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Jeschurun · 1927-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1927) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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8 S. R. Hirsch und das gesetzestreue Judentum Tätigkeit, seine tiefgreifende Wirksamkeit in speziellem Gegensatz oder in Polemik gegen Abr. Geiger entfaltet hätte, S. R. Hirschs jüdische Welt- und Lebensanschauung war schon abgeschlossen, bevor Geiger mit seinen grundlegenden Schriften an die Oeffentlichkeit trat. Während sich Geiger manigfach gewandelt hat, bedeutet für S. R. Hirsch seine fast sechzigjährige überaus fruchtbare schriftstellerische Tätigkeit nur eine Entfaltung und Yariirung der Grundgedanken, die er in seiner Erstlingsschrift, 19״ Briefe über das Judentum“ ausgesprochen hat. Geschlossenheit der religiösen Anschauung, Festigkeit des Charakters, unerschütterliches Festhalten an dem bereits in jungen Jahren als wahr Erkannten, rühmen auch die Gegner an Hirsch. Und alle sind darüber einig, dass e r unter allen Studiengenossen auf Geiger den grössten Eindruck gemacht und den grössten Einfluss geübt. Zeuge des auch die Besprechung, die Geiger den ״Neunzehn Briefen“ zu Teil werden lässt. Bei aller prinzipiellen Ablehnung von seinem kritischwissenschaftlichen Standpunkt aus steht er nicht an ״mit dieser Schrift ein neues Stadium in der Entwickelungsgeschichte des Judentums beginnen zu lassen.“ Was ist das Neue an dem Auftreten Hirschs? — Dass er dem durch zwei Generationen seit dem Auftreten Mendelssohns immer mehr vorgeschrittenen Abfalle von der Väterweise in durchaus originaler, nie gekannter Eigenart entgegentrat. Was Hirsch vorfand, war die allgemeine Gärung in der jungen Generation, der Gegensatz zur Tradition, die Untreue gegen das altüberlieferte Judentum. Die Gemeindeverwaltungen, zumeist neolog, in fast allen grösseren Städten die geistigen Führer, die akademisch Gebildeten Anhänger der neuen Richtung, die Altgläubigen völlig wehrlos den Angriffen der Modernen preisgegeben, nur auf die Verpflichtung an das Althergebrachte pochend, ohne die Fähigkeit, seine Heiligkeit und Würde, seine Lebensnotwendigkeit für den Fortbestand des Judentums zu begründen. Worauf es ankam, war jetzt nicht den Angriffen apologetisch entgegenzutreten, mit schwächlichen Kompromissen zwischen Glaube und Wissenschaft die Gegner

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