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Jüdisches Volksblatt · 1903-10-30 · 44 (30.10.1903) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1903)
Issue
44 (30.10.1903)
Date
1903-10-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 44 Wien, Freitag JücÜMhes Volkiblatt 30. Oktober 1903 Seite 5 ES kommt zuweilen vor, daß Eintvnnderer durch die Dampferlinien, mit denen sie angekommen sind, zwangstveise zurückbeforbert tverden. Die Entscheidung darüber liegt in erster Linie bei der auf Ellis-Jsland tätigen- Untersuchungsbehörde (Board of Jn.uisition), gegen deren Beschlüsse Berufung an den Secretary of the Treasury zulässig ist. Daß es bei derartigen Verfügungen nicht immer ohne Härte abgeht, ist Wohl begreiflich. Im übrigen tverden deutsche Eintvandercr verhältnismäßig nur wenig davon betroffen. Die hiesige deutsche Gesellschaft unterhält ständig zwei Beamte auf Ellis-Jsland, die den Deutschen und wenn nötig auch anderen Einwanderern in allen Schtvierigkeiten beistehen und nach Möglichkeit dafür sorgen, daß unbegründet scheinende Entscheidungen der Untersuchungsbehörde rückgängig gemacht werden. Gelegentlich tvird dann auch die Hilfe und das vermittelnde Eingreifen des hiesigen deutschen Generalkonsulats angerufen, das in derartigen Fällen —- und meistens ja mit gutem Erfolg — sein Bestes tut. Uebrigens ist der jetzige Einlvnnderungskommisjär (Connnissar of Immigration) ein durchaus entgegeukommereder und wohlwollender Beamter. Der Bericht der Deutschen Gesellschaft weiß nur Günstiges über sejn?, Amtsführung zu sagen: „Wir fonftaticrcu gern, daß der neue Kommissär, Herr Williams, in unserem fast täglichen Verkehr mit ihm unsere Beamten mit Zuvorkommenheit behandelt und unseren berechtigten Wünschen stets ein williges Ohr geliehen hat. Es läßt sich ebenfalls nicht leugnen, das; in der Verpflegung tcr Einwanderer und in dem Geldwechielgeschäft lauf Ellis-Jslanid imiu bet1 Amtsführung des Herrn Williams eine Verbesserung zu Gunsten der Einwanderer stattgefunden hat." Ein nicht weniger günstiges Urteil über die Amtsführung des Herrn Williams kann mau von den deutschen Schiffsführern und den Vertretern der Hmuburg-Amerika-Linie und des Norddeutschen Lloyd hören. Er hat sich das große Verdienst erworben, der Ausbeutung der Arbeiter durch gewissenlose Privatagenten, Gastlvirte und Verkäufer erfolgreich entgegenzutretcn und sieht auch den Lieferanten, die Ellis-Jsland mit Nahrungsmitteln versorgen, genau auf die Finger. Wohl wissen wir, daß seit einer Reihe von Monaten gegen die Einlvanderungsbehörde ans Ellis-Jsland und die auf der Intel herrschenden Zustände gehetzt wird. Soweit es sich um den Raummangel und um einzelne Fälle ungerechtfertigter Härte des Board of Inquisition handelt, mögen diese Auslassungen nicht ganz grundlos sein, frei von überflüssiger Gehässigkeit uird ganz zlveckloser Gereiztheit sind sie aber jedenfalls auch nicht. Dies muß unter allen Umständen besonders hervorgehoben werden, um der Wahrheit die Ehre zu geben. Chronik. Inland. Gedenktage. Oktober. 25, 1328 st. i. Toledo R. Ascher b. Jechiel. 1838 gcb. i. Paris Georg Bizet, Komponist. 