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Jüdisches Volksblatt · 1901-01-18 · 3 (18.1.1901) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1901)
Issue
3 (18.1.1901)
Date
1901-01-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Saitt 4 Tfii«, Frettxg Jüdi*«fca« Tollttblatt 18. -L»»«r 1901 Kr. * Wie«. (Goethe-Feier.) Der »Politische Volksvere-n" veranstaltet Samstag, den 19. d. M. 7'/* Uhr Abends int Festsaale des Hotel Central, II., Taborstraße 8, eine Goethe- Feier, bei welcher Rabbiner Dr. Max Grünwald ans Hamburg über daS Thema „Goethe und die Inden' sprechen wird. Wie«. (Die Victoria-Schwester.) Frau Henriette Weiß, die im letzten Sommer durch mehrere Monate in den hervrrragendsten Krankenhäusern und Pflegeanstalten Deutschlands den eingehendsten Studien über Krankenpflege obgelegen hat, wird daS Resultat ihrer interessanten Beobachtungen Montag den 31. d. M. abend- 7 Uhr in einem Vort age, betitelt „Die Victoria-Schwester", ein Capitel „zur Frauenfrage" im „Wissenschaftlichen Club", Eschenbachgasse 9, bekanntgeben. Olmritz. (Juden f ü r A n t i s e m i t e n.) Am 3. „EiSmonds" (Jänner) haben ungeachtet aller Warnungen die jüdischen Wahlmänner Herr Eduard Hamburger Cultuspräses, und Herr Jojef L o e,w, sein erster Beirath, ihre Stimmen dem schvnerianischen Wahlwerber Müller gegeben, der trotzdem bei der engeren Wahl fiel. Die beiden Herren haben nicht die Ausrede, sie seien in der Zwangslage gewesen, für den Deutschen gegen den Czechen und Soci zu stimmen, da jener Antisemit von Uranfang an als deutscher Compromißcandidat in Aussicht genommen war. Diese echtjüdischen Repräsentanten »wollten einfach nicht auf den Koved" verzichten, Wahlmänner zu werden, selbst um den Preis der schmählichsten Erniedrigung. Die Judcngemcinde hat bis nun dazu geschwiegen. Troppau. (Vortrag.) Am Abende deS •. Jänner d. I. hatten wir hier einen nicht alltäglichen geistigen Hochgenuss. Der in Oesterreich und Deutschland durch seine historisch-jüdischen Forschungen und Vorträge rühmlichst bekannte Gelehrte, Herr Dr. Sal. Kulka aus Leipnik, hielt im hiesigen „Jüd.-liter. Vereine" seinen heurigen zweiten Vortrag über „Die Juden in der arabischen Geschichte und Literatur", vor einem ebenso zahlreichen als distinguierten Auditorium. Er schilderte in glühenden Farben das arabische Judenthum vor, während und nach der kannt? — mit der sdie katholische Kirche ihre verirrten Lämmer auf de» rechten Weg znrückzuführen sucht, der kann bei Vorstellung des Schicksals, da? dem armen Bertmanowicz bevorsteht und dem er rettungslos verfallen ist, sich «in«O Seufzers und vielleicht sogar einer Thräne nicht erwehre»! Chicago. (EineJerusalem st raße in Chicago). Aueinem amerikanischen Blatte entnehmen wir: Am 33. Deeember v. I. ist hier ein auf 8 T«-e berechneter „Bazar" eröffnet worden, besten Ertrag den Grundstock zur Errichtung einer jüdischen Alterversorgungs-Anstalt bilden soll. Man hofft eine Einnahme von 30.000 Dollars. Der Bazar stellt eine Straße in Jerusalem dar. Jerusalem. (Industrielle C o l o «i s«t i o it)* Dank der Förderung der Jewish Golonization Association hat die Organisation der Arbeit, der einzige Weg zur Hebung der ökonomischen Lage der Juden des heiligen Lander, wieder u« einen Schritt vorwärts gethan. Wie sie seinerzeit berichteten, hat die J. G. A. die Mittel zur Aufstellung von vierzig Web stühlen in der hiesitzen Handwerkerschule der Alliance israölite bewilligt, wo ebensoviele Familienväter die landesüblichen Stoff Herstellen. Diese Einrichtung, der erste Schritt zur Einführung der HauSweberei in Palästina, hat so große Erfolge zu ver zeichnen, daß die Aufstellung weiterer Webstiihle in Aussicht genommen ist. Im Anschluss daran wurde eine Färberei für Wolle, Baumwolle und Seide