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Neue Nationalzeitung · 1912-01-12 · Heft 1 (12.1.1912) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 1 (12.1.1912)
Date
1912-01-12
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 1 „Neue National-Zeitung' Seite 9 kannte Kämpfer für die Rechte der Juden, der Rechtsanwalt Emil Lehmann in Dresden, der weder zu den Orthodoxen, noch zu den Zionisten gezählt werden kann, verwendet bei den Titeln seiner Vorträge und Aufsätze mit Vorliebe das "Wort „Jude', wie z. B.: „Aus dem Schriftschatz der Juden", „Die deutschen Juden vor und in 50 Jahren", „Die Juden einst und jetzt". I'er Bezeichnung „Israelit" und „Israelitisch" ha^en sich Rabbiner und Kanzelredner in der Regel bedient. Selbst der konservative M. Sachs betitelt seinen Machsor: Die Gebete der Israeliten. Die Rabbiner und Prediger haben die Bezeichnung „Israelit" mit Vorliebe aus dem Grunde gewählt, weil sie damit an den Gotteskämpfer Israel nach 1 M 32, 23 ff erinnern wollten, dessen Bestimmung es ist, stets für Licht und Wahrheit zu kämpfen. Auch mochten die Rabbiner an die Stelle Jes. 44, 5 gedacht haben „. . . und mit dem Namen Israel schmeichelt er sich . . ." Man kann sii h daher über diejenigen Glaubensgenossen, die sich Israeliten nennen, keineswegs lustig machen. Auch die Bezeichnung »Mosaiisch*, bei der man allerdings mehr an das Glaubensbekenntnis denkt, hat ihre Berechtigung, da wir Juden an der Lehre Moses (Thorat IWosche) festhalten. Rießer beispielsweise hat seiner ersten Schrift den Titel gegeben : .Ueber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens". Für diejenigen, die sich auf die Bezeichnung Jude besonders zu gute tun und meinen, daß Sie Sieh dadurch von den Assimilanten und Reformern unterscheiden, sei darauf hingewiesen, daß das Zentralorgan der Orthodoxie .Israelit* heißt, während die im Jahre 1852 erschienenen Predigten von Holdheim den Titel führen: Neue Sammlung j ü d i s c h e r Predigten, gehalten im Gotteshause der jüdischen Reform-Gemeinde zu Berlin. biste der Ausgetretenen. Vom 27. bis 31. Dezember 1911. (Nr. 608—610.) Eisner Gustav, Musiker, geh, 8. August 1884, Wien, XVII., Ortliebgasse 28. Fried Max, Arbeiter, geb. 18. Juli 1883, Radolu bei Trentschin in Ungarn, XX., Denisgasse 44. Zeisel Isidor, Schauspieler, geb. 30. Jänner 1878, Wien, II., Kaiser Josefstraße 42. * * * Vom 1. bis 7. Jänner 1912. (Nr. 1-7.) Grünberg Chaim Elie, verheiratet, Provisorsgehilfe, geb. 28. Juli 1865 in Petersburg, II., Praterstraße 7. Girsch Feigusch Schewel, ledi^r, Handelsangestellter, geb. 24. Februar 1878 in Rußland, I., Franz-Josefs-Kai. Bauer Hans, ledig, Volontär, geb. 21. Juni 1893, XIX , Döblinger Hauptstraße 65. Höniger Cilli, ledig, Kontoristin, geb. am 19 September 1881, aus Lipnik (Biala), X., Laxenburgerstraße 44, Weiss Felix, ledig, Fabrikant, geb 27. August 1879, XIX., Vegagasse 7. Fried Louise, geb. Szekuli»z, geb. 26. März 1885. Adel Elias, geb. 21. Oktober 1878. . Boykottiert die Täuflinge! Die zunehmende Taufseuche in Rußland veranlaßt die hebräische Zeitschrift „Haoleni" in Wilna zu folgendem Aufschrei: „Wenn die hauptsächlichsten Ursachen, die die Taufbewegung erzeugt haben, auch außerhalb unseres Volk?kreises liegen und wir diesen äußeren Ursachen nicht beikommen können, so gibt es doch auch innere Gründe, die die Ausbreitung des gräßlichen Übels begünstigen und für die wir allein die Verantwortung zu tragen haben. Die wichtigste Ursache ist — und wir sind gezwungen immer wieder darauf hinzuweisen —, daß der „Meschummod* seine gesellschaftliche Stellung in unserem Kreise beibehält, daß wir ihm nicht ins Gesicht speien, ihn nicht schonungslos aus unserer Mitte entfernen, damit der Giftstoff, den er in sich trägt, nicht