1843 geb. Karl Emil Franzos. 1871 st. Bankier Alexander Mendelssohn. 1881 st. i. Paris Baron James Ed. v. Rothschild. 26. 1326 st. i. Toledo R. Israel b. Joseph. 1407 fielen i. Krakau Märtyrer. 1845 geb. i. Frankfurt a. M. Dichter Alfred Friedmann. 1846 st. i. Breslau M. L. Schlesinger 96 I., der seit 1807 verschiedene Jugendschriften zum Teil in Gesprächsform herausgcgeben. 1881 st. i. Golc-Jenikau Aron Kornfeld. 1896 st. i. Königsberg Rabb. Ar. I. Bamberger. 28. 1844 geb. i. Richmond Mos. Jak. Ezekiel, Bildhauer. 1870 st. i. Jnterlakeu Gottfr. Schmelkes, Arzt und Dichter. 29. 1860 st. i. London Dav. Aron de Sola, Pred. 1864 st. i. Odessa Simcha Pinsker, Gelehrter und Kritiker. 1892 st. i. Wien Prof. Gers. Wolf Religionslehrer und Inspektor. 30. 1834 st. i, Prag Rabb. Sam. Landau (Nechtsgutachten). 31. 1711 st. i. Venedig Moses Chcfez Verf. e. Phil. Pentat-Komment. 1866 st. i. Frankfurt a. M. Jak. Auerbach, Pred. und Religionslehrer. Chef ch wan. 11. 1762 geb. i. Eisenstadt R. Akiba Eger. 1793 gcb. i. Kopenhagen Js. Noah Mannheimer, hervorragender Äanzelredner. 1834 geb. i. New-Uork Gen.-Konsul Benj. Franklin Pcixotto. 12. 1286 st. i. München in der Synagoge 180 I. den Feuertod als Märtyrer. 14. 1894 st. i. Szebrzeszyn Jac. Neifmann, Hebraist. AnS de« BezirkSko«misstsnvA. Die am 15. Oktober 1903 abgeyaltene Sitzung der Bezirkskommisstonen für die Bezirke 13 bis 15 eröffnet der Obmann, indem er den erschienenen Herrn Rabbiner Dr. Grunwald im Namen der Bezirkskommisstonsn auf das Herzlichste willkommen heißt und ihn bittet, den Arbeiten der Bez -Kom. mit Rat nnd Tat zur Seite zu stehen. Nach Verifizierung des letzten Protokollwird ein Schreiben des lbbl. Kultusvorstandes verlesen, in welchem derselbe die Aenßerung der Bez.-Kom. über die Heranziehung der Delegierten zu den Sitzungen der ständigen Kommissionen und anderer Komitees deS Kullusvorstandes verlangt. Nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren Hofbaue r, Direktor Hecht, Pick und Obmann Beer beteiligen, wird über Antrag des Herrn Direktors Hecht einIimmig beschloffen, den löbl. KultuSvorstaud zu ersuche», es mögen dis Delegierten der Bez.-Kom. zu allen Sitzungen der Kommissionen I und XI (Kultus- und Unterrichtscmgelogenheiten) geladen «erden. In den anderen Punkten des Schreibens erklärt sich die Bez.-Kom. mit den in den Obmännerkonferenzen gefaßten Zusatzanträgen einverstanden. Herr Direktor H e ch t, als Referent des Komitees behufs Einführung der Elberfelder Armenpflege, stellt folgende Anträge: Es ist eine Versammlung der Vorstandsmitglieder sämtlicher humanitärer Vereine in den Bezirken 12 — 15 einzuberufen und in dieser nach einer kurzen Darlegung der Prinzipien des Elberfelder Systems folgende Thesen zur Genehmigung vorzuschlagvn: 1. In der Gemeindekanzlei, XV. Turnergaffe 22, ist eine Auskunftsstelle über sämtliche Wohltätigkeitsinstitute und Vereine der Kultusgemeinde einzurichten. 2. Ist ebenda ein Armenkataster für die Bezirke 12—15 auzulegeu. Zu diesem Behuf« werden die Vereine aufgefordert, ailmonatlich an die Gemeindekanzlei ein genaues Verzeichnis ihrer Unterstützungsbewerber sowie die Art und Höhe der ihnen verabfolgten Unterstützung abzuliesern. Der Armenkataster darf nur von dem Vorstande humanitärer Vereine eingesehen werden. 