Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 302 (sequence 104)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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302 Leben und Wirken Dr. L Hildesheimers. Gerade in den Jahren, als der heftige Kampf in Ungarn entbrannte, war ein Ruf aus der norddeutschen Heimat an ihn ergangen. Von Berlin aus, wo, nach dem Tode Y0n Michael Sachs 8. A., die Gesetzestreuen eines den Neologen an moderner Bildung ebenbürtigen Führers entbehrten, wo bereits die Berufung eine3 Abraham Geiger ihre dunklen Schatten vorauswarf, wandte man sich an Hildesheimer von seiten der Verwaltung der altehrwürdigen Beth-Hamidrasehgesellschaft. Männer, die sich ein Herz für die Not der Zeit bewahrt hatten, die es mit Trauer erfüllte, dass das religiöse Leben infolge der einseitig reformistischen Strömung innerhalb der Gemeindeverwaltung immer mehr zu ersterben drohte, die es nicht zu verwinden vermochten, dass die jüdischen Studierenden und besonders diejenigen, die sich für den Rabbinerberuf vorbereiteten, wähl- und planlos in der Wüste einer traditionsfeindlichen Scheinwissenschaft sich zu verirren Gefahr liefen, sie hatten bereits im Frühjahr d. J. 1867 ihr Augenmerk auf Hildesheimer gerichtet und es ihm nahe gelegt, die Leitung des Lebrhauses zu übernehmen. Sie gaben sich der berechtigten Hoffnung hin, dass ein Mann, der in einem der neuzeitlichen Bildung noch so w־enig erschlossenen Lande dem Prinzip von חורת עם דרך ארץ Geltung verschafft hatte, in der ״Stadt der Intelligenz״ eine segensreiche Tätigkeit ganz gewiss efntalten könnte. Hildesheimer sollte einen geordneten Lehrbetrieb einrichten, damit das Beth-Hamidraseh, das einst E. Joseph Theomim, dem Verfasser des klassischen Werkes פרי מנדים, die behagliche Müsse zu seinen Arbeiten gewährt hatte, wieder der Mittelpunkt eines belebenden Thorastudiums werde, und die künftigen Rabbiner ״nicht mehr בצאן אשר אץ להם תעה sich befinden״. Die Antwort Hildesheimers ist charakteristisch für seine Persönlichkeit und seine Auffassung. Er befürchtete, gegenüber seinen Lehrern E’ Michael Landsberg und R’ Elchanan Eosenstein eine sog. הסגת גבול zu begehen, wenn er an die Spitze des בח״מ träte, äusserte ferner Bedenken, ob er sein bisheriges Tätigkeitsfeld als יהודי verlassen dürfe, und stellte als Bedingung eine grosszügige Opferfreudigkeit der Mitglieder der Beth-hamidraschgesellschaft, wie sie die unter S. R. Hirsch’s Leitung stehende Israelitische