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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-11-01 · Heft 2 (November 1865) · p. Seite 135

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 2 (November 1865)
Date
1865-11-01
Page
Seite 135 (sequence 55)
Language
German
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Samuel Holdheim. 135 nicht die allgemeine Zustimmung; es wurde gegen dieselbe protestier, ein Schritt, der keine Berücksichtigung fand. Hierdurch waren die Freunde des Fortschritts in zwei Parteien gespalten. Einer der begabtesten Reformfreunde war Or. S. Stern, ein anderer, der früher schon genannte Bernstein, und diese beiden wirkten unermüdlich. Am 2. April 1845 ward von ihnen und andern Gleichgesinnten ein Aufruf erlassen und hiemit die Genossenschaft für Reform im Judenthum gegründet. Am 8. Mai constitnirte sich die neue Gemeinde und das Bedürfnis; nach einem entsprechenden Cnltus wurde laut. Man lud Prediger ein, den Gottesdienst durch das freie Wort zu beleben. Unter den theologischen Gästen, welche der Einladung folgten, befand sich auch Hvldheim, welcher am 2. April 1846, also am Jahrestage des erlassenen Aufrufs, das für einen ständigen Gottesdienst bestimmte HauS einweihte. Wenn irgendeiner unter den damaligen Rabbinern Deutschlands, so war .Holdheim durch sein ganzes bisheriges Auftreten, durch die geoffenbarte Denkweise, durch den energischen Charakter seiner reformirenden Thätigreit zum theologischen weiter der neuen berliner Cultusgemeinde wie geschaffen. Holdheim gehörte zur berliner Reformgemeinde und die Gemeinde zu ihm. Das fühlte man. Anfänglich hatte man zwar auf Geiger das Hauptaugenmerk gerichtet. Geiger selbst aber schien ein Wirkungskreis in einer Privatgesellschaft, die als religiöse Genossenschaft außerhalb des Gemeindelebens steht, zu klein; eine solche Stelle anzunehmen verhinderte ihn sein voller Zusammenhang mit der gesammten Judenheit der Gegenwart und der Vergangenheit. Anders war dies bei Holdheim. Für ihn schien es gerade einen besonder« Reiz zu haben, einer Gemeinde als religiöser Leiter vorznstehen, deren Mitglieder der Mehrheit nach den geistigreligiösen Kampf, den er selbst kämpfte, mitzukämpsen muthig und entschlossen waren, und so nahm er denn die ihm laut Beschluß vom 10. Sept. 1846 übertragene Stelle als Rabbiner und Prediger der Genossenschaft für Reform im Judenthum an. Infolge dieser Annahme entstand der Aussatz: Die Aufgabe des Rabbiners einer Genossenschaft für Reform im Judenlhum" („Resormzeitung", 1847, Rr. 7s. Roch vor seinein Antritt betheiligte er sich bei der Gründung der Religionsschule, und am 10. April 1847 kam er von Schwerin berüber, um die Eiuweihungsrede zu halten. Bald sollte er. ganz nach Berlin übersiedeln, um seine neue Stellung anzutreten. Am letzten Sabbat des August 1847 bielt er in der Synagoge zu Schwerin seine Abschiedspredigt. Rach der Predigt wurde eine Gedenktafel enthüllt, die Vie Inschrift trug: „I)r. Samuel Holdheim, Landes rabbiner von Micbaelis 1840 bis Michaelis 1847, setzte sich durch seine Bestrebungen für Religion, Gotteshaus und Scbule ein unvergängliches Denkmal." So schied .voldheim nach siebenjähriger fruchtbringender Dhütigkeit aus dem liebgewordenen Wirkungskreise. Er schied von einer staatlich anerkannten Gemeinde, um in Berlin an die Spitze eines neugebildeten Privalvereins zu treten. Holdheim mußte sich vor allem über die Forderungen des Resormvereins klar werden. Stern und Bernstein hatten die Principien ausgearbeitet und die Arbeit ihm nach Schwerin übersandt. Nun entwarf auch er eine ähnliche Darlegung: „Die Religionsprincipien des refvrmirten Judenthums entworfen und den Reformgenossenschaften zur Prüfung und Annahme empfohlen" (Berlin 1847s. Sie enthalten „eine systematische Zusammenstellung der wissenschaftlichen Resultate und Ueberzeugungen" seiner bisherigen Forschungen auf dem Gebiet der jü dischen Theologie. So ward er der Paulus des refvrmirten Judenthums. Er begeisterte sich für seine Auffassung bis zu solchem Ueberzeugungsgrade, daß er auch die beruhigenden Vernunstgründe und Erörterungen der Freunde nicht zu beachten im Stande war. Er hat der Sache der Reform Gegner aber auch überzeugte Freunde verschafft. Die der alten Richtung treu Gebliebenen betrachteten die Reform als einen qualificirten Abfall vom Judenthum, und sie scharten sich um so anhängli-

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