3. Für jeden der Bezirke 12—15 werden Armeupfleger gewählt, deren Höchstzahl vorderhand 10 beträgt. Jeder Bezirk wählt aus der Mitte der Armenpfleger den Armenvorsteher. Die iu der Kanzlei eirizelangten Gesuche werden dem Armenvorsteher des betreffenden Bezirke» übermittelt, der sie einem Pfleger zuweist. Aufgabe de» Pflegers ist es, die Ursachen der Armut und Notlage zu erforschen, zweckdienliche Einrichtungen zu treffen und der nächsten Sitzung vorschl仫 zur gründlichen Abhilfe zu machen. Zu biefein Zweck» ruft der Armenvorsteher mindesten» einmal deS Monats eine Sitzung ein. 4. Zum Ehrenamte eine» ArmenpflegerS können auch Frauen berufen werden. 5. Keinem Armenpfleger dürfen mehr als 4 Familien zugewiesen werden. 6. An zwei festgesetzten Wochentag»» halten die Armen« Vorsteher alternierend in der Gemeindeka,»jlei eine Amtsstunde ab. 7. Das Armenwesen ist von dem Wirkungskreise dsS BethauZvorstandes auszufchrtden und der Bez.-Kom. zuzuweisen. Sämtliche Anträge werden einstimmig angenommen. Herr H o f b a u e v macht darauf aufmerksam, daß die magistratischen Bezirksämter auch oft Gelder von Wohllätern erhalten, , die zur Verteilung an jüdische Arme bestimmt sind und wünscht, daß die Bez.-Kom. auch nach dieser Richtung Vorsorge treffe, damit unsere Armen nicht zu kurz kommen. Die Anregung wird zur Kenntnis genommen. Zum vierten Punkt der Tagesordnung (Anträgeerbittet sich Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Grunwald das Wort und ersucht die Bez.-Kom., ihr Augenmerk auf die Pflege des synagonalen Gesanges in der Gemeinde zu richten. Er wünscht, daß in den Bezirken 12-15 eine Bereinigung geschaffen werde, in welcher nicht nur der Synagogengesang, sondern überhaupt ernste und religiöse Kompositionen jüdischer Tondichter gepflegt werden. Abgesehen davon, daß eine solche Pflege israel. Synagogengesänge eine regere Beteiligung der jüngeren Generation am Gottesdienste zur Folge haben würde, sei ihr pädagogischer Wert nicht zu unterschätzen, und die Gesangsproben eventuell Aufführungen würden gewiß auch dazu beitragen, die Gegensätze in den verschiedenen Parteirichtungen zu mildern. Ist ja doch der Chorgesang gleichsam schon eine Gesellschaft von Brüdern und Schwestern, eine Seele und ein Herz, und der Gesang die Sprache des Gefühls. Gerade in unserer Zeit tut es not, die alten jüdischen Gesänge hochzuhalten und durch das Ideale und Humane für das Ideale und Humane zu wirken. Die Anregung des Herrn Rabbiners wird von der Bez.-Kom. auf das Sympathischeste begrüßt und nach eingehender Debatte beschlossen, die seinerzeit nominierten Referenten für das Bereinswesen mögen in einer Beratung, der die Herren Dr. Krenberg e r, Mohr, Pick, Bernhard Kohn und Direktor Hecht zuzuziehen wären, den Modus bestimmen, wie eine erhöhte Pflege des jüdischen Gesanges ins Werk zu setzen wäre. Die Mitteilung des Herrn Rabbiners, daß er von nun ab allwöchentlich an Sonntagen von 9—10 Uhr vormittags belehrende Vorträge für die der Schule entwachsene Jugend abhalte, wird von der Bez.