uns und unsere Kinder infiziere. Die Getauften, die ganz ungeniert unter uns einhergehen, werden schließlich notwendigerweise zu Propagandisten des Taufgedankens in unseren Reihen, denn es liegt in der menschlichen Natur, für eine böse Handlung, die man begeht, Mittäter zu suchen, um wenigstens einen Teil der niederdrückenden Schuld auf andere Schultern abzuwälzen." Der Artikelschreiber weist dann auf eine Anzahl von Fällen hin, wo getaufte Juden ohne Scheu und Scham i n jüdischen Versammlungen auftraten und sich in jüdische Angelegenheiten mengten. So ergriff vor einiger Zeit ein getaufter Jude in einer Versammlung der Odessaer Ortsgruppe des Vereines zur Verbreitung von Bildung unter den Juden Rußlands das Wort und wetterte im Beisein von hunderten jüdischer Mitglieder gegen die nationaljüdische Erziehung! Ein anderer Meschummod in Odessa hatte den traurigen Mut, als Vertreter der jüdischen Bevölkerung für die Duma zu kandidieren! Notizen. L u d w i g U h 1 a n d ist nun auch unter die dichterischen Persönlichkeiten aufgenommen, denen der Tempel -Verlag seine künstlerischen Klassiker-Ausgaben widmet Der Tempel erweitert damit sein Programm abermals in würdiger und bedeutsamer Weise. Die in zwei Bänden vereinigten poetischen Schriften Unlands setzen die mit dem Nibelungenlied begonnenen sogenannten kleinen Klassiker, die nur wenige Bände umfassen, fort. Auch die Uhland-Ausgabe ist eine absolut vollständige dichterische Ausgabe. Der erste Band enthält auch die sämtlichen Gedichte und Balladen des Nachlasses, der zweite Band außer den größeren Dramen, Konrad von Schwaben und Ludwig der Bayer, die sämtlichen sehr wertvollen dramatischen Fragmente. Den Schluß bilden die biographischen Erläuterungen samt einer Auslese dichterischer Briefe. Briefkasten der Redaktion. An die Herren David Ritter von Gutmann und Doktor Felix Katzau. Die uns von Ihnen zugesandte sechs Seiten starke „Berichtigung" können wir nicht veröffentlichen, da sie einen frivolen Mißbrauch des § 19 bildet und die Wahrheit ins Gesicht schlägt. Wir überlassen es Ihnen, hiezu die von Ihnen pauschalierten Blätter zu verwenden. Dr. X. X. C'ongressman William S u 1 z e r, der sich im Kongresse an die Spitze der Agitation gegen Rußland gestellt bat, ist Christ. Er wurde am 18. März 1863 in Elizabeth (Staat New-York) geboren. Mit 21 Jahren wurde er Advokat und 10 Jahre später vom X New-Yorker Distrikt (Ost-Seite) in das Repräsentantenhaus als Demokrat gewählt Er ist Obmann des Parlamentsausschusses für auswärtige Angelegenheiten. Rabbinats-Kandidat. I^aß eine f''1* die Gemeinde so bedeutungsvolle Angelegenheit wie die Besetzung der vakanten Rabbinerstelle in der Leopoldstadt in der Budget-„Debatte" von keinem Kultusvorsteher auch nur erwähnt wurde, darf Sie doch nicht Wunder nehmen. Nach der Blamage mit dem Szegediner Dr. Low hat das Präsidium den Kopf verloren. Von den 4 Gemeinderabbinern, die sich um diese Stelle bewerben, will man keinen bestellen, um sichs mit dem Anhang der Anderen nicht zu verderben und auswärts rindet man vorläufig keinen Passenden. Doch haben Sie Geduld, wenn einer von draußen nur den richtigen Protektor findet, dann bekommt er auch die Anstellung. Allerdings muß mit der Besetzung noch gewartet werden, bis Dr. Bloch aus Amerika zurückkehrt. Abonnent. Es ist richtig, daß Oberkantor Don Fuchs infolge von Ch kanen und Zurücksetzungen seitens des Präsidiums seine Demission überreicht hat. Ebenso ist es richtig, daß für die Scheidungs- und Chalizza-Gebühren, deren Höhe stets von Fall zu Fall Rabbiner Mayersohn bestimmt hat, ein besonderer Tarif ausgearbeitet wird. Das Inhaltsverzeichnis des Jahres 1911 werden wir der nächsten Nummer beilegen.

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