Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1926)
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 448 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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448 Reform, eine historische Perspektive sprochenen Unterschied zwischen Ost- und Westjuden gab es damals noch nicht. Doch weil sich die Wege der mitteleuropäischen Juden von denen der osteuropäischen späterhin schieden, so betrachten wir zunächst die Bewegung in Deutschlands Es sei im V oraus bemerkt, dass es uns nur auf das Ideengeschichtliche ankommt. * * * Leopold Zunz, der Judentum und Juden zweifellos liebte, hat in seinem Werke die ״Gottesdienstlichen Vorträge der Juden“ 5), das die neuzeitliche jüdische Wissenschaft eröffnet, den Begriff der Reform als erster also definiert: ״Reform ist das Moment der jüngsten Generationen, deren Aufgabe es ist, in der politischen Stellung, in der Wissenschaft und der durch beide bedingten religiösen Form das wahrhaft Zeitgemässe zur Herrschaft zu erheben, die fortgeschrittenen Ideen durch Institutionen zu erhalten“. Und wenngleich die Zeit, in der Caesar Seligmann sein Buch ״Geschichte der jüdischen Reformbewegung“ schreibt, eine andere ist, er spricht genau dasselbe aus, wenn er als einer der jüngsten Ideologen der Reform sagt6), ״dass es sich nicht eigentlich um eine Re־form handelt d. h. Wiederherstellung alter Formen und Lehren, nicht etwa um eine Rückkehr zum mosaischen Judentum, sondern um eine aus den verjüngenden Triebkräften erzeugte lebendige Erneuerung des Judentums“. Es ist, wie wir sehen, ein weiter Weg vom lutherischen Begriff bis zu dem judaisierten. Seine Wurzeln gehen auf Moses Dessau zurück. Mendelssohn erwidert dem Paedagogen Basedow, der auch jüdische Kinder in seinem Dessauer Philantropin aufnehmen möchte7): ״Soll ich der Jugend meiner Nation die Frucht der Bildung in ihrer Schöne zeigen lassen, damit in den Armen ein umso stärkerer Durst nach 1. Aull. S. 450. 6) S. 8. 7) Seligmann S. 37. vgl. auch Kayserling, Moses Mendelssohn 2. Aufl. S. 329 ff.