Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 532 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2292929-2293057-2293063--10047-2303340- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
532 Seligmann Bär Bamberger זצ-ל Bayern und ganz Deutschland. Die Gründung des Würzburger Seminars war eine Tat von geschichtlicher Bedeutung, die persönlich um so höher zu werten ist, als sie eigentlich außerhalb der Sphäre lag, in der R. Seligmann Bär Bamberger bisher sein Lebensziel gesucht hatte. Verantwortlichkeitsgefühl und Scharfblick für die Forderungen der Zeit veranlaßten ihn zur Gründung der Anstalt, die ihm dann bis zu seinem Lebensende sein .Lieblingswerk blieb. Rabbiner Bamberger war kein freudiger Be jäher der harmonischen Synthese von Thora und Wissenschaft wie Rabbiner S. R. Hirsch, aber er erkannte die Notwendigkeit der allgemein wissenschaftlichen Bildung der deutschen Rabbiner und Religionslehrer1) an. Die verschiedene Einstellung zu dem Problem zeigte sich bei der Art der Lösung. Es ist wohl kein Zufall, daß Rabbiner Bamberger für seine Gemeinde sich mit der Elementarschule begnügte, während Rabbiner Hirsch seine Realschule gründete. S. R. Hirsch hielt die höhere Allgemeinbildung auch des jüdischen Kaufmannes für wünschenswert; Rabbiner Bamberger hielt das vom Staate geforderte Bildungsmaß für ausreichend und scheute vor einer Erweiterung zurück, die auf Kosten der den jüdischen Disziplinen gewidmeten Zeit gehen könnte. Vielleicht sprach bei ihm auch das Gefühl mit, daß höhere Bildung das Geistesleben des deutschen Juden stärker beeinflussen könne, als es dem religiösen Denken und Fühlen zuträglich ist. In seinen letzten Lebensjahren wurde R. Seligmann Bär Bamberger gegen seinen Willen in den Streit hineingezogen, ob der Austritt aus der Frankfurter jüdischen Gemeinde religionsgesetzlich geboten sei. Die Frage der Notwendigkeit des Austrittes aus einer jüdischen Gemeinde, die in flagranter Weise das Thoragesetz mißachtet, wurde im Jahre 1872 von fast 400 Rabbinen Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und *) Vgl. Offene Antwort *des Distrikts-Rabbiners Seligm. B. Bamberger zu Würzburg auf den an ihn gerichteten offenen Brief Sr. Ehrw. des Herrn S. R. Hirsch, Würzburg 1877, abgedruckt in Hirschs Ges. Schriften IV, S. 565.