Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1903)
- Issue
- 41 (9.10.1903)
- Date
- 1903-10-09
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 9. Oktober 1903 Seite 5 tischen Aussprache einiger Laute (z. V. des d, t, h), die der Bevölkerung besonders eigentümlich lvaren llild aildererseits vom nnziveiselhaften Einfluß des türkischeil Elementes ans das Jüdisch- Tatische Zeugnis ablegen." lieber die ethnologische Stellung der tatischen Inden sei hier im Anschluß an die Darlegungen Millers — die , weil russisch geschrieben, tveiteren Kreiseil unzugänglich bleiben dürften, nebeil denen deshalb auf die Arbeitelt T. Hayns über die kanlasischen Bergjnden aufmerksam gemacüt lvcrden möge — folgendes hervorgehoben) Bergjllden (russisch: gorski evrei, tatarisch: dag cnflit) Heiszen die kaukasischen Juden, die in den Aulen und einigen Städten des Daghestaner, Terskcr uild Kubailer Bezirkes, ferner auch im Bakimer uild Elisabethopoler Gouvernement leben und sich der tatischen Sprache bedieneil. Die Gesamtzahl der Bergsliden beträgt ilach den i. I. 1886 von I. S. Anisinlotv gepftogeileil Erhebnngen zirka 20 000 Seeleil, doch gibt cs Anhaltsplinktc dafür, das; vor einigen Jahrhunderten die Zahl jüdischer Ansiedelnngell im östlichen Kankaslis bedeutend größer gewesen sein muß als in der Gegenwart. Bezüglich des Zeitpuilktes der Ansiedlnng der Inden kann mail alls deil Zengilisscll einiger arabischer Schriftsteller schließen, das; die Araber bei der Eroberung Daghestans in der ersten Hälfte des 8. Jahrhuilderts Juden schon in namhafter Anzahl dort angetroffen haben. Um welche Zeit sich aber die Vorfahren der jetzigen Jndcil in diesen Gebieten niedergelassen haben, darüber gibt es weder schriftliche iloch mündliche Uebcrliefernngen. Sie selbst hegeil die Ueberzenguilg, daß sie von jenen Jliden abstammen, die voll asshrischeil.Sinnigen aus Palästina fortgcbracht tvnrdcil uild sich am Bau des Zweiteil Tempels iil Jerusalem nicht beteiligt haben. Es ist schtvcr zu unterscheideil, ob diese Behauptung mif einer Volksüberlieferung vergangener Jahrhunderte fußt, oder ob sie nur eiiter Deutung der Worte im Buch der Könige (4, 6) ihreil Ursprung verdailkt. Auf alle Fälle unterliegt es keinem Zweifel, daß sich scholl in ältesten Zeiteil inmitten der medischen Bevölkerung Inden befunden haben. In jenem Teile Mediens, der in der Folgezeit Aturpatakan geheißen uild späterhin Aderbeizan genannt tmirde, Ivar ganz gelvis; eine beträchtliche jüdische Bevölkerung ansässig, die man als Vorfahren der kaukasischen Jliden ansehen kann. Iil der letzten Zeit haben die Bergjndcil in Daghestail begonnen, sich die moderne Kultur anzucignen und ihre Kinder in die russischen Volksuild Mittelschulen Zii senden. Sie fönneu cs lim so leichter tun, als sie der prozentuellen Beschränkung llicht untertvorfeil siild. Auch fangeil sie jetzt an, sich ihren europäischen Glanbeilsgenossen, von fceneu sie sich bis dahiil osteiltativ ferngehalteil haben, ein ivenig zu näheril. Diese Juden sind Zinn Teil alte Nikolalls'sche Soldaten, welche in Rußland bekanntlich das Privilegium der allgeilleinen Freizügigkeit genießen, teils habeil sic sich auf Grund einer lokalen für den Bezirk, Telnir-Chaii-Schlira bestimmten Verordnung, infolge deren die Juden daselbst die gleichen Rechte wie die Eingeborenen genießen, iil diesen Gegendeil iliedergelassen. -!