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Neue Nationalzeitung · 1911-06-16 · Heft 12 (16.6.1911) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 12 (16.6.1911)
Date
1911-06-16
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 12; „Neue Nationäl-Zeitung* Seite 9 soner Aäeisinarschall, den. Bildungsmih ister, den Leib- Accouehbür der Zarin, Ötsch, den Chef der Geheimpolizei, die a ir t i s e m i tische n ' D e p u t i e r t e n Krupenski, Nowitzki, 'Graf Ubarow nnd selbst der geflüchtete Polizeipräsident von Odessa, General Tolmatschew, fehlt nicht in der Liste. Charakteristisch ist ein Empfehlungsschreiben der Adeligen Twanowa, die einen jüdischen Studenten mit dem Hinweise darauf empfiehlt, daß sie „von der patriotischen Familie der Purischkewitsch stamme". Interessant ist auch, daß ein Empfehlungsschreiben des Grafen "Witte an der Odessaer Universität nur sehr geringen Kurs hatte, denn der jüdische Student, den er empfohlen hatte, wurde nicht aufgenommen. Nach durchgeführter Verhandlung wurden sämtliche Angeklagte freigesprochen. Das Gericht anerkannte, daß an diesem Schacher eigentlich d a s gegenwärtige System schuld sei, dab ~ selbst innerhalb der Prozentnorm bei den jüdischen Studenten den Nachweis fordert, daß sie vollständig „einwandfrei" seien, wodurch dem Protektionsschacher direkt Vorschub geleistet wird. Die Einwanderung der galizischen Jaden nach Ungarn ist im ungarischen Parlament wiederholt zum Gegenstand antisemitischer Debatten gemacht worden. Dagegen veröffentlicht der Advokat Dr. S. 111 e s eine Broschüre, in welcher er an der Hand des amtlichen statistischen Materials nachweist, daß die ganzen antisemitischen Behauptungen jeder Grundlage entbehren. Er weist nach, daß das Judenelend dortselbst grenzenlos ist. Der Broschüre entnehmen wir folgende Daten: 5000 Juden (Seelenzahl) wohnen in der ungarischen Euthenengegend. Ein Drittel besteht aus Taglöhnern, 52 Prozent aus Fuhrleuten, ein Sechstel aus Kleingrundbesitzern. Oekörmezö zählt 120 jüdische Familien. Von diesen sind: 18 Taglöhner, 5 Schuster, 7 Schneider, 1 Schmied, 24 Fuhrleute, 4 Fleischer, 7 Schankwirte, 19 Greisler, 15 Kleingrundbesitzer, 6 Holzhändler, 1 Tischler, 5 Maurer, 2 Uhrmacher, 1 Spengler, 1 Buchdrucker, 2 Bäcker, 1 "Weinhändler. Der „reichste" und „größte" jüdische Grundbesitzer, Leiser Itzig Sissowits, der als „"Wucherkönig" und „Bodenaufsauger" von den antisemitischen Zeitungen verschrieen wird, besitzt laut amtlichem Ausweis und christlichem Zeugnis insgesamt 43 Joch Felder im "Werte von 7000 K! So sieht es mit dem „Wucher der jüdischen Kazaren" aus! Der König von Italien nnd das Minjan. In einer Plauderei über seine Eeise nach Italien gibt Max Szabolcsi eine Unterhaltung mit dem Oberrabbiner von Eom wieder und erzählt da u. a: Es war nach der Geburt des jetzt dreijährigen Kronprinzen. Der Eabbiner hatte dieses Ereignis beim Gottesdienst gewürdigt und wurde daraufhin zur Audienz befohlen. „Ich wollte Ihnen" — das war die Begrüßung — „meinen innigen Dank für den schönen Gottesdienst ausdrücken. Ihre Gemeinde war die erste in Italien, die für den Kronprinzen betete". Der Eabbiner sprach mit Innigkeit den Segen über den König, der beim Schluß „Amen" sagte und dem Eabbiner einen Stuhl anbot. Dann schlug der König - einen ganz intimen Ton an und fragte den Eabbiner zu seiner größten Überraschung: „Nicht wahr, es war bei xüeser Gelegenheit mehrfach „Minjan" in der Synagoge?" Die Verwunderung des Eabbiners machte Sr. Majestät sichtlich Vergnügen und, ohne eine Antwort abzuwarten, setzte der König fort: „Ich sehe, daß es sie überrascht, daß ich weiß, was „Minjan." ist. Ich will Ihnen erzählen, wie ich das erfahren habe. Zur Zeit, da ich noch junger Offizier in der .Turiner Garnison