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Jüdisches Volksblatt · 1903-12-18 · 51 (18.12.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
51 (18.12.1903)
Date
1903-12-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 51 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 18. Dezember 1903 Seite 5 tragende nämlich von den Chanukalämpchen sprach und sagte, daß das nennte Lichtchen, mit welchem die übrigen angezündet tverden und dann selbst verlöscht wird, mit Israel zu vergleichen sei, das den übrigen Völkern das Licht gegeben und dann selbst beiseite geschoben wurde. Dieser an und für sich naheliegende Gedanke befindet sich bereits in einem übrigens minderwertigen deutschen Channkaliedc, betitelt „Der Schamcs", das wahrscheinlich auch irr Hamburg gesungen wird. Ich will mich hier nicht weiter auf die Würdigung der Details cinlasseii; der Vortrag war nichts anderes als die Lese-.-- fruchte — anderer, die in bekannten Büchern wohlgeordnet beisammen zu finden sind und die ein jeder halbwegs Gebildete mit ein wenig Memorierfähigkeit in einer halben Stunde beisammen im Kopfe hat. So haben wir uns also die Vorträge nicht gedacht, als wir sie mit Freuden begrüßten. Wir brauchen die Vorträge der Rabbiner nicht, mit die hohen Gehälter der letzteren duch eine neue Dienstleistung zu rechtfertigen. Da tväre es viel einfacher, wir bestellen irgend einen Rezitator oder einen lungcnkräftigcn Bassisten aus unseren Chören und lassen uns einige kraftvolle Stellen aus alter Geschichte vorlcsen, der Erfolg tväre ein größerer und der Spatz — billiger. I. Kr. lieber die Besiedlung eines Volkes, lieber diesen Titel hielt Dr. Franz Oppenheimer in einer, vom zionistischen Distrikts-Komitee einbernfcnen Volksversammlung im Ronachersaale einen Vortrag. Er sagte im Eingänge: „Die Ansicdlung eines Volkes kann sehr leicht sein. Wenn Sie mir ein Volk geben, bestehend aus der nötigen Anzahl von Ackerbauern, Handwerkern und Händlern und heimzusuchen, die einen gläubigen Muselmann treffen kann. Mein Harem hat sich gegen mich anfgelehnt, von der Jüngsten bis zur Aeltesten, von der ersten Favoritin bis zur letzten Magd sind alle in den Zauber der Widerspenstigkeit gegen mich gebannt; ich bin nicht mehr Herr meines Weibervolkes und ich vermag den Aufstand, der sich bei meinem Eintritte in die Gemächer der Frauen stets fühlbar macht, nicht mehr zu meistern. Jmmn David ibu Tip-Peschl Fünftausend Piaster beziehst du jährlich aus meiner Schatzkmnmerl Du wurdest mir nicht nur als heiliger Priester, sondern auch als berühmter Sterndeuter empfohlen! Am nächsten Freitag zur Zeit der Abenddämmerung beordere ich sämtliche Bewohner meines Harems in die grotze Moschee! Tritt hin vor sie, die meines Lebens Wonne sind, belveise, datz die Weisheit Allahs und seines Propheten mit dir ist, und besänftige mir die Widerspenstigen, auf datz ich in Freuden mein Leben genieße!" „So wahr ich nicht wert bin, der Diener Allahs zu sein und bei des Propheten Bart schwöre ich dir, datz ich mich deines Auftrages würdig zeigen werde." Der Freitag kam, tausend sehnsüchtige Aeuglein blitzten erwartungsvoll in dem Dr. Emil L ö b l, Ernst P i ck, Redakteur im k. k. Korrespondenzbureau; 6) k. k. Ackerbauministerium: Finanz-Konzipist Dr. Rudolf Ritter v. H a l b a n; e) f. f. Eisenbahnmini sterium : k. f. Ministerialrat August Kann, k. k. Baurat Leopold Schick, Ministerial-Konzipist Dr. Hugo R i e; k) k. u. k. gemeinsames Finanzministerium: Ministerial-Sekretär Dr. Eugen U l l m a n n Ritter v. E r 6 n y, Sektionschef Ed. Ritter v. Horowitz, Reg.