes Rabbi natsdiplo in mit Unterst u-tz.u n g des Direktorats Rabbinate erlangt haben. Von diesem Vorwurf ist die rabbinisch-theologische Lehranstalt in Wien tatsächlich nicht freizusprechen. Man hört auch jetzt allgemein Klagen, daß es eine Ueberproduktion an RabMern^gebs. Beider AusMreiWM einer Rabbinerstelle — und mag dieselbe noch so klein sein ~- melden sich so viele Kandidaten, daß die Gemeinden wegen der großen Anzahl der Bewerbes in Verlegenheit geratend, nicht wissen, wen sie aus der großen Menge zu ihrem Rabbiner erwählen sollen. Und ist wirklich' eine Ueberproduktion an Rabbinetn vorhanden? An fertigen Rabbinern nicht. Diesem Uebelstände ist mit einem Schlage abzuhelfen, wenn das Wiener Rabbinerseminar sich nur dazu entschließen wollte, unfertige Rabbiner bei Bewerbungen nicht zu unterstützen. Dieses Vorgehen würde nur dazu beitragen, das Ansehen der Anstalt zu heben und den Lernfleiß der Zöglinge zu erhöhen. Die Leitung sage nicht, die unfertigen Zöglinge werden in den Gemeinen nicht als Rabbiner. sondern als „Prediger" angestellt. Schreiber dieser Zeilen möchte den Herrn Direktor zu einer Rundreise nach Böhmen einladen, damit er mit eigenen Augen sehe, wie viele Zöglinge seiner Anstalt, jedes rabbinischen Wissens bar, als Rabbiner und nicht nur als Prediger daselbst angestellt sind. Die Gemeinden auf dem Lande wissen nicht den feine«: U««terschied zwischen „Rabbiner" und «Prediger" zu machen, für sie ist jeder Doktor ein Rabbiner, u««d tvenn der Kandidat noch ei«: EmpfehlmMschreiben vom Rabbinerseminar beibringt, so ist dieses Schreiben den Gemeinden mit einem Rabbinatsdiplom gleichbedeutend. Ja, der Herr Direktor würde noch auf dieser Rundreise die doppelt traurige und bedauernswerte Wahrnehmung:Wachen, daßZögliuge, die er aus der Anstalt verlviesen hat, in BvWen eine Unterkunft als Rabbiner gefunden haben. Diese gerieven sich als Zöglinge des Semirrars und gelten auch als solche-, nicht mir in ihren Gemeinden, sondern auch in den Augen aller Welt. Sind solche Zustände nicht geeignet, die Anstalt in Mißkredit zu bringen? We«:n die' Anstalt einen Zögling relegiert hat, so mußten doch triftige Gründe' dazu vorhanden sein, und demioch tat sie nichts, um solche nach: jeder Nicht:«,«g hin unqualifizierte Kandidaten von der Erlangung, eines Rabbinates ausznschließen. Und dann wundert man sich' noch über den religiöse«: und sittlichen Verfall des Judentums, über die krasse Unwissenheit in den Gemeinden auf dem jüdischen Gebiete! Vor: wem soll da die Abhilfe kommen? Das Wiener Seminar hat in den 10 Jahren seines Bestandes eine große Zahl: „di: mirwrem gentium" hervorgebracht; wir wollen m:t ihm wegen der schon begangenen Fehler nicht rechten, aber wir hoffen, daß es aus der zehnjährigen Praxis klüger geworden und zur Einsicht gelangt ist, daß es so nicht weiter gehen kann. Es muß mit den Gemeinden in Fühlmig treten und' nur fertige Rabbiner empfehlen. Es muß aber auch die unfertigen Kandidaten durch alle ihm zu Gebote stehenden Mittel von der Konkurrenz fernhalten. „Weodbo assirijo", und wenn auch nur ein Zehntel von der jetzigen Anzahl der Zöglinge bleiben sollte,' dieses Zehntel wird dev Anstalt und dem Judentum mehr zur Ehre gereichen, als die große Menge, die als unfertige Rabbiner in die Gemeiiwen geht und dort de,: Verfall, anstatt ihr: aufzuhalten, «wch um ein bedeutendes vermehrt. I s ch e m e tz. Mitteilungen an« de« publik»«. Elektrische Taschenlampen erweisen sich, besonders wenn man bei später Nachtstunde zu Hause kommt, sehr nützlich. Auf diesem Gebiete leistet das Versandthaus F. Schwartz, Wien 8/2, Lerchenfelderstr. 