Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1901)
- Issue
- 3 (18.1.1901)
- Date
- 1901-01-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Ar. 3 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 18. Jänner 1901 Vom Tage. Vergant als Retter. Der Ehren-„Borger" von Mühldorf will die chrifilichstzriale Partei retten. Natürlich nach seiner Manier. Er fordert zu« Diebstahl auf. Eine Revision der Verfassung, soweit es Ich um die Gleichberechtigung der Juden handelt. Damit will Bergani offenbar dar Prestige der christlich-socialen Partei er- HSHen, andererseits den gefährlichen Deutsch-Nationalen ein Bein stellen. Dabei vergisst der Obligationenbewahrer per «cellence, dass die Juden ja niemals eine Gleichberechtigung hatten, außer jene auf dem Papiere; welche also will man ihnen nehmen? Sollte die .Anregung" des Ehrenmannes aus her Josefsgasse günstigen Boden finden, dann könnte ja der Herr, der Herrn Bielvhlawek über diesen Punkt interpelliert hat, Kraft der erfolgten Zusage bei der christlich-socialen Partei vorstellig werden; die Wähler der heurigen Campagne könnten dann gleich die Quittung darüber erhalten, was ihr „einmüthigeS Einstehen" für die freiheitliche Idee den Juden genützt hat. * * * Wertvolle Geständnisse ma cht die „Arbeiter-Zeitung" in ihrer Nummer vom 18. Jänner. Der Ausfall der Wahl in Korneuburg gibt ihr Gelegenheit, mit den Deutsch-Nationalen abzurechnen, und da offenbart Herr Austerlitz sein ganzes Herz: „Die Socialdemokraten haben überall gezeigt, dass für sie der Radicalismus kein leeres Schlagwort ist. Sie haben in Befolgung ihrer Grundsätze selbst darüber hinweggesehen, dass die Deutschradicalen ihnen die gehässigste, brutalste und unsauberste Gegnerschaft bewiesen haben. Bier Mandate hat die r a d i cal e B o ur g eo isi e den social-demokratischen Arbetrern geraubt, aus die rücksichtsloseste und verächtlichste Art geraubt, und trotzdem haben die Socialdemokraten dre i Radicalen zum Siege verholsen. Außer Herrn Dötz dankt auch Herr H a u ck sein Mandat den Soeialdemokraten, und ohne die Wahlenthaltung der social-demokratischen Wähler wäre eS den Radicalen nicht gelungen, Herrn Fournier zu Falle zu dringen. Unsere Genossen haben eben überall den Radiealismus durch die That bewährt, statt sich, wie die deutsch-radicalen Häuptlinge, mit dem Radicalismus des Maules zu begnügen und den schwarz-gelben Clericalen Helferdienste zu leisten", Das ist in der That interessant. Dass die freiheitlichen Soeialdemokraten gegen freisinnige Abgeordnete Stellung nehmen, um dem antisemitischen Candidaten zum Siege zu verhelfen, das werden sich die jüdischen Wähler wohl merken müssen. Da sind sie Mann für Mann an die Urne geeilt, um dem Dr. E ll e n bo g en zum Siege zu verhelfen, haben eine extra Agitation für Dr. Adler veranstaltet, und zur selben Stunde, haben in Mies und Tatschen die „Genossen" die fortschrittlichen Candidaten gestürzt. Das Verhalten erinnert , lebhaft an, den Borwurf, den der jetzige Abgeordnete Pernerstorfer auf seinen Agitationsreisen gegen den ehemaligen Ab- -eordnetcn Wolfrum erhob, der national war, wo es sich um Liberalismus und. liberal, wo es sich um Nationalität handelte. Heute sagen die Socialdemokraten, wenn es sich um eine radieal-antisemitische Wahl handelt: „Ja, wir sind auch eine radicale Partei", und wo es sich um die Juden handelt, sagen sie: „Ja, wir sind eine social-demokratische Partei". —- Damit könnte nun Herr