Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 49 (4.12.1903)
- Date
- 1903-12-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2432763-2432970-2433019--2207-2436048- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 49 Wien, Freftag Jüdisches Volksblatt 4. Dezember 1903 Seite 5 des Jliüm'iduc'iucft'uö steht Sehnsiiispektor De. Bernhard MnnkacSi,' nrvs;e Lücke in der Reihe der Göimeriiliien der Schule znrückqc ferner der Scliulstuhl mit 201 At'itpliederu. Ter Bericht enthält ferner eine qenau deteiillierte Schilderung des tliiterricbtsloeseus und der dieopezüzlich jüuqst eingetretenen deformen. Wien. (Waisen-Angelegenheiten.) Es mehren sich die Fälle, daß für jüdische Kinder Pflegeparteien gesucht werden müssen. Um diesem Bedürfnisse begegnen zn können, wäre die Anmeldung oder Empfehlung von verläßlichen Familien an den Unterzeichneten erwünscht, von Familien, die für diese ihre Aufgabe Sinn und Eignung haben. Nicht minder nötig wäre die freiwillige Konskription von Vormündern für die verwaisten Kinder. Die armen jüdischen Witwen sind in peinlicher Verlegenheit, sollen sie zu Gerichtshanden einen Vormund angeben, und müssen sich bestenfalls mit einem vom Gerichte, beziehungsweise vom Zufall bestimmten, oft ungeeigneten, mitunter voreingenommenen oder verdroffeuen Organe bescheiden, das seiner Mission gänzlich fremd bleibt. „Anwalt der Witwen, Vater der Waisen" sind Titel, mit denen Gott sich schmückt. I. Mautner, I., Seitenstettengasse 4. (Indem ivir das Vorstehende aus der einzig jüdischen Zeitung, in welcher es enthalten ist, im Jntereffe der Sache übernehmen, können wir nicht umhin unser Befremden darüber auszusprechen, daß Herr Direktor Mautner, der ja unseres Wissens ein Amtsorgan des Kultusvorstandes in gewissen Waisensachen ist, aus uns unbekannten Gründen Anstand nahm, seinen sehr begründeten Aufruf allen jüdischen Zeitschriften Wiens zugehen zu lasten. Oder sollen die Waisen auch politisch erzogen werden? Die Redaktion.) Zur Aktion der jüdischen Trafikanten in Ungarn. Zu dieser durch uns des öfteren ausführlich besprochenen Angelegenheit erhalten wir ans B u d a p e st vom 24. v. M. folgende Mitteilung: Bis vor kurzem war es den jüdischen Tapak-K4ei»verschleis;eru gestattet, ihr Verkaufstokal am Samstag und an den israelitischen- Feiertagen zu sperren,!ven» sie porgesvrgt hatten, das; in einem besonderen Lokale desselben Hauses Tabaktrafikate resp. Stempel feilgeboten lvnrden. Durch diese Verfügung waren sowohl das Interesse des Finanzärars als auch die religiösen Gefühle der Verschleißorgane gewahrt. In jüngster Zeit wurde jedoch diese seit der Einführung des Tabakmonopols in Ungarn bestandene Bestimmung der Tabakmonvpolsvorschrift dahin abgeäudert, das; die Kleintrafikcrnten, ohne Rücksicht ans ihre religiöse Ueberzeiignng am Samstag ihren Verkaufsladeu offen halten müssen. Diese Verfügung rief in den Reihen der konservativen jüdischen Tabnkverfchleißer große Bestürzung hervor. Es wurden Landeskonferenzen gehalten, in ivelchen beschlossen wurde, bei der Negierung die Zurückziehung respekrive Modifizierung der neueren Verordnung zu erbitten. —■ Die in dieser Angelegenheit