-Kom. zur freundlichen Kenntnis genommen und dem Herrn Rabbiner einhellig der Dank votiert. Herr Pick bringt ein Gesuch des „jüdischen Bildungsheim" um Subvention zur Verlesung, und bittet um Befürwortung desselben. Nachdem allgemein das humanitäre Wirken des Vereines in den Bezirken 12—15 bekannt ist, wird das Gesuch befürwortet nnd an den löbl. Kultusvorstand geleitet. Herr H of b a u er macht auf die traurige Erscheinung aufmerksam, daß oft arme Leute sterben und begraben werden, ohne daß die Glaubensgenossen hievon unterrichtet seien. Zur Abstellung dieser Tatsache hält er es für wünschenswert, daß am Hause der Gemeindekanzlei in einer für die Passanten leicht ersichtlichen Weise die Todesanzeige und Begräbniszeit affichiert werde. Der vorgeschrittenen Zeit wegen wird diese Anregung der nächsten Sitzung zur Beratung zugewiesen. Repertoire der öffentlichen Veranstaltungen der zionistischen Vereine Wiens. Jnnerösterr. Distrikts ko mit ee: 1. Donnerstag, den 29. d., Sitzung im Kongreßbureau. Arbeitsausschuß der ziou. akad. Korporationen Wiens: 2. Samstag, den 31. d., Studentenversammlung im Restaurant Guth, IX. Stephaniestraße 12. Tagesordnung: Der Zionismus und das Ostafrüaprojekt. Proredner: Dr. Marek Scherlag. Kontraredner: Dr. E. M. Zweig. V e rb a n d d e r j n d. a k a d. V er bindungen Wiens: 3. Samstag, den 7. November l. I., Eröffnungskommers im Festsaale Ronacher, I. Schellinggaffe 4. Jnnerösterr. D i st r i 118 f o m itee: 4. Sonntag, den 1. November, 3 Uhr nachmittags, Plenarversammlung des Mädchenvereines, „Moriah* im Kongreßbureau, XX. Türkenstraße 9. . 5. Sonntag, den 8. November, Distrikts Versammlung um 3 Uhr im Kongreßbureau. Die P. T. Vereine werden ersucht, ihr» Veranstaltungen rechtzeitig bekannt zu geben, um Kollisstonvn zu vermeiden. Adreffe: IX. Türkenstraße 3. Jüdischer Märm«r-Vesa»tzvereiu „Schi» Zion", Wien. Mitwoch, den 7. d. M., fand die ordentliche General-Versammlung statt, mit welcher das I. BereinSjahr abgeschloffen wurde. Obmann Sitzmann leitete dieselbe mit einem tiefempfundenen Nachr»f für den am 30. Juli d. I. verschiedenen Chormeiste» Prof. Löwenstamm, ein, dem der Verein für das treue Wirken stets dankbar bleiben wird. Der hierauf erstattete Rechenschaftsbericht hebt hervor, daß der Verein eine« außergewöhnlichen Aufschwung genommen hat; die Anzahl der ausübenden Mitglieder ist in kaum 7 Monaten auf 70 angewachsen und der unter Leitung Prof. Lömenstamms exakt ausgebildete Chor konnte am Kommers des III. Oefterreichischen Zionisten-Tages zum erstenmal öffentlich anftreten und den ersten Beweis seines Könnens geben. Der Sangrat referierte über die aufgenommenen Chöre, bei deren NnSwahl unter voller Würdigung der Meister aller Völker jüdische Künstler und Lieder jüdischen Inhaltes selbstredend die Oberhand behielten. Nach dem Bericht der Revisoren und Genehmigung des Rechenschaftsberichtes wurden in den Ausschuß als Vorstand Dr. Poborsky und als Chormeister Prof. Sulzer,) I. k. Hosmusiker, new gewählt. