Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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David Hoffmann 17 nun der jüdische Gelehrte. Gilt doch sein Lehenswerk לזנות את הבריות dem, was die Mitmenschen beglücken soll, und es könnte ein liebeleeres Herz in seiner Brust schlagen? Liebe aber erwächst allein aus Demut, die Liebe zu Gott und zu den Menschen. Die Gottesfurcht, die nur Furcht, die ringt sich auch der Selbstbewusste und Stolze ab, weil ihm Schicksalsschläge die Schranken seiner eigenen Kraft zum Bewusstsein gebracht. Die Ehrfurcht vor Gott ist Erzeugnis der Liebe zu ihm, dass er mich, den Unwürdigen, den so unendlich Kleinen gewürdigt seiner Gnadenfülle. Das ist der tiefe Sinn jenes Wortes in ,ססכת דרך ארץ: שלשה דברים שקולים זה כזד חכמה יראה ענוה. Drei Dinge sind vöRig gleichwertig, von einander abhängig, sie sind ein jedes ohne das andere in ihrer Vollendung nicht denkbar, die Weisheit und die Gottesfurcht und die Demut. Die wahre Weisheit, aus Gottesfurcht und aus Demut geboren, die Gottesfurcht nur die echte, die von der Weisheit bedient und zur Demut führt, die Demut aUein von Wert, die einem Manne eigen, der an Weisheit und Gottesfurcht emporragt. Wer Hoffmann als Menschen zeichnen will, dem drängt sich unweigerlich dieser Charakterzug auf, ענוה die Demut, die Bescheidenheit, die Demut, die aus einem Herzen voller Ehrfurcht entspringt. In aUen seinen Werken kein einziges Wort, das als Ueberhebung nur gedeutet werden könnte, in seinen Streitschriften eine Vornehmheit, die nie dem Gegner zu nahe tritt, die Achtung und Verehrung jeder Leistung entgegenbringt. Im Verkehr mit den KoUegen von einer geradezu rührenden Zurückhaltung, seine Meinung der anderen unterordnend, wenn er sie nur irgend als die bessere erkannt, den Schülern gegenüber trotz mancher geistvollen Zurechtweisung nie die eigene Ueberlegenheit betonend, denn ihre Ehre war ihm so lieb und so teuer wie seine eigene. Es war seine Aufgabe den Schülern in ihrer Gesamtheit Mussar zu sagen, in den Ansprachen bei der Eröffnung des Studienjahres. Dem Einzelnen gegenüber fiel es ihm schwer, doch er übte die seltene Kunst in An- 2