-Sekretär Dr. Paul Robert Kuh rc. Wenn man erwägt, daß der Renegat intolleranter zu sein pflegt als der Gläubige und daß speziell die Nachkommen der Täuflinge oftmals geradezu Judenfeinde wurden nach dem bekannten Schema aus der „Jugend" : Urgroßvater — Kaftanjnde aus Polen, Vater — geadelter Börsejude in der Residenzstadt, Sohn — getaufter Offizier oder Ministerialbeamter, Tochter — Frau Baronin oder Gräfin, Enkel — nationaler Antisemit (!) — so find für die ihrem Volke und Glauben treu gebliebenen Juden umso ungünstigere Aussichten, wenn bei den Behörden keine glaubens- und volkstreuen Juden augestellt werden, hingegen daselbst heiligen Raum, als Imam David ibu Tip-Pesch, anlnüpscnd an die Erzählung des Koran über die Affäre Josephs mit der hübschen j bis zu den Zentralbehörden Getaufte oder Nachkommen Ge. Potifar folgendes sprach: „Wie groß ist doch die Gnade Allahs! lauster überhand nehmen, weil die Erfahrung lehrt, daß die ei «"^fruchtbares ^^7" i ’ciucn Gläubigen gegenüber im Verhältnis zn derjenigen, die er das | Renegaten als Richter, Vorgesetzter oder Beamter in nicht wird seine Arbeit sein. Es wird in kurzer Zeit eine Blüte er-s Volk der Giaurs genießen läßt. Des Muselmanns grösste Lust sind; seltenen Fällen gegenüber früheren Glaubensgenossen die reichen, denn der Reichtum eines Volkes beruht nicht in dem Kapitalfeine Frauen und hat er ihrer Hunderte, er umschloärmt sie, liebt!Objektivität verlieren. Er sucht durch ein „Zuviel" an Strenge f fFJSfcf's* fei «. wrMjcn. Und Mißtrauen, zuweilen geradezu durch ostentativ- Abueiguugs. fruchtet. Wenn aber eines von den Requisiten fehlt — Volk, Land ^net er das Zeitliche, dann kommt er m den siebenten Hunmel, — so wachsen die Schwierigkeiten in das Ungeheure. Das Werk, I wo ihn tausend Houris umfahn und er seiner Liebe zu den Perlen das der Zionismus leisten will, entbehrt beider Faktoren. Es ist der Schöpfung huldigen darf. Aber wie ganz anders haben es die kein Volk und kein Land vorhanden. Wen ich s age^ es ist kein : F^uen der Gianrs im wilden Europa I Da sind sie Sklavin- Wie müssen sie um die Gunst des Mannes betteln, denn die sündigen Houris, die Allah in seinem Zorne aus dem siebenten Himmel auf die Erde geschleudert, machen ihnen die Männer abwendig und wenn sie, wie einst Potifar, Gewalt anwenden wollen, so entwindet sich der Mann und bleibt nur der Zipfel in ihrer Hand. Deshalb sind die Gianrs gezwungen, für ihre liebeskranken Leute Krankenhäuser zu errichten. Seid also vernünftig, und Zlllah r-n ~r ■ . wird euch segnen." Am andern Tage erschien Imam David ibn TipsSS dem Sultan und diesesprach- ..Ich bin mit dir schritten werden must. Die Grundlage dieser Lösung ist die UmO Zufrieden, der Erfolg war ein durchschlagender; zum Zeichen meiner Wandlung des Handels- und „Lnft"proletariats zu Ackerbauern. - Gunst stifte ich den Potifarordcn und den ersten sollst du erhalten, Einiges Menschenmaterial, Ackerbauer, Lastträger ustv. in Nutz- > n5cr gleichzeitig versetze ich dich in einen entlegenen Winkel meines Reiches, denn der Erfolg deiner Rede flöstt mir Angst ein, noch eine Volk, so will ich damit nicht sagen, datz die Juden nicht doch noch, eine Nation bilden, man kann sie so anfsassen, als Abkömmlinge ' 1 gleicher Vorfahren, verbunden