Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1927-09-01 · Heft 9-10 (September 1927) · p. Seite 469

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 9-10 (September 1927)
Date
1927-09-01
Page
Seite 469 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2293050-2293055--09254-2302539
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Schöpfung und Natur 469 treibt, ob — nicht die Millionen Jahre — aber die 5686 Jahre 80 gar keine Schwierigkeiten in der Wertung der Einzelheiten bieten, ob man da mit Gedanken vom Kusari und Samson R. Hirsch und Kant so ganz leichten Herzens hinwegvoltigieren kann. Joseph Carlebach hat in seinem kleinen Aufsatz ״In der Hermannshöhle0 (Jesch. I, S. 175ff.) denVersuch gemacht, für eine dieser Einzelheiten eine Lösung zu geben, mit Gedankengängen, die sich übrigens mit Ausführungen des Vfs. berühren. Aber es gibt noch vieles andere, das mit seiner überzeugenden Kraft — der Gläubige sagt freilich scheinbar überzeugenden Kraft an die Sicherheit experimentell nachgewiesener Wahrheiten heranreicht. Keiner, der von den Dingen seiner Fachwissenschaft das richtige, das in die Sache eindringende Wissen besitzt, wird es sich gefallen lassen, dass man von den aus ihr für den religiösen Besitzstand erwachsenen Problemen despektierlich redet. Sicher, die Problemstellungen haben jetzt einen anderen Charakter angenommen, und die Lösungen, die unsere jüdischen Religionsphilosophen und Exegeten zu geben versucht, sind für den heutigen Stand der Wissenschaft völlig unzureichend. Aber wie hat ihnen das alles schon in seiner weniger komplizierten Form zu schaffen gemacht, wie haben sie ihre ganze Lebensarbeit daran gesetzt, einen Ausweg zu finden, und was ist schliesslich der Sinn der ergreifenden talmudischen Erzählung von den vieren, die in den Pardes eingetreten, anders als der Ausdruck der tragischen Schicksalsbestimmung des Menschen, dem nicht nur im Reiche des Wollens, sondern auch in dem des Denkens eine unendlich schwierige Aufgabe gestellt ist, nur dass die Rätsel, in die ihn — sagen wir meinetwegen mit Kantischer Terminologie — der Gegensatz von Verstand und Vernunft verstrickt, viel schwerer aufgehen. Aber es wird stellenweise auch der Anschein erweckt als fehle die Ehrfurcht vor spezifisch religiösen Problemen. Ein solches ist z. B. das Problem der Theodicee der göttlichen Gerechtigkeit. Es zeugt von einer geringeren Inbrunst religiösen Fühlens im Verhältnis zu späteren Perioden, dass dies Problem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.