124/31, Hervorragendes. Siehe Inserat im Ankündigungsteile unseres Blattes, 7. Seite. Meyers Großes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich «unbearbeitete u,:d vermehrte Auflage. Mehr als 148 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11 000 Mbildungen, Karten und Pläner« im Text und auf über 1400 Jllustvationstafeln (darnirter etwa 190 Farbcndrucktafeln und 300 selbständige Kartenbeilagcn. 20 Bände in Halbleder gebuirden zu je 10 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts Leipzig-Wien.) Vielseitigkeit ist das Charakteristische jedes enzyklopädischen Werkes; aber damit eine Gründlichkeit und bis in die neueste Gegenwart reichende Genauigkeit in allen Frage«: zu verbinden, ist eine sehr schwere Aufgabe, zumal wenn es sich um Materien handelt, die fast täglich neue Ueberraschungen bringen und Gelehrte und Praktiker in Atem halten, um das gewonnene Wissen in lichter Weise de«: neuen Errungenschaften anzupassen und damit de«: Anforderungen des praktischen Lebens gerecht tvcrden zu kö«:nen. So ist es mit der Elektrizität, die in den letzten Jahren eine Fülle von neuen Erfahrungen fast in jeder Richtung aufweist, lvie kaum ein anderes Gebtet. Um über diese Materie einen klaren Einblick zu bekommen, in allen praktischen Anwendungen vertraut zu werde«:, dafür ist der vorliegende, soeben erschienene 6. Band von Meyers Großem Konversations-Lexikon trefflich geeignet. Wir stehen im Zeitalter der Technik und Naturwissenschaften, deshalb ist es wohl berechtigt, auf die dieser: Gebieten an gehörenden Artikel in erster Linie hinzuweisen, de«:n tagtäglich treten unbewußt und bewußt Hunderte von Fragen über all die technischen Einrichtungen im praktischen Leben an uns heran, die durch eine sachgemäße kurze Orientierung im Großen Meyer völlig geklärt werden, wobei ein geradezu glänzender Jllustrationsapparat, der gerade in diesem Band für die Verständlichkeit des technischen Gebiets besonders reich ausgebildet ift,( uns bestens unterstützt. Das elektrische Licht, die mannigfache Anwendung der Elektrizität in der Maschinentechnik, die Elektrolyse, die. hervorragenden Errungenschaften auf dem Gebiete der elektrischer: Schnellbahnen und der drahtlosen Telegraphie, das Eisenbahnwesen usw. nsw., darauf werfen wir nur Streiflichter, die in der Fülle des Gebotenen nur zur Orientierung dienen sollen. Geographie, Städte- und Länderkunde find gleichfalls hervorragend vertreten durch die Artikel „Donau", „Elbe", „Ecuador", „Erde", „Dresden", „Elberfeld, „England", „Edinburg", „Dortmuiid", Artikel, die sowohl rein geographischnaturwissenschaftlich als wirtschaftlich Gediegenes bringe«:. Sehr interessant sind auch die dem Gebiet der Wirtschaftskunde angehörigen Arttkel über das Eisenbahnwesen, das Verkehrswesen, die Versicheru««g, Verwaltung, die Hygiene usw. Dreieinhalb Boge«: sind dem Eisen, der Gewinnung, Verhüttung und weiteren Verarbeitung bis zur himmelstürmenden Konstruktion des