durch eine Religion und zusammengeschmiedct durch die Not des Golus. Das bildet schon eine Nation. Unter einem Volke aber verstehen wir eine Nation, die ans ihrem eigenen Grund und Boden sestgeivnrzelt ist. Die Grundlage aber cines jeden Bolkstumes ist der Ackerbau. Für die Landesbesiedlung der Juden empfehle ich landwirtschaftliche Arüeiter-Prodnktivgenossenschasten. Die bisherigen philanthropischen Versuche der reichen Juden in Landesbesiedlung stehen in keinem Verhältnis land, Rumänien usw., ist sowohl der Veranlagung als auch der physischen Kraft nach nicht ungeeignet. Es mutz nur entsprechend angcleitet und erzogen werden. Die geeignetste Form, welche auch durch gelungene Versuche in Irland (Gut Rahalinc) und Amerika als solche sich erwiesen hat, ist die landwirtschaftliche Arbeitcr-Produktivgenossenschaft, die andere Form der Produktionsgenossenschaft, die industrielle, hat bisher in allen Fällen Schisfbrnch, erlitten. Die industrielle Arbeiter-Produktibgenossenschast mutzte an der Klippe des Kampfes um den Kredit, den Absatz und die Arbeitsform scheu bezeugung vergessen zu machen, daß er mit der „Partei" verbrüdert war. Erinnerlich ist mir aus meiner Praxis, daß in einem Landstädtchen die s l a v i s ch e Bevölkerung trachtete, vor den deutchen Adjunkten zu kommen, während sie dem anderen Adjunkten, der ein Ueberläufer aus dem slavischen ins deutsche Lager war, buchstäblich auSwich. So stellt sich ein Jude mit größerer Beruhigung einem Richter oder Vorgetzten aus echt christlicher Familie, als einem Getauften oder Renegatensprößling, der nicht selten durch Härte vergessen machen will „wessen Stammes und Art" er und sein Vater war. Als ein absichtlich bloß harmloses Beispiel diene vom Wiener Boden folgendes: Bei einer ersten Tagfahrt bittet eine Partei um Ansetzung der Streitverhaudlung auf den folgenden achten Tag. Der echt christliche Richter X fällt ihr sofort ins Wort: „Das geht nicht, weil Ihr Gegner, ein Jude ist und heute in acht Tagen der höchste jüdische Feiertag, der Bersöhnungstag ist." Denselben Antrag stellt im Bureau solche Rede mit solchem Erfolge und in meinem Harem bricht einendes knapp vor dem Gsrichtssekretariate getauften Richters Revolution ans entgegengesetzten Gründen aus, der wir beide nicht?) eine christliche Partei gegen ihren ebenfalls jüdischen Progewachsen wären." I zeßgegner. Der neuchristliche Richter antwortet, zum Ber- Borträge aus der Geschichte der Juden, lieber Veranlassung ' tretet: des Beklagten gewendet: „Pflegt um diese Zeit nicht ein des israelitischen Knltusvorstandcs wird Herr Dr. Max Grunwald eine Anzahl von Voträgen für die reifere Jugend beiderlei Ge vc» Kampfes ^‘^v,s',,f+ir schlechtes über „Geschichte der Inden in Deutschland und Oester tcrn. Bei der landwirtschaftlichen Arbe ter-Produktwgenossen,chasr - > nr,.flrt„p,r hl(M.hpn 1 L&wrrfira 4»n sind die Verhältnisse geradezu entgegengesetzte. An Stelle des Per *1 sviialkredits benötigt sie höchstens einen Realkredkt, wodurch das II Privatkapital vor Verlusten geschützt uiid zur Anteilnahme leichter 1 heranzriziehen ist. Mit dem Gri^erwcrden des Betriebes tritt eine intensivere Bearbeitung des Bodens und eine höhere Bewertung der Einzelarbeit ein, also eine Koordination und nicht eine Subordination der Arbeiter wie in den industriellen Großbetrieben. Auch reich" abhalien. Diese Vorträge werden ein anschauliches Bild von den Schicksalen, dem