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Neue Nationalzeitung · 1912-07-12 · Heft 14 (12.7.1912) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 14 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14 „Neue ein Thema ausgeschrieben hat, wie „DerEinflußSpinozas auf Goethe"; ein Thema, das gewiß weder mit der jüdischen Geschichte noch mit der sozialpolitischen Wissenschaft etwas zu tun hat. Und doch wurde dieses Thema ausgeschrieben, es wurde sogar hiefür ein Preis verliehen, und zwar im Betrage von fl. 1000-— (K 2000-—) am 1. Mai 1896 an den damaligen Hamburger Prediger Dr. Max Grunwald. Ueber den literarischen Wert dieser Arbeit wollen wir uns nicht mehr auslassen, anläßlich des Engagements Dr. Grunwald zum Wiener Prediger wurden in diesem Blatte die überaus ungünstigen Urteile der deutschen Fachblätter, vornehmlich der Münchner „Allgemeinen Zeitung" wiedergegeben. Im Jahre 1907 finden wir wieder Herrn Dr. Grunwald als Bewerber um einen Preis der Rappaport'schen Stiftung. Das Thema lautete: „Die Juden und die österreichischen Finanzen in den Jahren 1648 bis 1740." Dr. Grunwald war der einzige Bewerber. Als Juroren fungierten: Der christliche Universitätsprefessor Dr. Lambrecht (Wien) und die jüdischen Professoren Dr. Krausz (Budapest) und Dr. Ellbogen (Berlin), beide jüdische Professoren an den Rabbiner- Seminaren. Dieselben erkannten die Arbeit des Doktor Grunwald als zur Verleihung des Preises nicht geeignet; das Kuratorium beschloß jedoch, dem Dr. Grunwald für seine Mühe den Betrag von K 800- — zuzuwenden. Der Umstand, daß dieses Thema nur einen Bewerber gefunden hat, hätte dem Kuratorium sagen müssen, daß dieses Thema in der jüdisch-wissenschaftlichen Welt kein weiteres Interesse findet, wenn sie sich nicht schon bei Abfassung dieses Themas selbst vor Augen gehalten haben, daß die Wuchergeschäfte zwischen einzelnen Hofjuden und den Herrschern resp. ihren Regierungen für die Geschichte des Judentums eine sehr untergeordnete Bedeutung haben. Trotzdem wurde das Thema wiederholt. Dr. Grunwald wollte nicht so billig gearbeitet haben und sein Schwiegervater, der bekannte Herr Dr. Bloch, sitzt nicht vergeblich im Kuratorium. So wurde denn dasselbe Thema in einer anderen Stilisierung neuerlich ausgeschrieben. Diesmal hieß die Preisfrage: „Samuel Oppenheim und sein Kreis." Sehr charakteristisch ist der Kommentar zu dieser Preisfrage. Darin heißt es, daß nicht jedes Geschäft des Samuel Oppenheimer und seiner Genossen mit dem Staate aufgezählt werden muß, allein es sollen die wichtigeren Geschäfte erörtert werden. Und das soll ein Geschichtswerk sein! Das Kuratorium wußte, daß sich wiederum nur Dr. Grunwald melden werde und als am 31. Dezember 1911, mittags 12 Uhr, nur eine Arbeit, ohne Namensnennung mit einem Motto, vorlag, da war es trotzdem zweifellos, wer der Verfasser dieser Arbeit war. Nun ging man auf die Suche nach Juroren. Vorerst hat man die früheren drei Juroren nicht mehr in Anspruch nehmen wollen. Ist das nicht auffällig? Das Kuratorium wollte eben nicht, daß diese Arbeit von Professoren der jüdischen Geschichte beurteilt werde. Am meisten hat sich bei diesen Recherchen der Schwiegervater des Bewerbers die Füße wund gelaufen. Wir kennen Personen, bei denen er sich danach erkundigte, wen man eigentlich am besten brauchen könnte . . . Man bestellte schließlich drei Historiker „mosaischen Glaubens": Dr. Fried jung, Professor!