entsendete Deputation sprach gestern unter Führung des Vcrboer ObcrrabbinerS Alexander Reich beim Finauzminister Ladislaus Lukacs bor. Der Finauziuluister empfing die Deputation miss freundlichste und erklärte, das; er, falls die Interessen des Aerars durch die Zurückziehung der Verordnung keinen Abbruch erleiden, au derselben nicht festhatten werde. Ferner erklärte Finanzmiilister Lukacs, er iverdc eine Enquete eiuberufen, in lvelchcr sowohl die Inte ressen des FiskuS, als auch die Wünsche der Trafikanten mosaischen Bekenntnisses einer eingehenden Beratung unterzogen werden sollen. Diese Enquete hat heute unter )em Vorsitze des Staatssekretärs Bela Graenzcusteiu stattgefimden. cpeu. —- Die eigentliche Leiterin, ja die Seele dieser, luic gesagt, musterhaft (\cleUcicn Anstalt ist die Fuspektorsgattin Frau R. Sverber. Diese hochiutelligentc» ratkräfiige Dame, die seil dem Behände der Anstalt das Ehrenamt einer Sekretärin'bekleidet, widnü't ui uneigennützigster Weise ihre freien Slnndeu dem Wohle der besoiieeis ihrer Obhut vom Kuratorium anbertranten Anstalt und recht fertigt somit in hohem Maße das in sie gesetzte Vertrauen. — lim auch andere Frauen für die Anstalt zu interessieren und entsprechende .strüste zu deren Hebung zu gewinnen,, wurden über Initiative der Frau Sperber und der ncnernaimten Präsiden,än Frau Paula Goldfeld, einer ivegen ihrer Bildung und Herzensgute bekannten Dame, mehrere Frauen, und zivar: Fr. Blnmenfeld, M. Blanstein, Fr. Dr. Fischler, (belehrter und Oslermauu zur Bildung eines Koiiiitees eingeladen, welche-:. sich am <». d. M. konstitliicrt und nebst anderen ziveckentsprechenden Beschlüssen auch jenen Beschluß gefaßt hat, behufs Ausbildung der Mädchen in der Zubereitung besserer Speisen und deren Heranbildung zu perfekten Köchinnen eine exquisite stäche für einige Abonnenten ins Leben, zn rufen. Ferner übernahm jede der genannten Damen bereitwilligst die Verpflichtung, einen Tag in der Woche der Aufsicht der Anstalt zu lvidmen. Wir tvünschen dem geehrten Damcii-Komitee besten Erfolg I Die Jahresversammlung der Wiener Ortsgruppen des „Hilfsvereiues für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" fand am 20. November d. I. im großen Saale des Hotel Guth statt. Zum Vorsitzenden wurde von de» Obmännern der Wiener Ortsgruppen der Obmann der Ortsgruppe „Wien II", Herr Dr. Wilhelm Knöpfmacher, gelvählt, der mich den Vorsitz übernahm. Nachdem er die Versammlung lrgrützt und die Aufgaben der Ortsgruppen dargelegt hatte, erteilte er zur Berichterstattung über die Hilfstätigkeit des Vereines dem Schriftführer der Ortsgruppe „Wien I" das Wort, da derselbe als Sekretär des Hilfsvereines mit allen Einzelheiten der Jndustrieeinsiihrnng in Galizien vollkommen vertrant ist. Die Mitteilungen des Berichterstatters über den Stand der Haarnetz-Industrie, die Spiel- und Drechslerwaren,! Korbflechterei und stleiderkoiifektion fanden das lebhafteste Interesse der Versammlung, deren große Befriedigung über die außerordentlich günstigen Resultate der Haarnetz-Industrie und die vielversprechenden Anfänge der Export-Kleiderkonfektion in dem lebhaften, allgemeinen Beifalle zum Ansdruck