- Die Eisenbahn am See Genezareth. Das Pfeifen der Lokomotive wird man, wie dem „American“ aus Jerusalem geschrieben wird, jetzt bald zum ersten Mal in Nazareth und andern galiläischen Städten hören. Von Haifa, einem kleinen Küstenort unterhalb des Berges Karmel, wird eine Eisenbahn nach dem See Genezareth gebaut. Diese Eisenbahn soll das Mittelländische Meer mit der schon bestehenden Eisenbahn verbinden, die nördlich vom See Genezareth nach Damaskus und Mekka geht. Nominell sind diese Eisenbahnen von dem Sultan der Türken gebaut worden; in Wirklichkeit aber sind sie deutsch. Alle Ingenieure m b Angestellten der leitenden Stellungen sind Deutsche. In Palästina, Syrien, und den angrenzenden Besitzungen des Sultans leben Deutsche zu Hunderttausenden, und der Handel liegt tatsächlich in ihren Händen. Die neue Eisenbahn wird quer durch die Provinz Galiläa in Nordpalästina gehen und die aus dem Neuen Testament bekannten Orte Kapernaum, Kana, Berg Tabor, Saron, Bethseida und Magdala berühren. Die Eisenbahn war bis jetzt wegen der Rauhheit und Armut Galiläas nicht gebaut worden, aber die Deutschen erwarten, daß die neue Linie sehr wertvoll für sie sein wird, da sie in das große Gebiet jenseits des Jordanflusses dringt. Dadurch können ihre Waren auf kurzem Wege vom oder zum Mittelmeer gebracht werden. Zu den wichtigsten Industrien dieser Gegend gehört die Fabrikation von weißer Oelseife. Die kleine Stadt Haifa am Mittelmeer kann zu einem schönen Hafen ausgebaut werden, und in Kurzem werden sich auf dem Berg Karmel große Warenhäuser erheben. Die gerade Entfernung vom Mittelmeer zum See Genezareth beträgt nur 35 englische Meilen. Dann wird die Eisenbahn den See entlang gehen, weil dadurch das Gebirge vermieden wird; die Schiffahrt auf dem See, die jetzt noch in ganz primitiven Booten betrieben wird, soll dann durch Dampfer betrieben werden, was die Bedeutung der Eisenbahn auch erhöht. Die Hauptstation wird Nazareth sein, eine blühende Stadt von 10 000 Einwohnern, die der Mehrzahl nach Christen sind. Die wichtigste Station am See von Genezareth wird Kapernaum, das heute unter dem Namen Tel Hum nur ein Trümmerhaufen ist, aber trotzdem wegen seiner Lage gewühlt wird. In der Nähe liegen mehrere Dörfer. Die Vollendung der Eisenbahn wird nicht nur dazu beitragen, die Besitzungen des Sultans zu zivilisieren, sondern den Reisenden auch in den Stand setzen, eine bis dahin schwer zugängliche Gegend, die ein großes religiöses Interesse hat, zu besuchen. In Zukunft wird es für Leute, die einen Winter am Mittelmeer verbringen, leicht und bequem sein, einen Ausflug naä) Nazareth und dem See Genezareth zu machen. (Fremde breiten sich immer mehr in Palästina aus, während wir untätig Zusehen, wie der Boden uns verloren geht. Anm. d. Red.) Chronik. Inland. Gedenktage. Oktober. 9. 1290 mußten die Juden England verlassen. 1869 st. i. Lemberg Hirsch Chajes, Rabb. in Zolkiclv n. Kalisch. 1866 st. d. Violinspieler Ernst. 10. 161!) st. i. Amsterdam R. Joseph Pardo. 1667 st. i. Brzesc Rabb. Mann. 1674 st. i. Hamburg David Cohen de Lara Lexikograph und Ucbers. d. Reschit-chochma. 1797 st. i. Wilna R. Elia Wilna, Gaon. 1871 st. i. Berlin Jos. Zedner, Bibliogr. 1884 st. i. Hamburg Johanna Goldschmidt, päd. Schriftstellerin. 11. 1792 st. i. Ainsterdam Dav. Franco Mendcz, Dichter u. Verf. c. Encyklopädie. 1806 st. i. Karlsruhe Rabb. Tiah Weil, Deraschas Gutachten u. hal. Arb. 12. 1286 fielen in München 90 Unschuld. Inden als Opfer des Glaubenshasses. 