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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-11-01 · Heft 2 (November 1865) · p. Seite 130

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 2 (November 1865)
Date
1865-11-01
Page
Seite 130 (sequence 50)
Language
German
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130 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. SMMl Wdhckn. Sein Leben und seine Werke. Ein Beitrag zu den neuesten Reformbestrebungen im Judenthum, von Dr. Immanuel Heinrich Ritter. Berlin, W. I. Peiscr, 1865. Samuel Holdheiin wurde im Jahre 1806 zu Kempen im Großherzogthum Posen geboren. Man wußte freilich bei der Geburt dieses Kindes noch nicht, daß es auch zu Kämpfen geboren fei; denn feine Erziehung war eine streng orthodoxe, und er ist es, der später als einer der thätigsten und eifrigsten Reformatoren im Judenthum auftrat. Der Knabe wuchs heran in der Atmosphäre des massenhaft häuslichreligiösen Ceremonials und konnte lange nur ganz heimlich deutsche Bücher lesen. Der Talmud war nicht nur sein Hauptstudium, sondern seine einzige Beschäftigung; nicht einmal die Grammatik der hebräischen Sprache war in das Programm des Unterrichtsstoffs für den Knaben ausgenommen. So bildete er sich frühzeitig zu einein gewandten und fertigen Talmudisten heraus. Er wurde nicht nur ein sogenannter „guter Lerner", sondern hatte auch bereits im Disputiren eine große Hebung erlangt. Die erste Gelegenheit, die geeignet war, die Aufmerksamkeit der ganzen jüdischen Gemeinde seines Geburtsortes auf sein Talent und Wissen hinzulenken, war folgende: Im Beth Hamidrasch (Lehrhaus) saßen die Koryphäen der talmudischen Gelehrsamkeit rings um den Rabbiner versammelt, in weiterer Entfernung die jüngern Männer, als es sich um eine bedeutsame und zugleich höchst verwickelte Frage handelte, die bereits vielfach beleuchtet worden war, ohne ihre genügende Beantwortung finden zu können. Da erhob, auf einen Hinte» stehenden Sessel gestiegen, der kaum d'en Knabenjahren entwachsene Holdheim seine Stimme, legte erst schüchtern, dann immer muthiger, trotz zahlreicher Einwendungen,...den richtigen Gesichtspunkt vor Augen und knüpfte daran zul' Verwunderung aller die einzig durchschlagende Lösung. Non dieser Zeit datirte sein Ruf als gewandter und schagsertiger Talmudist, von dem man für die Zukunft Großes erwartete. Holdheim verließ seine Heimat und lebte nacheinander in mehrere Städten der Provinz und des Auslandes, wo er durch Unterricht seinen Unterhalt fristete. Sein Blick fing an sich zu erweitern; er sah, daß es außer dem Talmud noch andere wissenswerthe Dinge gebe. Und beeilte sich, mit diesen Bekanntschaft zu machen. Er ging nach Prag, später nach Berlin und arbeitete mit großem Eifer an seiner Ausbildung. In Prag hat Samuel Landau großen Einfluß auf ihn geübt. Zn Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre unsers Jahrhunderts finden wir Holdheim sogar in Proßnitz in Mähren, wo damals der nachherige Landrabbiner von Mähren, Nehemias Trebitsch auf dem Rabbinatsstuhl saß, und wo sich Holdheim selbst zum Rabbinat vorbereitete. Im Jahre 1836 erhielt er solches nach mehrern anderweitigen, mißlungenen Versuchen zu Frankfurt a. O. Damals hatten die Rabbiner in Preußen eine ziemlich unwürdige Stellung. Sie wurden weniger als Lehrer, denn als Neligionswächter angesehen. Holdheinis Bestreben ging nun vor allem dahin, diesen Zustand womöglich zu beseitigen. Dies that er nach außen hin, indem er der Regierung kräftige Vorstellungen machte, nach innen hin aber, indem er auf seine Gemeinde durch das belebende Wort, die Predigt, zu wirken suchte. Außer den Predigten lieferte Hold heim während dieser Zeit schon manchen schätzbaren Beitrag in die damals erscheinenden jüdischen Zeitschriften und wurde dadurch auch in die literarischen Kreise eingeführt. Die zwei wichtigsten Aufsätze aus jener Zeit sind: „Haben die Juden Glaubensartikel oder nicht?" („Allgemeine Zeitung des Judenthums" zweiter Jahrgang, 1838, Nr. 4—9) und „der Zeugeneid der Israeliten in Criminalfällen" („Israelitische Annalen", 1839, Nr. 30—32). In dem ersten der beiden Aufsätze bestrebte sich Holdheim zu zeigen, daß das Juden-

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