Familienleben und den Knlturznständen unserer Vorfahren im Mittelalter und in der neueren Zeit bieten und den Einflnh kennzeichnen, den dieselben auf die deutsche Kultur genommen und von dieser empfangen haben. Zur Erläuterung des Vorgetragenen werden Skioptikonbilder zur Anschauung gebracht. Es soll hierdurch der heranivachsenden Jugend Gelegenheit geboten werden ihre Kenntnisse bezüglich interessanter geschichtlicher und uub ie eblcrc gtuc()tc aewo wen foll. c « ffl < nt-; c^5r^en. ®« erste Boitmg finbet im Festsaale bei bnJ«'nnl^lhfröStB^flrtScn v°r°iues, l. Bez,. Escheul,achMffe 11. Montau bei, 21. Dezember durch welche auch geistige Arbeiter, Handwerker und Händler ihre i Intervallen von 14 Tagen, wer Eintritt ist frei. Lebensmögliäckeit finden werden. Die Zukunft soll aber in alt-| Jsraelrtr,che Knltnsgememde Wien. (Vortragszyklus ans jüdischem Sinne für das Volk dadurch gesichert werden, daß der jüdischer Geschichte und Volkskunde.) 23. Dezember (Mittwoch) Boden stets Eigentum des gesamten Volkes bleibt uivb der einzelne vräzise halb 8 Uhr abends. Festsaal des Oesterr. Ingenieur- und mir ein Erbpäcbter werden^kann. j Architekten-Vereines, 1. Bez., Eschenbachgasse 9. Herr Dr. Feucht- Rach dem ersten Referenten sprach Architekt Oskar Ma r -! wang: „Manaffe ben Israel". Der Eintritt ist frei, m ore k in' seiner bekannt lebhaften Weise über die allgemeine Israelitische Kultusgememde Wien. Oeffentliche Plenar- Lage der Wiener Judenschaft. Er warf hierbei interessante Streifj sttzüng des Knltusvorstandes im Sitznngssaale 1. Bez., Seitenlichter m ... tosendem Feiertag der Juden, den sie den langen Tag nennen, zu fallen, Herr Dr. S.?" woraus dieser prompt repliziert: „Ja, Herr Richter, das ist ein hoher Fasttag, der Bersöhnungstag, den S i e und ich noch am Qbergymnasium fromm und streng hielten. Tableau! Verus. Channka-Feier bei einem jüdischen Arzt. Während eines Gespräches über den Wert von Schlägen in der Erziehung erzählte mir Dr. P. folgende Geschichte: „Mein Sohn ist gerade so störrigen und trotzigen Charakters als Ihr Schüler. Durch ein ungezogenes Wesen verdarb er uns sogar einmal einen — Weihnachtsabend. Wie gewöhnlich fragte ich ihm, was er sich vom Christkind wünsche. „Eine Restauration" war die Antwort. Ich sagte ihm, datz das Christkind solche Geschenke nicht mache und daß ein solcher Wunsch überhaupt die Feier des Tages entheilige. Nichtsdestoweniger war ich entschlossen, seinen Wunsch zu erfüllen. Der Weihnachtsabends kam mit all seinen Geschenken,' ich führte die Kinder ins Festzimmer. Alle sprangen mit vor Freude strahlenden Gesichtchen, und mein Sohn, der sich die Restauration gewünscht hatte, zeigte nichts von all dem Jubel, trotzdem sein Wunsch erfüllt ivar. Gütiges Zureden und Drohungen blieben fruchtlos, er schmollte bis zum Mittag des nächsten Tages. Bei Tisch war er mürrisch und wollte nichts essen; da ritz mir die Geduld und ich ar giltigkeit „ . , ... . . . „ gemeinde in dieser Angelegenheit sei tief beschämend und durch die j unter der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde stehenden ungeschickte Boshaftigkeit der herrschenden Herren nicht allein zu Fonds und Anstalten für das Verivaltnngsjahr 1904. b) Bibliothek erklären. Mitschuldig daran sei auch daS Phäakentum der Wiener, der Kultusgemeinde. c) WLchnerinnen-Verband. d) Stiftungsan das sich unsere Inden schon ganz hübsch assimiliert. hätten. Verleihungen, c) Währinger