Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1926)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1926)
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 447 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Reform, eine historische Perspektive 447 für die Gesamtheit. Sie war eine Vorbedingung der Welt- Schöpfung, sie war das Erleben unseres Volkes bei der Geburtsstunde seines Geistes. Beim Berge Sinai ging eine restitutio in integrum vonstatten, eine Wiederherstellung des reinen Menschentums, als פסקה זוהמתן, das von der Schlange injizierte Gift, der Inbegriff des triebhaft Schlechten aus den Seelen wich3). Kennen wir aber vielleicht Reform auch als freie Gestaltung des historisch Gewordenen?— Man wird auf Hellenisten und Saduzäer zunächst verweisen. Es ist uns klar geworden4), dass die sogenannten Hellenisten nur bedingt diesen Namen verdienen, da sie eigentlich keine Richtung verkörperten. Aus rein politischen und Wirtschaftliehen Gründen handelten sie, unter Negation des Religiösen. Den veränderten religiösen Zuständen entsprechend haben dann die Nachfahren dieser Hellenisten, die Saduzäer, Kon- Zessionen gemacht, keineswegs aber eine planvolle, etwa reformatorische Bewegung inszeniert. Die ersten Vorboten der neuern Epoche : 1726 liess sich R. Israel Baalschemtow 36 jährig in Podolien nieder, nachdem viele Juden in ihm ihren Führer gefunden hatten. Dies Jahr bestimmt die Geburt der chassidischen Bewegung. In demselben Jahre erkannte man in Wilna in dem sechsjährigen Elia, der einen halachischen, staunen erregen den Vortrag hielt, ein aussergewöhnliches Genie. Und drei Jahre später erblickte in Dessau — Moses Mendelssohn das Licht der Welt. Es kann kein besonders tiefstehendes Geschlecht gewesen sein (wie Grätz es haben will), das an dem Tor der Zeit der Reform steht, trotz der Werte zerstörenden, so bedauerlichen Zwietracht, die ja seit dem Untergang unseres Staates, vielleicht durch das Golus begründet, unser grösstes Uebel für Idee und praktische Betätigung geblieben ist. Waren doch solch geistige Bedürfnisse vorhanden, dass sie ein פני יהושע, ein שאנה אריה, ein R. Jonathan Eibenschütz befriedigen musste. Einen ausge- :j) .שבת קס״ו. 4) Vgl. S. Halevy, Ist der Name ״jüdischer Hellenismus“ berechtigt? Jahrbuch der jüd,־liter. Gesellschaft 1911, bes. S. 455 f.