Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 308 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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308 Jllustr. Monatsh. für die gef. und Syrien zu Missionszwecken bereiste, sucht in einer Schrift nachzuweisen, daß die nestorianischen Christen, die der Lehre des 431 als Ketzer verdammten Nestorius folgen, und deren Zahl in Assyrien und Medien gegen 200000 betragen soll, Abkömmlinge der zehn Stämme seien. Nachdem er in Chalach das heutige Hatarah, nordwestlich von den Ruinen Ninives, im Chabor den Chaboras, Nebenfluß des Tigris, und in Gosan Zozan, wie die Nestorianer alle Hochgegenden Assyriens nennen, wo sie Weideplätze finden, erkannt haben will, stellt er zuerst die Beweise zusammen, daß die Juden nie aus ihrem assyrischen Exil zurückgekehrt seien. Unter anderm führt er zu diesem Zwecke auch an, daß der Kirchenvater Hieronymus im 5. Jahrhundert in seinen Anmerkungen zu Hosca sagt: „Bis zu diesen Tagen stehen die zehn Stämme noch unter der Herrschaft der Könige von Persien, und die Bande ihrer Gefangenschaft sind nie gelöst worden." Nachdem er sich auf die Aussage der Nestorianer selbst beruft, die, über ihre Abkunft befragt, sich Löhne Israels nennen, schildert Grant die Gebräuche der Nestorianer, von denen ich einige erwähnen will. Die Nestoriancr bringen gewöhnlich Opfer, um Gott für empfangene Wohlthaten zu danken oder neue Gnade bei ihm zu suchen. Das Thier wird dann gewöhnlich vor der Kirchenthür geschlachtet, wobei oft ein wenig von dem Blute an die Thürpfosten oder an die Oberschwelle gestrichen wird. Die rechte Schulter und die Brust gehören dem dienstthuenden Priester. Die unabhängigen Nestorianer bringen noch heute dem Herrn die Erstlinge dar. Die ersten reifen Früchte der Felder, Gärten und Weinberge werden Gott geopfert, ehe die Lese angefangen wird, von den Heerden, welche ihren eigentlichen Reichthum allsmachen, werden ebenfalls die Erstlinge als Gaben für den Herrn beiseite gethan. Sie kennen auch den Rüsttag des Sabbats. In Tijari finden sich Nestorianer, welche am Sabbat oder Sonntag kein Feuer zum Kochen der Speisen anzünden. Die Berührung einer Leiche macht unrein. . Interessen des Judenthums. Eine Frau darf, wenn sie einen Knaben geboren hat, vierzig Tage dieKirche nicht betreten; nach der Geburt eines Mädchens muß sie sechzig Tage fern bleiben. Sieben Tage ist sie völlig unrein und darf keine Speise, kein Geräth anrühren, außer was zu ihrem eigenen Gebrauche dient. Am achten Tage, nie früher, kann die Taufe stattfinden, da dieselbe an die Stelle der Beschneidung getreten ist. Schweinefleisch und andere im mosaischen Gesetze verbotene Speisen werden von vielen Nestorianern mit gleichem Abscheu betrachtet wie voll den Juden. Die Fasten halteil sie wie die alten Juden; sie fasten, wie die Pharisäer, zweimal die Woche. Unter den Festeil steht ihnen das Osterfest obeil an; sie nennen es mit dein alten Namen Pascha, und es wird großentheils nach den alten israelitischeil Vorschrifteil begangen, was überhaupt von allen ihren Feier- und Fasttagen gilt. Der Bluträcher vertritt bei den unabhängigen Nestorianern die Stelle der strafenden Gerechtigkeit im Falle von Capitalverbrechen. Die Kirchen sind die Freistätten, wohin der Todtschläger sich flüchtet, und wo er gesichert ist, bis die Nettesten Recht gesprochen habeil über den Fall. Wird von ihnen der Mensch des absichtlichen Mordes schuldig gefunden, fo wird er dem Bluträcher ausgeliefert, daß er ihn tödte. Wenn die Nestorianer trällern, streuen sie oft Erde auf ihr Haupt, zerreißen ihre Kleider, legen Sackleinwand an oder einen andern geringen Anzug und sitzen in Asche oder gehen an das Grab, um dort zu weinen. Die Hochzeitsfestlichkeiten dauern eine ganze Woche, und es findeil sich dazu, wie bei Simson, die- Gesellen des Bräutigams ein. Die Kinder werden unmittelbar nach der Geburt in kaltem Wasser gewaschen, mit feinem Salz über und über gerieben und dann in Windeln eingewickelt, ein Verfahren, das schon der Prophet Ezechiel kennt (16, 4). Dieß ist das Wesentlichste aus Or. Grant's Berichten über die Nestorianer. Auch in den Afghanen im inner»