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Jeschurun · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Rabbi Esriel Hildesheimer זצי״ל. Stufe bis zu einer Höhe, da es den Boden der Wirklichkeit verlässt, wo die Dokumente der Vergangenheit schweigen, wo das Experiment keine Antwort gibt, und dann krönt es sein Gebäude mit einer Metaphysik, die immer nur ein Glaube ist, mag sie sich dogmatische Philosophie oder Kriticismus, spekulative Konstruktion oder monistische Weltanschauung nennen. Und die andere führt vom Glauben zum Wissen. Der Ausgangspunkt ist das Bekenntnis: Es gibt einen Gott, er hat den Himmel geschaffen, und die Erde ausgebreitet und den Odem gegeben den Wesen auf ihr, und er hat dem Menschen verkündet, was das Gute ist und was er von ihm fordert. Und nachdem der Gläubige befragt die vergangenen Geschlechter, ergründet hat., was die Väter erforscht, sieht er sich um in der Welt der Erscheinungen, lauscht er auf die Erkenntnisse, die seine Zeit gefunden, und er verflicht was bleibend an ihnen ist, in sein Geistesleben und baut sich ein wohnliches Heim, die religiöse Weltanschauung. Es ist eine Redensart, die von den Gegnern der Religion im Munde geführt wird, wenn den Bekennern dieser Weltanschauung der Vorwurf gemacht wird, sie erniedrige die Wissenschaft zur Magd der Theologie. Eine jede Weltanschauung enthält Tatsachen und Sätze des Glaubens, und dort, wo die moderne zur Weltanschauung wird, hört sie eben auf Wissenschaft zu sein, ist sie nicht minder Glaubenslehre, wie die geoffenbarte Religion. Das ist eine alte Wahrheit, aber es gibt Dinge, die nicht oft und eindringlich genug gesagt werden können. Nur zwei Wege gibt es: Du stellst Dich auf einen Punkt ausserhalb Deiner religiösen Welt, Du suchst aus der Fremde Deine Welt zu begreifen und Du hast schon Deinen Glauben verloren und wirst ihn nimmermehr wiederfinden, oder Deine religiöse Welt, die Offenbarung ist Dir der unverrückbare Punkt, von ihm aus suchst Du die Aussenwelt zu erfassen, dann magst Du nach Herzenslust in alle Lande streifen, siehst Du Dein Heim, Du findest es unversehrt.

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