Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 1 (12.1.1912)
- Date
- 1912-01-12
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 1 Jim! — Ihr Mann hat sich sofort hier zu melden, wenn er kommt." rUnd darf ich fragen, was er liier tun muß?1 „Er soll uns Geld zeigen, beweisen, daß er über Mittel verfügt." „Wenn ich Sie recht verstehe, soll er in die Tasche greifen und Ihnen bares Geld zeigen?* „Jawohl, ganz recht* .Aber, mein Herr, warum haben sie das niebt gleich gesagt. Das kann ich nämlich auch." Und triumphierend entnahm ich meinem kleinen Handtäschchen einen blauen Schein, worauf ich in Gnaden entlassen wurde Auf dem Heimwegsann ich angestrengt darüber nach, welcher Staat seine Kinder besser bewacht, Rußland oder Deutschand V Zu einem Resultate bin ich noch nicht gekommen — Vielleicht hilft der Leser. KoneTess öe»r jüdischen Gemeinden von Griechenland» Im Frühjahre 1912 findet in Athen der Kongreß der jüdischen Gemeinden von Griechenland statt. Dieser Kongreß hätte ursprünglich im September vorigen Jahres stattfinden sollen, niußta jedoch wegen Abwesenheit eines, allerdings sehr einflußreichen Delegierten verschoben werden. Schon diese Tatsache allein beweist, wie ,E1 Liberal' mit Recht hervorhebt, die kritische Lage, in welcher sich die Juden Griechenlands und ihre Gemeinden derzeit befinden. Die Zahl der Juden in Griechenland wird jetzt auf 8000 geschätzt, welche sich in verschiedene Gemeinden teilt. Die wichtigeren sind Trekala, K o r f u, Larissa, Wolo und Atb on. Von allen diesen Gemeinden ist Larissa die einzige, welche eine eigene jüdische Schule hat, die auch von der Regierung eine, wenn auch sehr kleine Subvention erhält. Ein Versuch, die Erhöhung dieser Subvention zur Aufbesserung der Lehrergehiiiter bei der Regierung durchzusetzen, blieb ohne Erfolg. Obgleich es in Griechenland verhältnismäßig nicht wenige reiche Juden gibt, herrscht unter ihnen ein solcher Indifferentismus gegenüber jüdischen Wohlfahrtsanstalten, daß in den meisten Gemeinden solche entweder gar nicht bestehen oder kaum vegetieren können. Am bezeichnendsten für die Situation ist wohl der nahezu unglaubliche Zustand, daß selbst in der Hauptstadt des Landes und dem Sitze des j üdisthen Zentralkonsistoriums, also in Athen, keine einzige jüdische Schule besteht und daß der Präsident der Athener Judengemeinde, Konstantini des, der für die Errichtung einer Synagoge und einer jüdischen Schule 500 Pfund spendete, nicht in die Lage kommt, diese Institutionen auch ins Leben zu rufen und für dieselben eine Pegierungssubvention anzusprechen, da das einzige Forum, in dessen Kamen er dies tun könnte, nämlich das Zentralkonsistorium, seit Jahren nicht wiedergewählt und konstituiert werden konnte. Um nun allen diesen unhaltbaren Zuständen ein Ende zu bereiten, war, wie erwähnt, für Septem er v. J. ein Kongreß ausgeschrieben, auf welchem eine Neuordnung des jüdischen Gemeindewesens und die Wahl eines Zentralkonsistoriums hätte vorgenommen werden sollen. Dieser Kongreß wird nun, wie aus Athen berichtet wird, im Frühjahre stattfinden. Die jüdische Teehnik In Haifa. Vor einigen Jahren wurde bekanntlich seitens der Familie Wissotzky eine Stiftung von 100 000 Rubeln errichtet, die der Begründung eines technischen Instituts in Palästina dienen sollte. Die leitenden Männer des Hilfsvereins der Deutschen Juden, denen die Verwaltung der Stiftung übertragen wurde, bekundeten das größte Interesse für das Zustandekommen des Werkes. Auch in zionistischen Kreisen fand der Gedanke lebhaften Anklang und zwar war es vor allem Dr. Sehmarja L e v i n, der durch hingebungsvolle Arbeit mit dazu beitrug, das Unternehmen materiell zu fundieren. Seine Re sen nach Amerika bewirkten die Beteiligung einer Gruppe reicher amerikanischer Juden, unter denen an erster Stelle Jakob H. ö c h i f f zu nennen ist, der 100 000 Dollar (über 400.000 Mark) zur Verfügung stellte. An Jahresbeiträgen wurden ferner 57 000 Mark gezeichnet. Der jüdische Nationalfonds trug zum Erwerb des Bodens 100 0 »0 Francs bei und kleinere Sammlungen und Stipendien ergaben weitere 1 O.OÜO Francs. Dazu trat die Baronin Cohn -Oppenheim - Stiftung des Hilfsvercins mit 300.000 Mark. Der materielle Grundstock war somit gegeben und es wurde eine besondere Gesellschaft, „Jüdisches Institut für