Friedhof, f) Jngereng des Vor- Hieran schloß sich eine lebhaft geführte Debatte. Den Reigen er-' standes ans die Bestellung von Vereinsrabbinern. Wien, 18. Deöffnetc Hofrat Karcis, der unters lärmenden Beifall der^ ganzen zember 1903. Der Präsident. milalleii"^erdcn^^süü^allmälihch 'nm^müsmus M zu^enÄckeln! Dag Prinzip der Gleichheit bei den Sozialdemokraten. Wie ZW lebW fett fmate ben SiSSfi der^ strengen mit der Einhaltung dieses Prinzipes bestellt ist. zeigt folgendes Lionisten und Dr. Pienkarski bestieg die Tribüne, um zu erklären, i Beispiel. Ich bestellte bei einem Graveur, der in allen jüdischen das; er zlvar nichts gegen die Persönlichkeit des Herrn Hofrates * Leitungen annonciert, für einen zionistischen Turnverein Abzeichen. - tJ °w - O " " -T-.. . r. ’„ L!.r -. iA.. u.i Um nur gewissermaßen seinen großen Kundenkreis zu demonstrieren, zeigte er mir sein Bestellbuch, in dem auch eine Bestellung der Allgemeinen Arbeiterkrankenkasse in der Gumpendorferstratze eingeoag er zivar ina)ls gegen oie -personnnnen ves verrn Pv,i.urcs . sagen jvolle, aber konstatieren müsse, das; es tief beschämend für die j ) nationale Jugend sei, wenn so laue Worte einer halben Freund- Mre er in hfpfem Saale einen so starken Widerhall fänden. In ungemen denn, tvie auch Dr. Pienarski zugeben mutz, Herr Hofrat Kareis habe sicherlich die besten Absichten. Aber in einer nationalistischen Versammlung mutz auch der Begriff des Nationalismus fest umschrieben werden und i-er dies nicht tut, der verdient von jeder andern Seite, nicht aber gerade von Seiten der nationalistischen Jugend, den hier so reichlich gespendeten Applaus. Ans diesem Gebiete sündigen aber noch größere Köpfe und umfassendere Geister wie der Hofrat Kareis. Selbst ein Mann von der Vedentnng des scheu Volkes mit klaren und bestimmten Worten z-n verkünden uns stets beeilen sollen. Das hat mit komplizierten Rassentheonen nichts zn tun. Vielleicht läßt dieser, an sich sicherlich peinliche Zlvischenfall, die doppelte Erkenntnis in uns reifen, das;!vir einerseits den Begriff des NationalismnS eng und präzis fassen müssen, andererseits der nationalen Betätigung selbst einen so iveiten Rahmen stecken, datz ein jeder Nationalist, nicht nur Anhänger deö politischen Zionismus, ntittun kann, zum Heile unseres Volkes, zur Abtvehr der Judennot! Die Predigt des Imam David. Der getvaltige Sitltan hatte eine schlaflose Nacht. Als der Morgen graute, Uetz er den Imam David ibn Tip-Pesch zu sich kommen und redete ihn folgendermaben an: „Tiefe Trauer beschleicht meine Seele, denn Allah, gewenn das „Deutsche Volksblatt" seine Amwncen aufnähme, da auch annoncieren. Man komme nicht mit der Eintvendung, datz dies eine vereinzelte Person sei, für deren Aeutzerung man nicht die gesamte Partei verailtwortlich machen könne. Ja, das kann man und mit vollem Recht! Denn es liegt am System und der Kampf- Weise 'der internationalen Wiener Sozialdemokratie, datz sie den Antisemitismus in ihren Reihen züchtet. „JnvenftSmmlinge" in den Ministerien. Di«- jenige», die von d«m Standpunkte au-gehen, daß der Jude in der rwstammung liege und nicht etwa bloß in der „Konfession", weswegen sie den getauften Juden und von Getauften Abstammende in den ersten zwei Generationen weiters als Juden oder Judenstämmlinge bezeichnen, haben in diesem ihrem Sinne recht, wenn sie von einer „Berjndung" der Ministerien ivrcchen. Ein Blick