Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Von der Wurzel usw. 7 Protestantismus, der die Bibel nicht mehr als Lehrurkunde behandelt und die religiöse Vorstellungswelt der Bibel als die von der Urzeit geprägten Symbole ihrer religiösen Gefühlswelt ansieht, gibt es kein Dogma im eigentlichen Sinne mehr, sondern nur Glaubensvorstellungen von freier phantasiemässiger Beweglichkeit, die von der wissenschaftlichen Glaubenslehre auf ihren gedanklichen und allgemeinen Gehalt gebracht und dadurch reguliert werden. Darin ist auch die ausserordentliche Verschiedenheit der protestantischen Glaubenslehren begründet, die heute durch kein gemeinsames Dogma, sondern nur durch eine rein praktisch-religiöse Grundhaltung begründet sind1״). * * * Im Judentum hat dieser Zersetzungsprozess eigentlich erst im vorigen Jahrhundert begonnen. Da die Sadduzäer, Karäer und die späteren Sekten von ephemerer Bedeutung waren, darf man von ihnen absehen. Es steht zum mindesten seit Esra der Offenbarungscharakter seines heiligen Schrifttums und die Verpflichtung auf die in ihm enthaltene Lehre fest — in diesem Zusammenhänge kommt es ja nicht darauf an, ob und wann Einzelnes für die Aufnahme in den Kanon noch umstritten war. Ebensowenig hat es in der Zeit der endgültigen Konsolidierung seiner Grundwahrheiten sich mit der Wissenschaft seiner Zeit auseinanderzusetzen brauchen 2). Häresieen hat es im Anfang zu י) Die Religion in Gesch. u. Gegenw. II 106. Es ist interessant mit diesen Ausführungen die Darstellung desselben Gegenstandes, s. v. Dogma von Stephan in der jetzt erscheinenden zweiten Auflage des Handwörterbuches (I Sp. 1963 f) zu vergleichen, wo diese pessimistische Auffassung gemildert erscheint. — Höchst eigenartig nehmen sich die Versuche aus, die dem Protestantismus trotz dieses Sachverhaltes eine feste Grundlage zu geben versuchen, vgl. Aug. Sabatier, Religions- Philosophie auf psycholog. u. christl. Grundlage S. 204—228, Georg Lasson, Zur Theorie des christl. Dogmas passim und die Einleitungen zu den verschiedenen Werken der Dogmengeschichte. 2) Der radikal bibelkritische Versuch David Neumarks in seiner »Gesch. d. jüd. Philosopie d. Mittelalters“ eine Dogmengeschichte auch für die Bibel zu konstruieren und die Anschauungen der Autoren der ,Schichten* im Pentateuch, der Propheten und der Verfasser der Hagi-