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf! Kronen 8 pro Jahr für ausübende Mitglieder festgesetzt. Der i neue Vorstand sprach die Hoffnung aus, daß in den, Verein ein . Sammelpunkt für älls jüdischen Sänger Wienö entstehen werde, 1 ei» Vertreter des jüdischen Chorgesanges in seiner Entwicklung 1 und seiner Höhe, deffen »eredelnder Einfluß in alle Kreise der j jüdischen Bevölkerung Wiens dringen werde und schloß die Ver« 1 sammlung mit einem Appell zur regen Teilnahme an Hebungen I «nd Veranstaltungen! , Der Mädchen- und Fra«e» Verein Bikur-Chaulim gibt i hiermit bekannt, daß seine Präsidentin Gisela Kohn wegen - Ueberbürdung einen vorläufig unbeschränkten Urlaub angetreten * hat, und ersucht, sämtlich« Zuschriften für den Verein an die 51 Adreffe Frau Rosa StranSky, II., Krummbaum'gasse 10, zu richten. * Ferner ersucht er um gefl. Kenntnisnahme, daß die ehemaligen f Vorstandsmitglieder Frl. Regina Kaufteil und Malwine Korall i dem Vereine nicht mehr angehören und ihnen daher kein Recht * znsteht, namenS des Vereines zu intervenieren. s* Die Vereinsleitung. t Jüdische» «ildnugöheim, Wien, XIV., Ullmannstraße 31, \ Kauerhof 10/A. Die Vortrtg« beginnen im obge»«nnten Lokale am 10. November. Programm: 10. November: „Festrede", j Richard Nappaport. Produktion de» G»santz»vereineS „Zion". § Eröffnung durch de« Vorfitzeuden de» Kuratorium» G. M. f Hönigsberg. 17. November: „Steuer, Steuerbemessung und 4 Fatieremg". Dr. Hugo Benedikt. 24, November: „Gesang", Herr Engen Mandl, „Deklamation", Herr S«m«el Strauß. Die Vorträge beginnen um 8 Uhr abend» bei freiem Eintritt. ,V»r Mochbn" in Wien. DaS Resultat der Neuwahlen; für da» Wintersemester 1903/4 ist folgende»: cand med. Jona» { Spinner. Präse», cand. inx. Saul Fisch er, Vizepräse», »lud. £ Shit. Mareu» Goldschlag, I. Schriftführer, itud. jur. Oskar 9 teich. II» Schriftführer, cand. med. Äbrnham Ratzenstein. , Kassier. { Alaemoincr jüdischer Ardeiterverein, II., Stephanie- > ttrftfU 8. Snmstnß, den 31. Oktober b. I., 8 Uhr Abend» findet C tm Vereiurlokale ein Bortrag des Herrn Leo K a u f statt. Thema: s - Die Lage der Juden in Rumänien. (Fortsetzung.) Gäste will- ,-kommen. ,! Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter „Leopoldstadt", , II., Stephaniestraße 8. Sonntag, den 1. November, Vorlesung des > Herrn Emil Obernik, aus Wassermann's Roman „Die Juden von Zirndorf". Beginn präzise 7 Uhr Abends. Gäste willkommen. 1 Der Verein beginnt anfangs November Unterrichtskurse in > Stenographie, Deutsch, Französisch, Hebräisch, Nationalökonomie, - sowie Gesangs- und Turnübungen. (Monatsbeitrag 20 Heller.) 1 Vergnttgnngs- Komitee deS Allgem. jüdischen Arbeiter- Vereines, II., Stephaniestraße 8. Sonntag, den 1. November d. I., findet in den neu eröffueten Lokalitäten des Kaffee -Concordia", | 1., SalzgrieS Nr. 23, ein gemütlicher Unterhaltungs-Abend mit l ernsten und heiteren Gesangs- und Musik-Vorträge» und an- ' schließendem Tanz-Kränzchen statt. Da beliebte Kunstkräfte ihre ' Mitwirkung zugesagt haben, rechnen wir auf zahlreiches Erscheinen Kolleginnen und Kollegen! Agitiert für zahlreichen Besuch j dieser Veranstaltung! Beginn '/, 8 Uhr abends. Eintritt frei. > Lemberg. Wie uns von hier gemeldet wird, ist in - Czortkow der bekannte „Wanderrabi" F r i e d in a n n, der auf | die orthodoxen Juden in Galizien und Bukowina großen Ein-; fluß ausübte, im 92. Lebensjahre gestorben. j Ein Erfolg des Liberalismus. Wie wir er- , fahren, ist der Chefarzt der Wiener Rettungsgesellschaft t Dr. Charras samt Familie aus dem Judentum ausgetreten. t Wir erinnern daran, daß seinerzeit die gesamte liberale Judenpresse einen erbitterten Kampf gegen die früherge | antisemitische Leitung führte und lieber auf die Subvention I der Kommune verzichtete, um nur mit jüdischen Geldopsern > die Leitung der Rettungsgefellschaft, dem rumänischen Juden , Dr. Charras dem Leibärzte Rothschilds, zu . überantworten. Solche Blüten zeitigt noch immer der uuver-! besserliche Liberalismus. Verband der jnd.-akad. Verbindungen Wiens. : Der „Verband der jüd.-akad. Verbindungen Wiens" veran-! staltet am Samstag, den 7. November 1903, im Festsaal des Etablissements Ronacher, I„ Schellinggaffe 4, einen Eröffnung?--; Kommers. Beginn 8 Uhr abends. Soiree-Toilette. Der Ber-; band der jüd.-akad. Verbindungen Wiens: Jvria, Kadimah, > Libunonia, Makkabaa. Winke für die Anknüpfung von Geschäftsverbindungen iu der Türkei. In seinem Gesamtbericht über das Jahr 1902 gibt der österreichisch-ungarische Generalkonsul in Smyrna u. a. eine Zusammenstellung der Winke und Ratschläge, die für den Geschäftsberkehr mit Handeltreibenden seines Bezirkes beachtenswert sind. Da diese Winke und Ratschläge nicht nur für die Anknüpfung von Geschäftsverbindungen mit Firmen des Bezirkes Smyrna, sondern auch für den Bezirk von Konstantinopel und für den^ Orient überhaupt' maßgebend, lute die vielfachen Reklamationen zeigen, in den Kreisen der Exporteure immer noch nicht genügend bekannt sind, so niögen diese Ausführungen nachfolgend wiedergegeben werden: Als Gnrndbedillgnng für ein sicheres Geschäft in Smyrim muß die Aufnahme eines energischell und vertrauenswürdigen Vertreters bezeichnet werden. Derselbe muß Ansehen auf dem Markt genießen, Einfluß haben, sowie eigene Mittel besitzen. Die Zahl der Handelsagenten hat in Smyrna überaus zugenommen, namentlich haben sich Leute auf diese Branche geworfen, die auf diese Weise am leichtesten ohne Kapital und eigenes Risiko Geld zu verdienen hoffen. Solche Leute, mit welchcll Exporteure oft in sehr unvorsichtiger Weise ohne Einholung von Informationen über deren Vertrauenswürdigkeit in Geschäftsverbindungen treteil, fügen den Fabrikallten empfindlichen Schaden zu und veranlassen sie hcülfig, alle Beziehungen sofort' abzubrechen. Die Exporteure sollten deshalb niemals Verbindungen mit Agenten irr Smyrna eingehen, ohlle vorher an das Kollsulat eine diesbezügliche Anfrage gerichtet zu haben. Leistungsfähige Fabrikanten und Exporteure können ein gutes Geschäft machen; sie müssen nur selbst recht rührig sein, ivohlbegründete Ratschläge beachten, sowie niemals jene besondere Vorsicht anßeracht lassen, die von den Eigeilheiteil des Marktes in Smyrna bedillgt wird. Fabrikanten, die Voransbezahluilg ihrer Ware verlangen, was nur in ganz besonderen Ansnahmefällen durchführbar ist, die Artikel verkallfeil wollen, welche nur in einem Lunde, >vo