Skyskrapers u«:d des Eiffelturms gewidmet. Der: menschlichen Körper ««nd sei«: Entstehen insbesondere betreffen die von trefflichen Tafeln begleiteten Abhandlungen „Eingeweide", „Enwryo", „Ei", „Entwicklungsgeschichte", „Epiderinis", die ihm drohe«:de«: Gefahren und deren sanitäre Abivendu«:g die Artikel: „Diphtherie", „Eiterring", „Entzündung", „Epidemie", „Erblichkeit" ui:v „Elektrotherapie". Für die literarische Bild:«i:g sorgen neben zahlreichen Biographien die Sammelarkikel „E«:glische Literatur" und „Englische Sprache", fernen „Drama" und „Epos", „Edda", „Enzyklopädie"; der Kn«:st gehört der Artikel „Emailmalerei" mit schöner Farbentafel an. ■ Auch der Landwirt zieht seinen Porte:! aus"'dem Werk durch Studium der Artikel „Drainage", „Dreschrrmschine", „Düngung", „Düngerstveumaschmen", „Elektromotoren", „Ei:gland", (Ackerbau, Viehzucht), „Enten",- „Entwässerung", „Evdarbeite::", währe«:d die 'Artikel .„Eigentum", „Erbrecht", „Erbpacht", „Domäne", „Enteignung",- „Ei.rstommensteuer", „Ehe", „Ehevecht" usw. für alle sozialein Klassen von größtem Interesse sind, zumal gerade hierüber d::rch Einführung des bürgerlichen Gesetzbuches und anderer Gesetze noch :m Volk große Unklarheit herrscht. Daß die Illustrierung <mch dieses Barides eine mustergiltige ist, ließ sich nach den bisherigen Ersahrur^e«: nicht anders ertrarten. Aber die Erwartttng ist beinahe üüertroffe«: worden; namentlich in Holzschnitttafel«:, derer: Zahl sich gegenüber der fünften'Auflage um 23 vermehrt hat, ist für die verschiedenen der Elektrizität a«:gehörenden Artikel. Hervorragendes geleistet Wörde«:. Prächtig und meisterhaft hergestellt sind auch die Kunstblätter zum Artikel „Entwickluirgsgeschichte". Sie gehören zu de«: feirfften Druckerzeugnissen, die bisher geliefert wurden. Alles in allem, der 5. Band ist tyiedqrrmßM tzrächtiges Werk, auf das die deutsche Literatur stolz sei«:' darfst Krirfkastrn. Lipol; Folgende.Stiftungen si«:d be: der Pester Ktsttusgemeinde vakant: X. Aus der Stiftuich M-oriz und Fmmy Bauer zwei Prämien zu je 420 K. als Ausstattungsbeiträge. 2. Aus der Ferdinand und Lanra Beck de Madaras-Sttpend:««lnssttftung 100 K. 3. Aus der Arnnn Brüll-Stiftung ein Stipendirim vor: 320 K. für einen Hörer des Musterghmnasiurns. 4. Zwei Ausstattilngsprämier: zu je 180 K. aus der Deutsch-Witte«:berg-Sttfttmg. 5. Zwei Ä«lsstattungsprä«nien zu je 86 K. 00 H. aus der Bernhard Ehrlich- Stiftung für weibliche Verlvaudte. 6. Mehrere Prämier« für begin- ,sende Geiverbetrerbellde ur:d Larrdlvirte aus der Stiftung Antorr Freystädtler de Kövesgyür. 7. Ausstattuirgsprämie der Veronika Gomperz- Stiftung 416 K. 4 H. für Blutsvev«oa>:dte der Stifterir«, 8. Äusstattungsprämie der Joims Gmrrer-Stifttrrrg von 1820 K. für weibliche Bertvandte. 0. Ausstattuirgsprämie dev Joachim Haas-St:ftu«:g vor« 1200 K. für tveibliche Verwandte. 10, Wolfgmrg Hylitfcher'sche Arlsstattungsprämie 84 K. 11. Errrestine Herzka-?lusstattungsprärn:e 300 K. für weibliche 'VerMndte. 12. Ignaz Klepetat'sche Ausstatttlngsprämie 184 K. 80Hst13. Mehrere zinsenfreie Darlehen auf drei Monate in der Höhe von 10 bis 40 K. für ifraelittfche Kanfleute, Gewerbetreibende und Oebstlerinner: aus dem Philipp M. Krinetvalder'scheu Legate. 14. Prämien

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