errichtet, der sich später eine Spitzenfabrik anschließen soll. Dass die J. G. A. auf dem Gebiete der industriellen Colonisation Umfassendes zu leisten entschlosten ist, beweist die Thatsache, dass sie in Herrn Antebi, dem verdienstvollen Director der genannten Handwerkerschule, einen speciellen Leiter der von ihr in Palästina und Syrien geplanten industriellen Unternehmungen ernannt hat. Bor einiger Zeit ist seitens der J. G. A. hier eine Darlehencasta eröffnet worden, in welcher unter gewissen Clauseln alle Juden Jerusalems gegen ü Percent Zinsen (der landesübliche Zinsfuß ist bekanntlich 13 Percent), Darlehen bis 1500 Frcs erhalten. Die Alliance hat, wahrscheinlich mit den Mitteln der J. G. A., in der Nähe des jüdischen Viertels »Nachlath Zion" den Bau von 30 Häusern begonnen, welche für die in ihrer Handwerker- Sensationelle Funde in Könitz. Gründung des Islams. Reich an moralischen, mitunter tiefergreifenden Episoden, waren diese Schilderungen. Zum Schluffe j ausgebildeten Meister bestimmt sind des eineinhalbftündigen Vortrages durchbrauste minutenlanger Applaus den Saal. Krakau. (Auszeichnung.) Dem allgemein beliebten und angesehenen, zu Bochnia wohnhaften Bürger, Herrn Osias Schlosser, hat seine kaiserliche Hoheit, der durchlauchtigste Herr Erzherzog Rainer, eine Auszeichnung zutheil werden lasten, bestehend aus einer Cravatten-Brillantnadel mit besten Namenszug und Krone für Ueberreichung eines Bildes sammt Ansichtskartendes-zu Herrn Schlosser gehörigen HauseS, welches die k. u. k. Hoheiten während ihres Sejo ur im Jahre 1854—1855 bewohnt haben, J. Lemberg. (Jüdische Gemeindebibliothek.) Die Jüdische Gemeindebibliothek wurde am 7. Jänner eröffnet und erfreut sich eines lebhaften Zuspruchs. ,; Ausland. Berlirt.'fO r g anis ation derJu den in Deutschland). Am 38. Deeember v. I. tagte hier eine, von etwa sechzig Theilnehmern aus ganz Deutschland besuchte Versammlung israelitischer/Delegierter. Sie setzte einen Ausschuss ein, mit der Aufgab-: auf Grund der gepflogenen Vorberathungen und im Anschluss an den Centralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, sowie der übrigen bestehenden jüdischen Institutionen, einer neu einzuberufenden Versammlung weitere Vorschläge behufs Organisation einer dauernden Vertretung aller Juden Deutschlands zu unterbreiten. Bukarest.- (Die Anleihe.) Bei den Etatsdebatten im Senat theilte Minister Carp mit, »dass ein Consortium jüdischer Banken bereit sei, Rumänien 400 Millionen Francs zu leihen-/?wenn Rumänien die Gesetzgebung, welche widerrechtlicher Weise die eingeborenen Juden für Fremde erklärt, abändern wollet Warschau . (D a r f ein getaufter Jude zum Judenthume zurückkehren?) Vor kurzem hatte das Rado m Sker Kreis geri cht während seiner Sitzung in Kozienice das Urtheil über einen Fall zu sprechen, der in zahlreichen Kreisen des Landes Anlass zu den verschiedensten Auseinandersetzungen und Erörterungen gab und in Manchem einen recht beklemmenden Eindruck hinterließ. Chaim Noach Bertmanowicz, gebürtig aus Zwolen, war, 16 Jahre alt, am 20. Juni 1897 in einer katholischen Kirche bei Warschau getauft worden, und hatte bei der Taufe die Namen Stanislaus Alphons erhalten. Rach Verlauf einer gewiffen Zeit jedoch kehrte er zurück in seinen Heimatsort, lebte streng nach den Gesetzen der jüdischen Religion und heiratete sogar eine Jüdin, ohne sich von den Ermahnungen der Geistlichkeit einschüchtern zu lassen. Das Consistorium theilte dies dem Staatanwalte mit, und Bertmanowicz wurde des Austrittes aus der christlischen Kirche angeklagt. Nach der Ursache seiner Handlungsweise befragt, antwortete er: „Ich war jung und dumm und hatte gar keinen Begriff von der Tragweite meiner Handlungen: auS biefem Grunde gieng ich darauf ein, dass man mich in