war, begegnete mir eines Morgens General Ottolenghi, der mein unmittelbarer Vorgesetzter war. Er machte auch sonst nieht das freundlichste Gesicht; diesmal aber überbot er sich; er war grimmig. „Was geht vor? General! Warum so mißmutig?" Worauf er mir antwortete: „Ich habe mich über die hiesige Judenschaft außerordentlich geärgert. Ich war in der Synagoge und konnte nicht beten; ich hatte kein Minjan." „Nun, warum haben Sie sich keins mitgebracht", fragte ich ganz naiv. „Hoheit denken, wie es scheint", — klärte mich der General auf — „daß Minjan ein Gebetbuch sei. Dabei ist es ganz was anderes. Es besteht aus zehn erwachsenen Männern. Sind diese nicht beisammen, kann man keinen öffentlichen Gottesdienst halten". Damals habe ich erfahren, was das ist." Der König erzählte dann weiter, daß Ottolenghi — wie er dies später erfahren hat, — immer, wenn es nur anging, die Synagoge besuchte, und daß er dabei einer der tüchtigsten Generäle der italienischen. Armee gewesen ist. „Ich habe den Alten geliebt" — sagte er zum Schluß — „er war streng, aber gerade denkend, fromm und edelsinnig" . Arabische Ueberfälle auf eine jüdische Kolonie in Palästina. Aus Haifa geht der „N. J. K." über die Ueberfälle auf eine jüdische Kolonie folgender Bericht zu: Das gefährliche Spiel, das manche Eeaktionäre in Palästina und Syrien aufgenommen haben, um Unruhen im Lande hervorzurufen und im Trüben fischen zu können, deginnt Erfolge zu zeitigen. Vor einigen Monaten wurde der Deutsche Fritz Unger, eines der angesehensten Mitglieder der deutschen Gemeinde in Haifa, vor den Augen des deutschen Konsuls in Haifa und einiger höherer türkischer Beamter von Fellachen erschossen. Kurz darauf wurde ein deutscher Oberlehrer, der ruhig in Haifa spazieren ging, von einem arabischen Individuum überfallen und durch einen Messerstich so gefährlich verletzt, daß er Palästina verlassen mußte, um in Deutschland Heilung zu suchen. Seit dieser Zeit mehren sich im Distrikte Nazareth-Haifa die Ueberfälle, denen schon mehrere Menschenleben zum Opfer gefallen sind. "Die Lokalbehörden geben sich mitunter Mühe, die traurigen Vorfälle zu. verhindern, was nützt dies aber, wenn die Verhetzung andauert und die friedlichen Bauern, die noch nicht erfaßt haben, was der neue konstitutionelle Zustand bedeutet, irregeführt werden. Vor einigen Wochen wurde in der Nähe einer jüdischen Kolonie ein Wächter erschossen und bald darauf ein alter Kolonist schwer verwundet. Am 25. Mai überfielen wiederum zehn Fellachen aus dem Dorfe Solem bei Nazareth einen Wächter der Kolonie Phule und schössen mehreremale auf ihn. Der Ueberfallene verteidigte sich in der Kotwehr und traf mit einem Eevolverschuß einen seiner Angreifer. Die Polizei aus Nazareth und Haifa intervenierte sofort, um den in solchen Fällen gewöhnlich ausbrechenden Streit zwischen den Nachbardörfern zu verhindern. Eadikale Abhilfe wird jedoch nur dann geschaffen werden können, wenn der gefährlichen provokatorischen Arbeit und der Verhetzung der einheimischen Bevölkerung gegen die Europäer ein Ende gemacht wird. Hoffentlich gelingt dies der Eegierung, die doch das ernste Bestreben hat, Euhe und Frieden im Lande aufrecht zu erhalten. Nene Schikanen gegen die rassischen Juden. Der Hilfsverein der deutsehen Juden erhält folgendes Telegramm : . Petersburg, 9. Juni. Die Söhikanierungen durch die Polizei, denen die russischen Juden in allen Provinzen Eusslands fortdauernd ausgesetzt sind, greifen nunmehr auch auf die Hauptstadt Petersburg über. Die Polizei dringt in später Nachtstunde in die Wohnungen angesessener jüdischer Bürger ein und nimmt „Eevisionen" vor, ob nicht irgend jemand ohne Wohnrecht sich im Hause befinde. Diese in Petersburg bisher in solchem Umfange

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