kam, der dem Redner gespendet wurde. In der anschließenden Diskussion kamen wertvolle Anregungen und Wünsche zürn Ausdruck. Herr Prof. Dr. K ö n i g st e i n sprach den Wunsch ans nach Heranbildung jüdischer Dienstmädchen in Galizien und Errichtung von Kochschnlen daselbst. Der Hilfsverein möge mit dieser Frage sich befassen. Herr Dr. A. Äscher wies darauf hin, das; in mehreren größeren Städten Galiziens von der Baron Hirsch-Stiftung subventionierte Kochschuleu bestehen, deren Kosten sehr bedeutend, deren Erfolge aber mich recht befriedigend sind. Mädchen, die in diesen Kochschulen herangebildet wurden, eignen sich vorrrefflich zn Köchinnen, besonders für Häuser, in denen auf streng koschere Kost großer Wert gelegt wird. Herr Siegfr. Fleischer empfiehlt dem Hilfsverein die Förderung von Produktionsgenossenschaften in Galizien überhaupt und speziell einer, die sich ans der eigenen Initiative und Kraft ihrer Mitglieder gebildet Hai- Herr Richard Tewel e s empfiehlt die Veranstaltung von Wauderverfammlungen in den einzelnen Wiener Bezirken. Außerdem regt er die Einführung der Teppichkilüpferei in Galizien neuerdings an. Herr Ferdinand L o iv h sowie Herr Dr. Jacob B a u e r ivünschcn besonders eine lebhaftere Agitationstätigkeit seitens der Wiener Ortsgruppen. Förmliche Beschlüsse werden über bie geäußerten Wünsche und Anregungen nicht gefaßt, sie werden jedoch der Vereulsleituug zur Zugegen waren Oberrabbiner Alexander Reich und zahlreiche Verj Berücksichtigung und Würdigung empfohlen. Als Vertreter der lands an der Einfuhr ist schwer feslznslellen, du die mir dem österreichischen Llopd anloiuinenden Waren schlechchiu alo österreichische Erzeugnisseaufgeftchrt werden. Waren vorwiegend deutscher Bezugsquelle sind die stieineisenwaren und Bier . Pride-' int österreichischen Wettbewerb und Petroleninnnnoeen - ■ (im englischen Wettbewerb», feriier Wirkwaren und tzncp und Wollivaren, Zigarren »gering», ^pietwareu, Lampen, Hüte, Zucker fütirt Deutschland erst seit neuerer Z,eit üver Hamburg ans. Bo» Denver l Ottoi- (Oasiiiotoren wurden im vergangenen Fahre 80 Stück zn insgesamt 120 Pserdekraften ailsgeführr. Die Summe der seit is'.ix in Jaffa eiiigeführlen Motoren ans Deutz beträgt 1»>2 Stück zu .">«»<> Pserdeft'afu’ii. _ Im Berichtsjahre 1!»(>2 liefen 1!» Dampfer (teils der Levainetinie, teils der Dampsschiffsreederei von 1 SSf) gehörig) die -Heede von Jaffa an mit einer Gesamtzahl von 2-1 22X Registertons. Tie Gesamteinfuhr betrug 15-08 Tons, die Ausfuhr 1037 Tons. Au diesen 'jisferu lvar Hamburg beteiligt mit 408 Tons Einfuhr und 1 :',!>? Tons Ausfuhr. <Diese dentstchen (Orüiidungen sind erstens treter der Kleintrafikanten. Nach längerer Debatte schloß Staat sekretär Grnenzenstein die Konferenz mit der Erklärung, Finanz minister Lukacs werde nun das Vorgebrachte eingehend crivägcn. Der Staatssekretär versprach, die Sache der Trafikanten aufs wärmste zu unterstützen. Zur Erinnerung an Hermann Jellinek. Standrechtlich erschossen am 23. November 1848. Im jugend lichen Alter von 25 Jahren ist Hermann Jellinek, der Bruder deberühmten Kanzelredners Adolf Jellinek, als eines der Opfer der Märzrevolution mit