Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 44 (30.10.1903)
- Date
- 1903-10-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 30. Oktober 1903 Nr. 44 Weitere Versammlungen von Palästinasrennden sollen demnächst in anderen Städten stattfinden. Die Propaganda- Kommiffion gedenkt überdies, eine rege Agitationstätigkeit auch außerhalb Deutschlands zu entfalten. Britisch-Ostafrika! —in.—n. Der sechste Zionistenkongreß zu Basel hat ungleich seinen Vorgängern durch das seiner Beratung und Entscheidung unterbreitete Ostafrikaprojekt das größte Aussehen in der gesamten Judenheit erregt. Am wenigsten überraschend ist es, daß ein Teil der Zionisten, und zwar gerade der treueste, orthodoxe Teil ihrer Anhänger die Fahne der Empörung schwingt, da er es nicht verwinden kann, daß die Heimstätte in Zion nicht mehr das einzige Ziel der Bewegung sein soll. Viel wichtiger jedoch, als dieser gewiß nur vorübergehende Aufruhr ist die Tatsache, daß zum erstenmale die Juden der verschiedensten Parteirichtungen, ja selbst und vielleicht am meisten diejenigen, welche gar nicht jüdischnational sind, dem Beschlüsse des Kongresses in — fast möchten wir sagen — enthusiastischer Weise Beifall zollen. Tatsächlich kann bei objektiver Beurteilung der Sachlage nicht verkannt werden, daß dieses Projekt von Bedeutung ist. Wenn schon nichts anderes, so ist es doch gewiß ein schöner Erfolg, daß eine so nüchterne Regierung, wie die englische, den Zionisten die Niederlassung im Ugandagebiete anbietet. Es mutet parodistisch an, zu sehen, daß in diesem so wichtigen Momente die „Jca", die einzige jüdische Korporation, welche vermöge ihrer reichen Mittel die Emigration und die Besiedelung des angebotenen Landes durchführen könnte, wegen der begehrten Autonomie* *) Rekriminalionen erhebt. Vergißt man denn ganz und gar, daß die Niederlassungen im Schatten der englischen Flagge erfolgen sollen? Unter dem Schutze des Volkes, das zu einer Zeit, als das Festland im dunkelsten Mittelalter dahinträumte, die Habeas Corpus Acte — die ewig denkwürdigen Grundgesetze der persönlichen Freiheit — geschaffen hat? Des Volkes, in dessen Staatsrecht und öffentlichrechtlichen Institutionen das selfgo venement — die Selbstverwaltung — mit einer Vollkommenheit ausgebildet ist, die für alle modernen Staaten musterbildend wurde? Man werfe doch nur einen Blick auf die staatsrechtliche Stellung der britischen Kolonien! Welch freie Verfassung haben zum Beispiel die australischen Besitzungen Englands! Wäre es nötig oder auch nur wünschenswert, daß das jüdische Gemeinwesen in Ostafrika schon von der Entstehung an größere Selbständigkeit hätte? Die Judennot im Osten wird von Tag zu Tag größer, es ist geradezu unverantwortlich, mit so kleinlichen Zänkereien die Zeit zu vertrödeln! Das erinnert unwillkürlich an des Dichters Klage: „Aber der große Moment findet ein kleines Geschlecht." Die praktischen Engländer würden übrigens dieses Anbot gewiß nicht gemacht haben, wenn sie die zionistische Bewegung nicht als eine reale, aller Beachtung würdige angesehen hätten. Das ist aber für den Zionismus von großer Bedeutung in agitatorischer Hinsicht, daserklärt insbesondere das lebhafte Interesse der Assimilanten für den britischen Antrag. Wären auch nur diese Erfolge durch den Beschluß des letzten Kongresses erreicht, so verdiente derselbe die wohlwollendste Beachtung. Freilich wird es nun Sache der national-jüdischen Parteien sein, dieses Interesse wach zu erhalten, da dasselbe geeignet ist, große Scharen der Assimilanten der nationalen Bewegung zuzuführen. Zunächst wird allerdings der Bericht der Kommission abzuwarten sein, welche