Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 281 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. 2SL Aaron gegründete Metallhandlung zu hohen Ehren gebracht und ihr bald einen über den Rahmen seiner Vaterstadt hinausdringenden wohlbegründeten Ruf verschafft. Von Eifer für das Thorastudium und ihre Jürger erfüllt und die künftige Bedeutung Esriel Hildesheimers erkennend, trug er der Mutter des Jünglings dessen eheliehe Verbindung mit seiner Schwester Henriette, einer feingebildeten Jungfrau, an. Bereitwilligst ging Frau Golde auf den Vorschlag ein, und so eröfifnete sich für Esriel Hildesheimer die Aussicht auf ein Studium, das von materiellen Sorgen nicht behindert war. Zunächst bezog der jugendliche Student die Universität Berlin. Hier, wo bereits damals fast in allen Fächern die grössten Autoritäten die Lehrstühle innehatten, wollte Hildesheimer den für einen künftigen Raw unentbehrlichen allgemeinen Bildungsstofif in sich aufnehmen. Er hörte Philosophie, wobei ihm besonders das Hegelsche System anzog, widmete sich mit Eifer dem Studium der semitischen Sprachen, wie dem der Mathematik und Astronomie. Schon die Auswahl seiner Studiengebiete ist charakteristisch und zeigt in gewissem Sinne, wie bereits der Student den Zusammenhang mit den Grössen der jüdischen Vergangenheit suchte. Ist doch mit der Philosophie der Name des grossen Gaon Saadia verknüpft, der zuerst ein Lehrgebäude jüdischen Denkens und Erkennens innerhalb des Väterglaubens errichtet hat, und darin den Unglauben wie die Afterwissenschaft bekämpfte. Die orientalischen Studien, unter denen besonders das Arabische gepflegt wurde, erinnern an jene Glanzepoche der jüdischen Literatur im Mittelalter, wo unsere grossen Sprachgelehrten in einer der heutigen philologischen Wissenschaft kaum nachstehenden Forschungsweise tiefe Probleme lösten und dunkle Stellen der heiligen Schrift durch Vergleichung mit der Schwestersprache aufhellten. Und endlich Mathematik und Astronomie: bilden diese ja seit dem 8. Jahrhundert ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Wissenschaften, da Juden, z. T. seibstschöpferisch, dieses Fach anbauten und ihre Gelehrten sich darin klangvolle Namen erwarben. Neben den profanen Fächern wurde jedoch das Talmudstudium in keiner Weise vernachlässigt; ja, der grösste Teil der Zeit wurde diesem gewidmet. Schon damals eben zeigte sich der ungeheure Fleiss und