eine katholische Kirche führe und taufe. Heute jedoch, da ich mir bewusst bin. waS ein ReUgionswechsel bedeutet, erkläre ich, dasich als Jude geboren und als Jude sterben will." Wir möchten die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Zeit nicht ferne, wo auch bei uns eine solche Erklärung für die Wahl des Glaubens maßgebend sein wird; vorläufig jedoch stecken wir (am Schluffe des 19. Jahrhunderts) viel zu tief im Fanatismus der mittelalterlichen Anschauungen, um die Gleichberechtigung der Confessionen im allgemeinen, und die Berechtigung der individuellen Selbstbestimmung im besonderen anzue^kennen, und daher darf kein Christ hierzulande zu einem nicht'christlichen Glauben übergehen. Infolgedessen beschloss daS Gericht, Bertmanowicz — der trotz seiner mit Entschiedenheit, abgegebenen Erklärung nie aufhören wird, als Christ züngelten der römisch-katholischen Geistlichkeit zu übergeben, damit selbige ihn im Glauben befestige. Bis dahin jedoch, o. h. bis er reuig in den Schoß der alleinseligmachenden Kirche znrückkehA, wstrde er der Rechte seines Standes und der freien Benützung seines Vermögens verlustig erklärt. Wenn sowohl aus der Vergangenheit wie Gegenwart die väterliche Nachsicht und Langmuth bekannt ist — und welchem Jude wäre sie nicht be¬ Konitz, den 14. Jänner 1901. Die Lösung des Räthsels von Könitz scheint nahe bevorzustehen, nnd der oder die Mörder, die sich bisher hinter der „Ritualmord "-Lüge verbergen konnten, beginnen offenbar vor der Entdeckung zu zittern. Die in den letzten Tagen erfolgten Funde von Kleidungsstücken des ermordeten Winter sind, wie das »Berliner Tagblatt“ mit Recht hervorhebt, nur dadurch zu erklären, dass die Thäter sich mit Hast der Beweismittel entledigen, weil man ihnen dicht auf den Fersen ist, Sie glaubten sich geborgen, so lange das Geschrei gegen die Juden die Untersuchung und den Verdacht immer von neuem auf diese Fährte lenkte. Jetzt verfolgt die Untersuchung eine neue Spur, und jetzt beginnen die Thäter das Gefühl der Sicherheit zil verlieren. Ueber diese neue Spur lassen sich vorläufig keine Andeutungen machen. Die Untersuchung wird von dem neuen ersten Staatsanwalt in Könitz mit größter Energie geführt. Der tüchtigste Commissär der Berliner Kriminalpolizei, Herr v. Kracht, der unter Anderen den Doppelmörder Gönczi in Brasilien aufgefunden und verhaftet hat, ist ebenfalls nach Könitz delegiert worden. Ueber die Auffindung der Hofe Winteram letzten Sonntag wird noch folgendes berichtet: Der Fund erfolgte nahe der Südwestecke deS Logengartens, wo sich der MönchSanger und die Convietstraße kreuzen, gegenüber dem Convict, in dem die Gymnasiasten, die eine Freistelle innehaben, wohnen. Die Beinkleider, die bereits identificiert uitb von Blutspuren völlig frei sind, sind offenbar über den Zaun geworfen worden. Sie lagen auf dem Wege, der am Zaun entlang führt; ein Hosenbein hing am Strauchwerk. In Könitz herrscht eine gewaltige Aufregung über das Gebaren des unbekannten Mörders. Die Behörde glaubt, dass sie unmittelbar vor die Möglichkeit stehe, zufaffen zu können. Aus Kvtbus wird gemeldet: Der Tischler Max Wolf hat den dortigen Behörden zu Protokoll gegeben, dass er bis vor Kurzem in der Fremdenlegion gedient habe. Er habe bei der 36. Abtheilung, die in Oran steht, gedient und habe dort einen anderen Legionär kennen gelernt, einen Deutschen, dessen Name er nicht kannte, von dem er nur wusste, dass er Fleischergeselle in Könitz gewesen sei. Dieser habe ihm gesagt, er könne die harte Diseiplin der Fremdenlegion nicht länger ertragen, wolle nach Deutschland zurückkehren und dort die That eingestehen, die er verübt habe. Er habe in Könitz gemeinschaftlich mit einem Anderen in der Trunkenheit einen Mord begangen. — 15. Jänner. Heute ist