-Zeitung" Seite 5 Herzberg-F ränkel und Professor Pribram — die nie mit jüdischer Geschichte etwas zutun gehabt haben. Auf Grund des Gutachtens dieser Herren hat der Kultusvorstand dem Dr. Grunwald den Dr. Rappaport- Preis von K 3000-— zugesprochen. Das Werk ist noch nicht gedruckt, wir können darüber nicht urteilen. Das Urteil der Juroren kann uns jedoch nicht imponieren, weil ihnen die Autorität fehlt und weil sie Vertrauensmänner des Dr. Bloch sind. Die äußeren Umstände, unter denen an Dr. Grunwald dieser Preis verliehen wurde, zeigen auf sehr bedenkliche Machinationen hin und geben sehr viel zum Nachdenken. Es ist nun eine Ehrenpflicht der Juroren, daß das Werk im Drucke erscheint. Dann wird mau erst darüber urteilen können, ob dieselben auf einem höheren Niveau stehen, als das sonderbare Kuratorium und sein sonderbarer Monopolinhaber. Zum Parlamentsschluß. Nach viermonatlicher Tätigkeit hat sich das Parlament vertagt. Die letzte Session gehört zweifellos zu den bedeutenderen und fruchtbareren. Neben den laufenden Geschäften wurde eine Reihe von wiciitigen Gesetzesvorlagen erledigt, und zwar: die Wehrreform, die Militär-Strafprozeßordnung, eine Novelle zur Strafprozeßordnung, schließlich erfolgte die Agnoszierung einer Reihe von angefochtenen Mandaten. Zur Wehrreform kam lediglich ein jüdischer Abgeordneter und zwar Herr Reizes zum Wort; Abgeordneter Dr Straucher war allerdings vorgemerkt, doch wurde er durch die parlamentarische Guillotine um das Wort gebracht. Die Rede des Abgeordneten Reizes hatte den Zweck, das Haus und die Regierung auf die Zurücksetzung der jüdischen Staatsbürger in verschiedenen Zweigen des Militärdienstes aufmerksam zu machen. Sie war gewiß notwendig, wenn sie auch wenig nützen wird. Trotzdem haben alle bürgerlichen jüdischen Abgeordneten mit Begeisterung für die Wehrreform gestimmt. Die Juden müssen eben Patrioten sein und alle patrioüschen Pflichten erfüllen, wenn man ihnen auch Rechte nur in bescheidenem Maße einräumt — das war wohl die Ansicht der jüdischen Abgeordneten. DieMilitär-Strafprozeßordnung wurde wörtlich nach dem Vorschlag der Regierung angenommen; nicht ein Beistrich wurde geändert. Dasselbe war insbesondere bei der Militär-Verteidigerliste der Fall. Ihre Zusammenstellung wird nunmehr ganz dem freien Ermessen des Kriegsministeriums anheim gestellt werden. Hoffen wir, daß wenigstens bei dieser Gelegenheit die Regierung den Patriotismus der jüdischen Abgeordneten quittieren und die jüdischen Advokaten ohne jede Voreingenommenheit behandeln wird. Der heftige Kampf zwischen dem Polenklub und den Ruthenen, bei dem das Ministerium Stürkgh arg gefährdet schien, ist im Sand verlaufen. Die Polen haben es erreicht, daß ihnen neben der kaiserlichen Botschaft noch eine Spezialaudienz des Kiubobmanns bewilligt wurde, wodurch sie ihre parlamentarische Ueberlegenheit den Ruthenen gegenüber zu beweisen in der Lage waren. Allein sie konnten es nicht verhindern, daß auch die Ruthenen durch die an sie gerichtete kaiserliche Botschaft einen bedeutenden politischen und nationalen Erfolg errungen haben. Der angebahnte Ausgleich zwischen den Polen und Ruthenen ist für die Juden Galiziens von großer politischer Bedeutung und deswegen kann auch der

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