Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Von der Wurzel usw. 9 ist dann für alle Folgezeit der Weg versperrt, ein untrügliches Kriterium für die Verbindlichkeit der jüdischen Glaubenswahrheiten und jüdischen Pflichten aufzustellen. War früher bei aller Mannigfaltigkeit in der Auffassung noch ein sicherer Leitfaden gegeben, stand früher auch für die, die sich von dem ursprüngliehen Sinn jüdischer Lehre und jüdischen Lebens entfernt, noch der Rückzug offen, konnte man früher bei aller leidenschaftlichen Bekämpfung sich noch auf einer Basis treffen, eben der Anr erkennung des Ausgangspunktes, so war jetzt dieser Weg abgeschnitten. Die subjektive Beurteilung des Einzelnen konnte jetzt nur dafür ausschlaggebend sein, welche Lehren als grundlegend und welche Pflichten als verbindlich anzusehen sind. Dies in das Subjekt verlegte Kriterium erhält dadurch keine bedeutungsvollere Note, dass ein übrigens innerhalb des Judentums schwer festzustellendes Gemeindebewusstsein massgebend sein soll. Es hilft nichts, wenn dieses Gemeindebewusstsein auf einen noch so grossen Kreis von Bekennern erweitert wird, wenn man etwa alle diejenigen, die sich innerlich von dem alten Offenbarungsbegriff getrennt, zu einer Einheit zusammenfasst und nun unternimmt, das, was all diesen an religiösen Empfindungen, an praktisch religiöser Betätigung gemeinsam ist, herauszustellen und als jüdische Religion zu bezeichnen. Und ebensowenig werden die Versuche zum Ziele führen, vom Kriterium des ,Wesens“ des Judentums auszugehen. Das auswählende Subjekt bleibt immer entscheidend für die Bestimmung des Wesentlichen. Willkür ist die Folge, und alle Orientierung an dem historisch Gegebenen und dem, was noch heute im Bewusstsein des Modernen ,lebt“ vermag den sicheren Ausgangspunkt, den der Glaube an die Tatsache der göttlichen Offenbarung gibt, nicht zu ersetzen. Wir kommen auf diesen Punkt weiter unten noch ausführlicher zurück. So ist das Judentum, das sich vom überlieferten Offenbarungsbegriff losgesagt, in der gleichen Lage wie der moderne Protestantismus. Tröltschs ,freie phantasiemässige Beweglichkeit* — übrigens ein klassischer Ausdruck für Verschwommenheit und Fehlen jeder Bindung auch hier! Eine ,ausserordentliche Ver-