Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 11 (23.5.1913)
- Date
- 1913-05-23
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 84 .Neue National-Zeitung" Nr. 11 Für die jüdischen Soldaten in Bosnien. Sarajevo. Das vereinigte Komitee der Seiardischen und Aschkenasisclien Gemeinden für rituelle Beköstigung jüdischer Soldaten am Passahfeste veröffentlicht nachstehende Danksagung. Das gefertigte vereinigte Komitee für Speisung der jüdischen Soldaten zu Ostern, bringt hiemit seine ergebenste Danksagung allen Wohltätern und Gönnern, welche hie zu beitrugen, diese schwierige Aufgabe mit bestem Erfolge auszuführen. In erster Linie den k. u. k. Militärbehörden, insbesondere dem hochherzigen und hochverehrten General der Infanterie Seiner Exzellenz Edlen von Appel, Kommandanten des 15r, Korps, welcher stets die Wünsche und Bitten für die Soldaten im ganzen Lande in liebenswürdiger Weise erfüllte, so auch dem löbl. Platzkommando, speziell dem hochgeehrten Herrn. Major Z-ampa, der in Vertretung uns mit seinem Besuche während der Speisung in allen Sälen beehrte und sein volles Lob über das Arrangement und die Kost aussprach. — Wir danken auch Sr. Ehrwürden Herrn Dr. S. Weszel, Oberrabbiner der Aschkenasisclien Kultusgemeinde, der wie alljährlich so auch heuer bei den k. u. k. Militärbehörden für die Freilassung der jüdischen Soldaten zu Ostern mit Erfolg intervenierte. Besonders danken wir den hochgeehrten Vorstandsmitgliedern beider israelitischen Gemeinden mit ihren hochverehrt ten Herren Präsidenten, Herrn Bankier J. Salom, der mit seiner bekannten außerordentlichen Liebenswürdigkeit und seinem Wohlwollen alle unsere Wünsche -erfüllte und dem hochverehrten Herrn Dr. M. Roth köpf, welcher als Mitbegründer des seit einigen Jahren bestehenden .Komitees genannt werden kann, für die Dotierung eines alljährlich bestimmten Betrages vom Gemeindesäckel, wozu auch die sefardische Ge-, meinde bereitwilligst zustimmte, sodaß hiedurch die „Basis" geschaffen wurde, alljährlich ohne große Mühe zirka 100 Mann jüdischer Soldaten der hiesigen Garnison, alle 8 Tage rituell zu beköstigen. — Wir danken ferner allen hiesigen jüdischen Vereinen beider Gemeinden, besonders dem österr.-ungar. jüdischen Frauenverein und .seiner hochgeehrten und bekannt wohltätigen Präsidentin Frau Dr. R o t h k o p f, welche schon am Rüsttage der Ostern (Montag) nachmittags persönlich mit einigen Damen des Ausschusses erschien, und tatkräftigst bis spät in die Nacht arbeiteten. Beonders sind hervorzuheben die Frauen Feingold, Appel. Cilli W e i t z n e r und Frl. Rosa H o rwitz. Wir danken auch allen geehrten Herren und Damen, die im Laufe der acht Tage abwechselnd mithelfend tätig waren, besonders vielen Mitgliedern des galiz.-bukow. Vereines „Achdus". Trotz der außergewöhnlich großen Anzahl Soldaten (über 500), die heuer zur österlichen Ausspeisung kamen, und trotz der mangelhaften Anmeldung derselben (da bloß auf 200 Mann gerechnet wurde) war es uns trotzdem möglich, diesen unerwarteten Ansturm auszuhalten, ohne in ernstliche Schwierigkeiten zu geraten. Dies alles verdanken wir hauptsächlich unserem unermüdlichen Fachmann und Verwalter, Herrn Osias Appel. Nur er ermöglichte es uns, alle Soldaten ausnahmslos und gleich am ersten Abend zu speisen. Seine rastlose und ununterbrochene Arbeit mit voller Hingebung, und Vernachlässigung seines eigenen Möbelgeschäftes durch volle 9 Tage bis spät in die Nacht — erregte Bewunderung und innigste Dankesgefühle bei allen Gemeimiemitgliedern und Soldaten. Auch Herr Moses Landes; den Herr Appel als seinen Vertreter ausersehen hat, arbeitete an seiner Seite auch heuer äußerst fleißig. Wir danken auch dem Senior der sefard. Kultusvorstandes, Herrn M a n d o 1 i o, der in Vertretung des verreisten Präsidenten Bankier Salom selben vortrefflich vertreten hat, und am Montag früh persönlich in den Lokalitäten erschien, nach unserem Begehren fragte und unsere Wünsche ifi aller Liebenswürdigkeit erfüllte. Wenn wir auch alle eingelaufenen Spenden in der hiesigen Presse bereits ausgewiesen haben, wollen wir hier die Spenden, die uns von auswärtigen Gemeinden zugekommen sind, nochmals anführen, um auf diesem Wege ihnen den Empfang zu bestätigen und zugleich zu danken: Von der Wiener Kultusgemeinde direkt K 300.