Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 11 (23.5.1913)
- Date
- 1913-05-23
- Page
- Seite 85 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 11 „Neue National-Zeitung" Jahre hindurch- bis zu seinem Fortgange aus Düsseldorf leitete. Der Ruf seiner Persönlichkeit war inzwischen bis in den fernen Osten gedrungen, und eine Deputation des Vorstandes der Groß-Gemeinde Posen erschien an seiner bisherigen Wirkungsstätte, um aus eigener Anschauung die Leistung dieses Mannes kennen zu lernen. Die Folge dieses Düsseldorfer Besuches war eine Berufung nach Posen, wo er bis zu seinem Tode verblieb. Von der Verehrung, die dem Verblichenen gezollt wurde, legte die Leichenfeier glänzendes Zeugnis ab, an der zahlreiche Rabbiner sich beteiligten. Gemeindeu. Vereinsnachrichten. Generalversammlung der Wiener Chewra Kadischa. Wien. Sonntag, den 18. Mai, 10 Uhr vormittags, fand im großen Saale des „'Hotel Central" die Generalversammlung der Chewra-Kadischa statt. Oer Präsident der Chewra-Kadischa, Herr Salo Coli n, eröffnet die Versammlung, begrüßt den vom Kultusvorstande entsendeten Delegierten und gedenkt sodann in warmen Worten der dahingeschiedenen Vorstandsmitglieder. Die Versammlung, die sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben hat, beschließt die Einverleibung dieser Trauerkundgebung in das Protokoll. Vor Eingang in die Tagesordnung erbittet sich das Vereinsmitglied Herr Bernhard H o f b a u e r das Wort. Herr Hofbauer führt aus: „Wir stehen alle unter dem erschütternden Eindrucke der heutigen Zeitungsberichte, die uns ausführlich Nachrichten über die fürchterliche Brandkatastrophe, bringen, von der gestern meine Vaterstadt, die altehrwürdige Kehilla Preßburg, betroffen wurde. Ich glauhe, es ist wohl in diesem Kreise nicht notwendig, die Größe des Unglücks erst ausführlich zu schildern, ebensowenig brauche ich wohl meinen Antrag zu rechtfertigen, daß sich aus dem Schöße der Versammlung -ein Hilfskomitee für die Opfer der Brandkatastrophe in Preßburg bilde, welches sich späterhin durch Kooptierung weiterer Mitglieder ergänze und welches alle notwendigen Schritte, die zur Linderung des Unglücks beitragen können, beraten solle. Ich bitte um die Annahme meines Antrages". Dr. Josef S. Bloch befürwortet wärmstens den Antrag des Herrn Hofbauer und bittet den Vorsitzenden Herrn Salo Cohn, sich als Präsident der Chewra Kadischa an die Spitzedieses Komitees stellen zu wollen. Der Vorsitzende unterstützt den Antrag des Herrn Hofbauer auf Einsetzung des Hilfskomitees und erklärt sich im Interesse der guten Sache gerne bereit, den Vorsitz im Komitee zu übernehmen. Gleichzeitig votiert er für die Hilfsaktion einen größeren Betrag, welchem Beispiele aus der Mitte der Versammlung eine größere Anzahl Herren Folge leisten. Der Antrag des Herrn Bernhard Hofbauer auf Bildung eines Hilfskomitees für die Opfer der Brandkatastrophe in Preßburg gelangt sohin zur einhelligen Annahme. (Das Komitee hat bereits einen Aufruf erlassen, der an anderer Stelle abgedruckt ist. Die Red.) Der Kassaführer der Chewra Kadischa, Herr Salomou Simon, erstattet den Rechenschaftsbericht über die abgelaufenen drei Verwaltungsjahre und führt u. a. aus: „Das abgelaufene Triennium kann, was sowohl die Einnahmen betrifft, als auch bezüglich der Leistungen, welche die Chewra Kadischa aufzuweisen hat, als ein günstiges bezeichnet werden. Was die Einnahmen anbelangt, muß zunächst auf die Post „Aufnahmegebühren" hingewiesen werden, welche von 7680 Kronen im vorigen Triennium auf 12.489 Kronen in den letzten drei Jahren gestiegen ist. Diese bedeutende Steigerung ist