auf den Amtsschematismus zeigt das deut» l'ch zum Beispiel: a) K. k. Ministerium der Finanzen: Ministe, ialsrkretäre : Dr. Josef R a u d n i t z, Dr. Johann Popper, Dr. Ernst Ritter v. (P o l l a k-) K l a r w i l l, Dr. Friedrich Ritter v. Boschan, Dr. Renä MeroreS; d) k. k. Handelsministerium: SektionSrat Dr. Hugo Bach, Mimsterialkonzipist Dr. Johann L ö w e n f e l d; c) k. k. Ministerrat: k. k. Ministerialrat Dr. Rudolf Sieg hart (Finger), lobt sei sein Stame, hat es gefallen, mich mit der härtesten Strafe Ministerial-Bizesekretär Dr. Egon Zweig, RegierungSrat c'tzte und freundlich sein Essen verzehrte. Aber da hatte ich mich geirrt! Das Kind, das schon durch den assimilatorischen Geist seines Vaters beglückt war,fühlte instinktiv, was der Vater wolle. — So werden unsere Kinder „erzogen". Gibt es denn gar keine Möglichkeit, besonders für einen intelligenten Menschen, die nationale Chanukageschichte einem zehnjährigen Knaben mundgerecht - zu machen? Wahrlich, man müßte nichts ausschmücken noch Iveglasscn von der Geschichte der Makkabäer, um sowohl die Phantasie des Kindes als auch seine Neigung zu edlen, weniger kriegerischen Geschichten zu befriedigen! Die- Geschichte dev MakttzchäevkämpfL nmtz sich sicherlich nicht vor gewissen Märchen und Heldensagen, die ja massenhaft ans dem Büchermärkte gerade von Inden gekauft, verstecken. Ein wirksames Mittel dagegen wäre, Bie jüdischen Heldengeschichten in Knabenbüchern zn sammeln,, die dann zu billigen Preisen aus den Markt gebracht werden sollten. An diese Aufgabe sollten die Kultus g e m e i n d e n herantreten und wenn diese aus Furcht, die jüdische Jugend könnte zu national tverden, davor zurückschrecken, sollten sich die maßgebenden Faktoren im nationalen Lager — was immer für Couleur — über die Wichtigkeit dieser Llusgabe nicht nur klar sein, sondern auch mutig und tatkräfrig an ihre Lösung schreiten. Wien. Jüdisches Bildungsheim, 14. Bez., Ullinannstr 31. (Kmrerhof 10 a). Dienstag den 22. Dezember 1903. Herr Michael Bcrkovicz: „Bibelvortrng". Beginn 8 Uhr. Eintritt frei. — Die Bibliothek wurde bereits eröffnet und tverden alle jene, welche noch vom Vorjahre Bücher haben, ersucht, dieselben zurückzustellen. Jüdisch-nationaler Arbeiterverein Wien, 14. Bez., Ullmann« stratzc 31 (Kannerhof 10 A). Dienstag den 8. Dezember fand das Eriunerungsfest statt. Obmann Samuel Bock gab in seiner VegrütznngSrede der Freude über den überaus zahlreichen Besuch Ausdruck. Er verglich die Lage der Inden zur Zeit der Makkabäer mit der heutigen und forderte die Antvesenden auf, stets treu und tvahr für den Zionismus einzutreten. Der Obmann des innerösterr. D.-K. geißelte in scharfen, oft von Beifall unterbrochenen Worten das Vorgehen der?lssimilanten und forderte die Anlvesenden auf, in die bestehenden zionistischen Organisatioiren einzntreten. Das Prograuntt war sehr reichhaltig und es sei an dieser Stelle allen Mitwirkenden herzlich gedankt. Ein animiertes Tanzkränzchen schloß den überaus gelungenen Abend, welcher nebst einem beträchtlichen Reingewinn auch einen größeren Betrag für den Nationalsonds brachte. — Da der Verein im Jänner ein großes Kränzchen veranstalten will, tverden die Mitglieder anfgefordert, jeden Sonntag iin Vereinslokale zu ersck-einen. Jeden Freitag 8 Uhr abends Diskussion. Gesinnungsgenossen, erscheint zahlreich bei diesen Diskussionen!

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