über Beschluß des Kongresses zu dem Zwecke in das verheißene Land delegiert werden soll, um dasselbe auf seine Eignung zur Aufnahme von jüdischen Einwanderern zu prüfen. Nach den bisherigen, wenn auch unverbürgten Berichten soll das Land diese Eignung in hervorragendem Maße besitzen. Gleich dem alten Kanaan soll es ein Land sein, in dem Milch und Honig fließt; eine üppige, echt tropische Flora läßt es als ein wahres Eden erscheinen. Es ist von der Malaria, ^diesem Todfeinde jeder menschlichen Niederlassung, frei, der fruchtbare Boden gewährt schon bei einiger Arbeit reichlichen Ertrag und die Eisenbahn vom Viktoria-Nyanzasee zur Meeresküste wird den Export der überreichen Naturprodukte und damit die Entstehung eines blühenden Handels ermöglichen. D s einzelne, insbesondere die bewaldeten Telle des G 'sietes erst von wilden Tieren*) zu säubern sein werden, wird einer Heranwachsenden Generation Gelegenheit geben, Mut und Kraft zu gewinnen und für alle Zukunft Vorgänge, wie in Kischenew, unmöglich machen. *) Wir erinnern den Autor, daß die englische Rgie.ung die Autonomie noch nicht in bindender Weise zugesichert hat. Sie erklärt lediglich in dem bekannten Briefe: „Sie werde die Frage der Autonomie „in wohlwollende Erwägung" ziehen." Das ist sehr dehnbar. Anm. d. Red. *) Aber auch an wilden Menschen. Anm. d. Red. Wird die Kommisson diese**) Nachrichten bestätigen, dann ist nicht einzusehen, warum dieses Projekt nicht von den Juden aller Parteischattrerungen auf das tatkräftigste unterstützt werden soll. Die orthodoxen Zionisten werden eben an sich die längsterprobte Wahrheit erleben, daß eine ernste politische oder soziale Partei sich nie auf ein Dogma einschwören darf, daß Konsequenzreiterei in der praktischen Politik keinen Raum findet, kurz, daß jede Partei, die ernst genommen werden will, sich von Opportunitäts¬ und Utilitätsrücksichten leiten lassen muß. Die Assimilanten endlich, die bisher allen zionistischen und sonstigen nationalen Bestrebungen kühl bis ans Herz hinan gegenüber standen, werden für das Ostafrikaprvjekt eifrigst tätig sein und wenigstens praktisch damit für die Nationalen gewonnen werden. Es liegt auf der Hand, daß durch die Gründung eines Gemeinwesens in Britisch-Ostafrika kein Zionist zur Aufgabe seines Ideals — der Heimstätte in Zion — gezwungen wird. Die Heimstätte mag weiter erstrebt werden, allein in der festen Erkenntnis, daß sie das Endziel aller zionistischen Bestrebungen, Jahre, vielleicht Jahrhunderte zu ihrer Verwirklichung bedarf und bis zu ihrer Erreichung eine Reihe von Zwischenstationen, von denen eine Oftafrika sein mag, durchzuschreiten sein werden. Zur Ostafrika-Frage. „Hazofe" veröffentlicht folgende zwei Briefe: 1. Ufsifchkiu gegen Ostafrika. Meine Anwesenheit in Palästina verhinderte mich, an den Beratungen des Kongresses tcilzunehmen — über meine dortige Arbeit werde ich den Wiener und Odessaer Komitees Bericht erstatten — und so erfuhr ich erst nach meiner Rückkehr, daß ich neuerdings znm Mitglied des großen Aktionskomitees gewählt wurde. Es versteht sich von selbst, daß ich es für meine Pflicht halten werde, für die Aufrichtung unseres Volkes laut den Bestimmungen des Kongresses und des Aktionskomitees unablässig zu arbeiten. Was aber den Hanptbeschluß des Kongresses, betreffs Entsendung einer Expedition nach Afrika betrifft, so halte ich denselben für mich nicht bindend, ich bin gegen ihn und werde alle meine Kräfte anfwcnden, seine Ausführung zu verhindern. Der Kongreß kann nnt Nkajoritätsbeschluß nur solche Angelegenheiten bestimmen, welche sich auf unsere Arbeiten beziehen, ist aber nicht berechtigt, ein