Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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8 Von der Wurzel usw. überwinden gehabt. Nie sind sie ihm aber ans Leben gegangen. Die Sparen des Kampfes hätten dann doch einen stärkeren Niederschlag in der Literatur gefunden als wie sie uns heute gegeben sind. Die!Religionsphilosophen des Mittelalters und alle jüdischen Denker bis an die Schwelle des neunzehnten Jahrhunderts haben den Glaubenssätzen die mannigfachsten Auslegungen gegeben, Saadja und Gersonides bedeuten hier Gegensätze stärkster Art, aber auch diese beiden begegnen sich in der Ueberzeugung, dass ein jeder von ihnen die rechte Auffassung von dem Sinne der schriftlichen und mündlichen Lehre vertritt. Und an diesem Kriterium als dem entscheidenden wird eigentlieh noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts festgehalten. Auch die Reform, zunächst vorwiegend beeinflusst von praktischen Erwägungen, wie sie die Emanzipation nahelegte, schwankt keinen Augenblick in den theoretischen Begründungen ihrer wissenschaftlichen Vertreter, die Offenbarungsquellen unangetastet zu lassen, ja sie in ihrer Heiligkeit zu schützen. Wie tief gläubig ist selbst Samuel Hirsch, der radikale Reformer, in seiner »Religionsphilosophie der Juden‘, wie sehr bemüht sich S. L. Sternheim in der »Offenbarung nach dem Lehrbegriff der Synagoge* die Glaubenslehre auf eine sichere Grundlage zu stellen und Creizenachs umfassendes Werk »der Schulchan Aruch״ setzt sich ja recht eigentlich zum Ziele, den Nachweis zu führen, dass di• von der Reform erstrebten und durchgeführten Aenderungen sogar mit dem rechten Geiste talmudischen Schrifttums in Einklang zu bringen sind. S. Holdheim und viel tiefer und gründlicher A. Geiger bedeuten hier die entscheidende Wendung. Mit der ״Urschrift“ legt Geiger die Axt an die historische Auffassung von der Göttlichkeit der mündlichen Ueberlieferung, mit zahlreichen Abhandlungen geht er zur religionsgeschichtlichen Wertung der heiligen Schrift selbst über. Und für ihn und für seine Schul• ographenbücher in Verbindung und in Abhängigkeit von den philo- ■ophischen Schulen der Griechen zu bringen, darf ja heute wohl allgemein als misslungen angesehen werden.