— und 100 kg Mazoth, von derselben durch die Kultusgemeinde Zenica K 50.—, Kultusgemeinde Budapest K 100.— und 4q Mazoth, Kultusgemeinde Prag K 100.—, vom Orthodoxen Vereine Machzike Hadasz in Pest durch den verehrten Präsidenten Herrn L. Freudinger Edler von O b ud a und Herrn Adolf F r a n k 1 50 kg Mazoth, 15 kg Salami und zirka 200 Stück Hagadoth (Gebetbücher). Durch die Kultusgemeinde Zenica von einigen Gemeinden an sie gesandten und uns abgetretenen Betrag von K 100.—, Kultusgemeinde Essegg durch Zenica K 50.—, direkt an uns K 50.—, Walzmühle Szolnok K 50.—, Dr. Salvendi, Rabbiner in Karlsruhe (Baden) K 6.—. Wir danken ferner auch dem ehrwürdigen 'Herrn C h a - cham J e s u a Salom, Mitglied des sefard. Rabbinats, der, wie alljährlich, besonders heuer sioir dieses religiös humanitären Unternehmens warm angenommen hat, durch Aneiferung zur Arbeit und Sammeln von beträchtlichen Spenden (über K 300.—) so auch dem hochverehrten Herrn Elias A. Salom (Juwelier). Weiters danken wir den Glasgroßhändlern Herrn P a p o, der außer geschenkten 50 Weinflaschen auch viele hunderte Teller und Diversi uns gratis ausborgte, so auch den Herren Romano und F. & Ludwig M a r t o n. Endlich danken wir allen edlen Spendern, Banken und industriellen Unternehmungen usw., die heuer in hochherziger Weise uns besonders ausgiebig unterstützten. (Oesterr.-ungar. israel. Frauenverein zweimal zu K 100.—.) Ferner danken wir auch der hiesigen Presse: „Bosnischen Post", „Sarajevoer Tagblatt", „Hrvatski Dnevnik" usw., welche unserer Sache in ihren Blättern sympathisch gedachten und die Spenden ausgewiesen hatten, so auch den Chefredakteuren S. M. L a z e r des „Hamicpe" in Krakau und Dr. S. R. L a n d a u, der „Neuen National-Zeitung", Wien, für ihre Artikel und Anregung der jüdischen Welt zur Teilnahme an diesem edlen Werke. Sarajevo, am 14. Mai 1913. Cli. Weitzner. Dr. Moritz Löwy. Girolamo Salom. Deutsches Reich. Oberrabbiner Dr. Wolf Feilchenfeld. Posen. Oberrabbiner Dr. Wolf F e i 1 c h e n i e 1 d ist nach kurzer, schwerer Krankheit im beinahe vollendeten 86. Lebensjahre zur ewigen Ruhe eingegangen. Als würdiger Nachfolger eines Rabbi Akiba Eger hat er fast 41 Jahre den hiesigen Rabbinatssitz geziert und den Ruhm der altehrwürdigen Posener Gemeinde zu erhalten und zu mehren gewußt. Dr. Wolf Feilchenfeld war am 2. Mai 1827 in der Gemeinde Groß-Glogau geboren, der schon früher hervorragende jüdische Gelehrte wie Michael Sachs, Münk, Arnheim, Zedner und Cassel entsprossen waren. Er hat im Älter von 17 Jahren das Gymnasium zu Groß-Glogau mit dem Zeugnis der Reife verlassen und promovierte 1849 zu Berlin, nachdem er daselbst vier Jahre lang eingehende philosophische und orientalische Studien getrieben. (Im Jahre 1848 wurde seine Arbeit „Ueber das ethische Prinzip der Stoiker" von der Fakultät ehrenvoll ausgezeichnet.) Unter Rabbi Michael Landsberg in Berlin, Rabbi Israel Lipschütz in Danzig und Rabbi Mordechai Mich. Jaffa in Hamburg trieb er seine rabbinischen Studien. Nach seinen Hamburger rabbinischen Studien folgte er im Jahre 1855 dem Rufe der Synagogen-Gemeinde Düsseldorf. Unter nicht geringen Schwierigkeiten gründete er im Jahre 1867 die noch heute in Köln blühende Lehrerbildungsanstalt, die er auch fünf