Becker und Messenhauser vor 55 Jahren in Wien standrechtlich erschossen worden. ,Des letzteren Verbrechen waren", so sagt Ed. von Bauernfeld in seinen Erinnerungen, „ei« paar radikale Journalartikel, die nur wenige lasen und niemand verstand, er selber kaum. Fürst Windischgrätz am allerwenigsten. Aber man brauchte auch einen Juden und hatte sonst keinen zur Hand." Verbot des Dctailreisens in Bosnien-Herzegowina. Die niederösterreichische Handels- und Gewerbekammer teilt mit, daß die in Oesterreich und die in Ungarn, geltende Einschränkung des Detailrcisens (Anfslichen von Bestellungen bei Privatkunden) auch in Bosnien und in der Herzegowina gilt. Der Besuch von Privatpersonen durch Geiverbsinhaber oder Handelsreisende ist daher nur dann gestattet, tvenu seitens jener Personen eine ausdrückliche, schriftliche, ans bestümnte Waren lautende, an den Geiverbsiuhaber selbst gerichtete Aufforderung vorliegt. Die in Oesterreich ausgefolgten Legitimationskarten gelten in den okkupierten Ländern. Aus dem liberalen Ungarn. Die Wahltumulte in Szatmar hatten einen antisemitischen Anstrich, da die Juden den Ausschlag zugunsten Hicronymis gegeben hatten. Mehrere Läden jüdischer Kallfleute wurden geplündert rnld am jüdischen Tempel wurden die Feilster eingelvorseir. Jnr Hotel Pannouia beläuft sich der Schaden auf ö0 000 Kr. Es Imirdeir sogar die Möbel mis den Hotelzimmern auf die Straße geworfeil. Zwischen der Menge und der Truppe, kam es zil einem Zusammenstoß. Aehuliche Szeilen ereigileten sich bei der Wahl in Ugra. Stnnislnu. Seit etwa 6 Jahren besteht cm der hiesigen Baron H i rs ch - S ti ftungs s chul e allch eine Dien st boten-, s ch ll l e, iil der 10 itlterne nild ebenfobicle externe weibliche Zöglinge im Alter von 14—16 Jahren untergebracht sind rmd aus dorn Fonds der Baronin b. Hirsch - Kaiserjllbitälimö - Stiftung erhalten »oerden. Der Zweck dieser Anstalt ist edel und huinau, tvie es schon in hohem Grade die gottsel. Stifte rill selbst lvar. — Es werden meist eitern und hilflose, oft boit der Straße an fge fange ne und so dem gänzlichen Verderben entrissene Mädchen ill die Anstalt gebracht, dort durch zlvei Jahre sittlich-religiös erzogen, im Stricken, Nähen, Waschest, Bügeln, im Kochen, Fußbodensclp'iiern lNld Frottieren, kllrz in allen jenen Arbeiten, die sie zu tüchtigen Dienstboten befähigeil. abends anch im Lesen lind Schreiben, tu der jüdischell Geschichte rmd in der Religion von Fachlehrern und -Lehrerinnen nuterlviesen, Die Kleider nild Strümpfe, die ihnen allgeschafft lverden, rnüssen sich die Mädchen unter Leitung einer Jndustrielehreri» selbst nähen resp. selbst strickeil; die einfache, geslrnde Kost, die ihiwil gegeben tvird, muffen sie sich selbst kochen. Jnr Arbeitssaal, Schlafzimmer, in der Waschkücke sowie tu allen anderen Räumen herrscht eine musterhafte Ordnung, eine holländische Sauberkeit, die ans jeden Besucher einen überaus günstigen, ioohltuendell Eindruck mackt. — El« Mädchen, lvelches diese Anstalt nach zivei Fahreil verläßt, ist ein perfekter Dienstbvte für alles uitb »vird allch in besseren Hänsertl berhnltniSmäßig gilt honoriert. — Als Vorsteherin dieser segeuSreiä)en