Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 277 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2293000--04265-2297547- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. 277 lacha za folgern suchte — freilich, indem man gleichfalls die dem Talmud eigentümliche scharfsinnige Auslegungsweise anwandte — so war aber auch die in Ungarn heimische Art des ״Lernens“ dort vertreten. Denn hier wirkte schon eine Reihe von Jahren R. Jakob Cohen, genannt R. Jekef, der viele Jahre zu den Füssen des R. Mosche Sofer, bekannt unter dem Namen ״Chatam Sofer״, gesessen hatte, und dessen mehr dem Pilpul zuneigende, wenn auch an sich gerade Lernweise, sich angeeignet hatte. Auch bei diesem unermüdlichen Verbreiter des Thorawissens suchte Hildesheimer seine Kenntnisse zu vertiefen. Im steten Verkehr mit diesen Talmudgrössen legte der strebsame Jüngling den Grund za seinem tieferen Verständnis des Talmuds, wobei ihm seine leichte Auffassungsgäbe aufs Wirksamste unterstützte. Mit seinem eisernen Flei3se, erwarb er sich eine für seine Jugend sehr grosse Belesenheit im rabbinischen Schrifttum, ln Altona hatte er auch den Vorteil, den Oberrabbiner der Gemeinde mit seinen Dajjanim in seiner Tätigkeit als Richter in Zivilprozessen zu beobachten, wobei R. Jakob Ettl.nger eine Treffsicherheit im Fällen von Entscheidungen entwickelte. Da nach alter, schon in geonäischen Zeiten geübter Weise, die Schüler des Meisters von ihm mit den Gründen seiner Urteile bekannt gemacht wurden, um so ihre Auffa-sungskraft zu fördern, so hatte der Jünger hier Gelegenheit, auch mit dem schon damals z. T. in der allgemeinen rabbinischen Praxis nicht mehr angewendeten Sehulchan Aruch Choschen Mischpat eingehend bekannt zu werden. Aber noch andere Eindrücke konnte Hildesheimer dort aufnehmen. R. Jakob Ettlinger, selbst durch profane Bildung geschult, hatte za seinen anderen grossen Amtspflichten auch die Leitung der Schale in Altona übernommen. Der Unterrichtsanstalt, in der die Jugend sowohl m Bibel und Talmud, wie auch in Gegenständen des allgemeinen Wissens unterwiesen wurde, wandte der Rabbi seine besondere Aufmerksamkeit zu. So lernte der für alles empfängliche Schüler Ettlingers auch frühzeitig die Bedeutung des geordneten Jugendunterrichts kennen, und erfuhr hier, dass dem Führer der Gemeinde auch diese Fähigkeit am Herzen liegen muss. Aber noch weitere Pflichten eines רב ביש־־א sah er hier erfüllt. Der gefeierte Lehrer war sich der Pflichten gegenüber der Gesamt-