Pernerstorfer wieder reisen; vielleicht, um die Juden aufzuklären... * * * Die Parteien im Abgeordnetenhause. Bis zum heutigen Tage wurden gewählt: 36 Mitglieder der Deutschen Fortschrittspartei 45 „ „ Deutschen Volkspartei 23 „ des verfassungstreuen Großgrundbefitzes " '^ deutsch-freisinnige Wilde 1 deutscher Bauernbündler 21 Deutsch-Radikale 22 Christlich-Sociale 23 Mitglieder der Katholischen Volkspartei 2 Deutsch-Clericale 3 clericale Wilde 4 Mitglieder des katholischen CentrumS 10 Soeialdemokraten 1 unabhängiger Socialist 19 Italiener 19 feudale Großgrundbesitzer 3 mährische Mittelpartei 53 Jnngczechen L czechische Agrarier 5 czechisch-nationale Arbeiter 2 Czechisch-Clericale > <0 Mitglieder des Polen-Club- 9 Mitglieder der polnischen Volksparteien 10 Ruthenen 6 Rumänen 15 Slovenen 10 Crvaten 2 Serben Stand des Abgeordnetenhauses . 435 Abgeordnete. Politik und Cultusvorstand. (Ein Mahnwort.) Soll sich der Cnltusgemeinde-Vorstand am öffentlichen Heben betheiligen? Soll er seinen Gemeindemitgliedern in Rücksicht auf die Ausübung der bürgerlichen Rechte eine Directive geben - Und darf er es überhaupt? Diese Fragen drängen sich unwiderstehlich auf, wenn man die Ereignisse anlässlich der jüngsten Reichsrathswahlen i» Lemberg ins Auge fasst. Mehrere Beamte der Cultusgemeinde-Kanzlei haben sich für einen Candidaten exponiert, und der Präsident der Cnltusgemeinde hatte Kenntnis hiervon. Die Opposition im Cultusrathe, nebenbei bemerkt: einen Mann stark, hat gegen diesen Vorgang im nachhinein Stellung genommen, und der Vorfall wurde dank der Inspiration seiteneinejüdischen Correspondenten in der nichtjüdischen Tagesliteratur zu einer kolossalen Affaire aufgebauscht, was nicht wenig zu einer Erschütterung de-Ansehens der Institution der Cnltusgemeinde beiträgt, zumal da dieselbe ohnehin als der angebliche Hort jüdischer Solidarität sattsam angefeindet ist. Das Ereignis ist zwar bedauerlich, nichtsdestoweniger aber auch lehrreich und im hohen Grade charakteristisch. Der jüdische Cultusvorstand hat nämlich eine viel größere Aufgabe, als nur die Anstellung von Seelsorgern und Erhaltung einer rituellen Badeanstalt. In seiner Hand laufen alle Fäden dejüdischen Lebenzusammen. Er ist somit berufen, eine erziehliche Mission auSzuüben/ namentlich dort, wo das Gros der jüdischen Bevölkerung im Punkte des Bewusstseinseiner äußeren Rechtsverhältnisse nichts weniger als geschult ist. Der Vorstand ist verpflichtet, dort, wo seine Glaubensgenossen überhaupt — mithin nicht nur auf rein religiösem Gebiete —- verkürzt find, sich für dieselben mit allem Nachdruck einzusetzen. Cache des CultuSvorstandes ist es, das Judenthum, und nicht bloß seine Confession, stets und voll zu schützen und zu ver-. theidigen, und dies umso eher, als eS sonst gar kein anderes ofsicielleS Organ gibt, das diese Pflicht erfüllen könnte. Der Cultusvorstand ist darum auch berufen, seine Gemeindemitglieder vor solchen Jrrthümern zu bewahren, die eine» nachtheiligen Rückschlag auf das Judenthum als solches üben könnten, und zwar mindestens in demselben Grade, wie es die Erlassung von Hirtenbriefen bei anderen Confetsionen thut. Wir wollen ein drastisches Beispiel anführen. Gemäß Z 302 Str.