Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Rabbi Esriel Hildesheimer löschlich, und vor Allem die Schüler preisen die Herrlichkeit des Meisters. Vielgestaltig und mannigfaltig ist Denken und Wollen der Menschen. Nicht jeder Schüler folgt der Weisung seines Führers. Sein Denken füht ihn in andere Richtung, er hält die Lehren seines Meisters für veraltet, sein Streben geht nach anderen Zielen, er will nicht innerhalb der vermeintlich engen Schranken seines Lehrers sich betätigen. Aber war die Persönlichkeit des Führers lauter und klar, war die Frömmigkeit echt, dann begegnet sich Alles in gleicher Verehrung. Und so ist es unserem Rabbi ergangen. Zwei Stimmen wollen wir hören von Männern, die sich schieden in ihren religiösen Ueber- Zeugungen. Im ״Israelit" des Jahres 10G01) heisst es: ״Willst Du Dir, lieber Leser, einen Begriff machen von diesem Manne? So nimm alle Tugenden, die den Menschen wie den Juden zieren, zusammen: echte, ungeheuchelte Gottesfurcht, unbegrenzte Menschenliebe, strengste Rechtlichkeit, unnennbare Begeisterung für unsere heilige Religion, unermüdliche Tatkraft, Übermenschliehen Fleiss, wahrhaft antike Uneigennützügkeit, dabei staunenerregende Gelehrsamkeit in der Philosophie, in den exakten Wissenschaften, in den klassischen wie in den modernen Sprachen und namentlich in der speziell jüdischen Wissenschaft, im Talmud und den Posskim, nimm Dir, lieber Leser, all diese herrlichen Eigenschaften und noch viele andere zusammen und denke Dir dann den Mann, den all seine Schüler schwärmerisch lieben, dem alle, die ihn kennen, mit der grössten Verehrung anhangen, — denke Dir diesen Mann, der 70 Schüler um sich sammelt und sie Tag und Nacht Thora lehrt, dem Tausende und aber Tausende die grössten Wohltaten verdanken, der viele Hungrige speist und vielen Kranken Verpflegung und Heilung zukommen lässt, dessen immerwährende מילות חסד; niemals ermüdet." Und der Herausgeber der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums" widmete unserem Rabbi einen Nachruf, aus dessen J) S. 376.