Ideal oder ein Prinzip umzustoßen. Ebensowenig wie mich ein Majoritätsbeschluß der ganzen Welt zwingen könnte, meinen Glauben oder die Thora zu verleugnen, so kann mich auch ein Majoritätsbeschluß des Kongresses nicht von Palästina abwendig machen. Warum doch die Herren, die sich mit Diplomatie und Politik abgeben, das Einfachste nicht einschen wollen, daß mit dem Momente, wo wir eine Expedition in welches andere Land immer entsenden, wir uns von Palästina losgesagt haben! Jekatcrinoslaw, 25. Tischri. Ussischki li. Brief: Ein Mahnruf Ar, Herzls. Ein russischer Delegierter erhielt von Dr. Herzl folgenden Wien, den 9. Oktober. G e e h r t e r H e r r l Zu meinem Bedauern habe ich aus dem Briefe des Herrn H . . . . von den Zwistigkeiten erfahren, welche jetzt zjvischen unseren Freunden herrschen. Ich kann natürlich aus der Ferne nicht konstatieren, wer der Urheber des Unfriedens ist, aber wie imme dem auch sei, bitte ich Sie, in meinem Namen zu verkünden, das; ich nicht genug Worte finde, um zu beweisen, wie not uns jetzt die Einigkeit tut. Daß unsere Bewegung in so kurzer Zeit so viel erreicht hat, ist nur der Einigkeit unter uns zu verdanken. Was auch zwischen unS vorgefallen fein mag, ich bitte sowohl die Proals auch die Kontra-Redner, sich wieder in Frieden zu vereinigen. Biel Unheil kommt daher, daß einige von uns der Ansicht sind, daß sie allein ein Patent auf den Zionismus besitzen, und sobald sich innerhalb des Zionisnins eine neue Beivegung zeig t, erblicken sie darin sofort einen Verrat. Es liegt in der Natur der Sache, daß in der gereizten Stimmung, welche während des Kongresses herrschte, mich viele Fehler begangen wurden; ich verweise aber wiederholt auf meine erste und letzte Rede während des Kongresses, in welchen ich meine Meinung klar ausgesprochen habe. Wir tun Vorläufig nichts, als Versuche anstellen. Vis man überhaupt ettvas Bestimmtes wissen wird, wird noch viel Zeit verstreichen und che!vir über alles unterrichte sind, können wir weder „ja" noch „nein" sagen, sondern so, wie früher an unseren zionistischen Arbeiten Weiterarbeiten, von denen niemand lassen darf. Dies bitte ich Sie unseren Freunden zu sagen, die jetzt viel zu sehr aufgeregt sind. Sie können ihnen auch sagen, daß die Einigkeit und Besonnenheit der Anhänger die Hauptbedingnng für die Macht der Führer sind. Ich habe zu meinen Kongreßreden nichts hinznznfügcn. Sobald sich die Notwendigkeit einstellen wird, werde ich meine Meinung gewiß ganz offen aussprechen. Herz l. Zeilungsfchan. Ostdeutsche Jesuiten. An die Adresse der „Ostd. Rundschau". Wir haben der „Ostd. Rundschau" wiederholt politische F a l s ch m ü n z e r e i der ärgsten Sorte nachgewiefen. DieRedaktion hat aber den Vorwurf der Fälschun g, den wir des öfteren erhoben, auf sich sitzen lassen und fährt unbekümmert in ihrem Treiben fort. In der Nummer vom 22. bringt sie ein angebliches Zitat aus dem „Jüd. Volksblatt", wohlweislich aber ohne Angabe der Nummer und des Jahrganges, das wir nach unserem Gedächtnisse insolange als eine dreiste Fälschung bezeichnen müssen, als die „Ostd. Rundschau" uns nicht die Nummer und den Jahrgang bezeichnet, in welcher der betreffende Ausspruch gestanden sein soll. Aussprüche, aus dem Zusammenhangs zu reißen und dadurch den entgegengesetzten Sinn dem Zitierten zu imputieren, den er verficht, oder Aussprüche ganz frech und frei zu erfinden, **) ES liegen im Gegensätze zu der enthusiastischen Schilderung des Autors ganz entgegengesetzte Berichte vor, deren zufolge nur der Anbau von Kartoffeln in Britisch-Ostafrika möglich ist. Anm. d. N. vas iji eine nampsesweqe. Die die „Ostdeutschen" mit