Jnstitliiion wirkte bis vor kurzem die gokts. Frail Dr. Nnnhiil, eine edle, von aller Welt hochgeachtete iliid verehrte Dame, die leider durch ihren frühzeitigen Abgang eine Wiener Ortsgruppen bei der anr 8. Dezenrber d. I. stattftndendcn Gelleralbersannnluilg des Hllssvereines werden gewählt: Für die Ortsgruppe „Wien I" die Herren Heinrich Klinger, Präses der Wiener Knltnsgelneinde, Siegfried Lemberger, Dr. Josef Pollak, Gustav Stiaßnh und Dr. Bela Taussig. Für die Ortsgruppe „Wien II" die Herrcll Dr. Arnold Ascher, Hernmnn Eltbogen und Dr. Adolf Schtvarz, Rektor. Für die Ortsgnippe „Wien III" Herr Dr. Leo Fenichel. Für die Ortsgrrlppe „Wien IV" die Herren Dr. Jacob Bauer, Herntann Brust utld Richard Teweles. Für die Ortsgruppe „Wien V" die Herren Gotilieb Bettelheim, Dr. Wilhelur Löwh und Dr. Siglmnrd Zins. Für die Ortsgrllppe „Wien VI" Herr Max Eibuschitz. In den Vorstand der Ortsgruppe „Wien I" wnrdeir gewählt die Herren Dr. Gustav Lmigsteiil als Obmailll, Dr. Josef Pollak, ttniv.-Dozent, als Obmann- Stellvertreter, Dr. Alois Pollak als Schristflihrer, Siegfr. Lcmberger als Schriftführer-Stellvertreter, Gltstav Stiatzilh als Kassier, Dr. Bela Taussig als Kassier-Stellvertreter. Die Ortsgruppe „Wien II" ivählte die Herreil Dr. Wilhelm Knöpflnacher zum Obmmith Dr. Arnold Ascher, Obmann-Stellvertreter, Hermcnrn .... . Tgrnppc .. znm Obulann, Signumd Seiler znlll 'Obnlalln-Stellvertretcr, Frailz Frankl, Schriftführer, Otto Ernst Frankl, Schriftführer-Stellvertreter, Salo Tedesco, Kassier, Siegfr. Ratzersdorfer, Kassier-Stellvertreter. Die Ortsgruppe „Wieir IV" wählte in den Vorstand die Herreil Dr. Jacob Bauer als Obmmm, Dr. Alfred Baß als Obmann-Stellvertreter, Max Fkeisthller als Schriftführer, Rudolf Winternitz als Schriftführer Stellvertreter, Ernst Schüller als .Kassier, Llldwig Mahler als Kassier-Stellbertreter. Die Ortsgruppe „Wien V" tvählte die Herren Jnlius Granichstädten ginn Oblnallil. Gottlieb Bettelheinr zum Oblilaiul-Stellvertreter, Rirbb. Dr. Sigm. Gelbhaus zmn Schriftführer, Alfred Waizner - zum Schriftführer-Stellvertreter, Will). Heller zum Kchsier ilnd David Rotter zum Kassier-Stellvertreter. Die Ortsgruppe „Wien VI" ivählte die Herren Mar Eilntschitz zlini Obmmnl, Carl Seligimrnll znm Olmraiin-Stellvertretcr, Dr. Philipp Schtvarz znm Schriftführer, Dr. Moritz .Kralls zrtm Schriftfüher-Stellpertreter. Moritz Brnckiier zum Kassier lmd Gustav Schtvarz zunr Kassier-Stellvertreter. * Julius Hochfeld gestorben. Ein erprobter Vorkärnpfer der südischen Betvegllilg, der Lemberger Kmlfmaml Julius Hochfeld, Allsschllßmitglicd des „Schvilrer Israel" ist gestorben. Er tvar Mitbegründer. der ersten jüdischen Volkskück)c und stmid innner in erster 'Reihe im Kampfe für das Jlldelltum Auslmrd Die Derttschert in Palästina. Der deutsche Konsul Dr. B ü g e in Jaffa teilt in einem Bericht an das Reichsamt des Jirilern mit, dag in der Nähe von Jaffa eine neue große deutsche Kolonie in Enttvickliiltg begriffeil ist. In dem Bericht heißt es: Oestlich von dem deutscheil Dorfe Sarona bei Jaffa silld ettva 818 Hektar Ländereieil zu einer Kolonie der Tempelgesellschaft angekauft ivorden. Die Kolonie ist eitle