technische Erziehung in Palästina", mit dem Sitze in Berlin errichtet. Den Vorsitz übernahm Herr Dr. James Simon. Leider stieß dann die weitere Ausführung auf Hindernisse, denn die Erlaubnis der türkischen Regierung war längere Zeit hindurch nicht zu erlangen. Diese Erlaubnis ist nunmehr erteilt. Die Errichtung des Technikums ist durch eine Iradc des Sultans genehmigt worden. Zeifschriften-*Rundschau. Eine neue hebräische Zeitung in Safed, Seit kurzem besteht in Safed (Palästina) eine jüdische Buchdruckerei. Die beiden Eigentümer der Druckerei beabsichtigen nun, demnächst ein hebräisches Wochenblatt unter dem Namen „Hagalil* („Galiläa*) herauszugeben. Viele der in den galizischen Städten und Kolonien lebenden hebräischen Schriftsteller haben sich bereit erklärt, an dem neuen Blatte, das in erster Linie die Interessen der jüdischen Bevölkerung in Galiläa pflegen will, mitzuarbeiten. * * * Das Ende einer judenleindlichen arabischen Zeitung. Die antisemitische Zeitung „El-Karmel" in Haifa (Palästina), die, wie bekannt, eine gehässige Agitation gegen die jüdische Einwanderung nach Palästina, wie überhaupt gegen alles Judische betrieb, hat aus Mangel an Abonnenten ihr Erscheinen eingestellt. Der Herausgeber des „Karmel" war ein christlicher Araber. * * „Nord und Süd." Das 1. Jännerheft von „Nord und Süd" (Breslau) zeigt die Zeitschrift inhaltlich wie in ihrem Aeußeren durchaus umgestaltet. Mit dem Boginn des neuen Jahres hat Prof. Dr. Ludwig Stein in Berlin, bis vor kurzem ordentlicher Professor der Philosophie an der Universität Bern, die Herausgabe von „NokI und Süd" übernommen und ist daran gegangen, die Zeitschrift von Grund aus zu organisieren. Ueber das Programm geben die einführenden Worte des einstigen Begründers von „Nord und Süd", Paul Lindau, in Korm eines Briefes an den neuen Herausgeber Aufschluß und noch eingehender Prof. Stein selbst in dem Artikel „Kulturpolitik4. Aus dem reichen Inhalte wollen wir besonders hervorheben die Artikel „Das unglückliche Persien * des hervorragenden Orientalisten Prof Vambery und „Der letzte Kabinettskrieg* von Dr. Paul Nathan. Die „Sozialpolitische Rundschau" leitet Dr. Franz O p p e n h e i m e r. V\ ir vermissen mit Bedauern die so aktuelle Emigrations- Rundschau, die durch die „Koloniale Rundschau" keineswegs ersetzt wird. * * * Das Jubiläum des „Haschiloah". Anläßlich des Erscheinens des 150. Heftes der hebräischen Zeitschrift „Haschiloah" veranstalteten die hebräischen Schriftsteller Odessas vorige Woche ein Festessen, das einen überaus erhebenden Verlauf nahm. In begeisterten Tischreden feierten dieses literarische Jubiläum u. a. die Schriftsteller und Gelehrten Gh. N. Bialik, David Kahane, Dr. Rabin, Moses Kleinmann, Wladimir Jabotinsky, ferner M. Ussischkin, Ch. Grünberg und schließlich der Redakteur des „Haschiloah", Dr. Josef Klausner. * ♦ * Israelitisch, jüdisch oder mosaisch? Ueber diese auch für Oesterreich sehr aktuelle Frage lesen wir in den „Mitteilungen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands" folgende historische Reminiscenzen: , I s r a e 1 i t i s c h, J ü d i s c h o d e r M o s a i s c h? Welche dieser Bezeichnungen richtiger und berechtigter ist, können wir stante pede nicht angeben; nur eine eingehende Studie könnte u. E. diese Frage befriedigend beantworten. Hier nur einige aphoristische Hinweise. Den Namen „Jude" zu Ehren gebracht hat der bekannte Vorkämpfer Gabriel Rieß er,- seiner im Jahre 183^ begründeten Zeitschrift gab er den Namen „Der Jude", mit der Begründung, „weil Haß und Bosheit den Namen ,Jude' zu einem Schimpfwort, ,jiidisch' zum Inbegriff alles Unedlen gemacht hatte". Während wir noch bei J o s t die Titel: Allgemeine Geschichte des israelitischen Volkes und Neuere Geschichte der Israeliten rinden, nennt Professor G r a e t z sein elf bändiges Geschichtswerk: Geschichte der Juden. Die im Jahre 1854 begründete Rabbinerschule in Breslau, an der Frankl und Graetz wirkten, erhält den Namen . J ü d i s c, h - theologisches Seminar. In letzter Zeit hat man sich im Norden Deutschlands für die Bezeichnung Jude und Jüdisch entschieden, Avährend man im Süden und in den österreichischen Landen häufigerden Bezeichnungen Israelit und Israelitisch begegnet (wahrscheinlich auch infolge der behördlichen Bezeichnung). Der be-