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Jeschurun · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 7

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Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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7 S. R. Hirsch und das gesetzestreue Judentum Erst die dritte Periode, beherrscht von den Namen Holdheim und Geiger, der erste der radikalere, der zweite besonnener und auch wissenschaftlich weit bedeutender, legt mit ihren Veröffentlichungen auch theoretisch die Axt an das, was fast zwei Jahrtausende hindurch als das historische Judentum gegolten hat. Geiger vor Allem hat die Ideologie des liberalen Judentums geschaffen. Geiger, rationalistisch und religionsgeschichtlich orientiert, erkennt im Pentateuch nicht eine übernatürliche Offenbarung an das jüdische Volk, deren Gesetzgebung darum für alle Zeit verbindlich wäre, sondern den Niederschlag einer Entwickelung des religiösen Volksbewusstseins im Verlauf einer langen Periode. Noch weniger erkennt er die Grundanschauung des gesetzestreuen Judentums von dem Alter der mündlichen Ueberlieferung an, die in ihren Grundzügen und wesentlichen Bestandteilen auf die Zeit Moses zurückgeführt wird. Der Inhalt von Mischnah und Talmud ist nach ihm eine völlige Neuschöpfung der Schriftgelehrten. Ist das jüdische Gesetz nach seinem ganzen Umfang ein Produkt der Evolution, so muss diese nach der langen Periode der Erstarrung von der Zerstörung des Tempels bis auf die Emanzipation wiederum zu ihrem vollen Rechte kommen. So wenig freilich nach Geiger eine Religion und am wenigsten die jüdische ohne bestimmte Formen, das bedeutet auch Satzungen, denkbar ist, so begrüssenswert es ist, wenn die historische Kontinuität gewahrt wird, so entschieden ist jede Formengläubigkeit abzuwehren, d. h. die Meinung, dass der Form an sich eine unbedingt verbindliche Kraft innewohnt. Wer durch seine sonstigen Pflichten oder durch den Drang des Lebens dazu genötigt wird, die biblisch - talmudischen Gesetze zu übertreten, wer mit dem Zeremonialgesetz bricht, weil es ihm an sich überholt erscheint, dem sei darum die jüdisch-religiöse Gesinnung nicht abzusprechen. Der Antagonist Abrah. Geigers ist nun Sams. Raph. Hirsch, den man für Deutschland als den Reorganisator des gesetzestreuen Judentums bezeichnen kann. Nicht etwa, als ob sich seine geistige Entwickelung, seine schriftstellerische

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