1689 st. i. Saloniki Samuel de Medina, Verf. von Predigten. 1887 st. i. Posen R. Akiba Eger Gins. 13. 1676 st. i. Mantua Samuel Rmnili. 1876 st. i. Szegedin Oberrabb. Leopold Löw. 1878 st. i. Würzbnrg Distr.- Rabb. Seligm. Bär Vamberger. 14. 1899 st. i. Hamburg Charlotte Einbden, Schwester von Heinr. Heine. 16. 1706 geb. i. Wien Ben. Dav. Arnstein, Lnstspieldichter. 1842 geb. i. Preßbnrg Will). Stiaßlly, Banrat. 16. 1666 st. i. Prag Joseph bei Medigo. 1719 st. Professor Uuger, Sammler f. jüd. Bibliographie. 1865 st. i. Berlin Dr. Jerem. Heinemann, Heransg. von Ilebersetzungen. 1862 st. i. Hamm Prof. Alex Haindorf, Seminar-Direktor in Münster. 1860 st. i. Wien Herrn. Sternberg, Verf. einer Geschichte d. Jnderr in Polen. 1866 st. i. Frankfurt a. M. Freiherr Mayer Carl von Rothschild. 1867 st. i. Prag S. L. Rapaport, Bcgr. d. Kritik in d. jüd. Mssensch. Tranerfeier. Anläßlich des Hinscheidens des Vertreters der israelitischen Kliltnsgemeinde Wien, Herrn k. k. Ober-Ingenieur Arthur Edlen von Mises, hat der Präsident der K'nltusgcmeiirde, Herr kais. Rat K l i n g e r , eiiie außerordentliche Plenarsitzung eiubernsen, zu lvclcher sämtliche in Wien weilenden Vorstandsmitglieder erschienen lvaren. Der Vorsitzende, hielt folgende Ansprache an die Versammlung: „Meine Herren I Es ist ein tiesbetrübeuder Anlaß, der uns heute hier versammelt: das plötzliche, unerwartete Hinscheiden unseres Kollegen, des Herrn Vertreters k. k. Ober-Ingenieur Arthur Edlen von Mises. (Die Anwesenden erheben sich von ihren Sitzen.) Durch ein Telegramm der Gemahlin des Verewigten voir deni Hinscheiden desselben in Kenntnis gesetzt, habe ich sofort der tiefen Trauer des Vorstandes durch nachstehendes Telegramm an die Witwe Ausdruck gegeben: „Tief erschüttert und schmerzlich bewegt durch die traurige Nachricht von dem Ableben Ihres Herrn Gemahls, unseres unvergeßlichen, um die Wohlfahrtseinrichtungen unserer Gemeinde außerordentlich verdienten Kollegen bitte ich im Namen des Vorstandes lind in dem unserer durch dieses Hinscheiden hart betroffenen Kliltnsgemeinde den Allsdruck des iniligsteu Beileides entgcgenznnehmcn." — Meine Herreil! Wir alle betrauern in dem in der Blüte seiner Jahre Dahingeschiedcnen einen Mann, depen unermüdliche Pflichttreue und hohe Auffassung freiwillig übernommener Alifgaben uns allen beispielgebend vorangeleuchtet hat, einen lieben Kollegen, der sich in der verhältnismäßig kurzell Z'.it feiner Tätigkeit als Kultusvorstand die ungeteiltesten Sympathien aller erivorbeil lind sich ein liilvergäilgliches Gedenken in der Gelneinde gesichert hat. Sein Hinscheiden bedeutet einen schweren Verlust für unsere. Gemeinde lMd hinterläßt im Vorstands.-Kollegiunl eine fast unausfüllbare Lücke. Ganz besonders seine hingebungsvolle segensreiche Wirksanlkeit für linsere Versorgunas- Anstalt steht iil lebhaftester Erinuerung und läßt nus deil erlittenen Verlust doppelt schwer empfinden. Ich biil überzeugt, meiile Herren, daß Sie alle dem unvergeßlichen, trelieil Kollegen die letzte Ehre erweiseil uild au dnu morgeil stattfindeilden Leichenbegängnisse ausnahmslos teilnehmen iverden, ebenso wie ich Ihrer Zustiniinling dazu gewiß bin, das; au jener Stätte, deren Gedeihen dem Verstorbellen besonders am Herzen lag uild welcher er seine ganze, große Kraft ividnlete, im Altersvcrsorgungshausc im Beisein der Herren uild Damen des Versorguilgshaus-Komitees eine Trauerandacht (Hespcd) abgehalteii werde, zu welcher