in Könitz auch der Uebezieher des ermordeten Winter gefunden worden. Ueber den Fund berichten Telegramme, die Mittags aus Könitz abgesendet wurden, folgende Einzelheiten: Der Ueberzieher Winters wurde soeben auf dem Hofe der Mädchenschule gefunden. Dem Staatsanwalte war vorher ein Schreiben zugegangen, wonach der Paletot heute auf dem Grabe Winters liegen würde; während dort nachgesehen wurde, erfolgte der Fund an dem angegebenen Orte. Der dunkelblaue Ueberrock war frei von Blutflecken und sauber wie aus dem Kasten genommen und weder feucht noch bereift; er hat also erst ganz kurze Zeit an Ott und Stelle gelegen. Der Ort, wo der Ueberzieher gefunden wurde, ist gegen den Schulhof hin durch einen Verschlag abgesperrt und völlig unzugänglich; nur eine mit der Oertlichkeit de- Schulhofes genau vertraute Persönlichkeit kann dies Versteck gewählt haben. Gefunden wurde der Paletot, der offenbar über den Zaun oder Verschlag geworfen worden ist, durch Kinder, die durch Spalten zwischen den Brettern de- Z inner sahen. Jüdischer Neligions-Schulverein. Die Lösung der in den Spalten de? »Jüdischen Volksblattes" besprochenen, den isr. Religionsunterricht auf dent Lande betreffenden Frage, ist in der That für die Zukunft des Juden« thums von solcher Wichtigkeit und Bedeutung, dass die Mittel und Wege zur Abhilfe der auf diesem Gebiete herrschenden Nothläge mit vollem Ernste erwogen werden müssen. Wenn man bedenkt, dass z. B. in einer Cultusgemeinde Niederösterreichs, welcher circa 150 jüdische Familien in 4 politischen Bezirken an« gehören, blos 9 (sage neun) Kinder, die in dein Stanuiisttze der Cultusgemeinde ansässig sind, an dem Religionsunterricht theilnehnren, während fast alle übrigen in einer größeren Anzahl von Ortschaften lebenden Kinder ohne jeden Religionsunterricht heranwachsen — und diese Geineinde steht in dieser Hinsicht nicht vereinzelt da in unserem Vaterlande —; wenn man ferner bedenkt, dass die religiöse Uebung und die häusliche Andacht in den meisten jüdischen Häusern gänzlich vernachlässigt wird, dass daher viele Kinder von ihrrm Judenthume keine andere Kenntnis haben, als dass sie von ihren Mitschülern als Jud »geschimpft" werden, dann wird man, wenn einem die Zukunft des Judenthums am Herzen liegt, sich von der Unhaltbärkeit dieser traurigen Zustände leicht überzeugen. Dass aber die einzelnen Cultusgemeinden hierin keine Abhilfe zu schaffen vermögen, liegt auf der Hand, da bei der in manchen Landstrichen herrschenden mangelhaften Communication und der localen Ausdehnung mancher Culiusgemeinden, mindestens einige „Wanderlehrer" nöthig wären, um wenigstens in allen größeren Ortschaften einen Religionsunterricht ertyeilen zn lassen. Diesem Uebelstande könnte jedoch am besten und einfachsten durch die Begründung eines jüdischen Religions-Schulvereines abgeholfen werden, dessen Aufgabe darin bestände, den kleineren Cultusgemeinden durch Ertheilung von Subventionen die Anstellung eines „Wanderlehrers" zu ermöglichen, oder aber, wo die jocalen Vcrhällnisse es erheischen Conviete zu errichten, in welchen die Kinder vom Lande gegen mäßige Entlohnung Woonung und gänzliche Verpflegmig fänden und an dem Religionsunterrichte an den Volks- und Mittelschulen theilnehmen könnten. Diese Convicte ^müssten freilich von einer pädagogisch gebildeten Kraft (Lehrer, Lehrerin oder Kindergärtnerin) geleitet und von dem' Rabbiner und den Frauenvereinen beaufsichtigt werden. In diesen Anstalten könnte die im Elternbause vernachlässigte religiöse Uebung gepflegt und dadurch das jüdische Bewusstsein der Kinder gestärkt werden. Die am Lande wohnenden Eltern würden, da sie eine zu großen Opfer zu bringen hätten, ihre Kinder freudig einer solchen Anstalt anvertrauen, wo für das leibliche und geistige Wohl