Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 134 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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134 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. monialgesetz im Messiasreich" (Schwerin und Berlin 1845). In diese Zeit, und zwar in die Jahre 1844—1846, fällt ein sehr wichtiges Moment, an welchem sich auch Holdheim sehr betheiligte: die Rabbinerversammlungen. Als der eigentliche intellectuelle Urheber dieser Versammlungen muß Geiger betrachtet werden, wenn auch Philippson das factische Zusammentreten bewirkte. Die erste Rabbinerversammlung ward in Braunschweig vom 12. bis zum 19. Juni 1844 abgehalteu. Die Tendenz derselben war Fortbildung des Judeuthums und Belebung des religiösen Sinnes. Ein Manifest von 77 Rabbinern gegen die Versammlung hatte keine große Wirkung. Ein stärkerer Gegner war wieder Z. Frankel. Dieser hat über die damals schwebenden Fragen, über Holdheim's Stellung zu denselben und über die Rabbinerversammlung seine Meinung in mannichfachen Aufsätzen abgegeben, und Holdheim ist ihm darauf die Antwort nicht schuldig geblieben. „Die erste Rabbinerversammlung und Herr I)r. Frankel" war diese Antwort. (Schwerin lind Berlin k845). Am 8. März 184-7 erließ der Ausschuß der zweiten Rabbinerversammlung, Leopold Stein, an der Spitze die Aufforderung zur Theilnahme in Frankfurt a. M. für den 15. Juli. Inzwischen veröffentlichte Holdheim seine Vorschläge zur Reform des jüdischen Ehegesetzes und manche Studien über den Charakter des jüdischen Eides, wozu ihm die Arbeiten der ersten Versammlung Anlaß boten. Die Zahl der Anwesenden bei der zweiten Versammlung war gewachsen; eine neue Principienfrage kam nicht zur Sprache. Die dritte Rabbinerversammlung fand unter Geiger's Auspicien in Breslau statt "vom 13. bis 24. Juli 1846. Auf eine sehr starke und kühne Weise hat Holdheim sich in seinen „Offenen Briefeil über die dritte Rabbinerversammlung" („ Israelit", 1846, Nr. 46—48) über die schwächliche und genirte Haltung der Majorität ihrer Mitglieder in der Sabbatfrage vernehmen lasseil. Es ist wol selbstverständlich, daß ein Geist wie Holdheim infolge der von den Rabbinerversainmlungen berathenen Gegenstände zu Nachdenken und zu weiterer literarischer Thätigkeit vielfach angeregt wurde. So entstand infolge der Abfassung des „Kol nidre" der Aufsatz: „Was lehrt das rabbinische Judenthum über den Eid?" („Israelit", 1844, Nr. 35). Diese Schrift gab wieder Anlaß zu einer großen Polemik. Nächst dem Eid waren es die Ehegesetze, welche Holdheim am meisten beschäftigten. Seine „Vorschläge zu einer zeitgemäßen Reform der jüdischen Ehegesetze" (Schwerin 1845) übergab er als Entwurf der zweiten Rabbinerverfammlung zur Prüfung. Diese Frage führte ihn auf die weitere Frage über die Stellung des weiblichen Geschlechts im Judenthum, und so entstand die Schrift: „Die religiöse Stellung des weiblichen Geschlechts im taimudischen Judenthum" (Schwerin 1846). Ein weiterer Punkt seiner Aufmerksamkeit war der öffentliche Gottesdienst, der Cultus. „lieber die Principien eines dem gegenwärtigen Religionsbewußtsein entsprechenden Cultus" hat er sich im „Israelit") 1846, „Literaturblatt", Nr. 8—13 und 24—31, ausgesprochen. Endlich gehörte zu den Fragen, welche der Rabbinerversammlung Vorlagen, und mit denen Holdheim sich damals beschäftigte, diejenige über die fernere Verbindlichkeit der zweiten Festtage. Hierüber hat er seine Meinung vorläufig blos in einem Privatgutachten an die teplitzer Gemeinde, welche sich im Mai 1846 direct an ihn gewendet hatte, abgegeben. Inzwischen hatte sich in Berlin eine große reformatorische Bewegung vorbereitet. Zwanzig Jahre waren vergangen, seitdem das Machtgebot Friedrich Wilhelm's III. den Jakobson- Beerschen Tempel hatte schließen lasseil. Infolge des mit Friiedrich Wilhelm IV. eingetretenen Systems, welches in Breslau für den Fortschritt günstig entschieden hatte, wurde endlich in Berlin auch der Versuch erneuert, den Vertretern des Fortschritts Gehör zu schaffen. Man berief Z. Frankel hierher. Dieser lehnte ab. Man wählte nun den Prediger aus Prag vr. Michael Sachs. Diese Wahl hatte aber