auch die Familie des Verelvigten cingeladeu iverden ivird lind daß weiters dlirch dreißig Tage ein Seelenlicht für den Verblicheneil angezündet werde. Sie sind geiviß alich dainit eiilverstaildell, daß diese Tralierkuiidgebung deul Protokolle clnverleibt werde uild daß ich der Familie des Vereivigteil auch schriftlich das tiefgefühlte, iiliiige Beileid des Kliltusvorstaiides ausspreche. — Ich erkläre die Sitzung für geschlossen." Voll deil bei der Sitzliilg ilicht ailiveseilden Vorstandsmitgliedern siild Entschuldigungen eingelaitfen darunter von Herrn Kultusvorsteher Rudolf A l> s p i tz nachstehendes au den Präsidenten gerichtetes Telegramm: „Ich bitte meinen innigen Anteil ail denl schtveren Verluste, welchen die Gemeinde durch das Hinscheideil des so tüchtigen, verehrten Kollegen erlitten, mif diese ul Wege anssprechen zll dürfen." Mädchen- und F-rnnen-Berein „Bilur - Chanlim", Wien. Soiiiitag, deil 6. Tischri d. I. fand inl Saale der jüd. KuliuSgemeinde die Erste ordentliche Generalversanliillung des Vereines unter sehr zahlreichem Zuspruch statt. Außer deil Mitgliedern waren alich sehr viele Gäste, Fr. Jda Diamailt, Prästdeniin deS Ehrendalneil-Konlitecs der Versorgnngsanstalt der jüd. Kultusgeineinde, Vertreter zionistischer Vereitle, des inuerösterr. D.-C. lisiv. erschienen. Nach Eröffnung der Versammlung erstattete die Präsideiltiir Gisela Kohil deil Tätigkeitsbericht über das erste Vereinsjahr 05663). Sie schilderte in klirzeil Zügen die Entstehung des Vereines. Deil Verein hat der Dralig, jüdischen Mäd chen und jüdischen Kranken ivohlzutlin, gegründet. All der Gründllllg wirkten mit Fellereifer mit Hanilia Korall lllld die Schioesteril Regine und Selina Kaufteil. Sich selbst 31t nennen verbot die Bescheidenheit der Präsideiltiu. Alis dem Bericht lvar zll entnehm a. das; der Verein die übernommenen Pflichteil, jüdische Kranke iil deil Spitälern anfzusuchen, sie 311 laben — wo es statthaft ill — ihilen Trost und Mlit zlizusprechell, sie mit Lektüre, nach Entlaß'.n'g ans dem Krankenhanse vielleicht auch mit einem Zehrgrosche» zu versehe», sehr ernst geilommen. Es lvnrden etlva 260 Krankenbesuche ivöchentlich geiliacht und, über deil Rahmen der eigentlichen VereiuStätigkeit hinaliSgehend, verschafften die nimmermüde» Damen des Vorstandes vielen Krailkeil Aufnahllie in die Krankenhäuser, in vielen Fällen den Abreisendeu Kleidriilg unb Reisegeld. Im Vereine imtrben mehrere hligieilische Vorträge abgehalten, auch besuchen viele Mitglieder Fachkurse. Der Vereill zählt ca. 260 Mitglieder, von denen sich nur ein Bruchteil deil .Krankenbesuche 11 Ivtdinet. — Der .Ka habe eicht der Fr. Wlttniann iveist einen Saldo voll 180 Kronen auf. Zum Schlüsse verliest die Präsideniin einige Anerkenilinlgslind Dailkschreiben, darlinter anch vour Ehrendamen-Konlitee der VersorguugSanstalt, vom österreichischeil Landes-Komitee deS Verbandes „Zivil", soivie von ehemaligen Schützlingeil des Vereines. — Mit einem warmen Appell, den Verein zu unterstützen, schloß sie unter brausendem Beifall aller Ailiveseilden. Hieralif ivurde denl abtreteildeil Ausschüsse das Absolutorinm mit Stimmeneinhelligkeit gegeben. Als beim Puntte „Wahleil" eine Liste mit dem Präsidium des Frl. Kohil vorgeschlagen irard, dieselbe aber entschiedcu eine Wiederivahl ablehnte, zeigte eS sich, ivelche Sympathien sich der gailze Vorstaild im Verciue zu verschaffen geimißt hat. Die lebhafte Erreglnig legte sich