-G. wird als Vergehen geahndet, wenn man andere zu Feindseligkeiten wider die verschiedenen Nationalitäten (Volksstämme), Religious- oder andere Gesellschaften, einzelne Classen oder Stände der bürgerlichen Gesellschaft oder wider gesetzlich anerkannte Körperschaften oder überhaupt die Einwohner des Staates zu feindselige« Parteiungen gegeneinander auffordert, aneifert oder zu verleiten sucht. Wie viel in dieser Hinsicht bei jedem paffenden und unpassenden Anlasse gegen den jüdischen Volksstamm, oder gegen die jüdische Religionsgenoffenschaft, beziehungsweise gegen die jüdischen Einwohner des Staates gefrevelt, wieviel da in der Parteipresse, in Broschüren und in Volksversammlungen gegen Juden gehetzt und geschürt 'wird, ist leider zu sehr bekannt. Wenn das anderen Nationalitäten widerfahren möchte, würde deren Vertreter im Reichsraths und in den Landtagen so lange und so energisch interpellieren und protestieren, bis eine radicale Abhilfe geschaffen werden müsste. Wer soll und kann sich diesbezüglich, des angegriffenen JuhenthumS annehmen? Wem fällt dieses Recht, aber auch diese Hflicht wohl anders zu, als den CultuSgemeindevörständen^ ,die,stoch, gesetzlich als die officiellen Vertreter der jüdischen Religiönsgesellschaft gelten 5 Im Sinne des Gesetzes^vom 21. März 1890, hat der Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft die Cultusgemeinde zur Grundlage zu dienen. (Dr. I. Ulbrich, OesterreichischeS Staatsrecht S. 243.) Darin liegt aber auch die Legitimation der Cultusgemeinde zum Schutze der äußeren Rechtsverhältnisse'des Judenthums. Allerdings muß in der Ausübung dieser Rechte resvective Pflichten weises Maß eingehülten werden; denn die Staatsbehörde hat darüber zu wachen, daß die Organe der Cultüsgemeinden ihren Wirkungskreis'-nicht überschreiten. Allein innerhalb dieser gesetzlich normiertest Wirkungskreises kann und soll die Cultusgemeinde sehr viel Ersprießliches leisten. Hingegen muß entschieden Verwahrung dagegen eingelegt werden, daß sich die Vorsteher oder Functionäre der Cultusgemeinde für die eine oder die andere politische Partei ein» setzen und in ihrem officiellen Charakter auftretend dieselbe mittelbar oder unmittelbar unterstützen. Das wäre eine allzuweite Auslegung der Befugnis, die' äußeren Rechtsverhältnisse der Juden zu schützen, überdies ein Unterfangen, das unberechenbare Folgen für die Juden nach sich ziehen könnte. Erfteulicherweise haben die Cultusgemeinden sich eine solche Überschreitung nicht zu Schulden kommen lassen. Allein auch in ihrem privaten Charakter sollten sich die Organe der Cultusgemeinden stets vor Augen halten, baß man ihr öffentliches Wirken missverstehen und missdeuten könnte; die judenfeindliche Presse insbesondere wird sich gewiß keine Mühe geben, zu sondieren, ob das Cultusgemeindeorgan bei einer öffentlichen Kundgebung officiell oder privat aufgetreten ist; sie wird vielmehr die ganze Institution der Cultusgemeinde dafür verantwortlich machen, und die große Masse des Volkes, welches nicht gewöhnt ist mit kritischem Auge zu lesen, wird den Verleumdungen dieser Presse leicht glauben. Videant eonsules! Lemberg. AdYocat Dr. J. Chronik des Judenthnnls. IrUarr>. Wie«. (Jüdischer Völksverein.) Der „Jüdische Bolksverein" veranstaltet auf Wunsch vieler seiner Mitglieder eine Reihe von jüdisch - kulturellen Borträgen. Den Anfang bildete ein Vortrag, betitelt „Der hebräische Sirach" der Mittwoch, den 16. d. M. im Vereinslocale von dem bekannten Gelehrten Dr. CbajeS gehalten wurde. Die Ausführungen, welche von großer Belesenheit und Gelehrtheit zeigten, gipfelten im Wesentlichsten in folgendem: Der Verfasser des Sirach, dessen Inhalt Sprüche der Weisheit sind, ist Jesus Sirach, geb. circa 200 vor Christi. Die Sprache ist aramäisch. Im Jahre 1896 wurden 3 Fragmente dieser Schrift von 3 Engländerinen in Palästina im Urtexte aufgesunden. Auch die christliche Wissenschaft hat zur Popularisierung dieser Sprüche sehr viel beigetragen, sie sind im christlichen Canon unter den Apokryphen enthalten, ein Zeichen, welche Bedeutung die gesammte Wissenschaft dieser Schrift beilegt. 