Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 136 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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136 Jllustr. Monatsh. für die gef. cher an Sachs, den poesiereichen und wortgewaltigen Vorkämpfer des stabilen Systems. Holdheim hatte an Sachs keinen schwachen Gegner. Seine Hauptthätigkeit neben der Predigt blieb auch hier die literarische Thatigkcit. Im Jahre 1850 erschien seine Schrift über die „gemischten Ehen zwischen Juden und Christen", die sehr viel Sensation erregte. Durch diese Lchrift hatte Holdheim die Loslösung von dem alten orthodoxen System des Judenthums vollendet, daher auch mit seiner eigenen Polemik gegen den Talmud und mit der Aufstellung des eigenen Systems abgeschlossen. Von nun an war er mehr bestrebt, die positiv zu erhaltenden Sätze des alten Glaubens auf die Höhe des ncuerrungenen Princivs zu stelleil. Zu kämpfen gab'Z nicht mehr viel, nur noch zu erhalten. Er arbeitete für die Religionsschule ein Büchlein aus: „Religions- und Sittenlehren der Mischna. Zum Gebrauch beim Schulunterricht in jüdischen Religionsschulen" (Berlin 1854), durch welches die Zöglinge mit der nachbiblischen religiösen Entwicke-, lung des jüdischen Volks bekannt gemacht werden sollten. Das Wirken an der Religionsschule war ihm überhaupt ein sehr angenehmes. Mehr sür die reifere Jugend als sür die eigentlichen Schüler schrieb er drei Jahre später ein größeres Religionsbuch: „ nr-nz Jüdische Glaubens- und ' Sittenlehre. Leitfaden beim Religionsunterricht der jüdischen Jugend. Zunächst für die Religionsschule der jüdischen Reformgemeinde zu Berlin." (Berlin 1857). Außerdem schrieb er über Religionsunterricht einige-Ansätze, so z. B. „Ueber den verbesserten Religionsunterricht" im Jahre 1858 nnd zwei Jahre später: „Etwas über das gegenseitige Verhältniß zwischen der religiösen und der allgemein wissenschaftlichen Erziehung und Bildung." Diese Aufsätze erschienen in den Programmen, welche die Religionsschule der jüdischen Reformgemeinde alljährlich veröffentlicht. Dabei arbeitete er immer an der Vereinfachung des Cultus. Er ver- -faßte Gebete und Gesänge, zunächst für die hohen Festtage: „Gebete und Interessen des Judenthums. Gesänge sür das Neujahrs- und Versöhnungsfest zum Gebrauch für die öffentliche und häusliche Andacht jüdischer Reformgemeinden" (Berlin 1859). Er trat zwar noch als Kämpfer auf, aber weniger nach innen als nach außen hin. Eine damals erschienene Schrift von Stahl gab ihm Veranlassung zu der Gegenschrift: „L-tahl's christliche Toleranz, beleuchtet von Samuel Holdheim" (Berlin, 1856). Auch gegen die indifferente Vermischung von Glaube und Unglaube, gegen die Verwechselung von Principlosigkeit und religiöser Freiheit erhob er noch seine Stimme und schrieb das Buch: „Moses Mendelssohn und die Denk- und Glaubensfreiheit im Judenthum. Mit besonderer Beziehung auf die Confirmation" (Berlin 1859). Endlich versuchte er sich noch auf dem Felde der Geschichte, und so entstand seine „Geschichte der Entstehung und Entwickelung der jüdischen Reformgemeinde in Berlin. Im Zusammenhang mit den jüdisch - reformatorischen Gesammtbestrebungen der Neuzeit" (Berlin 1857). Ferner ein in hebräischer Sprache geschriebener Versuch über die Ehe nach den Grundsätzen der Rabbaniten und der Karäer. Immer mehr und mehr aber cvncentrirte sich seine Hauptwirksamkeit in seinen Predigten; ihnen wandte er einen zunehmend verstärkten Eifer und Fleiß zu. Unter seinen gedruckten Predigten sind besonders die drei Bände zu nennen, welche unter dem Titel: „Neue Sammlung jüdischer Predigten" herauskamen, und von denen der erste Band 1852, der zweite 1853 und der dritte 1855 erschien. Die letzte Predigt, welche er für den Neujahrstag 1860 ausgearbeitet hatte, konnte er leider nicht inehr halten, da ihn inzwischen der Tod 'ereilte. Am 22. Aug. 1860 erlag fein kränklicher Körper einem Uebel, welches er vergeblich durch Badecuren und andere Heilmittel zu beseitigen suchte. Die vorstehenden Daten aus dem Leben und Wirken des jüdischen Reformators Samuel Holdheim sind dem hier in der Ueberschrift angezeigten Buche von 1)r. I. H. Ritter, und nicht