Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 361 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Höhle Heimkehle 361 sraltungen lebendig erhalten haben, da steht vor des Juden /luge gleichzeitig seine ganze religiöse Ueberlieferung auf, die ihm durch immer erneute Erfahrung zur absoluten Gewißheit und Sicherheit geworden ist, die eine 4000jährige Geschichte bis auf das Letzte und Einzelne bestätigt hat; in seinen Äugen sehen sich dann Natur und Geschichte einander an, ob ihre Meldungen und Mitteilungen harmonisch ineinanderklingen oder ob sie in krassem gegenseitigen Widersprechen den Frieden des Denkens durch ihre Disharmonie uns rauben und erneutes Nachdenken, genaueres Verstehen des Sachverhalts heraus״ fordern, bis wir durch solch ein tieferes Eindringen den schein״ baren Widerspruch in uns aufgelöst haben. ,,Harmlos können wir Juden eigentlich niemals reisen, so sprach mein Begleiter, ganz meine eigenen Empfindungen wiedergebend. Treffen wir die großen Stätten der Geschichte, so hat jeder Ort uns ein Stück jüdischer Vergangenheit dar״ zustellen, und die Straßen und Häuser erfüllen sich mit den Gestalten unserer Ähnen. Und wo wir die Natur in ihrem Schaffen und Gestalten beobachten, da wird unser natur״ philosophisches Gewissen rege und macht den Kleinsten unter uns zum Forscher in den Fragen der Geologie. Ich glaube, wir müssen unserer Tauro dafür besonders dankbar sein. Wir können schlechterdings nicht gedankenlos durch die Fluren streifen, wir müssen stets den großen Gedanken der Schöpfung noch einmal denken. Uns muß daher eigentlich alles viel tie״ fer interessieren, und jeder Fortschritt der Wissenschaft er״ weitert von Religions wegen unser Weltbild.“ ,,Du hast Recht“, sagte ich, ,,und in dieser Beziehung wird die übrige Menschheit noch mancherlei lernen müssen. Die Menschen haben sich viel zu sehr gewöhnt, jedes Pro״ blem ganz für sich getrennt zu betrachten, nicht im Zusammen״ hang mit ihrer gesamten Weltanschauung. Sie können ihre Philosophie immer zu Hause lassen und mit leichtem geistigem Gepäck reisen; sie fragen sich nicht, wie weit das Gesehene und Erfahrene mit ihrem übrigen Weltbilde zusammenstimmt, werden dadurch so leicht kritiklos und nehmen alles als bare