Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 278 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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278 Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimer«. heit der Glaubensgenossen bewusst. Wie er im engeren Kreise allen Bestrebungen auf Aenderungen des Gebetsritus und der Gebote entgegentrat (z. B. inbetreff der מצות מילה), so suchte er auch die religiöse Not im Lager Israels nach Kräften zu lindern. Er war der erste, der den Gesetzestreuen ein öffentliches Organ schuf, indem er in hebräischer Sprache die zweimal im Monat erscheinende Zeitschrift שימי צדן הנאמן herausgab, während der deutsche Teil von S. Enoch, dem späteren Rabbiner von Fulda, redigiert wurde, ln dieser Zeitung wurde dem auf dem Boden der Tradition stehenden Publikum ausser gediegenen talmudisch-halachischen Erörterungen auch Mitteilungen literarhistorischen Inhalts geboten, wobei die in der Hamburger Stadtbibliothek befindlichen handschriftlichen Schätze eine lohnende Ausbeute ergaben. So bahnte sich in diesem Kreise, dem Esriel Hildesheimer seine gründliche Ausbildung verdankte, die Erkenntnis ihren Weg, dass die Wissenschaft des Judentums zwar ihren Urgrund in den Tiefen des r&bbinischea Schrifttums habe, dass sie aber keineswegs der Unterstützung durch philologischhistorische Kenntnisse en» raten dürfe. Hier also sah Hildesheimer, wie ,וענידד mr in liebevoller erfolgreicher Arbeit gepflegt wurden; aber auch die Tätigkeit für מדלדז המד*מ: hatte dort ihre Stätte. Denn R. Jakob Ettlingers Herz erglühte in heisser Liebe für das Land unserer Väter; ihm und seinen Armen galt seine unermüdliche Fürsorge, und seine Verdienste fanden in der Verleihung der Würde eines נשיא גא~ץ ישראל ihre Anerkennung. Il’s Aufenthalt in Altona war aber für ihn noch in anderer Hinsicht äusserst fruchtbringend. Von der Jeschiba R' Jakob Ettlingers aus besuchte er auch regelmässig die Vorlesungen des Hamburger ״Chacham“ Isak Bernays. So konnte er eine glückliehe Mischung von zwei verschieden gearteten Rabbinertypen in sich aufnehmen. Während Jakob Ettlinger der Meister auf dem Gebiete der Halacha war, der die Lehrweise der früheren Epochen in seiner Art fortsetzte und eine Autorität auf dem Gebiete der rabbinischen Praxis war, und, trotz seiner profanen Bildung, den Typus e-nes alten Rabbinen darstellte, war Bernays eine in gewissem Sinne moderne Erscheinung. Mit tiefer philosophischer Bildung ausgerüstet, war er doch auch auf talmudischem Gebiet wohl be-