erst, als Frl. Gisela K 0 h n einstimmig geivählt ivurde und die Wahl annahin. In deil Vorstand tvurden geivählt resp. lviedergeivählt: Vizepräsideiltin Fr. Rosa Strausky, Frl. M. Berliiler, Frl. L. Vondy, Frl. I. Braincr, Frl. R. Haas, Frl. H. Holbertal, Fr. B. Hirschler, Frl. R. Kanfteil, Frl. M. Korall, Fr. I. schwarz, Fr. Wittmann; 31t Kassarevisoreil Hr. Dr. Martin Engländer uild Hr. Wilhelm Morgenstern. Die ivicdergeivählte Präsidentin brachte bann einen Antrag, Frl. Haunia Korall, die Gründeriil des Äereincs, ihrer ganz hervorrageilden Verdienste ivegen und alls dem Umstande, daß sie Wien und den Verein verläßt, »m ein eigenes Heim zu gründeil, zlinl ersteil Ehrennlitgliede zu ernennen, zur Abstimmung. Unter begeisterteil Znruseil ivurde der Alltrag angcnomnleu. Was diese Mädcheil und Fraueil im Stilleil leisteil, ist großartig. Nicht mir, das; der arme Krailke gelabt, getröstet ivird, eill teililahnisvolles Gesicht sieht, er vergißt, daß er iu der Fremde ist (zumeist siild es Brüder uild Schivestern aus dem Osteil), iil ihm ivird das Gefühl der Zlisamiuengehörigkeit stark und feine Gedanken über die „Delltscheil" iverden milder. So schlageil diese Mädchen eine Brücke zwischen Ost unb West, sie verbreiten und üben die Liebe zum Volke uild machen sich zu einer sehr verdienstvollen Gruppe mlserer Organisation. Juden, Jüdinnen, uiltcrstützet siel I. Th. Mittcilnngen tzes innerösterreichischen D.-K. Die diesjährige D i st r i k t s v e r s a m m l n » g Jnilerösterreicbs findet Soiintag, beu 18. Oktober 1903, lim 3 Uhr nachnllttags im Kongreßblireau statt. Tagcsordnuilg: 1. Allgemeiner Rechenschaftsbericht: Referent Herr Dr. Mar B e r il h a r d t. 2. Finauzbertcht: Refereilt Herr Moriz Ehrlich. 3. Bericht über die Stischcilewer Hilfsatlion: Referent Rudolf P i ck. 4. Absollitoriuin der Dechargeerteilling. 6. Organisatioil: (Neues Distrittsstatut, siehe Nr. 4 des „Zion") Refereilt Dr. Egon Mich. Z iv e i g. 6. NeiNvahlen: Serie a) Bürgervereiue Wien, 6 Maildate; b) Frallenlind Mädcheilvereine, 2 Mandate; c) Schlagende Stndcnteilvereine, 4 Mandate; d) Nichtschlagende Studentenvereine, 1 Mandat; e) Arbeitervereine, 2 Mandate; f) Provinzvertralieilslilämier, 3 Mandate, icklißerdem ist der Obmann vom Pleillim zu ivählen. 7. Gründling einer zionistischen Volksuild Vorschußkasse iil Wieil: Herr S. Mohr. 8. Jilitiativanträge. (3 Tage vorher schriftlich einzubringell.) Zur Teililahme all der Distriktsversanlmluilg sind berechtigt: a) mit beratender Stimme sänltliche Mitglieder des A.-K.. L.-K., D.-K. b) mit beschließender Stimme: 1. die Delegierten der Vereitle (und zivar für je 26 Mitglieder 1 Delegierter; eine Grupve von 26 gilt als voll, wenn mindestens 10, resp. 36, 60 usiv. Mitglieder misgewiesen sind). 2. Die Vertraueilsinänner der Bez. 3. 8, 9,- 10—20, der Orte Baden, Graz, Floridsdorf, Klosterueuburg, Krems, Leoben, Linz, Mödling, Neunkirchcn, Salzburg, Si. Pölten, Triest, Tllllu, Wcigelsdorf, Wicncr-Nelistadt, der Vereine „Schir Zioil" uild „Bikur Chalilim". Ad Punkt 7 wird uachchtgender Antrag cingebracht. Der Mitgliedsbeitrag des zu gründenden Distriktsvereines beträgt :a) für phys. Personen 4 K. (glclchzeitig wird der Schekel mit 1 K. und der Verbandsbeitrag mit 1 K5, in Summe also 6 K., ciilgehoben); b) für Vereine pro Mitglieds 1. für Arbcitervereiilc 5 H.; 2. für Studentenvereine 10 H.; 3. für alle übrigen Vereine 20 H. Der Zutritt ist nur den zur Teilnahme berechtigten Pcrsoilen gestattet. Die Verhandliingen sind llicht ösfeiltlich. Die Delegierten, insbesondere der Provinzorte, solleil ehestens bekanntgegebeil lind mit Legitimation verseheil fein. Das innerösterreichische D.