Vorliebe den Jesuiten zuschreiben. Wir haben aber wiederholt dieser Sippe auf die Finger geklopft und nackgewtesen, daß diese Patentdeutschen diese Jesuiten-Moral längst zu ihrem Eigen gemacht haben. Durch „Reinheit zur Einheit" predigt dieses saubere Blatt in zuckersüßem Ton;! in Wirklichkeit kämpft cs aber mit den schmutzigsten Mitteln und treibt politische Brunnenvergifiung ärger als andere. H. K. Wolf sche Moral. * „Die Allgemeine Zeitung des Judent." (Berlin) schreibt: In der Monatsschrift der Oestereichisch-Jsraelitischen Union werden Misere Angaben über Judcntaufen in Wien bestritten und es lvird die Behauptiiiig aufgestellt, daß cs hier in Wien nicht schlimmer darum stehe als bei uns in Berlin. Wir wünschten von Herzen, daß die Herren recht behielten — leider ist aber dem nicht so, wie die von ihnen selbst mitgetdlten Zahlen haarscharf beweisen. In Wien fanden 1900 im ganzen 607 Austritte aus dem Judentum statt, in Berlin 116, also kaum ein Dritel. Im Jahre 1902 betrug die Zahl der Taufen in Wien 669. Auch diese Ziffer ist in Berlin nicht erreicht worden. Äup Frage der Einwanderung in die Bereinigten Staaten Der„Wcser-Zeitung" wird aus Ncw-Uork geschrieben: „Es ist bekannt, daß seit längerer Zeit die Bevölkernngsfrage der Vereinigten Staaten von Amerika ein Gegenstand ernster Erwägung der hiesigen zuständigen Stellen ist. Zwei bedeutsame Fragen drängen sich dabei auf, und ihre Beantwortung ist schwierig: Was soll mit den Negern geschehen und wie soll eine bedrohliche Verschlechterung der einheimischen weißen Bevölkerung, die durch den massenhaften Zuzug minderwertiger Einwanderer aus der alten Welt entsteht, vermieden werden? Gerade die sehr ernste Bedeutung der zweiten Frage darf nicht unterschätzt Iverdcn, denn? die jährlich steigende Einwandcrnngsziffcr redet eine zu unzwei- 1 deutige Sprache. Nach dem im Februar d. I. veröffentlichten Geschäftsbericht der hiesigen Deutschen Gesellschaft für 1002 landeten im verflossenen Jahre im Hafen von Ncw-Uork 714 124 Personen. Von diesen waren 139 276 im Zwischendeck gefahren. In diesem Jahre wird die Zahl der Einwanderer auf mehr als 900 900 vorcmsberechnct. Den Hauptauteil der hier gelandeten Zwischendeckreiscnden hat im verflossenen Jahre Italien mit nahezu 181 000 Personen gestellt. Aus Oesterreich-Ungarn sind gegen 144 000 Einwanderer angekommen. Rußland und Finland haben rund 86 000 Personen geliefert. Aus Großbritannien sind 30 000 Menschen cingetroffen, während ans Deutschland — abgesehen von den aus anderen Ländern eingetroffenen Angehörigen deutscher Rasse und Staatsangehörigkeit — nicht ganz 25 000 zngezogen sind. In den letzten zehn Jahren, von 1893 bis 1902, sind 3 166 331 Fremde im Hafen von New-Aork gelandet worden. Darunter befanden sich 280 933 Deutsche. Besorgt fragt man hier: Was soll ans der Nasse der Vereinigten Staaten werden, wenn das so weitcrgeht? .Zwar wird zugegeben, daß in merkwürdig kurzer Zeit bei den Einwanderern eine Umwandlung der ursprünglichen Nasseeigcnschaften erfolgt. Immerhin darf nicht sorglos und gleichgiltig zugesehen werden, wenn der jährliche Znivachs von mehr als 1 Prozent der Gesamtbevölkerung aus fremdem Volkstum kommt, und zwar zumeist aus , Bestandteilen der Gesellschaft, die in ihrem Bildungsgrade und ihren Rasseneigenschasten minderwertig sind. Schon aus diesen ganz allgemeinen Gründen darf es daher keineswegs befremden, ,.1rain Behörden und selbst breiteste . Kreise der Bevölkerung dem steten Fremdenstrom aus allen Himmelsrichtungen mit gemischten Gefühlen Zusehen. In der Tat ein buntes Völkergemisch, das da beispielsweise im verflossenen Jahre jenseits des