Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 2 (November 1865)
- Date
- 1865-11-01
- Page
- Seite 131 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Samuel Holdheim. 131 thum eine Religion sei, welche die Abwehr jedes Meinungszwanges in sich trage; mit dem zweiten hingegen gelangte er zu dem Resultat, daß das alte Gesetz gar wol in Einklang stehe mit den Forderungen des modernen und nach Principien der Bildung errichteten Rechtsstaates. Im Jahre 1840 erschien von ihm die erste Schrift im Buchhandel: „Der religiöse Fortschritt im deutschen Judenthum. Ein friedliches Wort in einer aufgeregten Zeit." (Leipzig 1840). Die leipziger Universität promovirte den Verfasser zum Doctor der Philosophie und die Anerkennung seiner Leistungen fand immer mehr Boden und Verbreitung. Stimmen wie Jost wiesen auf ihn als auf eine wichtige Autorität hin, wenn es sich um die Vertheidigung neuer Einrichtungen lind um die Aufhebung alter Misbräuche handelte. Ja der „Orient" (1840, Nr. 35, 36, 37, 39, 47, 49, 50) beschäftigte sich eine ganze Reihe von Nummern hindurch mit den „gottesdienstlichen Vorträgen" Holdheim's, um aus ihnen die Gesetze der Homiletik herzuleiten. — Noch sind aus jener Zeit zwei gedruckte Predigten zu erwähnen, von denen die eine als „Gedächtnißrede zu dem glorreicheil Andenken Sr. Hochseligeu Majestät des Königs Friedrich Wilhelm III. in der Synagoge zu Frankfurt a. O. am 23. Juni 1840" gehalten wurde, während die andere: „Des Israeliten geistlicher Beruf und seine Stellung in unserer Zeit. Ein Zuruf au die israelitische Gemeinde daselbst" die letzte Predigt war, die er in Frankfurt a. O. gehalten und mit der er von seiner Gemeinde den 15. Aug. 1840 Abschied nahm. Holdheim stand hier noch ganz auf dem Standpunkt der Altrabbinen, d. h. er hat genau nach dein religiösen Codex sein Amt verwaltet; dennoch fühlte er, obwol er hier noch gar nicht als Reformer auftrat, die Unmöglichkeit, länger einer Gemeinde vorzustehen, welche auch für die dringendsten Forderungen ihrem größeren Theil nach keinen Sinn hatte lind der er mit seinen lebendigsten Interessen entwachseil war. So schied er nach vierjähriger Amtswirksamkeit aus Frankfurt a. O. In Mecklenburg - Schwerin wurde den Juden im Jahre 1839 eine neue gesetzliche Ordnung gewährt. Der Großherzog genehmigte ein Statut für die allgemeinen kirchlichen Verhältnisse der israelitischen Unterthanen, an deren Spitze ein Oberrath gestellt ward. Dahin wurde Holdheim als Landrabbiner berufen, und am 19. Sept. 1840 ward er feierlich in sein Amt eingeführt. Vor allem lenkte er, wie er dies früher auch in Frankfurt a. O. gethan, seinen Blick aus den Jugendunterricht. Am 10. Jan. 1841 fand die feierliche Eröffnung der durch Holdheim's Bemühungen gegründeten Gemeindeschule statt. Nach dein Muster der würtembergischen entwarf Holdheim seine Synagogenordnung, welche in allen Landesgemeinden eingeführt und freudig begrüßt wurde. Einen mehr als gewöhnlichen Eindruck übte auf Holdheim ein Besuch des Hamburger Tempels. Die Anregungen, welche er hier empfangen hatte, fanden Ausdruck in dem Aufsatz: „Der neue israelitische Tempel zu Hamburg" („Annalen", 1841, Nr. 45,46.). In diesem Aufsatze spiegelt sich bereits ein großer Umschwung ab, der mit Holdheim vorgegangen war. Man kann diesen Aufsatz als die Grundlage und das Programm für seine künftige Laufbahn ansehen. Hier trat er bereits reformatorisch auf, weun auch nur erst theoretisch; ein weiterer Schritt, dem schon praktische Bedeutung beigelegt werden kann, war sein Gutachten: „lieber das Gebetbuch nach dem Gebrauch des neuen israelitischen Tempelvereins zu Hamburg," (Hamburg, Berendsohn, 1841). Noch entschiedener sprach er sich über denselben Gegenstand aus in der Schrift: „Verketzerung und Gewissensfreiheit. Ein zweites Votum in dem Hamburger Tempelstreit". Sie erschien 1842. Die Schrift ist eigentlich eine Antwort auf eine anonym erschienene Abhandlung: „Jude und Nichtjude" (Amsterdam 1842). Holdheim's Antwort ist daher polemisch gehalten, und es ist in Bezug auf Ausdrucksweise in ihr zum ersten mal jene Axt von Witz und neckendem Ton angewendet, die er später oft als Waffe s*