derselben auf das beste gesorgt wird. Durch Mitglieds-» beiträge, Spenden in den Synagogen, Aufstellung von Sammelkörbchen und dergleichen dürften dem Schulvereine reichliche Mittel zufließen, und er würde auch ohne Zweifel nicht nur von de» großen Humanitären Vereinen (Isr. Allianz, rc.), sondern auch von sämmtlichen Cultusgemeinden subventioniert und vo» privaten Wohlthätern nnterstützt werden. Vielleicht genügt diese Anregung, um die Begründung einer Institution zu veranlassen, die dem jüdischen Volke sicherlich zum Heile gereichen würde. Der Jüdische Volksverein in Wien, der chon in der kurzen Zeit seines Bestehens eine vielseitige ersprießliche Thätigkeit entfaltet hat, wäre in erster Reihe dazu berufen, einen jüdischen Religions-Schulverein in Wien zu gründen, und man darf wohl mit Sicherheit annehmen, dass ein Appell a» sämmtliche Cultusgemeinden unseres Vaterlandes, m deren Interesse ja diese Institution ins Leben gerufen werden soll, die Gründung von Zweigvereinen in den Provinzstädten zur Folge haben wird. Rabd. Or. Rachmuth — Waidhofen a. Th. Die „Thore Zions. 44 Berlin im Jänner 1901. Der Verein „Scha'are Zion^ versendet folgende Mittheilung: Der Verein »Scha'are Zion" steht auf dem Standpunkte, dass es Pflicht der Zionisten ist, den Nachbarländern Palästinas ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, solange es keine Möglichkeit gibt, in Palästina selbst eine Colonisation in größerem Umfange und auf freiheitlicher Basis zu bewerkstelligen. Alljährlich. sind viele zehntausende von Juden infolge der in verschiedenen Ländern sich stetig verschlimmernden politischen und ökonomischen Verhältnisse zur Auswanderung genöthigt. Ziel- und planlos zerstreuen sie sich nach allen Windrichtungen und gehen größteutheils dem Judenthirm verloren. Dieser fortgesetzten Absplitterung von wertvollen Bolkselementen dürferl die Zionisten keineswegs gleichgiltig gegenüberstehen, sondern müsse^ bestrebt sein, dahin zu wirken, dass die zur Auswanderung gezwungenen Juden zumindest in der Nähe der alten Heimat an.den Thoren Zions — sich concentrieren. Es kommen dafür in erster Linie C y p e r n und die südwestlichen Grenzländer Palästinas i« Betracht, die unter englischer beziehungsweise ägyptischer Verwaltung stehen. Hier, aufzumTheileehemals jüdischem Boden, unbeengt durch rechtlicheBeschränkungeu oder durch eine Uebermacht fremdnationaler Einflüsse und in stetem Connex mit der alten und zukünftigen Heimat unsere- Volkes, könnten die Ansiedler nicht bloß zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit gelangen, womöglich auf genossenschaftliche« Wege, sondern auch Ce n treu jüdischen Leber» Sund jüdischer Cnltur bilden und zu einem Factor vo» außerordentlicher Bedeutung für die Erreichung deS zionistische» Endzweckes werden. Bevor jedoch eine Colonisation in de» genannten Länder» unternommen wird, ist es erforderlich, eingehende Jnformatione» über die politischen, wirtschaftlichen und anderen einschlägige» Verhältnisse dieser Länder zu erlangen. Der Verein „Scha'are Zion" hat es daher zu seiner nächsten Aufgabe gemacht, mit Hilfe gleichstrebender Vereine eine Expedition von Fachmännern dorthin zu entsenden, worauf dann, falls sich geeignete Resultate ergeben, zur Ausarbeitung eines praktischen ActionSplanes geschritten werden soll. Zur Methodik des hMWkii Unterrichts. Vortrag, gehalten auf dem III. Berbandstage israelitischer Religionslehrer an Mittelschulen in Wien von Rabbiner Dr. Daniel Fink. Wenn in irgend einer Angelegenheit unter allen Parteien der heutigen, so vielfach zerklüfteten Judenheit, eine gewisse Uebereinstimmung herrscht, so ist es das Bestreben, gründliche Kenntnisse in der hebräischen Sprache zu erlangen.

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