A ck e r - u il d W e i n b a n k o l v n i e. Die Kosten des i'liikanfes dieses von drei mohammedailischen Dorfgeiiiarknngeu abgeteilteil Geländes beliefen sich mrf 20 Francs für den Diiiilail abgeteiltes Laild (die 818 Hektar siild gleich 8900 Duiiian). Bon den 875 fremden christlichen?lngehörlgen und Schlitzgenossen in Jaffa sind 080 De titsche;, an zweiter Stelle folgen die Griechen mit einer Kopfstärke von 110. Konsul Büge betont, daß bei der Fnichtbarkeit des Bodens im allgemeillell Palästina sich zn einer reichen lind auch tvietsckmftlich bedeutendeli Provinz des türkischeil Reiches euttvickeln könne. Die Beteilignllg Deiltschein neuer Beweis für die Niögliehkeit der Kolonisation, ztveitens ein Motiv für eine größere Intensität der jüdischen Kotonisatimi; denn sonst gerät das Land aus sremdeii Händen in fremde Hände. Anur. d. Red.» (Promotion eines Blinden.) Allo Berlin tvird berichtet: Die Promotion eines Blinden fand am Samstag in der Aula der hiesigen Universität statt. Der Promovent tvar Ludwig Cohn, über dessen Doktorprüfung bereits berichtet lvordeu ist. Von den Thesen des Dritorainen tvurde die erste, die Ertveiterling des getverblichen Kinderschntzcs betreffend, voll Fräulein Alice Salomo,/ als Oppollentin angegciffcil. Die Doktorschrift „Getverkschaftliche Organisations^ und Lohnkampfpolitik der deutschen Metallarbeiter" bildet einen Teil eitler größeren Arbeit, die im Verlage voll E. Eberillg als Heft 22 der Rechtsnild Staatstvisseilschaftlichcn Studiell demnächst crschciiten tvird. Frankfurt a. M. In der letzteit Versammlung der zionistischen Verrilligung erörterte Dr. W. Ha n an e r die Frage: „G i b t e s e i n e k ö r p e r l i ch e E n t a r t li n g d e r I u d c u?" Der Referent ivies darauf hin, das; die Dnrchschnittsgröße der ertvachfcncitz Inden nur 108 Zentimeter betrage und das; die Inden den engsten Brustkorb unter der ctiropäischen Bevölkerung haben sollen. Die allgemeine Konstitution kann als schtvächlich bezeichnet tvcrden. Der kleine Wuchs der Juden ist toohl nicht ertvorben, sondern ererbt Stammeseigentümlichkeit. Die übrigen Degenerationserscheimingen hängen aber jedenfalls mit der Leidensgeschichte des Judentums zusammen. Dazit kommt, daß die Judeu mich heute noch mehr Kopfals Handarbeiter sind, tvas die Neigung zu Nervenkrankheiten erklärt. Trotz ihrer schlvächlichen Konstitution pflegen aber die Juden ein hohes Lebensalter zu erreichen, da sic mäßig leben und sich allen Verhältnissen anzupassen verstehen. So finden lvir eine physische Minderlvertigkeit der Jllden, die aber ausgeglichen nstrd dlirch eine Reihe von körperlichen und geistigen Vorzügen. Ein Mittel, der Degeneration zu steuern, ist, wie der Redner ineiute, die Ergreifung anderer Berufsarten durch die Juden und die bessere körperliche Allsbildnng durch Sport und Tlirnen. Eine Bereittiguttg dentschuatioualer Jude» ist dieser Tage in Berlin gegründet worden. Die Hauptpunkte ihres Programms lauten: Die „Vereinigung deutschnationaler Juden" «acht es sich zur Aufgabe, den gesellschaftlichen wie den Rassenautisemitismus durch die Pflege und Förderung deutschnatioualer Gesinnung und Betätigung in allen