insbesondere darauf zurückzuführen, daß anläßlich Jer im Jahre 1911 stattgehabten Chewrasude ein ungewöhnlich starker Zuwachs an Mitgliedern und damit eine Erhöhung der Post „Aufnahmsgobühren" erfolgte. Die Jahresbeiträge betrugen im abgelaufenen Triennium 96.401 Kronen gegen 93.000 Kronen in der Vorperiode. An Spenden sind 27.356 Kronen eingegangen, um mehr als 7000 Kronen mehr als im vorigen Triennium. Die Bethausspenden sind mit 14.721 Kronen nur um weniges höher als in der früheren Periode. Dagegen sind die Kranzablösungsspenden von 73.946 Kronen auf 98.000 Kronen in den vergangenen drei Jahren gestiegen. Was die Ausgaben anbelangt, so sind die Unterstützungen von 88.000 Kronen auf 103.000 im letzten Triennium gestiegen: ebenso wurden an Kurbeiträgen rund 79.000 Kronen gegen 61.000 Kronen in den vorhergegangenen drei Jahren gewährt. Für orthopädische Apparate, Bandagen usw. wurden im Triennium 1910—1912 rund 28.000 Kronen verausgabt, um etwa 4000 Kronen mehr als im vorangegangenen. Auch die Ausgaben für Subventionen und optische Gegenstände, welche 9400 Kronen betrugen, sind im letzten Triennium gestiegen. Insgesamt betrugen die Ausgaben des Vereines im vergangenen Triennium 348.714,87 Kronen gegen 295.264,21 Kronen im vorangegangenen Triennium. Das Vermögen der Chewra Kadischa betrug zu Ende des Jahres 1912 inkl. der Stifungen und Widmungen 690.500 Kronen. Die vor einigen Jahren gegründeten Fonds zur Unterstützung verarmter Mitglieder und zur würdigen Bestattung von solchen haben durch Zuweisung aus den jährlichen Eingängen eine Steigerung erfahren. Es beträgt das Kapital des ersteren Fonds nunmehr 56.000 Kronen, jenes des zweiten 16.000 Kronen." Zum Schlüsse dankt der Referent dem Präsidenten für die anläßlich seines 70. Geburtstages gewährte Spende von 50.000 Kronen für den Fond zur Unterstützung verarmter Mitglieder. Präsident Salo Cohn spricht seineu Dank aus für die schmeichelhaften Worte, die ihm in dem soeben erstatteten Berichte gewidmet wurden. Er gibt die Versicherung, daß er es als besondere Ehre ansehe, einer Vereinigung anzugehören, die zu den ältesten Institutionen der Gemeinde zähle, von der schon in Chroniken aus dem Jahre 1320 die Rede sei. Bei der Wahl der Vorsteher wurden die bisherigen Funktionäre wi e de rge w ähl t. Allgemein hat es befremdet, daß nicht ein einzige" Gemeinde-Rabbiner der Versammlung beiwohnte. Wien. (Verein jüdischer Portier e.) In der jüngst stattgehabten Generalversammlung war der Obmann des Vereines, Herr Karl Z e r k o w i t z, in der Lage, festzustellen, daß die Intentionen des Vereines in den Kreisen der jüdischen Hausbesitzer immer mehr Anklang finden. Viel zu diesem günstigen Umschwung hat die Tatsache beigetragen, daß die Mitglieder im abgelaufenen Winter einen Fachkurs absolviert haben, in welchem sie in allen für einen modernen Portier und Hausbesorger notwendigen Kenntnissen unterwiesen wurden. Dank dieser energischen und zielbewußten Tätigkeit des Vereinsvorstandes ist es gelungen, bereits nahezu hundert Portier- und Hausbesorgerposten mit Juden zu besetzen. Die Besetzung des 100. Postens wird dem Vereinsvorstand den Anlaß bieten, dieses wichtige Ereignis entsprechend zu feiern. Wien. (Eine P e t i t i o n.) Die Tempelvereins-Rabbiner Dr. Abele s, Dr. M. Bauer, Dr. A. L. Mandel, Prof. H. L. Reich und Dr. J. T a g 1 i c h t haben dem Kultusvorstande ein ausführliches Memorandum unterbreitet, mit der Bitte, „das zwiespältige, auf einer gänzlich veralteten Organisation des Tempelvereinswesens beruhende Verhältnis, in welchem sie zur Gemeinde stehen, einer Revision zu unterziehen, bez. die