der Luxus verbreitet ist, Absatz finden könnelr, tun besser daran, sich in das orientalische Geschäft überhaupt nicht einzulassen. So würde es wenigstens vermieden, daß sie in Smyrna nicht das fillderl, was sie slichen, und dann über die Verhältnisse klagen und falsche Ansichten verbreiten. Smyrna ist nicht ^der Markt, wo sich Ware zu hohen Preisen absetzen läßt, ein hoher Gewiim ist dort nicht zu erziekell. Die dortigeil Händler verstehen sehr billig einzukaufen und da das Angebot außerordentlich stark ist, sind die Kunden in der Lage, zll beurteilen, was ihnen konbeniert; es werdell also nur wirklich borteilhafte Offerteil berücksichtigt. Große Vorteile, bietet ferner die Entsendung von Reisenden, welche sich Isowohl von den Verhältnissen des Marktes zu überzeugen als auch Vertreter inid Knildeil genauer zil übertvachcn hätten. Der Besllch eines Fabrikanten oder Reisenden hat gewöhnlich einen größerew Erfolg als ein monatelanger Schriftwechsel. Bei Zahlungseilrstellllngen ziehe man, selbst welln sie nicht ganz einwandsfrei erscheniell, einen gütlichen Ausgleich vor; bei Fallimenten, die vor einem türkischeil Gericht ausgetragen werden, haben die mrslälldischen Gläubiger stets das Nachsehen. Besteht jedoch ein Fabrikallt auf der gerichtlicheil Austragung, so wende er sich vor Nominiernllg eines Advokaten an das Koiisulat. Ferner muß den Handelskreisen abgeraten werden, mit ottomanischen Staatsangehörigen Liesernngsgeschäfte über nicht borhandeile Ware, z. B. zukünftige Ernten, abzilschkießeil, da die türkischen Gesetze solche Geschäfte nicht kennen und die Gerichte deil ottomanischeil Koiltrahenten, welcher bei ungünstiger Konjunktur seinen Verpflichtlliigen nicht nachkommt, freisprechen. Die ZahllNigsmodalitätoil sind im allgemeinen entweder Barzahlung bei Ankallf ulld nach Prüfung der Ware, indem man 3 bis 6 Prozent Nachlaß geivährt oder 4 bis 6 Monate- Akzept. Dies richtet sich ganz llach der Preislage der Artikel und den jeiveiligen Abmachungen. Die Verkaufspreise solleil tvomögkich c. i. f. Srnprila frailko Einballage oder wenigstens f. v. b. Triest gestellt werden. Prelöbestinlmuilgen franko Fabrik werden gar llicht berücksichtigt. Die Berpackling der Waren soll stets so widerstandsfähig als ilwglich v-rgenommen werden. Kisten, Ballen nnd Fässer werden beim Trallsporte nicht so vorsichtig behandelt, wie vielleicht mancher alulimnlt; man verrneide daher die Verloeildung alter Kisten und leichter Packstoffe. Deutscher Hilfsverein. Heute tagte hier der geschnftsführende LUisschllß des Hilfsvereines der d e il t s ch e ll I n d e n unter dein Vorsitz des Generalskonsllks Eligen Landau. In der VersaillNllllilg erstattete Dr. P. N a t h a >l Bericht über die Vorgänge der letzteil Mollate in Rlisiialld imb Galizien. Wir entnehmen den: sehr interessäitteil Referat die lvichtige Mittellllllg, daß für die Geschädigteil in Hömel bisher belviUigt worden silld: Seitens des Hilfsvereines der beutfdicn Juden 55.000 Mark, seitens der Großloge für Deutschland 8000 Älark, seitens des Hilfskonlitees für die russischen Juden in Frankfurt

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