Kreisen und Schichte» des J»dentumS zu bekämpfen. Die Mittel, durch die der Verein seine Ziele zu erreichen sucht, sind Wort und Sck>rift, das heißt, die Veranstaltung von öffentlichen Vorträgen, Versammlungen u. s. w., ferner durch die Agitation vermittels eines geeigneten Vereinsorgans. Mitglied des Vereines ka»n jeder werden, der im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte, sich mit den Tendenzen des Vereines einverstanden erklärt; ausgeschlossen dagegen ist jeder, der auch nur im entferntesten sozialdemokratische Tendenzen und Bestrebungen billigt oder unterstützt. — Den Vorstand bilden: Rechtsanwalt und Notar Max Jonas, Oranienburg, Dr. S. Jaffa, Charlottenburg, Theodor Wvlss-Thüring, Berlin, Schriftsteller Heisrich Nehemias, Berlin, Redakteur Hermann Fuchs, Berlin. Sonderbare Schwärmer. Die „O. N." bemerkt ganz richtig, daß jetzt nur «och die Gründung eines Vereines „antisemitischer Juden" notwendig sei. Das rassische Ausiedlrrngsrayou. Auf die Provokation der „Nowoje Wremja", welche die ungeheuerliche Behauptung ausgestellt hatte, den Juden Rußlands stände als Wohnort ein Ländergebiet zur Verfügung, bas weit größer sei als Frankreich, wird jetzt in der anständige« russischen Presse die Frage erörtert, wie groß das de» russischen Juden zur dauernden Niederlassung tatsächlich «och zu Gebote stehende Gebiet, der sogenannte Ansiedlungsrayo» in Wirklichkoit ist. Das Ergebnis der angestellten Berechnungen ist überaus drückend: Die 25 Gouvernements, in denen unsere Glaubensgenossen nominell wohnen dürfen, stelle« etwa nur ein Dreiundzwanzigstel des weite« CzarenreicheS dar; aber selbst auf diesem verhältnisnräßig beschräskten Gebiete wird den Juden nur in den kaum 2215 Quadratmeilen umfassenden 10 Gouveruements des Königreiches Polen wirkliche Bewegungsfreiheit gewährt, während sie i» den übrigen 15 Gouvernements des Anfiedlnngsrayons im Umfangs von 16.680 Quadratmeilen auf Grund der Maigesetze nur auf städtischem Grund und Boden sich viederlaffen dürfen und das flache Land ihnen streng verschlossen bleibt. Eine auf Grund amtlicher Ziffern von uns vorgeuommene Berechnung hatte das überraschende Resultat, daß dieser de« Jude« zur Ansiedlung wirklich offenstehende Teil innerhalb der 15 Gouvernements des RayouS nur 1897 Quadratmeilen umfaßt. Auf diesem beschränkten Gebiete wohnen von den 3,558.000 Juden des engeren AnsiedlungsraysnS nicht weniger wie 1,802.249 unter einer «ichtjüdifchen Bevölkenmg von 3,378.295 Ssele«. Sie bilden da ö3 Prozent der Gesa«teinwoh«erschast und über 50 Prozent aller Jude«. Auf die einzelnen Gouvernements verteilt, stellen sie: in JekaterisoSlaw 15, in Tauris« 19, i« Cherson 28, Tscher- «igow29, Bsffarabie« 38, Poltawa 43, Kiew 49, WittebSk51, Padolien 62, Sowno 69, Minsk 68 und in Wolhynien 71 Prozent der gesamten städtischen Bevölkerung. Bei einer gleichmäßige» Verteilung »nserer Glaubensgenoffen über daS gesamte Rußland würden sie mit ihren 5,189.000 Seelen etwas über 4 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmache«. Heute weisen zahlreiche Gouvernements keinen einzigen Juden auf, in den übrigen kommt ein Jude auf — 6000 Christen. In allen