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Jeschurun · 1922-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1922) · p. Seite 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1922)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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David Hoffmann 16 Verehrung an diesen Freund und Studienkollegen hing, auch R. Esriel Hildesheimer die erste Anregung zur Berufung Hoffmanns an das Rabbinerseminar gab. Man braucht da nicht einmal auf den Stil in alleö Arbeiten Hoffmanns zu verweisen, der eine seltene Klarheit mit einer edlen Sprache verbindet, obwohl in dieser Formgebung sich ein künstlerisches Element verbirgt. Aber die Grazie seines Wesens, die er im vertrauten Beisammensein entfaltete, die Anmut, mit der er die Kundgebungen der jüdischen Literatur zu gestalten wusste, die dem Fühlen der jüdischen Volksseele entsprungen, seine midraschischen Auslegungen in Reden und Ansprachen, sein Vortrag in den Sabbathgesängen und als געל תפלה, für den er mit einer Stimme voll Zaubers begnadet war, all dies bot dem Tieferblickenden den Beweis, dass bei Hoffmann über die Gedankenarbeit die Gefühlsseite nicht verkümmert war. Auch in viel höherem Sinne ist das Wort des Hohen Liedes כיי קולך ערב ומראך נאוה auf ihn anzuwenden, auf den Reiz, den seine ganze Persönlichkeit ausstrahlte als Mensch und als Jehudi. Denn das ist’s, das recht eigentlich den jüdischen Gelehrten ausmacht, der nicht zu verwechseln ist mit dem gelehrten Juden. Das ist ein Unterschied wie der, den Berliner zwischen dem jüdischen Philosophen und dem philosophierenden Juden festgehalten wissen wollte. Hoffmann war vom Schlage jener alten תלמידי הנמים — es gibt keine Uebersetzung für diesen spezifisch jüdischen Begriff — die man jetzt legendär nennen möchte, von jener Vollkommenheit aller liebenswerten menschlichen und spezifisch jüdisch-religiösen Eigenschaften, hinter denen das Wissen und die Gelehrsamkeit fast zurücktritt. Es ist bekannt, dass die Gelehrten sehr oft mit mensehliehen Fehlern nur allzustark behaftet sind. Die Frucht der wissenschaftlichen Tätigkeit kann verderben und wertlos werden, wenn sie nicht in Liebe gehegt und gepflegt, in Liebe eingebracht wird. Wie mancher hat sich der Frucht seiner Arbeit beraubt, weil er der Liebe bar, von Eigennutz und Eigensucht erfüllt, weil er keinem andern den Vortritt gönnt, voll Ehrgeiz und Anmassung אני ואפסי עוד sich selbst über alle stellt. Und

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