großen Wassers das Glück suchte, das der Heimatbodcn versagte: Unter den im Zwischendeck eingetroffencn Zuzüglern befanden sich, nach Rassen verteilt, 43 552 Deutsche, die übrigens nicht alle ans Deutschland selbst, sondern auch ans anderen europäischen Ländern eingewandert sein werden, da der Bericht der Deutschen Gesellschaft — wie oben bereits ertvähnt — den Zuzug unmittelbar ans Deutschland auf 25 000 angibt; aus Böhmen, Ungarn, Kroatien und Dalmatien kamen 45 609. Von der angelsächsischen Rasse trafen ans Großbritannien 29 051 Personen ein. Russen, Finländer, Litauer, Ruthenen zählte man 25 828. Die Zahl der Slowaken betrug 29 984, die der Polen 57 075. Dazu trafen 10 025 G ric ch e n und 58 429 Israeliten ein. Die den Angelsachsen berwandten Skandinavier stellten 40 559 Vertreter. Diese und die Deutschen sind indes dem Amerikaner keineslvegs unwillkommen. Außer den Erwägungen, die sich auf die Rcrssenperschiedenheit beziehen, liegen noch andere Gründe vor, die zu der Ueberzengung geführt haben, daß cs nicht nur erwünscht, sondern sogar nötig geworden ist, minderivertigc und lästige Personen von der Einwanderung nach Möglichkeit^ auszuschließen. Es darf den Behörden eines großen, geordneten Gemeinwesens durchaus nicht gleichgiltig sein, ob und wie viel Verbrecher, Kranke, Gebrechliche, Mittellose und geistig verkümmerte Personen jährlich ins Land kommen. Man wird auch das Streben der Staatsverioaltnng begreiflich finden, dem Verlangen der heimischen Arbeiter nach Möglichkeit gerecht zu Iverden und den Zuzug fremder Arbeitskraft mindestens eiiizudämmen. Diese Anffassimg hat dazu geführt, daß die Einwanderung von Arbeitern unter Kontrakt gesetzlich verboten ist. Die Zwischendecksreisenden werden, wie man weiß, auf Ellis-Jsland gelandet. Da die dortigen Ramnverhältnisse den mit der Zeit schnell gesteigerten Anforderungen nicht mehr entsprechen, so sind die vorhandenen Bauten im verflossenen Jahre verbessert worden. Die Einwandeningsbehörde hat noch ferner 900 000 Dollar gefordert, damit das Hauptgebäude und das Krankenhaus erivcitert werden können. Außerdem beabsichtigt man ein besonderes Gebäude zu errichten, damit die mit ansteckenden Krankheiten behafteten Einwnndercr dort abgeschlossen und entsprechend behandelt werden können. Bisher war ein Dampfer gemietet, der den Zivcck hatte, die Stadt mit Ellis-Jsland zu verbinden. Jetzt soll ein neues Fährbot beschafft werden. Alle diese Maßregeln beweisen, daß die Einwandernngsbehörde bestrebt ist, den durch den wachsenden Andrang gesteigerten Obliegenheiten nachznkommen. Zu diesen Obliegenheiten gehört mm mich die Untersuchung der Einwanderer auf etlvaige Augenleiden, die wegen der An- ■ steckungsgcfahr den Gesundheitszustand der einheimischen Bevölkerung bedrohen. Unangenehme Erfahrungen haben gelehrt, daß diese schon länger bestehende Verordnung neuerdings verschärft beobachtet werden muß, denn es trafen namentlich aus dem östlichen und , südlichen Europa zahlreiche Einwanderer ein, die mit ansteckenden Augenkrmikheiten belastet waren. So unbequem und lästig der-! artige Untersnchnngen für die Ankommenden sein mögen, so nor- ' wendig sind sie zur Abwendung großer Gefahren für die Allgemeinheit. Auch wenn gelegentlich, lvas aber sicher nur selten vorkommi. ein verwöhnter Kasiitenreisender auf Ellis-Jsland der lästigen Untersuchung unterworfen wird, so mng er überzeugt sein, daß zu solcher Maßregel gegen ihn, durch die er in seiner Behaglichkeit gestört Ivird, berechtigter Mund borliegt, denn über die Notwendigkeit der Untersnchnng im allgemeinen herrscht in den maßgebenden Fachkreisen volles Einverständnis.