Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 137 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Judenthum und seine Geschichte. 137 selten wörtlich, entnommen. Ueber Holdheim selbst werden wir uns eines jeden Urtheils enthalten. Holdheini gehört zu jenen Erscheinungen, an denen man nicht gleichgültig vorüber kann, man muß ihn hassen oder lieben, bewundern oder verdammen. Je nach den religiösen Anschauungen, von denen der Beschauer dieses Bildes selbst erfüllt ist, wird auch sein Urtheil über Holdheim ein begeistertes oder wegwerfendes sein. Der Verfasser des in Rede stehenden Buchs, Hr. l.w. Ritter, der als Lehrer an der Religionsschuie der Berliner Reformgemeinde lange Zeit ein Amtsgenvsse Holdheim's war, gehört zu dessen begeistertsten Verehrern. Er bringt also zur Zeichnung der Persönlichkeit jene Liebe und Hingebung mit, welche wir von einem Biographen in erster Linie zu fordern berechtigt sind. Wir haben bei unserm Auszug namentlich nicht versäumt, die Werke, die Holdheim durch die Zeit seiner reformirenden Thätigkeit veröffentlicht, genau mit Angabe von Ort und Jahreszahl anzugeben, um die für Holdheim sich näher interessirenden Leser in den Stand zu setzen, sich bas Bild des Mannes aus dessen Werken selbst zusammenzusetzen. Aber nicht jedermann hat Zeit und Muße, sich einer solchen geistigen Arbeit zu unterziehen, und doch 'wird ihm ,'ein Lebensabriß des Reformators nebst einer Darstellung dessen, was der Vielgeschmähte eigentlich gewollt, nicht unwillkommen sein. Ihm kann Ritter's hier genanntes Buch als Führer dienen. Ritter hat sich seiner Aufgabe mit großem Fleiß hingegeben, und wenn auch die Ausführung manches zu wünschen übrig läßt, so wird man doch immerhin sein Buch mit Interesse lesen und nicht unbefriedigt aus der Hand legen. Zu bemerken ist noch, daß Ritter's Darstellung von Holdheim's Leben eigentlich einen Bestandtheil eines größern Ganzen und zwar den dritten Theil einer „Geschichte der jüdischen Reformation" bildet, deren erster Theil Mendelssohn und Lessing, deren zweiter Theil David Friedländer zum Gegenstände hat. DilL MeHnm Mi> Seim Geschichte. Zweite Abtheilung: Ben der Zerstörung des zweiten Tempels bis znm Ende des 12. Iahrbundens. Nebst einem An hange: Offenes Sendschreiben an Hrn. Professor l)r. Hottzmann, von vr. Abraham Geiger, Rabbiner der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. Breslau, Schlotter, 186ü. 8. Der Würde der Wissenschaft gemäß geht in unserer Zeit das Streben der Geschichtsforscher dahin, sich bei der Auffassung und Beurtheilung der von ihnen in Betracht zu nehmenden Objecte jeder Parteiliebe und blinden Anhänglichkeit an hergebrachte Anschauungen zu entschlagen, jede Absicht und Rücksicht von sich fern zu halten, nicht nur an die Duellen, sondern auch an die eigene Stimmung und Erkenntniß den Maßstab einer strengen Kritik zu legen, damit die Geschichte durch ernstliche Prüfung und reifliche Beurtheilung von falschen Beimischungen gereinigt, in das rechte Licht gestellt, in ihrer ursprünglichen Wesenheit, ihrer innern Wahrheit und ungetrübten Wirklichkeit erkannt werde. Gelten diesem Ziel die vielen eingehenden und sogar ins Kleinliche sich versenkenden historischen Arbeiten unsers Jahrhunderts, hat die Geschichtsforschung durch den Vorsatz, nur diese Richtung zu verfolgen, diesen Zweck zu erreichen, besonders in den letzten vier Jahrzehnten einen Ungeheuern Aufschwung genommen, so ermangelt, wie die Vorgänge der neuesten Gegenwart sattsam belehren, die Betrachtung und Beurtheilung jener Persönlichkeiten, Thatsachen, Volkscharaktere lind Zeitrichtungen, deren Bedeutung und Einfluß in unserer Zeit noch geltend sind, noch immer jener objectiven Ruhe und jenes Gleichmuthes, die vor ihren eigenen Ergebnissen nicht zurückschrecken, läßt man sich in der Kritik der bestehenden Ansichten und Meinungen, die durch Gewohnheit und Herkommen eine unverbrüchliche Heiligkeit erlangt haben, in denen die politischen und religiösen Zustände unserer Zeit ihre Wurzeln und Stützen haben, noch immer gern von Rücksich-