Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 360 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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360 Höhle Heimkehle Höhle Heimkehle. Von Joseph Carlebach. .... Unter den fröhlichen Klängen des Posthorns sauste der gelbe Gesellschaftskraftwagen hinein in die prangende Landschaft des Harzes. Wieder breitete die Natur ihre ganze Sommerherrlichkeit vor uns aus, wieder erinnerten die Schiebtungen der Berge und die gewaltigen Felsblöcke der Klippenfelder an die unzähligen erdgeschichtlichen Probleme, die den Harz umgeben. Und die hohen Tannen, die so mancherlei grundstürzende Äenderungen im Bilde und Gefüge des Gebirgstocks gesehen hatten, wiegten bedächtig die hohen Wipfel. Froh wandte ich mich zu meinem jungen Freunde an meiner Seite, der mich zur Fahrt in die neuerschlossene Höhle am Südharz unablässig gedrängt hatte. Mit ihm als Schüler hatte ich vor Jahren die Hermannshöhle besichtigt, und die Eindrücke jener Stunden waren aus seinem Gedächtnis nicht verloren gegangen. In Erinnerung an unsere damaligen Erlebnisse wollte er durchaus gemeinsam mit mir auch die ״Heimkehle‘1 kennen lernen. ״Du siehst“, sagte ich, ״dein Wunsch war mir Befehl, ich folge dir wie Odysseus in die Unterwelt“. ״Ja, endlich wird es Wahrheit werden“, erwiderte er freudestrahlend, ״auf diese Stunde habe ich lange Jahre gewartet.“ Es ist etwas Eigentümliches, wie der gläubige Jude an die Natur herantritt. Gewiß weniger unbefangen als andere. Die große Tradition, die ihn im praktischen Leben bindet und den leicht beschwingten Fuß zurückhäit, macht ihn auch im Geistigen besinnlicher, vorsichtiger. Wenn die Welt schon jeden mit Rätselaugen anschaut und die Fragen des ״wie“ und ״woher“ sein Denken bewegen, so ist für den Juden die Erde zwiefach mit Problemen beschwert; und ganz besonders, wo in alten Gebirgen Erinnerungen an das Werden und Entstehen der Formen sich am deutlichsten vor Äugen stellen, gewissermaßen Zeugen der Urzeit sich in großartigen Ge-