-K.: Dr Max Berilhardt, Moriz Ehrlich, phil. Oskar F r a n k l, Dr. Leo L a n d e s b e r g e r, Rudolf P i ck, techn. Leop. S e e l e u f r i e d. Ignaz Weber, Failiiy W c i ß, I. H. W a l l t u ch, Josef Haß. Ei» jüdisches Auswauderervureau in Wien! Wiederholt haben wir diese Forderung erhoben, ohne daß sie bis jetzt verwirklicht worden wäre. Wie schreiend aber die Verhältnisse sind, beweist folgende Gerichtsverhandlung. Ein Gefühl der Beschämung ergreift uns, wenn wir lesen, daß auch—Juden die Notlage der elendsten ihrer Stawmesaenossen benutzen, um sie auszubeuten. Nachstehend der Verlauf: Vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Leopoldsladt, Gerichtssekretär Dr. P i ck, hatten sich heute vier Personen wegen Ausbeutung armer galizischer Auswanderer za verantworten. Die Angeklagten: Paul T 0 m e s, Josef A röter, Moritz Noch me s und Wilhelm Schwager wurden, mehreren amtlichen Relationen zufolge, von Polizeiagenten beobachtet, wie sie am Perron des Nordbahnhofes alltäglich die morgens und abends einlangenden Auswandererzüge erwarteten und sich an die durch ihre Nnbeholfenheit und 5^leidung ausfälligen Auswanderer herandrängten. Sie bemächtigten sich des Gepäckes und führten die Leute weg. Unter dem Vorwand von allerhand Dienstesleistungen wurde dann den Aermsten Geld abgenommen. Es bestand ein förmliches Ausbeutungssystem. Aufmerksam gemacht wurde die Behörde durch ein Schreiben des Anglo-Kontinental-Reisebureau in Rotterdam, in welchem mitgeteilt wurde, daß fortwährend Beschwerden von Auswanderern in dem Bureau des Instituts einliefen. So nlachten die derzeit in Philadelphia ansässigen K 0 l e n k a u id W a w i p n i e l die Mitteilung, daß ein Mann, dessen Pe'sonsbeschreibung auf R 0 ch m e s paßt, ihnen Schiffskarten zum doppelten Preise verkauft habe. Polizeiinspektor K u c e r a wurde deshalb zur Beobachtung der Zustände am Rordbahnhof delegiert. Kucera hielt sich nun mehrere Tage lang in Zivilkleidung am Perron auf und machte die Bemerkung, daß Tom es, Arbter und Schwager die Ankommenden absingen und in die Wohnung des Roch m es brachten, wo sie die Zeit bis zu ihrer^Abreise verblieben. Rochmes erhielt auch von einem Beamten eines konzessionierten Wiener stieisebureaus Auswanderer zu gewiesen, die dann in seiner Wohnung übernachteten. Wie unerhört den völlig unwissenden Auswanderern mitgespielt wird, beweist die Angabe des Polizeiinspektors, daß einem jungen Menschen vor kurzer Zeit ein a u s g e f ü l l t e r M e'l dzettel an Stelle einer Schiffskarte um ÜMO &vonen verkauft routbe. Auch wurden viele in B r a n n t w e i n s ch ä n k e n unter Vorgabe, es seien A u s w a u d e r u n g s b u r e a u x, geschleppt, wo sie be- 1 runten gemacht wurden, um so leichter ausgeraubt zu w.-rden. Die diesbezüglichen Nachforschungen der Behörde sind sehr schwierig, da die Opfer ja weiterbefördert und daher nicht einvernommen werden können. Die heutige Altkluge vertrat staatsanwaltschaftlicher Funktionär Dr. Kurz. Als Zeugen waren zahlreiche Dienstmänner, die bei der dlordbahn ihren Standplatz haben, vorgeladen worden. Sämtliche Angeklagten erklärten sich für nichtschuldig. Rochmes gab zu, unbefugterweise Auswanderern Unter-