Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1923)
- Date
- 1923-09-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Kne3sia Gdola 305 Die Knessia Gdola hat sich tief in die Geschichte unseres Volkes eingegraben; noch ist sie nur eine grosse Verheissung; gebe Gott, dass sie eine grosse Erfüllung ־werde. Das Hohelied. Von Dir. Dr. Joseph Carlebach. V. Exegese und Midrasch. Es ist von entscheidender Bedeutung gerade für die Erfassung des Hohenliedes, über das Verhältnis des Wortsinnes zu den Deutungen der Midraschweisen sich klar zu werden. Die Lehren der alten Zeit, deren ganzes Denken im Bibelwort wurzelte, die der hebräischen Sprache und Gedankenwelt so unvergleichlich viel näher standen als wir, wraren auch gewiss die besten Kenner und die allein authentischen Interpreten des unmittelbaren, natürlichen Sinnes der heiligen Worte. Und wenn sie auch die Unerschöpflichkeit, den tausendfältigen Reichtum der Nuancen und Beziehungen, die vielen Möglichkeiten des betrachtenden Standpunkts bei jedem Verse betonten, so wurden sie andrerseits nicht müde, die unerschütterliche Geltung des Ursinns als fundamentales Axiom hinzustellen und diesen durch den Cardinalsatz אין מקרא יוצא מידי פשוטו gegen alle Verdunklung sicherzustellen. Die Einheitlichkeit des Midrasch in verschiedenen Stilarten, sagt Hermann Cohen, wäre schier ein unbegreifliches Wunder, wenn nifcht der biblische Urgeist hier das psychologische Szepter führte.es muss doch Wunder nehmen, wie lebendig der Bihelvers in dem Bewusstsein dieser Menschen gewesen sein muss, wenn sie sich seiner zu ihren oft . . . weit hergeholten Argumenten bedienen konnten . . . Es kann die Voraussetzung nicht umgangen werden, dass These und Bibelvers hier blitzartig miteinander auftauchen . . . Nur die innere Lebendigkeit des Bibelwortes gibt hier den Aufschluss ... für seine vulkanische, vielmehr organische Schöpferkraft. Aber in der klassischen Zeit, in der die mündliche Lehre entstand, hat diese Lebendigkeit eine noch