'Der Leite 3 höchst interessante, nach jeder Richtung hin belehrende Vortrag fand allgemein den wohlverdienten Beifall der Aüwesenden. Derselbe zeigte von dem außerordentlichem Wissest, des Referenten, dem würdigen Enkel seines talmudisch hochgelehrten, Großvaters. An die Ausführungen des Herrn Dr. C h a,j e s/knüpfte sich eine interessante Diseussion, an der Dr. Fink -und Hrrr ,B a uch Teilnahmen. . Wie«. (Leopoldstädter! Betha US verein „Mo n t e fi o r e.) Anlässlich des 70. GLburtSfestes Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. wurde-über Anregung des Herrn Jakob Weiß, Gründers und ObmamieS - de- Leopoldstädters BethausvereineS „Montefiore" IL, Taborstraße Nr. 38 vom Verbände einstimmig beschlossen, eine neue Thora-Rolle anzuschaffen und dieselbe mit dem Allerhöchsten Namen Sr. Majestät „Kaiser Franz Joseph JubiläumS-Thora" zu benennen. Mittelst Gesuchean Se. Majestät wurde diese unterthänigste Bitte laut Erlasses deS k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht vom 24. November 1900 Z. 109.740 allergnädigst bewilligt. Am 14. Jänner 1901 wurde die Deputation, bestehend aus dem Obmanne Herrn Jakob Weiß, dem Schriftführer Hof- und Gerichtsadvocaten Herrn Doctor Leopold B r a d y und dem CaffierHerrn Edmund H o f f m a n n von Sr. Majestät huldvollst empfangen. Der Sprecher der Deputation dankte Sr. Majestät für die Allerhöchste Auszeichnung und setzte den Zweck des Bethausvereines auseinander. Se. Majestät antwortete hierauf: „Es dient mir dies als ein besonderer Beweis Ihrer stets treuen Gesinnung; eS hat, mich sehr gefreut und ich habe Ihren Wunsch sehr gerne erfüllt. „Wo ist Ihr Bethaus?" — „Haben Sie schon Ihr eigenes Haus?" — Herr Dr. Brady antwortete: „Noch nicht Majestät, aber es ist projectiert, ein solches zu bauen." — „Wv^d^nn^^ fragte Se. Majestät. „In der Leopoldstadt". Die Aepptation wurde hierauf huldvollst entlassen. j; .L* Wien. (EinIn te rv iew mit demMürg ermei ster.) Das „Extrablatt" bringt folgende, höchst^ sonderbare Notiz: Dr. Lueger hat sich von einer Mitarbeiterin ^American Jsraelite" interviewen lassen. Das EmpfehkirtgSschiröibeit, das ihr die Thür des Gebietes im Rathhause geöffnet und denosreunvlichsten Empfang gesichert hat, lautete: n Lieber Freund! ‘ .> Ich stelle Dir hiemit eine Verwandte? Frau Rosa Sonnefchein vor, die für amerikanische Zeitungen schreibt und Dich interviewen möchte. Ich bitte Dich,, die Dame liebenswürdig zu empfangen. Schimpfe nscht',zr^ fehr^quf die Juden, damit ich jenseits desOceans nicht comprochittiert werde. Mit Gruß, 3 ° Dein alter Freund jüdischer Confessidn? =? f 9 / Dr. E m i l!GG schauer, Hof-untz GAickMavvoeat." Die Schriftstellerin, die daraufhin, empfay^n wurde, gab zunächst ihrem Befremden darüber Ausdruck)' erpenso. hervorragenden Mann als Führer der antisemitischen Bewegung in Oesterreich zu sehen. „Das ist das ResultatwbwMlüständen", war die Antwort. Bekannt äst ja, dass Dr. Luegep^hiS por'wenigen Jahren viel nähere Beziehungen zu Juden unterhielt, his. Ihm