Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 12 (16.6.1911)
- Date
- 1911-06-16
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „Neue National-Zeitung" Nr. 1-2 unbekannten 'Maßregeln rufen unier der jüdischen Bevölkerung eine starke Unruhe hervor. Auswanderung aus Palästina. Dem „Israelit" ■wird aus Jerusalem berichtet: Infolge der anhaltenden Krise hat hier eine starke Auswanderung eingesetzt, die immer noch in steter Zunahme begriffen ist. Aus Jerusalem -wandern täglich ganze Scharen aus, zumeist nach Amerika. Und herzzereißende Bilder spielen sich an der Bahn und in den Häfen von Jaffa und Haifa ab, da greise Eltern von ihren Kindern, junge Frauen und hilflose Kinder von ihren Ernährern Abschied nehmen, die die schreiende Not in die weite ungewisse Ferne hillaustreibt. Es sind lauter junge, kräftige Männer, die zum Wanderstabe greifen, so daß durch ihre Landesflucht eine Summe von Arbeitskraft dem Lande verloren geht und die Lage der in Palästina bleibenden Greise und Familien sieh noch umso trauriger gestaltet. Rabbiner Dr. Philipp Bloch in Posen feierte dieser Tage seinen 70. Geburtstag. Dr. Philipp Bloch zählt zu den gelehrtesten Rabbinern Deutsehlands. Seine wissenschaftlichen Arbeiten umfassen zumeist die jüdische Religionsphilosophie, die Mystik und Kabbala und die talmudische Poesie oder Agada. Auch die Geschichte der großpolnisehenJudenschaft verdankt ihm wertvolle Beiträge. Von seinen bekannteren Veröffentlichungen heben wir hervor : „Die Willensfreiheit bei Chasda Kreskas" (1879), „Geschichte der Entwicklung der Kabbala und der jüdischen Religions- 2)hilosophie" (1894), „Der Mainron oder der jüdisch-polnische Weehselbrief" (1903), „Heinrich Grata, ein Lebens- und Zeitbild" (1904), „Die Kabbala auf ihrem Höhepunkt und ihre Meister" (1905). Zeitechriffen-'Rundschau. Das jüdische Massenelend in Warschau. Dem „Israelit" wird aus Warschau gescbrieben: Wer die Armut der jüdischen Bevölkerung Polens an der Quelle studieren will, der sehe sich in den Straßen unserer Metropole nm. Zu keiner Jahreszeit tritt aber dieses Massenelend in so erschreckender Gestalt an den Tag, wie vor dem Pessachfeste, da Tausende die Uatersiiitzungskassen belagern und sich glücklich zeigen, wenn es ihnen gelingt, sich nur einen Meinen Beitrag für die Mazzos zu erkämpfen. Dieses Jahr war der Andrang der Unterstützungssuchenden besonders gewaltig, da die frostige Witterung, die bis kurz vor dem Feste anhielt, die allgemeine Krisis sowie die starke Zuwanderung aus dem Innenlande wie aus den kleinen Städten und Dörfern des Rayons die Zahl der Arbeitslosen und Darbenden bis im Unermeßliche vergrößert hat Es ist auch sonst eine kritische Zeit für den unteren and Mittelstand. Denn durch stete Gründungen neuer Fabriken und Warenhäuser, nicht zuletzt aber auch durch die von den polnischen Nationalen organisierte Konkurrenz verschwindet der Handwerker und Handelsmann immer mehr von der Bildfläche und macht dem beschäftigungslosen und notleidenden Proletarier Platz. Diesem Massenelende kann die jüdische Philantropie, soviel sie auch in hiesiger Stadt leistet, nicht im entferntesten beikommen, wiewohl Hunderttausende jährlich für Unterstützungszwecke ausgegeben werden. Im Jahre 1908 zählte man in Warschau 277.000 Juden. Trotz der starken Abwanderung ist diese Zahl in den letzten drei Jahren nicht gesunken, sondern noch wesentlich gestiegen. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung wuchs hier 1910 auf 306.061. Und diese VermeinTing beruht nicht einmal auf natürlichem Zuwachs, sondern, wie schon gesagt, auf der anhaltenden Zuwanderung. Die aus-dem Innenlande Ausgetriebenen suchen, sofern sie die Reise über das große Wasser nicht unternehmen wollen, oder infolge der neuen Einwanderungsgesetze nicht machen können, die jüdischen Zentren in Warschau oder Wilna auf. Und in den Städtchen und Dörfern der litauischen und polnischen Judenansiedelung siebt es in wirtschaftlicher Beziehung so traurig aus, daß auch von dort die Jugend, in der Hoffnung, in der Großstadt Arbeit und Erwerb zu finden, zumeist nach Warschau strebt. So kömmt es denn, daß trotzdem in den letzten zwei Jahren aus der Gegend von Warsdhau etwa 16.000 Juden nach: Amerika ausgewandert sind, die Zahl der jüdischen Massen in Warschau doch in oben erwähnter Weise anwachsen konnte. Durch die Verschärfung der Einwanderungsbestimmungen in Amerka und England, durch welche Unzähligen die Möglichkeit zur Auswanderung genommen ist, ist ein w iteres Anwachsen der Bevölkerung und somit des Massenelends zu erwarten. Und täglich tauchen neue Probleme auf, denen unsere Vereine und Oiganisationen machtlos gegenüberstehen. biste der Ausgetretenen. Vom 31. Mai bis 13. Juni 1911 (Nr. 233—255.) Klein Eduard, geb. 29. Juli 1309, Wien, Strakonilz. Mandl Regine, Näherin, geb. 5. Jänner 188*, Kotersdoif, XX., Klosterneubnrgerstraße 64. Neumann Louise, Edle v. Heilwart, geb. 23. Marz 1854, Wien, I., Stabenbastei 20. Quastler Sylvia, Piivate, geb. 19. Juli 1890, Wien, III, Kegelgasse 25. Reich Minna, geb. 26. Dazember 1883, Budap?st, III., Fasangasse 50. Dr. Gero Sigmund, ledig, k. k. Oberstabsarzt, geb. 2. Juli 1857, VIR., Weisenburggasse 13. Pöllak Wilhelm, ledig, geb. 22. April 1878, IX., Hahngasse 32. Zappler Aurelia, ledig, Comptoirislin, geb. 5. Juli 1887 aus Suczawa, XVIII., Antonigasse 23. Beck Leopold, ledig, Zuschneide-, geb. 17. Juni 1874, XVI., Neulerchenfelderstraße 6. Brenner Ignaz, verh. Buchhalter, geb. 24 November, IX., Glasergasse 9. Wuhrhaft Mord, ledig, Bankbeamter, geb. 12. Dezember 1873, Odessa, IL, Hotel Moskau. Heitler Friedrich, ledig, Zeilungsarbeiter, geb. 5. Mai 1884, V, Straußengasse 18. Bräuer Lazar Ludwig, verh., Redakteur, geb. 18. Februar 1870, Ungarn, XVIII., Salier igasse 7. Diamant Helene,* ledig, Tabakarbeiterin, geb. 18. Oktober 1864, IX., Badgasse 20. Hirsch Julius, verh., Privatbeamter, geb. 14. Jänner 1809, IX., Liecbtensteiostraße 73. Charitz Emilie, geb. Klekner, verh., Fabriksarbeiterin, geb. 26. November 1887, VIII., Alberlgasse 26. Jariay Felix, verh, Kaufmann, geb. 17. Juli 1880, IX, Schulzstraßnitzkygasse 15. Jaray Marianne, geb. Pollak, veih., Kaufmannsgattin, geb. 24. März 1886, IX., Schulzstraßnitzkygasae 15. Soyka Rudolf, verh., geb. 19. Mai 1875, Böhmen, XVII, Geblergasse 17. Krauss Otto, ledig, Kaufmann, geb. 16. Dezember 1878, XIX., Billrothstraße 6a. Huth Regina, ledig, Knopflochnäherin, geb. 3. Jänner 1886, XX., Dam Straße 8. Weiss Pauline, ledig, Privat, geb. 26. Jänner 1874, II., Praterstraße 26. Hamerschlag Miksa, geb. 28. Jänner 1868. Eingesendet. 28. StaatswohltUtigkeits-Lotterie. Auf kaiserliche Ermächtigung wird! die 28. k. k Staatslolterie für gemeinsame Militärwobltätigkeitszwecke veranstaltet. Diese Geldlotterie, die einzige in Oesterreich gesetzlich gestattete, enthält 21135 Gewinste in barem Gelde im Gesamtbetrage von 620000 K. Der Haupttreffer beträgt 200.000 K. Die Ziehung erfolgt öffentlich am 22. Juni. Ein Los kostet 4; K. Lose sind bei der Abteilung für Staatslotterien in Wien, HL, Vordere Zollamtsstraße 7, in Loltokollekturen, Tabaktrafiken, bei Steuer-, Post-, Telegraphen- und Eisenbahnämtern, in Wechselstuben etc. zu bekommen; Spielpläne für Loskäufer gratis. Die Lose werden portofrei zugesendet Uebersfedlungsanzeige. Die Kanzlei des Höf- und Gerichtsadvokaten Dr. S. R. Landau befindet sich ab Mai 1911 W I» Oppolzcraassc 4 ~iM (nächst dem Hofburgtheater). ■yjB^gg^Bgj^^/g^BjilgfgggggBBBKBMB^KK^