der antisemitische Parteiausschuss Vorstellungenmachte,?Jn Folge dessen verhält er sich seinen früheren jüdischön^Freunden gegenüber etwas reservierter. „Sind Ihre VorurthM^egtzqsdie Rasse oder gegen die Religion der Juden gerichtejr.HrM Haupt gedankenvoll schüttelnd, antwortete Lueger: „Die, Frage ist so delicater Natur, dass ich sie lieber nicht 'stanz ^äntworten möchte; immerhin kann ich sagen, dass ichAÄtichttz gegen die jüdischeReligion habe!" — „Beabsichtigen Sie vipWM durch die Verfolgung Proselyten unter den Juden zurpächon?"^ „Bei Leibe nicht! Ich weiß sehr wohl, dass dies wenig anderst'würde! Mit den Juden ist es wie mit dem Wesn, sie werdet virwässert nicht besser!" — „Sie sind wohl Antisemit.AlUsMational-ökonomischen Gründen?" — „Das ist eben der Modest aus.pem ich stehe", meinte Lueger und wiederhoite die genugsam abgenutzten Redensarten vom angeblichen UebergewichtKsrsJudeU^An den Ritualmord glaubt Lueger, der Jura studiert, cha^uap<jweiß, dass den Juden verboten ist, Blut zu trinken oder solches als Nährmittel zu gebrauchen, nicht. Der Bürgermeistev arUer^auch seinen Unmuth über die Wiener Presse. Amerikanischennw deutfche Blätter berichten über dieses Interview. ' ']■ Wien. (Dr. Lotharin derLeseurud-R tb ehalle jüdischer Hochschüler.) Am 14. d^uWr chiklt Herr Dr. Rudolf Lothar in der »Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler" einen überaus interessanten PyvtrMvÄber „Magie und Mystik in der modernen Literatur"^? Tser;.,.mystische Zug in der modernsten Literatur hat seine.ersten Quellen in der neuen Darstellungsart der bildenden Kunst durch die Präraffaeliten in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Sie hatten den größten Einfluss auf die Entstehung der jungfranzösischen Romantik. In Deutschland war es neben H e b b e l und Otto Ludwig hauptsächlich Richard Wagner, der in seinen Musikdramen, insbesondere im ^Parsifal" dem Verlangen nach »Erlösung" Ausdruck gab. In den jüngsten Werken Spielhagen s, Hauptmanns, Sudermanns tritt der Erlösungsgedanke hervor, er beherrscht Ibsen (im „Brand" und „Wenn wir Todten erwachen" am stärksten) ihn verkündet T o l st o i. Interessant ist es, wie Tol sto i und Rosegger in ähnlicher Weise gegen jene Kunst, die nur empirisch-wissenschaftlich sein will, ankänipfen, wie vor Jahrzehnten R u S k i n. Aber der neuerwachte Trieb ins Dunkle, Tiefe verband sich mit der Rebellennatur des Menschen, und mit einem neuen Gottesverlangen verband sich manches vom aftfn^Ae.ufelsglaub-n, der in dem noch nicht ausgestorbeneu.pxg^gstischen Cult der „schwarzen Messen", der zu Zeiten sogM M faetisches „Blutritual" kannte, seinen schrecklichsten Ausdruck, fand.,jiPon hier führen die geheimen Gänge zu den Abgründeu-d^Anarchismus. Und in der ganzen Politik übte der neuerwachte, ^humpfe Kirchenglaube seines unheilvollen Wirkungen. Aber,ha^jl'qpe, Streben, die alten Widersacher, Wissenschaft und ReligsWW ^ersöhuen, kann nur auf die Kunst von wohlthätigen Einflüsse sein. Jiumer mehr tritt in .unserer Zeit das tiefe Berlaußers, H^Wor. zu fragen, nicht was die Einzeldinge für sich sin-^psoy,dern was sie innerhalb des Weltgauzen bedeuten. Die Weltauffassuug kann die Einzeldinge nur als Symbo^ Mrachren. Das eigentliche Object der Kunst ist einzig und'..AstU xdzp Seele, ihr Fundament der Glaube, ihr inneres Weseü'P^ftgM, Reicher Beifall eines zahlreich erschienenen Publicums lohnte die lichtvollen Ausführungen des Vortragenden.